Troyes Dice

Troyes Dice – Cover / Foto: Asmodee

Lasst uns die Stadt Troyes erbauen,
dabei auf die Würfel vertrauen.
Sie eröffnen verschiedene Optionen,
wissen zunächst nicht, welche sich lohnen.
Können für Sicherheit sorgen,
oder Ressourcen besorgen,
lassen Gebäude entstehen,
die einen Bonus geben.
Für welchen Weg wir uns auch entscheiden,
wie erfolgreich, werden die Punkte aufzeigen.

Spielmaterial:

Die halbe Schachtel wird von dem dicken Wertungsblock ausgefüllt, der fast so groß ist wie die quadratische Schachtel. Gewürfelt wird mit den drei transparenten und einem schwarzen Würfel. Sie zeigen jeweils die Zahlen von eins bis sechs. Das enthaltene Sonnenrad ergibt in Kombination mit den neun doppelseitigen Stadtplätzen die Spielauslage. Es ist sogar gleich eine Mini-Erweiterung aus acht optionalen Plättchen enthalten.

Spielmechanismus:

Gespielt wird über 8 Tage, unterteilt in Vor- und Nachmittag. Es entstehen somit 16 Runden, in denen die drei transparenten Würfel die möglichen Optionen vorgeben. Sie werden zusammen mit dem schwarzen Würfel aufsteigend auf den entsprechenden vier Feldern der Auslage platziert. Die Lage eines Würfels bestimmt ebenfalls die Kosten. Die Würfel nehmen immer die Farbe des darunter liegenden Stadtplatzes an.

Troyes Dice – Würfel / Foto: Brettspielpoesie

Die Farben korrespondieren mit den Gebäuden und Ressourcen der Wertungszettel. Der schwarze Würfel kann niemals verwendet werden, ab dem dritten Tag zerstört er die unbebauten Gebäudeplätze passenden Werts und Farbe. Der Gebäudeplatz in der Auslage wird anschließend umgedreht, wodurch meist die Farbe wechselt. Das Sonnenrad dreht sich nach jedem Tag weiter, wodurch die Auslage ständig variiert.

Troyes Dice – Wertungsblatt / Foto: Brettspielpoesie

Jeder wählt genau einen Würfel und trägt Entsprechendes auf seinem Wertungsblatt ein. Es besteht die Möglichkeit sich in Höhe des Wertes Ressourcen passender Farbe zu nehmen, diese werden dazu eingekreist. Bei Verwendung werden so viele eingekreiste Ressourcen durchgestrichen, wie genutzt werden. Einfluss (rot) lässt den Wert eines Würfels verändern, Wissen (weiß) erlaubt es einen Würfel umzufärben. Das Geld (gelb) wird benötigt, um Würfel der teureren Plätze zu wählen.

Alternativ lassen sich mit den Werten der Würfel farbig passende Gebäude errichten, diese werden dazu eingekreist. Jedes Gebäude löst einen Effekt aus. Es gibt Festungen, die die gesamte Spalte vor Angriffen schützt, Markthallen, die Ressourcen mit sich bringen und Kathedralen für einen Punktemultiplikator bei Spielende. Die anderen Gebäude bringen jeweils Gefolgsleute in der entsprechenden Farbe ein. Manche Gebäude bringen in Kombination errichtet einen zusätzlichen Bonus, bestimmte Kombinationen von Gefolgsleuten ebenfalls.

Troyes Dice – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Bei Verwendung der Mini-Erweiterung Bankette & Überfälle werden die drei Stadtplätze mit selber Farbe auf Vor- und Rückseite um ein Plättchen erweitert. Diese bringen positive Effekte mit sich, bis ein schwarzer Würfel den Stadtplatz zerstört und einen negativen Effekt offenbart, der fortan für diesen Stadtplatz gilt.

Spielende:

Nach dem achten Tag, also sechszehn Würfen endet die Partie mit der Schlusswertung. Wurden Kathedralen genutzt, um die Gunst einer Persönlichkeit zu erhalten, wird der eingetragene Wert mit der Anzahl errichteter Gebäude in dieser Zeile multipliziert. Jeweils zwei übrige Ressourcen ergeben einen Punkt. Zusätzlich zählen alle Gefolgsleute jeweils einen Punkt. Es gewinnt, wer insgesamt die höchste Punktzahl erreichen konnte.

Spieleranzahl:

Die Spielerzahl ist bei einer Partie Troyes Dice völlig unerheblich, denn es gibt keinerlei Interaktion. Jeder hat immer genau dieselbe Auswahl an Würfeln, die Spieler nehmen sich nichts weg und können sich auch gegenseitig nichts wegnehmen. Dafür sorgt höchstens der schwarze Würfel. Das Ziel ist es, mehr Punkte zu generieren als die Mitspieler.

