Azul – Der Sommerpavillon

Cover / Foto: Pegasus Spiele

 

Als Fliesenleger habt ihr allerhand verziert,
habt euch an königlichen Palästen ausprobiert.
Mit Azulejos den Palast in Evora renoviert,
habt in Sintra farbige Buntglasfenster drapiert.
Doch König Manuel euch weiterhin animiert,
damit ihr auch seinen Sommerpavillon dekoriert.
Auf dass, wenn er mit Gästen umher flaniert,
dieses prächtige Gebäude allen imponiert.

 

Spielmaterial:

Das Spielmaterial kann wieder auf ganzer Linie überzeugen. Die Fliesen fühlen sich wertig an, sie liegen schön in der Hand und erinnern an die vom ursprünglichen Azul, nur nehmen sie nun eine Rautenform an. Es gibt sie in sechs unterschiedlichen Farben, drei davon tragen zusätzlich ein Symbol. Jeder Spieler erhält ein eigenes doppelseitig unterschiedlich bedrucktes Spielertableau um die Fliesen zu platzieren, die Punkte werden auf einem gemeinsamen Tableau abgetragen. Dort befindet sich auch die Rundenleiste und die Vorratsfelder für zusätzliche Fliesen. Zur temporären Entsorgung überzähliger Fliesen gibt es einen Turm, aus dem die Fliesen später schnell wieder dem ebenfalls enthaltenem Beutel hinzu gefügt werden können.

Rundentableau / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Vieles fühlt sich bekannt an. Der Auswahlmechanismus ähnelt dem des Originalspiels sehr, doch gibt es nun in jeder Runde eine festgelegte Jokerfarbe. Sie wird nicht zufällig ermittelt, sondern ist auf dem Plan festgehalten und somit werden immer die gleichen Farben je Runde zur Jokerfarbe. Diese Farbe darf nicht einzeln ausgewählt werden, stattdessen wird eine Fliese der Jokerfarbe, wenn verfügbar, immer zusätzlich zur gewählten Farbe genommen. Natürlich existiert auch wieder eine Starspielerfliese, den der Spieler bekommt, der als erster Fliesen aus der Mitte wählt. Die Punktzahl, die dabei abgezogen wird, richtet sich nach der Anzahl Fliesen, die bei dieser Aktion aus der Mitte genommen werden. Auch aus der Mitte muss immer ein Jokerfliese zusätzlich genommen werden, wenn vorhanden. Genommene Fliesen werden nun nicht mehr direkt verbaut, sondern aufgehoben bis alle aus der Mitte vergeben sind. Erst dann bauen die Spieler in Spielerreihenfolge, solange bis alle gepasst haben. Dabei ist es erlaubt bis zu vier Fliesen für die folgende Runde aufzuheben.

Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Punkte gibt es wieder für jede platzierten Fliese und alle daran angrenzenden. Die Felder sind sternförmig angeordnet, jedes Feld eines Sterns ist mit den Zahlen von 1 bis 6 nummeriert. Um eine Fliese zu platzieren, müssen so viele Fliesen dieser Farbe abgegeben werden, wie die Zahl vorgibt. Der mittlere Stern hat die Besonderheit, das dort eine Fliese jeder Farbe platziert werden darf. Platziert wird allerdings immer nur einer, überzählige Fliesen landen im Turm. Mit Fliesen der Jokerfarbe können beliebige Fliesen ersetzt werden, zum Platzieren wird jedoch immer mindestens eine der jeweiligen Farbe benötigt. Auf den Spielertableaus aufgedruckte Säulen, Statuen oder Fenstern können mit Fliesen umschlossen werden, um zusätzliche Fliesen von den Vorratsfeldern zu erhalten, die dann im weiteren Spielverlauf ebenfalls platziert werden können.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Wenn in der sechsten Runde alle Spieler gepasst haben, endet die Partie. Jede Fliese , den ein Spieler nicht verbauen konnte, wird mit einen Minuspunkt bestraft. Es folgen Zusatzpunkte für komplettierte Sterne und für das Belegen aller Felder mit Wert 1, 2, 3 oder 4. Der Spieler mit den meisten Punkten ist der erfolgreichste Fliesenleger und gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Ob zu zweit, dritt oder viert, mit jeder Spielerzahl funktioniert Azul – Der Sommerpavillon. Es werden einfach mehr oder weniger Manufakturplättchen ausgelegt. Besonders zu viert kann sich eine Partie allerdings etwas ziehen, wenn die Spieler zum Grübeln neigen, da es viele Optionen abzuwägen gibt.

