Living Forest

Überall im Wald brodeln heiße Flammen,
während die Tiere halten zusammen.
Doch ist eure Hilfe vonnöten,
das wissen nicht nur die Kröten,
auch Fuchs und Bär stehen euch bei,
genau wie der Hirsch mit seinem Geweih.
Die Tiere ermöglichen eine oder zwei Aktionen,
doch welche werden sich besonders lohnen?
Sind es Feuer, Blumen oder Pflanzen,
die den Sieger lassen tanzen?

Spielmaterial:

Living Forest ist toll ausgestattet. Für die fast 40 quadratischen Baum-Plättchen liegen zwei Papp-Halter bei, um diese im Spiel sortiert bereit zu halten. Es gibt einen zentralen Steinkreis-Spielplan und Ablageflächen für die Tiere der Stufen eins bis drei und eine für die Karten mit den Feuer-Waranen. Die Tier-Karten zeigen in beliebiger Kombination bis zu fünf verschiedene Aktionssymbole mit festen Zahlwerten und manche von ihnen zusätzlich ein schwarzes Einzelgänger- oder ein helles Gesellschaftssymbol. Jeder Spieler erhält ein identisches Set aus Start-Karten sowie ein eigenes Spielertableau. Zusätzlich eine Spielfigur aus Pappe, einen Start-Baum und drei Bonus-Plättchen, jeweils mit einem Baum, einem Feuer und einer Blume. 20 Magie-Fragmente, über 50 Feuer-Plättchen mit den Werten 2-4 und ein Startspieler-Baum komplettieren das Spielmaterial.

Spielmechanismus:

Jede Runde in Living Forest besteht aus einer Tier- und einer Aktionsphase. In der Tierphase agieren die Spieler gleichzeitig, indem sie Karten ihres persönlichen Decks aufdecken. Spätestens wenn das dritte schwarze Einzelgänger-Symbol bei einem Spieler zu sehen ist, endet das Aufdecken für diesen Spieler. Weiße Geselligkeitssymbole negieren jeweils ein schwarzes Symbol. Die Anzahl sichtbarer, schwarzer Symbole entscheidet darüber, ob der Spieler eine oder zwei Aktionen ausführen darf. Die Werte der Aktionssymbole ergeben addiert die Stärke der Aktion. Aus diesem Grund kann es durchaus sinnvoll sein, auch nach zwei Einzelgänger-Symbolen noch weiter aufzudecken, in der Hoffnung dass nicht direkt eine Karte mit einem weiteren negativen Symbol erscheint.

Living Forest Spielsituation 2p
Living Forest Spielsituation 2p / Foto: Brettspielpoesie

Die möglichen Aktionen sind schnell erklärt. Mit Sonnen können neue Tiere angelockt werden, Wasser ermöglicht es Feuer zu löschen. Samen lassen einen neuen Baum auf dem eigenen Spielertableau entstehen. Für jedes Steinkreis-Symbol bewegt sich die eigene Spielfigur auf dem Steinkreis-Tableau. Felder mit den Figuren der Mitspieler werden dabei übersprungen, was damit belohnt wird, dieser Person ein Bonus-Plättchen stehlen zu dürfen. Jedes dieser Bonusplättchen bringt den Spieler, in dessen Besitz es sich befindet, einen Schritt näher an eine der drei Siegbedingungen. Zusätzlich gibt es beim Steinkreis den Bonus des Feldes, auf dem die eigene Figur zum Stehen gekommen ist. Dies kann ein Magie-Fragment zum Ablegen von Einzelgänger-Symbolen oder dem Entsorgen von Feuerwaran-Karten in der Tierphase sein oder eine zusätzliche Aktion sein. So ist es auch möglich eine bereits in diesem Zug genutzte Aktion erneut auszuführen.

