Tawantinsuyu

Tawantinsuyu Cover
Tawantinsuyu – Cover / Foto: Giant Roc

In Tawantinsuyu, dem Inka-Reich,
sind zu Beginn alle Spieler gleich.
Jeder hat dieselben Optionen,
sich den begehrten Titel zu holen.
Benötigt wird der meiste Ruhm,
dafür gibt es viel zu tun.
Setz eure Arbeiter sinnvoll ein,
um immer vorbereitet zu sein.
Mit Kartoffel, Mais und Stein,
gehört der Sieg bald euch allein.
Regionen erobern oder Teppiche weben,
gewinnen lässt sich auf vielen Wegen.

Spielmaterial:

Das meiste spielt sich auf dem großen, faltbaren Spielplan ab, der die Inka-Pyramide mit ihren verschiedenen Ebenen zeigt. Um ihn herum werden die vielen Stanzplättchen (Gebäude, Webmuster, Statuen) und die Holz-Ressourcen (Kartoffel, Mais, Stein) sowie Gold-Kristalle aus Plastik platziert. Die Meeple in fünf verschiedenen Farben lassen sich während der Partie aus dem schwarzen Beutel ziehen. Zusätzlich existieren noch Gottes- und Armeekarten. Jeder Spieler erhält Holzscheiben, Treppen und eine Hohepriester-Figur einer Farbe. Zusätzlich gibt es DinA4-große Spielerübersichten, die einen auf den ersten Blick etwas erschlagen, sich später im Spiel jedoch als sehr sinnvoll erweisen, um Regeldetails im Nu nachzulesen.

Spielmechanismus:

Es wird ein Nachfolger für den Herrscher über das Inka-Reich Tawantinsuyu gesucht und diese Ehre wird nur dem zuteil, dem es in einer Partie gelingt am meisten Ruhm zu erhalten. Dazu stehen im Spiel Tawantinsuyu diverse Möglichkeiten bereit. Manche dieser Optionen erfordern bestimmte Voraussetzungen wie Ressourcen, Statuen oder Armeen. Der Spielplan zeigt neben einer Tempelleiste, vier Eroberungsregionen. Außerdem befinden sich auf ihm Nomaden- und Dorfplätze für Arbeiter und die zentrale Pyramide mit ihren vier Ebenen. Auf höchster Ebene laufen die Hohepriester in den fünf Abschnitten umher, die aus jeweils drei Ebenen mit Aktionsplätzen bestehen.

Tawantinsuyu Spielaufbau
Tawantinsuyu Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

In Tawantinsuyu ist eine gute Planung erforderlich, um im richtigen Moment die benötigten Voraussetzungen zu erfüllen und ruhmreich zu sein. Vor allem bei den zentralen Hohepriesteraktionen, die immer für alle Spieler ausgelöst werden. Dabei erhält nur der Auslösende einen Bonus. Diese Aktionen sind notwendig um auf der Tempelleiste voran zu kommen, Eroberungen auszuführen oder die Gebäude produzieren zu lassen. Nicht alle Gebäude produzieren bei einer solchen Aktion, stattdessen geben sie dem Spieler einen besonderen Bonus für den Rest der Partie.

Tawantinsuyu Spielsituation
Tawantinsuyu – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Der Standpunkt des eigenen Hohepriesters gibt die Platzierungskosten der Arbeiter an. Platzierung auf den unteren Ebenen kostet Nahrung, ebenso wie Platzierungen in anderen Abschnitten zum eigenen Hohepriester. Treppen reduzieren die Kosten, belohnen aber den Besitzer, falls es nicht die eigene ist. Zusätzlich ist eine Gotteskarte des entsprechenden Symbols erforderlich, um einen Arbeiter zu platzieren. Mit Arbeitern lassen sich die auf der Pyramide angezeigten Symbole ausführen. Jede Arbeiterfarbe verfügt über eine andere Spezialfähigkeit. Ein Arbeiter löst standardmäßig so viele Aufgaben aus, wie Arbeiter gleicher Farbe angrenzend zu ihm stehen. Auf oberster Ebene sind es einfache Aufgaben, wie Ressourcen zu bekommen. Weiter unten können damit auch Treppen, Statuen oder Gebäude gebaut, der Teppich um Webmuster erweitert oder Statuen errichtet werden. Statuen bringen nicht nur einen Vorteil während der Partie, sie lassen sich auch lukrativ für Schritte auf der Tempelleiste verkaufen.

Tawantinsuyu Spielsituation
Tawantinsuyu – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Auch Händleraktionen sind ganz unten möglich, bei denen die angrenzend passen ausliegenden Webmuster aller eigenen Teppiche Belohnungen ausschütten. Das geschieht sonst nur bei einem Fest, von denen es genau drei in der gesamten Partie gibt. Kleine Zwischenwertungen sozusagen, die anschließend Punkte und Boni für verschiedene Spielelemente einbringen. Zu einem solchen Fest kommt es eine Runde nachdem der letzte Arbeiter das Dorf verlässt. Dies kann durch Rekrutierung oder Eroberung passieren. Beim Erobern sind ausgespielte Armeen zu erschöpfen oder abzulegen, um damit einen Bonus in einer der vier Regionen zu erhalten und dort um die Mehrheit mitzuspielen.