Das Solo-Spiel spielt sich exakt gleich, es gibt nicht einmal eine Wertungsskala, zur Einordnung der eigenen Leistung. Was es aber gibt, sind Errungenschaften, kleine Vorgaben, die es zu erreichen gibt. Zumindest bei mir lösen sie den Ehrgeiz auslösen, alle abkreuzen zu dürfen. Zusätzlich veröffentlicht Pearl Games auf der eigenen Webseite und bei BGG wöchentlich eine Challenge, bei der gewisse Startbedingungen gelten und/oder Regeldetails angepasst werden. Die erreichten Punktzahlen der Autoren gelten dabei als Herausforderung.

Glücksfaktor?

Durch den schwarzen Würfel, der ab dem dritten Tag regelmäßig Bauplätze angreift, wird der Verlauf einer Partie glücksabhängig. Wobei die grundlegende Spielsituation für alle Spieler gleich ist. Gegen diese zufälligen Angriffe können sich die Spieler zum Teil absichern, eine solche Absicherung hindert sie aber mehrere Züge lang daran, lukrativere Bauplätze zu wählen. Bei den großen Markhallen hängt der Ertrag von der Anzahl Würfel einer bestimmten Farbe ab, das lohnt sich in manchen Situationen viel mehr als in anderen. Immerhin bieten die Ressourcen Möglichkeiten, die zur Verfügung stehenden Würfel zu verändern, um dem Zufall weniger ausgeliefert zu sein.

Meinung:

Troyes Dice wirkt auf den ersten Blick vielleicht thematisch: Es gibt die drei mittelalterlichen Stände Adel, Bürgertum und Klerus, jederzeit können Angriffe Teile der Stadt zerstören, die Optik unterstützt dies Szenario. Es fühlt sich für mich über weite Strecken dennoch sehr abstrakt an. Ich baue die Gebäude keineswegs, weil ich sie als sinnvoll für die Stadt und ihre Bürger halte, sondern weil sie mir einen bestimmten Bonus einbringen. Für mich zählt nur dies. Ich habe aber auch das zugehörige Brettspiel Troyes nie gespielt, es scheint zumindest optisch einige Parallelen zu besitzen.

Trotz dieser Abstraktheit und der völlig fehlenden Interaktion mag ich Troyes Dice. Es ist immer wieder eine schöne Knobelei, wie die Würfel möglichst effektiv eingesetzt werden können. Dabei gibt es verschiedene Wege zu verfolgen. Die Ressourcen können während der Partie Vorteile oder ungenutzt bei Spielende Punkte einbringen. Es lässt sich viel absichern oder auf Risiko spielen, sich auf eine Art von Gefolgsleuten konzentrieren oder die Anzahl im Gleichgewicht zu halten. Allzeit mit dem leichten Nervenkitzel, welche Stadtteile angegriffen werden. Und immer in der Hoffnung, die Würfel am Ende effektiver eingesetzt zu haben als die Kontrahenten.

Der besondere Clou sind die transparenten Würfel, da sie die Farbe ihres Untergrunds annehmen. Durch sie ist nicht genau vorgegeben, wie viele Würfel welcher Farbe zur Verfügung stehen. Auch das sorgt für unterschiedlich laufende Partien. Die Varianz führt für mich zu einem hohen Wiederspielreiz. Dies wird unterstützt durch die durchaus vorhandene Komplexität bei gleichzeitig fixer Spielzeit. Zwar bietet Troyes Dice auch Grübelpotential, aber in der Regel grübeln alle parallel, auch wenn manch einer mal etwas länger braucht. Dieses parallele Grübeln wird dadurch ermöglicht, dass eben alle mit den gleichen Würfeln spielen und nicht darauf zu warten ist, dass ein Spieler seine Wahl zuerst trifft.

Ob mir die Mini-Erweiterung gefällt, lässt sich schwer sagen. Sie bringt einerseits ein wenig Würze hinein, kann eine Partie aber auch sehr viel frustrierender verlaufen lassen, wenn früh die negativen Effekte greifen. Mag sein, dass es thematisch gut zum Mittelalter passt, ich persönlich spiele lieber ohne sie.

Fazit:

Troyes Dice ist ein anspruchsvolleres Würfelspiel ohne jegliche Interaktion. Ich mag vor allem die seltenen, aber sehr belohnenden Züge, in denen ein geschickt eingesetzter Würfel mehrere Boni auslösen kann. Für mich entsteht bei hoher Varianz immer wieder aufs Neue eine spannende Knobelei.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Pearl Games / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Sébastien Dujardin, Xavier Georges, Alain Orban
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 10 Spieler
Dauer: 20 – 30 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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