Living Forest Spielsituation 3p
Living Forest Spielsituation 3p / Foto: Brettspielpoesie

Nachdem alle ihre Aktionen ausgeführt haben, wird geprüft, ob jemand mindestens 12 unterschiedliche Bäume besitzt, 12 Flammenplättchen beliebigen Wertes sammeln konnte oder 12 Blumen in dessen Auslage sichtbar sind. Bei dieser Rechnung zählen auch die Symbole eigener und fremder Bonusplättchen hinein. Ist dies der Fall, endet die Partie.

Sonst folgt eine kurze Verwaltungsphase. Dabei müssen alle Spieler übrige Flammen löschen können. Wenn die eigenen Wassersymbole nicht ausreichen, erhalten sie für die Differenz Feuerwaran-Karten auf den eigenen Ablagestapel, welche nur ein Einzelgänger-Symbol zeigen, jedoch keinerlei Aktionssymbole. Danach entstehen neue Flammen, falls zuvor Karten gekauft wurden. Die Kartenauslage wird aufgefüllt und alle Kartenreihen abgelegt. Dann geht es wieder von vorne los. Ist ein Nachziehstapel aufgebraucht, man möchte aber noch weitere Karten aufdecken, wird der Ablagestapel neu gemischt.

Living Forest Spielsituation 4p
Living Forest Spielsituation 4p / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Wie oben beschrieben erfolgt am Ende einer jeden Runde die Prüfung aller Spieler auf die drei Siegbedingungen. Wer auch nur eine der drei Bedingungen zu diesem Zeitpunkt erfüllt, gewinnt die Partie. Gelingt dies mehreren Spielern in derselben Runde, prüfen diese alle drei Elemente und vergleichen den Gesamtwert aus Bäumen, Flammen und Blumen, um den Sieger zu bestimmen.

Spieleranzahl:

Die Spielerzahl bestimmt die Anzahl der verfügbaren Bäume und die Startpositionen der Figuren auf dem Steinkreis. Die erste Phase einer jeden Runde verläuft parallel, hier spielt jeder für sich. Erst in späteren Runden, kurz vor Ende des Spiels kann es von den Mitspielern und ihrer Auslage abhängen, ob man selbst noch weiter aufdecken möchte. Die einzelnen Züge erfolgen hintereinander, gehen aber in der Regel schnell um, selbst wenn man noch Bonusaktionen erhält.

Nicht nur durch den Steinkreis und das Stehlen der Bonusplättchen ist Living Forest interaktiv. Auch das Feuer lässt sich gegen die Mitspieler einsetzen, wenn diese sich zu sehr darauf verlassen, das andere schon löschen. Oder alle Feuer gelöscht sind, bevor ein Spieler an die Reihe komme, dem nur noch wenige dieser Plättchen fehlen. Es spielt sich in jeder Konstellation etwas anders, aber immer grundsätzlich gut.

Glücksfaktor?

Push your Luck-Mechanismen sind ja der Inbegriff eines Glücksfaktors, da man sein Glück wie der Name schon sagt, in jeder Runde aufs Neue auf die Probe stellt. Es gibt hier aber auch Möglichkeiten diesen Einfluss zu minimieren. Indem man sich Magie-Fragmente besorgt, um Karten mit Einzelgänger-Symbolen abzulegen oder Gesellschafts-Symbole ins Deck holt, die Einzelgänger-Symbole negieren. Die Anzahl der Symbole im eigenen Stapel ist bekannt und diese Information kann helfen, das Risiko einzuschätzen.

Meinung:

Optisch ist es wie so oft eine Geschmacksfrage. Ich mag die grundlegende Gestaltung des Spielmaterials, die Tierkarten mit ihren leeren Augen finde ich jedoch eher abschreckend. Die Plättchenhalterungen sind stabil, doch jedes mal die Plättchen neu hinein zu sortieren, kann schon ein wenig nerven, da es einige Zeit kostet. Für die Spielerfiguren werden nur zwei Pappteile zusammengesteckt, leider stehen manche davon nicht sonderlich stabil. Das Thema gibt dem ganzen Spielablauf einen Rahmen, wirklich substantiell ist es aber nicht. Es hilft mit Begriffen wie Onibi, Magie-Fragmenten und Feuerwaran-Karten auch nicht wirklich das Spiel zu erlenen. Dabei ist der Spielablauf einfach zu verstehen, lediglich die einzelnen Aktionen und die Möglichkeiten Bonusaktionen auszulösen benötigen etwas mehr Aufmerksamkeit.