Glücksfaktor?

Die Fliesen gelangen zufällig auf die Manufakturen, da spielt bei der Verteilung etwas Glück hinein. Nun sind aber nicht mehr nur die Manufakturen besonders beliebt, auf denen viele Fliesen einer Farbe liegen, sondern auch die mit Fliesen der Jokerfarbe. Durch die Option bis zu vier Fliesen pro Runde aufzuheben, kann man sich auch auf die Folgerunde vorbereiten. Auch die zusätzlichen Fliesen durch das Belegen bestimmter Bereiche geben den Spielern etwas mehr Planungssicherheit. Dabei zählt oft auch der richtige Zeitpunkt, damit die Mitspieler die gewünschten Fliesen nicht vor der Nase wegschnappen.

Fazit:

Das erste Azul wurde in meinen Augen völlig verdient zum Spiel des Jahres ernannt. Es ist ein sehr abstraktes Spiel, welches aber durch die thematische Einbettung und die schlanken Regeln sehr zugänglich wird. Zudem ist es ein haptisches Vergnügen dieses Spiel zu spielen. Eine solche Auszeichnung bringt oft Erweiterungen mit sich, im Falle von Azul gab es schnell einen Ableger: Bei Azul – Die Buntglasfenster von Sintra erinnert vieles an den Vorgänger, es fühlt sich aber nicht so rund an, hat mehr Ecken und Kanten, sowohl beim Material als auch beim Spielablauf. Daher waren meine Erwartungen an das dritte Spiel in dieser Reihe gering. Doch dafür gibt es keinen Grund, es ist wirklich eine gelungene Weiterentwicklung.

Nicht nur das Material liegt wieder gut in der Hand, auch die vor den Spielern liegende Aufgabe gefällt. Der neue Rundenablauf, bei dem die Spieler in einer Phase Fliesen nehmen und erst im Anschluss verbauen, eröffnet viele Möglichkeiten. In Kombination mit den vielfältigen Optionen an zusätzliche Fliesen zu gelangen, der Einführung von Joker-Farben und der Möglichkeit bis zu vier Fliesen aufzuheben, ist ein tolles Spiel entstanden, welches allerdings auch zum Grübeln einlädt. Viele Optionen bieten eben viel Raum zur Abwägung der diversen Platzierungsmöglichkeiten. Sind beispielsweise sechs Fliesen einer Farbe vorhanden, können diese verwendet werden, um das 6er-Feld des gleichfarbigen Sterns zu belegen oder die Felder 1-3. Durch diese vielfältigen Möglichkeiten wird es schwieriger den Mitspielern aktiv etwas zu verbauen. Natürlich kann weiterhin versucht werden, Fliesen der Farben zu nehmen, die sie besonders zu interessieren scheinen, aber durch das spätere Platzieren sind mehr Möglichkeiten vorhanden. Daher schmerzt es in der Regel weniger, wenn es nicht ganz wie geplant aufgeht.

Zu Beginn der Partie sind die Spieler völlig flexibel bei der Platzierung, im späteren Spielverlauf sind die immer eingeschränkter. Wer früh alle 1er und 2er-Felder belegt, kann zum Ende hin Probleme bekommen, wenn wenige Fliesen einer Farbe genommen werden müssen. Auch der Stern in der Mitte kann später Punkte retten, da dort überzählige Fliesen platziert werden können. Wird dieser zu früh verwendet, schränkt es die Optionen der Spieler hinten raus weiter ein. Manche dieser Felder werden benötigt, um Säulen zu umschließen und eine Fliese gezielt aus dem Vorrat nehmen zu können. Für die weiteren Bonusfelder gibt es mehr zusätzliche Fliesen, es müssen zur Platzierung allerdings auch mehr Fliesen eingesetzt werden, was dadurch etwas ausgeglichen wird.

Das „normale“ Azul bleibt der verdiente Spiel des Jahres-Sieger, Azul – Der Sommerpavillon ist meiner Meinung nach ein würdiger Nachfolger, der etwas taktischer ausgerichtet ist, sich somit mehr an erfahrene Azul-Spieler richtet. Wer Azul bereits kennt, sollte sich auch hier schnell zurecht finden.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Next Move Games / Pegasus Spiele
Autor(en):Michael Kiesling
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 – 45 Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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