Spiel des Jahres 2022 – Nominierungen

Seit vergangenem Montag, dem 23.05.22, stehen sie fest, die Nominierten in den drei Kategorien Spiel des Jahres, Kennerspiel des Jahres und Kinderspiel des Jahres für das Jahr 2022:

Spiel des Jahres (roter Pöppel)

  • Cascadia (Kosmos Verlag)
  • Scout (externer Link) (Oink Games)
  • Top Ten (externer Link) (Cocktail Games / Asmodee)

Empfehlungsliste: 7 Wonders: Architects, Echoes: Die Tänzerin, Magic Rabbit, My Gold Mine, So Kleever, Trek 12: Himalaja (externer Link)

Kennerspiel des Jahres (grauer Pöppel)

Empfehlungsliste: Arche Nova, Khôra, Witchstone

Kinderspiel des Jahres (blauer Pöppel)

  • Auch schon clever (Schmidt Spiele)
  • Mit Quacks & Co nach Quedlinburg (Schmidt Spiele)
  • Zauberberg (Amigo Spiele)

Empfehlungsliste: Die Villa der Vampire, Fröschis, Golden Ei, Honey 

Bei den Bretterwissern(externer Link) haben wir in der aktuellen Folge kurz die Nominierten erwähnt. Ich habe die Nominierungen nun ein wenig sacken lassen und möchte euch jetzt gerne meine detaillierte Meinung dazu mitteilen.

Kinderspiel des Jahres

Ich kenne mich bei Kinderspielen mangels Mitspieler des entsprechenden Alters überhaupt nicht aus. Dennoch gibt es spannende Auffälligkeiten bei den Nominierungen. Mit Auch schon clever und Mit Quacks & Co nach Quedlinburg, bei de bei Schmidt Spiele erschienen, sind nicht nur gleich zwei Kinderversionen bereits erfolgreicher Spieler nominiert. Beide Vorgänger sind vom Autor Wolfgang Warsch und waren auch schon 2018 gleichzeitig nominiert, allerdings zum Kennerspiel des Jahres.

Kennerspiel des Jahres

Mit Cryptid wurde ein Spiel nominiert, welches ich leider vor den Nominierungen noch nicht gespielt habe. Obwohl ich Deduktionsspiele grundsätzlich mag, hat mich die doch recht funktionale, bunte Optik bislang abgeschreckt. Nun habe ich es vorliegen, um dem Spielprinzip doch eine Chance zu geben. Ich schätze die Chancen auf den Titel allerdings eher gering ein. Deduktion ist schon eine recht nischige Mechanik und es ist recht fehleranfällig, wenn auch nur ein Hinweis versehentlich nicht korrekt erfolgt.

Ich habe auch Stimmen vernommen, dass das Spiel viel zu alt sei, um 2022 Kennerspiel des Jahres zu werden. Zwischen der ersten englischsprachigen Veröffentlichung und der deutschen Lokalisierung liegen mehrere Jahre, aber für die Spiel des Jahres-Jury zählt eben die deutschsprachige Veröffentlichung für den Einzelhandel und da ist Cryptid erst im vergangenen Jahrgang erschienen. Ähnliche Diskussionen gab es im Vorjahr auch schon zu Fantastische Reiche oder Aeon’s End. Und wieder kann ich nur sagen, dass es doch umso mehr für die Spielideen spricht, wenn sie eine gewisse Zeit überstanden haben.

Dune: Imperium ist nun auch endlich bei uns eingezogen. Die Erstpartie zu Beginn des Jahres hatte uns bereits überzeugt. Die Nominierung hat jetzt den letzten Anstoß mit sich gebracht. Mir gefällt die Kombination aus Worker Placement und Deckbuilding und hoher Interaktion durch die Konflikte. Statt eines großen Punktesalats reichen hier nur zehn Punkte zum Sieg. Zu zweit spielt ein Bot mit, sowas mag ich eigentlich nicht. Mir ist aber zu Ohren gekommen, dass es auch zu zweit hervorragend funktionieren soll. Ich bin gespannt… Man muss das Dune-Universum nicht zwingend kennen, um Dune: Imperium zu spielen, dennoch kann ich mir einfach nicht vorstellen, es ohne Vorkenntnisse zu spielen. Und das ist auch der größte Kritikpunkt. Ich empfinde es, genau wie Cryptid, zu nischig für den Titel.

Also bleibt mein Tipp für den Titel das Spiel, welches auch vor den Nominierungen schon mein Favorit war: Living Forest. In meinen Augen ist es das massentauglichste der drei Nominierten. Es hat tolles Material, wenn man von den zusammengesteckten Spielfiguren auf dem Rondell mal absieht, und bietet verschiedene Wege zum Sieg. Auf Twitter gab es eine Diskussion dazu, ob das Spiel nicht zwischen den Stühlen stünde. Zu fiese Interaktion für Familien, zu wenig spektakulär für Kenner, hieß es dort. Aber das sehe ich anders. Ich finde es ist ein idealer Kandidat um Spiel des Jahres-Spieler eine größere Herausforderung zu bieten und sehe es daher als idealen Kennerspiel des Jahres-Preisträger.

Die anderen beiden von mir in der Prognose genannten Titel, Witchstone und Khôra, haben es immerhin auf die Empfehlungsliste geschafft. Beides sind tolle Spiele, die ich ebenfalls als empfehlenswert ansehe.

