Kurz & Klein – Kai Piranja / Dust in the Wings / GOLD

Heute möchte ich euch mal wieder drei Spiele vorstellen, die auf den ersten Blick doch sehr unterschiedlich erscheinen. Sie kommen in verschiedenen Schachtelgrößen daher: Von Dust in the Wings in großer, quadratischer Schachtel über Kai Piranja in kleiner, quadratischer Schachtel bis hin zu GOLD in winziger Metallschachtel ist alles dabei. Die Verlage sind unterschiedliche, die Autoren ebenfalls und auch die Mechanismen unterscheiden sich gänzlich. Doch eine Gemeinsamkeit lässt sich finden: Sie sind alle nicht sehr komplex, die BGG Weight Ratings liegen lediglich bei 1 – 1,33. Außerdem gelange ich bei allem zu einem sehr ähnlichen Fazit: Es sind gut durchdachte Spiele, die in bestimmten Runden super funktionieren und auch Spaß machen. Sie machen aber auch nichts wirklich besonders, um sich von anderen Spielen abzuheben und auch erfahrene Spieler über längere Zeit zu fesseln.


Kai Piranja Cover / Foto: Abacusspiele

Kai Piranja

Die 140 Fischkarten liegen zu Beginn einer Partie verdeckt auf dem Spieltisch verteilt, sie bilden das Meer aus dem die Spieler Fische fangen wollen. Dazu bildet jeder Spieler vor sich eine Reihe aus gefangenen Fischen, die immer rechts um eine Karte erweitert wird. Das ist entscheidend, denn bei jeder gezogenen Karte wird geprüft, was passiert. Stimmt Größe oder Farbe der neuen Karte mit der am weitesten rechts liegenden überein, wird der eigene Fang um eben diesen Fisch erweitert. Ansonsten geht die Karte an den Nachbarspieler weiter, solange bis einer die Karte regelkonfrom anlegen kann. Doch befinden sich im Meer auch gefräßige Fische, die sich von rechts durch den gesamten Fang durchfuttern. Sie stoppen nur bei einem Fisch gleicher Farbe, verschonen diesen und alle folgenden. Der gefräßige Fisch kommt mitsamt seiner Mahlzeit auf einen Beutestapel, von denen es zu jeder Farbe nur einen geben kann, dieser also ggf. einfach größer wird.

Kai Piranja – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Nachdem ein kleiner oder großer Fisch aufgedeckt wurde, egal ob dieser die eigene oder eine gegnerische Auslage erweitert hat, kann der Zug jederzeit beendet werden. Entweder um den eigenen Fang einzuholen, also die gesamte Kartenreihe zur Seite zu legen und als Punkte zu sichern oder um einfach an den folgenden Spieler zu übergeben. Den Fang einzuholen lohnt sich erst so richtig, wenn mindestens drei Fische einer Farbe ausliegen, zu denen es bereits einen Beutestapel gibt. Diesen darf der Spieler dann nämlich ebenfalls an sich nehmen. Sobald nur noch Karten mit Fischgräten-Rückseite ausliegen, wird nur noch bis zum folgenden gefräßigen Fisch aufgedeckt. Um den Sieger zu bestimmen, vergleichen die Spieler ihre Wertungsstapel. Die Haie sind eine optionale Variante. ein Hai frisst alle Fische einer Reihe, es entsteht ein weiterer Beutestapel. Um einen solchen zu erhalten, muss ein Spieler beim Fang einholen sogar vier Fische einer Farbe vorweisen können.

Ich meine mich daran zu erinnern auf einem meiner ersten Besuche der SPIEL in Essen die alte Ausgabe von Kai Piranja aus dem Jahre 2004 im Abverkauf gesehen zu haben. Leider sprach mich das Spiel optisch überhaupt nicht an. Das gelingt den neuen Illustrationen schon besser. Da bin ich froh drüber, denn das Spiel weiß durchaus zu gefallen.

Kai Piranja – blaue Fische / Foto: Brettspielpoesie

Würde jeder nach einer aufgedeckten Karte aufhören, wäre es vermutlich schnell langweilig. Doch natürlich hört kaum ein Spieler so schnell auf, da geht bestimmt noch mehr, hofft man oft. Und die Mitspieler feuern einen beim Zocken an, sie erhoffen sich fette Beutestapel, die sie selbst versuchen können einzuheimsen. Doch müssen sie dafür selbst ihr Zockertalent unter Beweis stellen. Und nichts ist ärgerlicher als den dritten Fisch einer Farbe gerade dann zu sammeln, wenn kein solcher Beutestapel vorhanden ist. Dann kann es sich lohnen mit dem Fang Einholen vielleicht noch zu warten, in der Hoffnung, dass dies im kommenden Zug lukrativer wird. Dafür muss jedoch zunächst eine Karte erfolgreich aufgedeckt werden, immer mit der Gefahr einen gefräßigen Fisch zu erwischen.

Kai Piranja ist ein flottes Spiel mit Zock- und Ärgerelement, im Nu ist eine Runde auch schon vorüber, sodass sich niemand wirklich über den hohen Glücksfaktor zu ärgern braucht.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Abacusspiele
Autor(en): Oliver Igelhaut
Erscheinungsjahr: 2020 (2004)
Spieleranzahl: 3 – 6 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


Dust in the Wings – Cover / Foto: Brettspielpoesie

Dust in the Wings

Die 5 mal 5 Felder des Spielplans werden zu Beginn einer Partie mit jeweils drei zufälligen Schmetterlingen bestückt. Diese existieren gleich häufig in den Farben blau, gelb und rot. Am Spielfeldrand liegen sechs Auftragskarten aus, drei beziehen sich auf die Anordnung der Schmetterlinge auf dem Spielfeld, die anderen drei auf Schmetterlingsfarben eines Feldes. Wer am Zug ist wählt ein Feld und nimmt sich alle Schmetterlinge, die dann Mancala-mäßig auf angrenzende Felder verteilt werden, ein Schmetterling pro Feld. Das letzte Feld ist entscheidend für die Erfüllung einer der Auftragskarten.

