Azul – Die Gärten der Königin

Den Palast von Evora habt ihr prachtvoll verziert,
in Sintra die Buntglasfenster hübsch platziert.
Um die portugiesische Königsfamilie zu ehren,
ließt ihr sogar einen Sommerpavillon entstehen.
Doch ist eure Arbeit noch nicht zu Ende,
weiter geht es außerhalb der vier Wände.
Die Gärten der Königin sollen erblühen,
darum scheut ihr erneut keine Mühen.
Einen neuen Auswahlmechanismus zu erfassen,
um die Gärten mit Farben und Formen erstrahlen zu lassen.

Spielmaterial:

Die über 100 Bakelit-Steine sind in dieser Variante sechseckig. Sie liegen wieder wunderbar in der Hand. Nur die grauen Jokersteine fühlen sich etwas billiger an und sehen auch nicht gerade hübsch aus. Es gibt die anderen Spielsteine in sechs verschiedenen Farben, von denen manche schwer zu unterscheiden sind. Neben gelb und blau hat man sich für zwei unterschiedliche lila und grün-Töne entschieden. Zusätzlich zeigt jeder Stein eines von sechs unterschiedlichen Symbolen. Diese geben zugleich die Kosten und den Wert eines Steins an. Dies ist aber auch den Spielertableaus zu entnehmen, die aus sehr dünner Pappe sind. Gleich zwei Tableaus erhält jeder Spieler in dieser Variante, eines um den Garten auszubauen und eines als Lager für Steine und Gartenausbauten. Es wird nämlich nicht direkt auf den Gartentableaus gebaut, sondern auf darauf platzierten Gartenausbauten. Alle Spieler starten bereits mit einem zentralen Element mit sechs Ablageflächen für Steine.

Azul - Die Gärten der Königin Steine
Azul – Die Gärten der Königin Steine / Foto: Brettspielpoesie

Der zentrale Spielplan, ebenfalls aus dünner Pappe, hat zwei unterschiedliche Seiten. Daher lässt sich die Drehscheibe für den Rundenablauf, je nach Belieben auf der Vorder- oder Unterseite anbringen. Dieses Anbringen empfinde ich immer etwas aufwändig, da hätte es sicher eine bessere Lösung gegeben. Kleine Spielersteine zur Markierung der Punkte und Punktezähler sind ebenso dabei, wie ein Startspielerstein. Auch einen Turm, wie er bereits bei Azul – Der Sommerpavillon zum Einsatz kam, ist wieder enthalten.

Spielmechanismus:

Grundsätzlich ist das Ziel ähnlich wie bei den anderen Azul-Spielen: Die Spieler wählen in vier Runden Steine aus, nehmen diese in ihren persönlichen Vorrat und platzieren sie nach vorgegebenen Regeln, um möglichst viele Punkte zu generieren. Doch gibt es zusätzlich zu den Steinen nun auch noch Gartenausbauten, welche ebenfalls eine Kombination aus Symbol und Farbe haben. Steine und Gartenausbauten werden in allen Belangen gleich behandelt. Sowohl beim Steine aufnehmen, als auch beim bezahlen.

Azul - Die Gärten der Königin Spielsituation2p
Azul – Die Gärten der Königin Spielsituation 2p / Foto: Brettspielpoesie

Jede Runde beginnt mit nur vier Steinen auf dem Stapel der Gartenausbauten. Erst nach und nach kommen weitere Ausbauten mit neuen Steinen ins Spiel. Erst wenn ein Gartenausbau leer ist, dreht man diesen um und er offenbart seine Vorderseite mit einer Symbol-/Farbkombination. Aus der verfügbaren Auslage ist immer ein Symbol oder eine Farbe wählbar, um alles entsprechende Material aufzunehmen. Außer sie sind in beiden Ausprägungen identisch, dann ist nämlich nur ein Exemplar davon erlaubt. Es ist nicht gestattet weniger zu nehmen, als verfügbar ist. Bietet das eigene Lager nicht mehr ausreichend Platz, steht diese Option somit nicht zur Verfügung. Dann bleibt nur die Möglichkeit einen Stein oder Gartenausbau aus dem Lager in den Garten zu überführen oder zu passen. Wer diese Option als erstes wählt, verliert einen Siegpunkt.

