Unter Schafen 05/22

Wieder ist ein Monat vorbei und zwar ein besonderer unter Brettspielern. Denn im Mai gibt die Spiel des Jahres-Jury bekanntlich die Nominierungen zum Kinderspiel, Kennerspiel und Spiel des Jahres bekannt. Der Online-Händler Spiele-Offensive hat zum Geburtstag des Shops wieder eine Wundertüte angeboten, über die auch ich mich gefreut und darüber berichtet habe. Ansonsten rückte nach langer Corona-Abstinenz das Hobby Fußball wieder etwas mehr in den Mittelpunkt. Mittlerweile ist die, wenn auch dieses Jahr nur recht kurze Sommerpause gestartet, sodass ich mich an den Wochenenden wieder voll und ganz den Brettspielen hingeben kann.

Mäh! - News und Aktuelles

Verlag wechsele Dich

Bei manchen Verlagen hat man das Gefühl, diese arbeiten schon ewig zusammen und doch muss man immer wieder feststellen, dass lokalisierte Version durchaus auch bei anderen Verlagen auftauchen können. Zum Beispiel spreche ich bei den Bretterwissern in der kommenden Folge über 5-Minute-Mystery, welches bei Game Factory erschienen ist und nicht bei Kosmos, wie der vorherige “5-Minuten”-Titel 5-Minute-Dungeon.

Auch bei den anstehenden Neuheiten gibt es dieses Phänomen und das nicht zu knapp. Kosmos hat ein neues Spiel in der beliebten “Spiele für zwei”-Reihe angekündigt und zwar Death Valley. Es wird aber nicht das übliche quadratische Format haben, es handelt sich nämlich um eine Lokalisierung eines der kleinen Kartenspiele mit jeweils nur 18 Karten (ohne Erweiterung) von Button Shy Games, die zuvor alle bei Frosted Games auf Deutsch erschienen sind.

Bleiben wir noch ein bisschen bei den Kosmos Neuheiten. Angekündigt haben sie dort Kids Chronicles – Die Suche nach den Mondsteinen von Lucky Duck Games, welches nicht nur mit Blick auf den Autoren, sondern auch mit der App-Einbindung und dem Scannen von QR-Codes, an Chronicles of Crime erinnert, was seinerzeit bei Corax Games erschienen ist. Und dann gab es da noch die Ankündigung von Terra Nova, einem Kennerspiel eines bislang kaum bekannten Autors, welches auf dem allersten Spiel des Feuerland Verlags Terra Mystica basiert. Wie auch schon bei Fire & Stone hat wohl hauptsächlich Feuerland das Spiel redaktionell betreut und sich dann einen Partner gesucht, in dessen Portfolio das Spiel besser aufgehoben ist. Ich bin gespannt wie viel Terra Mystica drin steckt, optisch sieht es schon sehr ähnlich, aber durchaus reduziert, aus: https://boardgamegeek.com/image/6896567/terra-nova

Gerade noch rechtzeitig für diesen Artikel kam dann noch die Meldung eines anderen deutschen Verlags, der überraschend viele Titel für das Jahr 2022 ankündigte, die ich bei anderen Verlagen erwartet hatte. Der Schwerkraft Verlag hat sich nicht nur die Neuauflage vom Ringkrieg gesichert, sondern auch weitere, spannende Titel. Bitoku von Devier Games ist womöglich zu sehr Expertenspiel für Kosmos, die sonst viele Titel des spanischen Verlags in ihr Programm aufnehmen. AEG wechselt seine deutschen Partner ja durchaus regelmäßig und somit geht Whirling Witchcraft nun als Heiße Hexenkessel an Schwerkraft. Doch sind es nicht nur ganz aktuelle Neuheiten der letzten SPIEL, die dort nun erscheinen sollen. Auch auf Voll Dampf, als deutschsprachige Version von dem Bezier Games-Titel Whistle Mountain, warte ich tatsächlich schon länger.

