Wo geht’s hier zum Ausgang?! – No. 27

Wo geht’s hier zum Ausgang?! / Foto: Brettspielpoesie

Wer hätte zum Start dieser Rubrik erwartet, dass so viele Veröffentlichungen in so kurzer Zeit erfolgen? Ich war mir sicher, der Trend der Escape Room- und Detektiv-/Kriminal-Spiele würde irgendwann deutlich abebben, doch bislang ist kein Ende in Sicht. Weiterhin kommen neue Serien auf den Markt. Nicht nur jeder Verlag möchte mitmischen, viele legen sich auch gleich mehrere Standbeine in diesem Genre zu. Dabei ist allerdings nicht alles Gold was glänzt, bei manchen Spielen fragt man sich tatsächlich, wie so etwas heute bei all den existierenden Angeboten noch erscheinen kann. Doch hin und wieder ist auch ein neues Spielprinzip dabei, für das es sich lohnt auch den Neuen eine Chance zu geben. Und daher höre ich nicht auf, euch von meinen Spielerfahrungen mit Escape Room- und Krimi-Spielen zu berichten.


Exit – Das Spiel: Die Entführung in Fortune City

Exit - Das Spiel: Die Entführung in Fortune City
Exit – Das Spiel: Die Entführung in Fortune City – Cover / Foto: Kosmos

In diesem neuen Exit für Fortgeschrittene geht es in den Wilden Westen. Wie auch schon bei Der Tote im Orientexpress oder Der Raub auf dem Mississippi gibt es einen Kriminalfall aufzulösen, also mehr Story zu erleben, als in anderen Exit-Spielen. Allerdings empfanden wir es einfacher, als andere Exit-Spiele für Fortgeschrittene, sodass wir uns zwischendrin kurz fragten, wieso diese Auszeichnung gewählt wurde. Sicherlich aufgrund des Aufbaus, denn bei den Einsteiger-Exits ist das beiliegende Heft Seite für Seite durchzuarbeiten und es gibt immer nur die Informationen, die für das nächste Rätsel erforderlich sind. Das ist hier nicht der Fall.

Das Heft ist nur ganz dünn, zusätzlich gibt es sechs verschiedene Orte zu entdecken, ein Stadtplan hilft bei der Rekonstruktion der Geschehnisse. Zu den sechs Orten existiert jeweils ein zunächst verschlossenes Faltblatt, die Spieler entscheiden selbst in welcher Reihenfolge sie die Orte aufsuchen. Das gaukelt Einfluss vor, der eigentlich irrelevant ist, da sowieso alle Orte besucht werden müssen. Trotzdem gibt es einem das Gefühl, den Verlauf der Ermittlung selbst bestimmt zu haben, ein cooler Schachzug.

Exit - Fortune City Spielmaterial
Exit – Fortune City Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Bei den Rätseln zeigt sich wieder der geniale Ideenreichtum der beiden Autoren. Auch wenn einige davon für uns schnell zu lösen waren, so sind sie doch immer pfiffig und zudem gut in den Kontext eingewoben. Knapp eine Stunde haben wir ohne Hilfen benötigt, um den entführten Sheriff zu befreien.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Inka und Markus Brand
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 45 – 90 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Ausblick: Das nächste Exit-Spiel für Fortgeschrittene lässt uns in die verlassene Hütte zurück kehren. Einsteiger können sich im Herbst auf ein Exit-Spiel in Mittelerde freuen und Der Fluch von Orphir soll Exit dann auch als digitales App-Spiel erlebbar machen.


Nightmare – Das Thriller-Spiel

Nightmare - Das Thriller-Spiel - Cover
Nightmare – Das Thriller-Spiel – Cover / Foto: Noris Spiele

Selten fiel es mir so schwer spoilerfrei über ein Spiel zu schrieben, wie bei Nightmare – Das Thriller-Spiel. Es ist von den Machern von Escape Room-Das Spiel mit dem Chrono-Decoder, ist aber kein Escape Room-Spiel im eigentlichen Sinne. Ihr schlüpft dabei in die Rolle von fünf Charakteren, die allesamt miteinander verwandt sind und vor vielen Jahren gemeinsam in dem Anwesen gelebt haben, zu dem ihr heute zurück gekehrt seid. Ihr wollt herausfinden was damals geschehen ist, als eure Eltern den qualvollen Tod fanden. Eine Web-App führt euch durch das Spiel und gibt hin und wieder Anweisungen, die Nutzung eines Tablets (oder Laptops) wird dafür ausdrücklich empfohlen.