Azul - Die Gärten der Königin Spielsituation3p
Azul – Die Gärten der Königin Spielsituation 3p / Foto: Brettspielpoesie

Zu Beginn gibt es nur sechs Plätze für Steine im eigenen Garten, weitere Flächen bringen platzierte Gartenausbauten mit sich. Der Wert eines Symbols entspricht auch den Kosten. Möchte man einen Baum mit Wert 1 platzieren, reicht dieser platzierte Stein als Bezahlung. Für einen Stein mit drei Schmetterlingen sind zwei weitere Symbole oder Farben gleicher Art als Bezahlung erforderlich, die auch immer mit Jokersteinen ersetzbar sind. Es handelt sich dabei um ein exklusives Oder. Entweder zahle ich mit derselben Farbe oder demselben Symbole. Beim angrenzenden Platzieren muss Farbe oder Symbol übereinstimmen, was nicht an ein anderes Symbol angrenzend, ist frei platzierbar. Springbrunnen, Statuen, Bänke oder Pavillons bringen Jokersteine ein, sobald sie vollständig umbaut sind.

Jede der vier Runden endet mit einer Wertung für jeweils drei der insgesamt zwölf Ausprägungen (Symbol/Farbe), sodass im Laufe der Partie jede Ausprägung Punkte liefert. Allerdings zu verschiedenen Zeitpunkten. Wobei die wertvolleren Symbole auch mehr Punkte einbringen. Zusätzlich gibt es bei jeder Zwischenwertung auch Punkte für sichtbare Pavillons im eigenen Garten.

Spielende:

Nach vier Runden folgt eine Schlusswertung. Nicht verwendete Jokersteine erhöhen die Punktzahl, für übrige, farbige Steine verlieren die Spieler Punkte in Höhe des Werts. Es folgen ggf. Punkte entsprechend der Symbole für Gruppen aus mindestens drei Steinen einer Farbe bzw. eines Symbols. Je nach Spielplanseite folgen ggf. Bonuspunkte, bevor der Sieger mit der höchsten Punktzahl feststeht.

Spieleranzahl:

Als einige Anpassung anhand der Spielerzahl sind die Stapel mit den Gartenausbauten pro Runde unterschiedlich hoch, was die Anzahl der verfügbaren Symbole/Farben pro Runde limitiert. Das fühlt sich stimmig an. Allerdings kommen in Partien zu zweit keine Steine erneut ins Spiel, was zu dritt/viert durchaus passiert. Von den Gartenausbauten ist allerdings immer nur ein Teil verfügbar und damit sind die einzelnen Symbol-/Farbkombinationen nie exakt gleichverteilt.

Vom Spielgefühl unterscheiden sich Partien mit unterschiedlicher Spielerzahl kaum, was sicherlich daher kommt, dass man hauptsächlich sein eigenes Tableau im Blick hat und die Auslagen der Mitspieler nur am Rande interessieren. Steine nur aufzunehmen, um sie jemandem vorzuenthalten, sollte wohl überlegt sein, da nicht verwendetes Material bei Spielende Punkte kostet.

Glücksfaktor?

Mir gefällt nicht so gut, dass nicht alle Symbole/Farben einer Runde bereits zu Beginn bekannt sind, wie man es von den vorherigen Azul-Spielen kennt. Es lässt sich also nicht so gut voraus planen, man muss immer wieder auf das veränderte Angebot reagieren und ggf. umplanen. Dieses Phänomen trifft alle Spieler gleichermaßen, auch wenn es sich meist so anfühlt, dass man immer nur selbst den nachfolgenden Spielern passende Steine bereitlegt und nicht umgekehrt.