Graf Ludo 2022

Der Graf Ludo hat sich zum Ziel gesetzt die grafische Gestaltung von Brettspielen hervorzuheben und die besten Spiele eines Jahrgangs in dieser Hinsicht auszuzeichnen. Gesucht wird die schönste Familienspielgrafik und die schönste Kinderspielgrafik. Die Nominierten sind nun bekannt, die Gewinner erfahren wir während der Online-Expo der Spiele-Offensive Ende August. Die Verleihung der Preise erfolgt dann wie üblich auf der Messe Modell, Hobby, Spiel in Leipzig Anfang Oktober. Und das sind die Nominierten:

Familienspiel
  • Hungry Monkey (Grafikerin: Sushrita Bhattacharjee – HeidelBÄR Games)
  • Die wandelnden Türme (Grafiker: Michael Menzel – Abacusspiele)
  • Ghosts (Grafiker: Roberto Freire – Amigo)
  • Meadow – Im Reich der Natur (Grafikerin: Karolina Kijak – Asmodee / rebel)
  • Canvas (Grafiker: Luan Huynh – Asmodee / Road to Infamy)
  • Glow (Grafiker: Ben Basso &Vincent Dutrait – Strohmann Games)
Kinderspiel
  • Affenkuss & Kokosnuss (Grafikerin & Autorin: Claudia Stöckl – Logofrosch)
  • Die Villa der Vampire (Grafiker: Rolf Vogt – Schmidt Spiele)
  • Krake beim Schneider (Grafikerin: Anja Mathey – MeterMorphosen)
  • Unlock! Kids (Grafiker: Maud Chalmel & Olivier Danchin – Asmodee / Space Cow)
  • Troll Dich! (Grafikerin & Autorin: Kristin Franke – Verlag: TinyFoxes Verlag KG)
Herde - Neuzugänge

Carnegie

(Xavier Georges, Pegasus Spiele)

Dieses neue Expertenspiel vom Pegasus Verlag beruht auf dem Leben von Andrew Carnegie, einem Einwanderer, der den amerikanischen Traum lebte. Doch behielt er sein Vermögen nicht nur für sich, sondern spendete vieles davon für wohltätige Zwecke, wodurch sein Name bis heute als Stahlmagnat und zugleich als Philanthrop bekannt ist. Das Spiel greift dies grob auf und hebt die positiven Aspekte seines Lebens hervor, wie man zu den Hintergründen im Pegasus Blog lesen kann.

Ursprünglich war es ein Kickstarter-Projekt, welches bislang nicht ausgeliefert wurde. Das lassen mich zumindest viele Kommentare bei Instagram wissen, von Spielern die noch auf die Lieferung ihres Exemplars warten, während ich die Retail-Version schon rauf und runter spielen könnte. Dem entgegen spricht eigentlich nur die Spielzeit und die Komplexität, die es dann doch nicht ganz so häufig auf den Tisch gelangen lässt. Aber ich freue mich darauf, das Spiel in weiteren Partien noch besser zu ergründen.

Der zentrale Spielplan zeigt einen Teil einer Landkarte der USA, auf dem sich die Spieler ausbreiten, während die eigenen Spielertableaus die Fabriken darstellen, welche sich individuell ausbauen lassen. Interaktion entsteht nicht nur durch die gemeinsame Ausbreitung auf dem Spielplan, sondern auch durch die Aktionswahl pro Runde, welche die Optionen für alle Spieler festlegt. Ein wirklich schön verzahntes Spiel, in dem es hoffentlich noch viel zu entdecken gibt.

Grasen - Frische Spieleindrücke

Founders of Teotihuacan

(Filip Glowacz, Board & Dice)

Teotihuacan ist wohl einer der unaussprechlichsten Namen für ein Brettspiel. Davon haben sich Filip Glowacz und sein Verlag Board & Dice jedoch keineswegs abhalten lassen, ein weiteres Spiel in diesem Universum anzusiedeln. Um diese Verwandtschaft zu verdeutlichen, hat es der Name der ehemaligen Pyramidenstadt auch in diesen neuen Titel geschafft: Founders of Teotihuacan.