Vom Spielgefühl fühle ich mich an Die Quacksalber von Quedlinburg erinnert, (vermutlich weil ich bisher zu selten Mystic Vale spielen konnte…) doch ist es hier viel positiver besetzt. Was sicherlich daran liegt, dass ich bei Living Forest alle Effekte, die ich mir besorge auch aktiv erlebe. Bäume bringen sofort einen Bonus ein, jede neue Karte taucht ganz sicher im Folgezug auf. Und später spielt man sein Deck immer komplett durch, was ein wiederholtes Auftauchen absichert. Die Startkarten bleiben zwar immer im Deck, aber zumindest die Feuerwarane lassen sich daraus auch entfernen.

Nach den ersten Partien konnte ich die vielen positiven Worte für Living Forest kaum nachvollziehen. Schnell stellte sich der Verdacht ein, die Feuer-Strategie wäre zu stark, besonders in Partien zu zweit. Doch dieser Eindruck verflog nach weiteren Partien. Wenn man den Spielablauf erst einmal verinnerlicht hat, erkennt man ganz neue Möglichkeiten in Living Forest. Die einzelnen Partien können auch komplett unterschiedlich verlaufen. Manches Mal wechseln die Bonusplättchen nur so hin und her, in der nächsten Partie können vielleicht sogar die Feuerwarane ausgehen. In einer Partie offeriert die Kartenauslage viele Geselligkeitssymbole, beim nächsten Mal mehr Einzelgänger oder zunächst gar keines dieser Symbole. Diese Wandelbarkeit finde ich spannend. Man sollte sich nicht vorher festlegen, welche Strategie man heute ausprobieren möchte, es hängt viel von den aktuellen Begebenheiten ab. Also welche Karten zur Verfügung stehen und wie die Mitspieler agieren.

Es brauchte für mich einige Partien, um gewisse Stellschrauben zu erkennen. Die Spielerreihenfolge ist so ein Element. Es kann, vor allem zu Beginn, passieren, dass dem letzten Spieler wenige lukrative Optionen bleiben, wenn alle Feuer gelöscht und die besten, günstigen Karten bereits vergeben sind. Später ist die letzte Position aber spannend, wenn beispielsweise alle denken, man wird sich schon um das Feuer kümmern und man die Mitspieler auflaufen lassen kann, indem man eben dies nicht tut. Auch sind nicht immer zwei Aktionen die beste Wahl, wenn nämlich beide nur schwach ausführbar sind, kann es sich lohnen weitere Karten aufzudecken, um die dann vielleicht nur eine Aktion hoffentlich noch stärker werden zu lassen. Und dann kommt doch nur wieder ein negativer Wert zum Vorschein, solche lassen sich nämlich bereits unter den Startkarten finden. Aber genau solche Situationen lösen Emotionen aus. Und das gelingt Living Forest immer wieder.

Fazit:

Auch wenn Pegasus Living Forest als Familienspiel einordnet, ist es für mich ein gelungenes Kennerspiel. Drei verschiedene Siegbedingungen erlauben es verschiedene Schwerpunkte zu setzen. Die Partien können ganz unterschiedlich verlaufen, was für einen hohen Wiederspielreiz sorgt. Den As d’Or Initiée in Frankreich hat das Spiel bereits erhalten, beim Kennerspiel des Jahres schätze ich die Chancen ebenfalls gut ein.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Pegasus Spiele
Autor(en): Aske Christiansen
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 – 60 Minuten

Vielen Dank an Pegasus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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