Nightmare Spielaufbau
Nightmare Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

Jeder erhält eine offene Chrakterbeschreibung sowie persönliche Informationen, die vor den Mitspielern geheim bleiben. Gemeinsam entscheidet ihr welche Räume ihr betretet und welche Ecken ihr genauer untersucht. Wie viel Zeit euch bleibt, wisst ihr nicht genau, die Zeiger der alten Standuhr wandern in der App unaufhörlich weiter und hin und wieder wird es stockduster. Die Stromleitungen sind eben nicht mehr die besten im alten Anwesen. Damit ihr euch auch in diese Situationen optimal hineinversetzen könnt, liegen dem Spiel fünf einfache Augenbinden bei. Sie erscheinen nicht sehr langlebig, aber eine Partie sollten sie locker überstehen. Bei Brillenträgern sitzen sie nicht optimal, aber man kann ja zusätzlich einfach die Augen verschließen.

Wir haben lange darauf gewartet es zu fünft spielen zu können, bei nur vier Spielern bekommt einer eine Doppelrolle. Das wollten wir unbedingt vermeiden, keine Ahnung ob und wie gut das funktioniert. Zu fünft hat jeder seine eigene Rolle, in die er sich auch wirklich hinein versetzen sollte. In unserer festen Spielegruppe sind wir alle keine großen Rollenspieler, haben den Raum auch nicht sonderlich hergerichtet, dennoch war das Gruselerlebnis hervorragend. Das abwechselnde Lesen der Story mit verteilten Rollen hat sicher zum stimmungsvollen Gesamteindruck beigetragen. Dieses Spiel hat uns wirklich mitgerissen. Es baut eine spannende Szenerie auf und lässt die Spieler ein ums andere Mal wirklich erschrecken.

Nightmare Start
Nightmare Start / Foto: Brettspielpoesie

Trotz kleinerer Schwächen zum Ende hin, hat das Erlebnis einen sehr positiven Gesamteindruck hinterlassen. Gerne würden wir erneut etwas Ähnliches erleben, doch ist es sicher schwer, vergleichbar unerwartete Momente einzubauen, die dann auch wieder überraschen können. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass den Autoren was Gutes einfällt. Bis dahin kann ich jedem der auf Horror-Geschichten steht und einem gruseligen Gemeinschaftsabenteuer nicht abgeneigt ist, Nightmare – Das Thriller-Spiel nur herzlichst empfehlen. Wir sind völlig unvorbereitet zum Spieleabend gefahren, ohne die Regeln vorher gekannt zu haben. Diese stehen auf einem doppelseitig beschriebenem Faltblatt, sind wirklich übersichtlich und lassen sich gut gemeinsam erkunden, sodass alle mit dem gleichen, geringen Wissensstand in das Spiel starten können. Einmal gelöst ist Nightmare – Das Thriller-Spiel für dieselbe Gruppe nicht sinnvoll erneut spielbar. Das wenige Spielmaterial, welches dauerhaft verändert wird, kann online heruntergeladen und ersetzt werden.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Noris Spiele
Autor(en): k. A. (von den Machern von Escape Room – Das Spiel)
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 4 – 5 Spieler
Dauer: 150 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Exit – Das Spiel + Puzzle: Das dunkle Schloss

Exit - Das Spiel + Puzzle: Das Dunkle Schloss Cover
Exit – Das Spiel + Puzzle: Das Dunkle Schloss Cover / Foto: Kosmos

Beim dritten Exit – Das Spiel + Puzzle begeben wir uns über einen finsteren Wald in Das dunkle Schloss. Irgendwie erinnerte mich diese Szene sehr an den Anfang von Die Schöne und das Biest, vermutlich führt dazu schlicht der Name der vermissten Person: Gaston. Der hier allerdings zu den Guten gehört, ihn wollen wir nämlich retten und machen uns daher auf die Suche nach ihm.

Die Ausstattung ist wie gewohnt: Die Decodierscheibe vor der Partie zusammensetzten, dann die Rätseldokumente und die vier Tüten mit unterschiedlichen Puzzleteilen sowie einige seltsame Teile bereit legen. Die Puzzleteile selbst sind sie teilweise wieder eher dunkel gehalten, sodass sie bei ungünstiger Lichtquelle schwer zu erkennen sind.