Anders als beim Vorgänger bauen die Spieler nicht gemeinsam an einer großen Pyramide. Jeder hat eine Pyramidengrundfläche mittig auf dem eigenen Spielertableau. Um diese herum ist Platz für die verschiedenen Puzzle-Teile, die Gebäude und Tempel darstellen. Doch geht es nicht wirklich darum, die Puzzle-Fläche geschickt vollzupuzzeln. Die Gebäude produzieren Rohstoffe auf allen orthogonal angrenzenden, leeren Feldern, sodass Lücken zwischen den Gebäuden durchaus erstrebenswert sind.

Die Spielertableaus unterteilen sich in vier Quadranten und ein wandernder Architekt bestimmt, in welchen zweien davon das Bauen aktuell erlaubt ist. Diese Vorgabe kann ganz schön nervig werden, wenn der Architekt mal wieder genau am falschen Ende steht. Die Aktionen werden durch Scheiben ausgelöst, die zugleich die Stärke der Aktion bestimmen. Zu Beginn einer Runde gibt es zusätzlich einen Bonus, um auch mit einzelnen Scheiben etwas mehr anfangen zu können. Wer mit einer Aktion gleich mehrere Scheiben platziert, verschenkt nämlich wertvolle Aktionen. Effektiver ist es darauf zu warten, dass man sich auf die Scheiben anderer Spieler platzieren kann. Doch nicht immer passt der Zeitpunkt einer starken Aktion zur Position des Architekten.

Insgesamt entsteht daraus mit Blick auf den Vorgänger ein weniger komplexes, aber dennoch reizvolles Spiel. Was mich allerdings stutzig macht, ist die Anzahl der Scheiben pro Spieler und die Rundenanzahl. Zu dritt spielt man nur drei Runden, vermutlich damit jeder genau ein Mal Startspieler ist, aber insgesamt haben die Spieler in dieser Konstellation viel weniger Züge. Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an, vergleichen mit Partien zu zweit oder viert.

Settlement

(Oleksandr Nevskiy, I Games)

Der ukrainische Verlag I Games hatte auf der letzten SPIEL nur einen Titel dabei und dieser war schon bald ausverkauft. Ich habe zum Glück noch ein Exemplar von Settlement ergattern können, doch bin in der Flut von Neuheiten leider erst jetzt dazu gekommen, mich näher damit zu beschäftigen. Erst beim zweiten Hinsehen ist mir aufgefallen, dass die Version von der Messe einen vollständig ukrainischen Deckel hat, der nur auf dem Cover mit einem Aufkleber des internationalen Titels versehen ist.

Das Material kann sich wirklich sehen lassen. Vor allem die vier verschiedenfarbig und spezifisch geformten Monster stechen hervor. Während wir im unteren Teil der Spielertableaus aus Gebäuden eine Stadt entstehen lassen, Erkunden wir das weiter entfernte Gelände, um Ressourcen zu erhalten. Doch treffen wir da oft auf Monster, die uns im Weg stehen. Sie sind unterschiedlich stark und sie zu besiegen bringt entsprechend mehr oder weniger Belohnung ein. Das bringt auch einen teilweise ungerecht wirkenden Glücksaspekt hinein.

Für sämtliche Aktionen benötigen wir Arbeiter, von denen uns nur eine begrenzte Anzahl dauerhaft zur Seite steht. Wer es schafft, kurzfristig neutrale Arbeiter zu engagieren, kann sich damit einen Vorsprung verschaffen. Die Arbeiter setzen die Spieler auf ihren eigenen Tableaus ein, manche Orte sind mehrfach nutzbar, andere nur einmalig pro Runde. Interaktion entsteht eigentlich nur beim Wegschnappen von Heldenkarten oder Gebäuden. Die meiste Zeit grübeln die Spieler eher vor sich hin, wie sie ihre wenigen Arbeiter effektiv einsetzen wollen. Daher bin ich noch hin und her gerissen. Ich mag grundlegend was im Spiel passiert, aber so richtig ist der Funke in den ersten Partien noch nicht übergesprungen.

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.