Meinung:

Als Azul – Der Sommerpavillon erschien, dachte ich bereits dies wäre das Ende der Ära Azul, doch gibt sich Autor Michael Kiesling offensichtlich nicht mit einer Trilogie zufrieden. Zum ersten mal gibt es nun eine Version mit einem abgewandeltem Auswahlmechanismus, weg von den bekannten Fabriken, welche die verfügbare Auswahl zu Beginn einer Runde festlegen. Ich mag den dadurch entstehenden Glücksanteil nicht. Ich plane lieber voraus, statt mich den wechselnden Begebenheiten zu unterwerfen. Vor allem steht das für mich in starkem Kontrast dazu, dass die Platzierungs- und Wertungsregeln die bislang umfangreichsten sind.

Nach dem Überwinden der daraus entstehenden Einstiegshürde, fühlte ich mich dann aber doch hier und da an vorherige Azul-Titel erinnert. Das Bezahlen der Steine erinnert an die Bezahlung beim Sommerpavillon. Zumindest im Hinblick auf die Anzahl. Erstmalig ist bei diesem Azul nicht nur die Farbe relevant, sondern auch das Symbol. Beim Platzieren wird den Spielern viel Freiheit gelassen, es gibt keine Vorgaben wo welche Steine hindürfen. Wohl aber Regeln, was wie platzierbar ist. Das lädt leider zum Grübeln über die besten Optionen ein und nimmt dem Spiel seine Leichtigkeit. Die Partien können sich durchaus etwas ziehen, was dem Spielprinzip für meinen Geschmack nicht sonderlich gut tut.

Auch mit dem Spielablauf tue ich mich schwer. Ich mochte es immer, dass das Aufnehmen und das Platzieren der Steine in zwei separaten Phasen ablief. Bei dieser Version müssen sich die Spieler bewusst entscheiden auf das Aufnehmen zu verzichten, um einen Stein platzieren zu können. Wer sein Lager gerne bis zur Kapazitätsgrenze füllt, hat dadurch irgendwann jedoch keine wirkliche Wahl mehr und muss etwas davon platzieren oder passen. Mehr Flexibilität, um auf eine veränderte Auslage reagieren zu können, haben Spieler, die bewusst Platz im Lager machen, statt weiteres Material aufzunehmen.

Es fühlt sich also zugleich wohlbekannt, als auch neuartig an. Leider hakt es an der einen oder anderen Stelle ein wenig. Die Farben sind meiner Meinung nach extrem unglücklich gewählt. Bei den verschiedenen grün- und lila-Tönen kann man sich schnell mal vertun. Die aufgedruckte Symbol-/Farbkombination auf den Gartenausbauten liegt viel flacher, als die Steine drum herum, was dazu führt, dass sie bei den Wertungen schnell mal übersehen werden kann. Die Jokersteine fühlen sich im Vergleich zu den anderen Spielsteinen billig an. Wobei, das erinnert immerhin daran, dass diese nicht in den Turm gelangen, sondern separat abzulegen sind.

Wäre dieses Spiel für sich allein stehend erschienen und ich hätte noch keine der anderen Azul-Varianten zuvor gespielt, wären manche Kritikpunkte sicherlich nicht so sehr ins Gewicht gefallen und die Gesamtbewertung besser. Nun ist es aber so, dass mir zwei der vorherigen Versionen schon wirklich gut gefallen und ich nicht wüsste, warum ich Die Gärten der Königin diesen vorziehen sollte. Soll es locker gespielt sein, gerne auch mit Einsteigern, greife ich zum klassischen Azul. Darf es etwas anspruchsvoller werden, kommt Der Sommerpavillon auf den Tisch, der sich dabei immer noch relativ flüssig spielt.

Fazit:

Die Eleganz des klassischen Azul lässt sich bei diesem Nachfolger leider vermissen. Die abgewandelten Regeln zur Aufnahme neuer Steine und Wertung dieser, macht es grüblerisch und dadurch ziehen sich die Partien etwas. Es spielt sich relativ verkopft. Und da bin ich kein so großer Fan von, vor allem da es eben schon bessere Vorgänger gibt, zu denen ich persönlich lieber greife.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Next Move Games / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Michael Kiesling
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 45 – 60 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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