Dust in the Wings -Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Während die einen Auftragskarten fest abgedruckte Siegpunkte einbringen, hängt der Ertrag bei der anderen Sorte von zufällig platzierten Kristallen mit Wert 1 oder 2 ab. Zug um Zug kommt ein weiterer Kristall hinzu, bei dreien ist aber Schluss, im nächsten Zug käme die Karte weg und die Kristalle zurück in den Vorrat. Geht dieser Vorrat aus, endet die Partie, daher entscheidet die Spielerzahl auch über die Anzahl Kristalle pro Partie. Die ausliegenden Aufträge ermöglichen es unterschiedlich viele Punkte zu generieren, in diesem Punkt kann die Partie schnell ungerecht werden. Es kann nämlich passieren, dass ein Spieler durch die ausliegenden Karten regelmäßig die Möglichkeit hat vier/fünf Punkte einzuholen, während bei anderen die Höchstpunktzahl der zu erfüllenden Aufgaben in der aktuellen Auswahl oft nur zwei/drei beträgt. Wenn alle perfekt spielen, also immer die Karte mit höchster Punktzahl erfüllen, gewinnt der Spieler, der zufällig den besten Zugriff auf Karten mit vielen Punkten hatte.

Dust in the Wings -Spielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Es ist also immer genau abzulesen, welche Karte den größten Ertrag bringt. Dann muss nur noch ein Weg gefunden werden, die Aufgabe auch zu erfüllen. Und das kann dauern. Besonders anstrengend fand ich es, wenn alle bestätigen, dass es einen Weg gibt und der aktive Spieler nicht aufgibt, diesen selbst zu erkennen. Dadurch entstehende Downtimes sind anstrengend, obwohl ich die Aufgabe die Schmetterlinge passend anzuordnen grundlegend interessant finde. Noch spannender wäre es, gleich mehrere Karten in einem Zug erfüllen zu dürfen. Doch würde sich das sicher nicht gerade positiv auf die Downtime auswirken.

Das Spielmaterial ist wirklich toll, Dust in the Wings sieht wunderschön aus. Leider ist der Spielablauf weder sonderlich spannend, noch besonders abwechslungsreich. Eher wirkt es wie eine Menge kleiner Matheaufgaben, bei deren Lösung leider zu viel Downtime entsteht, wenn alle Spieler den perfekten Zug machen wollen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Board & Dice
Autor(en): Dennis Kirps, Christian Kruchten, Jean-Claude Pellin
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Board & Dice für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


GOLD Cover / Foto: Game Factory

GOLD

Such Dich reich! lautet der Untertitel von GOLD. Dies ist ein weiteres Spiel in der Mini-Dose von Game Factory, in der auch schon Claim als Pocket-Variante erschienen ist. Darin enthalten sind 69 runde Karten die auf ihren Vorderseiten neben Gold und Dynamit auch Goldmineneingänge und Goldgräber in fünf Farben zeigen. Alle Karten werden verdeckt auf dem Tisch verteilt, jeder Spieler wählt eine Farbe, erhält den passenden Goldmineneingang und schon kann es losgehen. Zu zweit erhält jeder zwei Farben.

GOLD – Karten / Foto: Brettspielpoesie

Reihum dreht nun jeder zwei Kärtchen um und schaut, was passiert. Findet ein Goldgräber Gold, ist Farbe und Wert entscheidend. Ist der Wert des Goldgräbers mindestens so hoch wie der Wert des Goldes, geht das Gold an den Spieler dieser Farbe. Außer die Farbe ist nicht vergeben, dann geht das Gold an den aktiven Spieler. Treffen zwei Goldgräber aufeinander, vertreibt der Stärkere den Schwächeren. Dynamit lässt die andere Karte „explodieren“, sie kommt zusammen mit dem Dynamit aus dem Spiel. Übrige Karten bleiben an Ort und Stelle liegen, allerdings wieder verdeckt. Liegen nur noch zehn Karten aus, beginnt der Goldrausch, bei dem jeder Spieler nur noch eine Karte aufdeckt und aufgedecktes Gold behalten darf. Es gewinnt, wer insgesamt den höheren Goldwert einsammeln konnte. Es wird empfohlen gleich mehrere Partie hintereinander zu spielen und die jeweiligen Endergebnisse zu einem Gesamtpunktestand zu notieren.

GOLD – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

GOLD ist total simpel und jedem schnell erklärt. Es spielt eine Menge Glück hinein, ob aufgedeckte Karten gut zueinander passen oder nicht. Wer unpassend aufdeckt und die Karten zurücklegen muss, kann damit den nachfolgenden Spielern Vorlagen bieten. Dennoch bieten sich auch weitere, spannende Möglichkeiten, als einfach nur passende Karten zu finden. Dazu führt eben dieses Memo-Element. Wer sich gut einprägt wo Gold und Goldgräber zu finden sind, kann diese später kombinieren, falls einem die Mitspieler nicht zuvor kommen. Dabei ist es ebenso eine Möglichkeit, eigene Goldgräber mit passenden Goldwerten zu kombinieren, wie gegnerische Goldgräber mit hohen Wert zu niedrigen Goldwerten zu führen und so den gegnerischen Spieler in seinen Möglichkeiten zu beschneiden. Mit wenig Material ist Autor Reiner Knizia ein solider Absacker gelungen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Game Factory
Autor(en): Reiner Knizia
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an Game Factory für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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