Exit + Puzzle - Das dunkle Schloss Start
Exit + Puzzle – Das dunkle Schloss Start / Foto: Brettspielpoesie

Der Spielablauf ist bekannt: Nach einer kurzen Hintergrundgeschichte entsteht das erste Puzzle. Auf diesem sind in Kombination mit den Rätseldokumenten Rätsel zu lösen, bis man zum nächsten Puzzle übergehen darf. Dieser Übergang lässt sich auch musikalisch begleiten, wenn die Kosmos Erklär-App zum Einsatz kommt. Jedes Puzzle hat darin seinen eigenen, passenden Soundtrack. Auch wichtige Textpassagen lassen sich in der App von professionellen Sprechern vorlesen, das sorgt für ein besonderes Flair. Im ersten Moment hat mich allerdings irritiert, dass mir die Stimme aus einem der Adventure Games schon vertraut war.

Die Rätsel waren auch hier wieder sehr pfiffig. Allerdings finde ich persönlich nicht alle gleichermaßen gelungen. Auf eine Lösung wären wir vermutlich niemals von alleine gekommen, da war mir auch die Anweisung zu ungenau. Bei einem anderen wussten wir was zu tun ist, waren aber nicht willens dies auch auszuführen. Das ist aber sicherlich einfach Geschmackssache. Bei anderen Rätseln wurde sich hingegen das Vorhandensein von Puzzleteilen geschickt zu Nutze gemacht. Rundum also erneut ein gelungenes Exit-Spiel mit Puzzle-Elementen, dass sich in meinem persönlichen Ranking allerdings knapp hinter die ersten Beiden setzt.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Inka und Markus Brand
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 90 – 180 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


The Unknown – Der Millionenplan

The Unknown - Der Millionenplan - Cover
The Unknown – Der Millionenplan – Cover /
Foto: 4Brain Games

Als erfahrene Ermittler wissen wir ja mittlerweile, wie der Hase bei solchen Spielen läuft und ihr sicherlich auch. Im Umschlag verbergen sich diverse Beweismittel und Indizien, die in Kombination mit Online-Recherchen dabei helfen, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen und aufzuklären, was wirklich passiert ist. Die Geschichte hinter diesem Fall haben sich die Macher nicht vollständig selbst ausgedacht, sie beruht auf einem realen Kriminalfall, der redaktionell passend aufbereitet wurde.

The Unknown - Der Millionenplan Spielmaterial
The Unknown – Der Millionenplan Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Auf der zugehörigen Webseite ist eine Anmeldung erforderlich. Danach gelangt man zu einer Datenbank mit weiteren Informationen und Medien, wie z.B. Tonaufnahmen. Zudem kann man sich mehrstufige Hinweise zu sämtlichen Details des Kriminalfalls anzeigen lassen und hat bei Spielende die Möglichkeit, die Auflösung des Falls zu überprüfen. Das Material in Papierform ist umfangreich: Fotos, Kontoauszüge, Briefe, Flyer, alles wirkt authentisch. Leider wurde wenig ablenkendes Material beigefügt. Wenn bestimmte Informationen nur einfach vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, diese zur Lösung verwenden zu müssen. Da würde ich mir wünschen, zu mehreren Verdächtigen gleichartige Informationen vorzufinden, aus denen ich die relevanten herausfiltern muss. So war es für uns einfach die richtigen Rückschlüsse zu ziehen und den Fall ohne Hilfestellung vollständig aufzulösen.

Das Spiel selbst übt keinerlei Zeitdruck aus, die Spieler entscheiden selbst wann sie alle Informationen ausgewertet haben und auflösen wollen. Zum Abschluss des Kriminalfalls lassen sich die Grenzen zwischen Realität und Fiktion austesten. Es gibt Zusatzfragen, bei denen eure Einschätzung verlangt wird, welche Aspekte real und welche frei erfunden sind. Insgesamt reiht sich The UnknownDer Millionenplan nahtlos in die Reihe gelungener Detektivspiele dieser Art ein. Gerne dürfte der nächste Fall umfangreicher ausgeschmückt sein, um mehr Verwirrung zu stiften und insgesamt das Niveau noch ein wenig steigen.

Wertungsnote 5/6

Verlag: 4Brain Games GmbH
Autor(en): k. A.
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 90 – 150 Minuten

Vielen Dank an 4Brain Games für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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