Tawantinsuyu Pyramide
Tawantinsuyu Pyramide / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach dem dritten Fest kommt es zur Schlusswertung, bei der die Teppiche anhand der unterschiedlichen Webmuster sowie die letzten Stufen der Tempelleiste belohnt werden. Es folgen Punkte für alle weiteren aktiven Spielelemente (Gebäude, Armeekarten, Arbeiter, Gold, Gotteskarten) bevor der Spieler mit den meisten Punkten zum Sieger gekürt wird.

Spieleranzahl:

Durch kleinere Anpassungen in Bezug auf die verwendeten Karten und Plättchen sowie eine Vorbelegung einiger Plätze auf der Pyramide skaliert Tawantinsuyu wirklich gut. Umso mehr Spieler, desto besser kann von den ausgelösten Aktionen der Mitspieler profitiert werden. Zu viert ist in der Regel am meisten los auf dem Plan, dabei dauern mir die Partien allerdings etwas zu lange. Die Spielzeit finde ich bei zwei bis drei Spielern angenehmer. Es gibt nur indirekte Interaktion. Zum einen da alle Spieler von den Hohepriesteraktionen profitieren, aber auch weil Gebäude, Karten, Arbeiter, Einsetzplätze, etc. vor der Nase weggeschnappt werden können.

Tawantinsuyu Axomamma
Tawantinsuyu Axomamma / Foto: Brettspielpoesie

Solo wird gegen den Bot Axomamma angetreten. Ich habe dies ausprobiert, aber für meinen Geschmack fällt dabei zu viel Verwaltungsaufwand an. Prüfe dies, prüfe jenes, ist jetzt dies der Fall, mache das, sonst dieses, usw.. Das fühlte sich gut durchdacht an, mich reizt es aber, wie so viele andere Solo-Varianten, einfach überhaupt nicht.

Glücksfaktor?

Nicht alles ist bei Tawantinsuyu planbar. Die Karten sind zufällig, sie bestimmen die Optionen Arbeiter einzusetzen oder Gebiete zu erobern. Von den Teppichen ist immer nur der oberste einsehbar, die darunter bergen ein gewisses Risiko. Diese Zufallselemente sorgen für Spannung, können aber auch mal ungerecht wirken, wenn bei einem Spieler so gar nichts passen will.

Meinung:

Tawantinsuyu bietet vielfältige Optionen an Ruhm zu gelangen, da ist gute Vorausplanung von Nöten. Das kann bei Grüblern am Tisch schnell anstrengend werden, wenn man selbst genau weiß was zu tun ist und ewig auf die Züge der Mitspieler wartet. Wobei fremde Züge durchaus den eigenen Plan beeinflussen, vor allem durch Hohepriesteraktionen, das Blockieren von Plätzen auf der Pyramide oder das Wegschnappen von Gebäuden. Es kann auch passieren, dass durch die Aktionen der Mitspieler lukrativere Möglichkeiten entstehen, zum Beispiel Arbeiter angrenzend zu platzieren. Also ist die eigene Vorausplanung auch immer vom allgemeinen Spielgeschehen abhängig. Der Einstieg gelingt nicht ganz leicht, doch das große Übersichtsblatt hilft den Spielablauf zu verinnerlichen und die Optionen im Blick zu halten.

Ich mag die vielfältigen Strategiemöglichkeiten, jede Partie spielt sich anders. Nicht immer kann dieselbe Strategie erfolgreich sein, da es zufällige bzw. variable Elemente gibt. Die einzelnen Spielelemente sind für sich betrachtet gar nicht sonderlich komplex. Problematisch ist eher die Fülle an Optionen und deren Abhängigkeiten untereinander. Wer dabei nicht mithalten kann und früh den Anschluss verliert, der hat es schwer um den Sieg mitzuspielen. Doch das finde ich bei einem solchen Spiel auch vertretbar. Da sollte derjenige gewinnen, der besser plant und wirklich nur ein Quäntchen Glück dabei benötigt.

Allerdings ist die Spielzeit mit 60-90 Minuten sehr optimistisch angegeben, unsere Partien dauerten in der Regel länger. Und das obwohl Mitspieler auf die Tube drückten. Das ist nämlich durch die Feste möglich, die durch schwindende Arbeiter im Dorf ausgelöst werden können. Mir gefällt diese Möglichkeit der Beeinflussung des Rundenendes. Alles greift wunderbar ineinander und fühlt sich gut durchdacht an. Die einzelnen Spielelemente sind nicht neu, aber deren gelungene Kombination ist reizvoll.

Fazit:

Mir persönlich gefällt Tawantinsuyu sehr, auch wenn ich es noch nicht oft gewinnen konnte. Ich werde einfach nicht müde, es zu versuchen. Thematisch ist es, wie viele Expertenspiele dieser Art, eher dünn. Das Thema ist austauschbar, was mich aber beim Knobeln über die beste Strategie keineswegs stört. Obwohl grundlegend immer das gleiche geschieht, so verlaufen die Partien doch oft ganz unterschiedlich. Ein tolles Expertenspiel, in das man sich zunächst hineinarbeiten muss, damit man es dann fast schon fast locker herunter spielen kann, zumindest wenn keine Grübler dabei sind.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Giant Roc
Autor(en): David Turczi
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 60 – 120 Minuten

Vielen Dank an Giant Roc für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.