Sowohl Living Forest als auch Dune: Imperium haben in Frankreich bereits Preise abgeräumt. Da werden auch schon mal Stimmen laut, die Spiele hätten dadurch bereits genug Aufmerksamkeit erhalten und sollten nicht auch noch in Deutschland gepusht werden. Diese Sichtweise kann ich nicht nachvollziehen. Die Spiel des Jahres-Jury möchte die Spiele auszeichnen, die nach ihren Erfahrungen im aktuellen Jahrgang am meisten heraus gestochen sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass andere bereits vergebene Preise dabei überhaupt keine Rolle spielen und das ist auch gut so!

Auch die Empfehlung von Arche Nova ist für manche ein Reizthema. Harald Schrapers sagte bei der Bekanntgabe, dass dies nicht mehr anthrazit wäre, sondern bereits tiefschwarz. Es ist nun mal ein astreines Expertenspiel, da sind wir uns sicherlich alle einig. Dennoch finde ich die Empfehlung richtig. Das Thema macht die einzelnen Spielelemente gut verständlich und das macht es vielleicht auch für Kennerspieler erlebbar, wenn diese sich an die umfangreichere Regellektüre und die längere Spielzeit herantrauen. In den vergangenen Jahres wurden regelmäßig Expertenspiele empfohlen, die für den Titel Kennerspiel des Jahres nicht in Frage gekommen wären. Ich finde auch nicht, dass dieser Umstand die Titel abwertet. Stattdessen haben sie in meinen Augen so sehr überzeugt, dass die Jury sie einfach unbedingt empfehlen möchte.

KSdJ/SdJ'22 Nominierte
KSdJ/SdJ’22 Nominierte / Foto: Brettspielpoesie

Spiel des Jahres

Blicken wir auf die Nominierungen beim Hauptpreis. Dort bestätigte sich das Bild, welches sich in den voran gegangenen Wochen auch aus den Rezensionen diverser Jury-Mitglieder abzeichnete. Ich lag daneben, weil ich zwei der Titel erst ganz knapp vor den Nominierungen kennen lernte und mir zuvor kein ausreichendes Bild dazu machen konnte.

Scout ist ein kleines Kartenspiel, bei dem die Handkarten nicht verändert werden dürfen. Dieser Umstand führte bei manchen zu Einordnung als Kennerspiel. Sicherlich ist es für unerfahrenere Spieler ungewohnt, die Karten nicht sortieren zu dürfen, aber das legt sich schnell. Und dann sind die Optionen bei Scout überschaubar. Aber ebenso spannend, wenn man versucht durch geschicktes Aufnehmen weiterer Karten, die eigene Kartenhand so zu optimieren, um viele Karten auf einen Schlag auszuspielen. Es erinnert schon sehr an Krass Kariert, welches seinerzeit nicht auf den Listen der Jury auftauchte, aber immerhin den Fairplay “A la carte”-Preis erhielt. Scout ist durch die fehlenden Sonderkarten vielleicht noch einen Tick zugänglicher. Leider ist das Layout der Zahlenkarten der Erstauflage nicht für Linkshänder optimiert und zu zweit ist es nur mit Regelanpassung spielbar. Diese habe ich noch nicht ausprobiert.

Top Ten ist zu zweit erst gar nicht spielbar, auch nicht zu dritt. Vier bis neun Spieler können hingegen dabei sein, wenn es darum geht Begriffe, Gesichtsausdrücke oder pantomimische Vorstellungen zu teils aberwitzigen Situationen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Ein tolles Partyspiel, welches sich richtig frisch anfühlt. Dennoch wurden natürlich bereits Stimmen laut, dass das Spiel des Jahres nicht “schon wieder” ein Partyspiel sein sollte. Nach der ersten Regellektüre war ich auch noch unsicher, ob das was für mich und unsere Mitspieler ist. Pantomime sind in unseren Gruppen eher nicht so gerne gesehen. Aber die ersten Partien haben mich vom Gegenteil überzeugt. Ich weiß nicht, wann ich zuvor das letzte Mal so lange und intensiv gelacht habe. Dennoch würde ich mich über den Sieg eines anderen nominierten Spiels mehr freuen.

Damit sind wir auch direkt bei der dritten Nominierung und der einzigen, die ich prognostiziert habe: Cascadia. Es macht zwar nichts wirklich aufregend neu, funktioniert aber einfach gut und sieht dabei auch noch hübsch aus. Mein persönlicher Favorit auf den diesjährigen Titel.

Bei der Longlist gab es dann durchaus Überraschungen. Echoes findet sich dort, allerdings explizit Die Tänzerin. Anders als bei den Exit-Titeln 2017, wurde hier nicht die gesamte Reihe genannt. Dabei habe ich schon mehrfach gehört, dass eigentlich Der Cocktail, der einzige der bei mir noch unbespielt ist, der reizvollste dieser mittlerweile vier Titel sein soll.

Mit 7 Wonders Architects und So Kleever finden sich zwei Spiele auf der Liste, die so mancher auf dem Zettel hatte. Die Empfehlung von Trek 12: Himalaja war nach den aktuellen Erwähnungen durch Jury-Mitglieder auch absehbar, mich persönlich hat es leider noch nicht so sehr überzeugt. Magic Rabbit vom Verlag Funbot scheint ein wahrer Geheimtipp zu sein. Ebenso wie das bei Kosmos erschienene My Gold Mine, welches unter anderem von Michael Loth vom Mogel Verlag ist, für den ich mich besonders freue. Beide Titel habe ich leider noch nicht gespielt und kann sie daher nicht weiter einordnen.


Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit der Auswahl der Jury. Doch was haltet ihr von den Nominierungen und Empfehlungen? Seid ihr ebenfalls zufrieden oder fehlt euch etwas? Welche sind eure Favoriten? Schreibt mir gerne Kommentare dazu.

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