Tag der Brettspielkritik 2022

Fast zwei Wochen ist es mittlerweile her, dass ich mich auf den Weg nach Hamburg machte. Das Ziel war die Jugendherberge Horner Rennbahn, beziehungsweise das daneben gelegene Hotel. Es war für mich nicht der erste Besuch dieses Ortes, bereits vor drei Jahren fand ich mich hier mit vielen anderen ein. Auch damals wurde an drei Tagen viel gespielt, gesprochen und “gearbeitet”. Das Wetter war ähnlich warm, doch war auch einiges anders. Manche Personen habe ich dieses Jahr vermisst, weil sie nicht mehr unter uns weilen oder einfach verhindert waren. Daneben gab es aber auch viele neue Gesichter zu entdecken. Um euch nicht länger auf die Folter zu spannen: Es gab wieder einen Tag der Brettspielkritik. Den zweiten, oder um genau zu sein, bereits den dritten. Ich bin allerdings froh, dass zwischen dem letzten Tag der Brettspielkritik und dem diesjährigen nicht gut 25 Jahre lagen. Bei den Bretterwissern habe ich bereits über die diesjährige Veranstaltung gesprochen, nun möchte ich meine Gedanken noch nieder schreiben.

Freitag

Der Verein Spiel des Jahres lud erneut Medienschaffende zum Austausch ein, die sich in ihren Medien dem Brettspiel widmen. Der Tag der Brettspielkritik startete für mich am Freitagabend mit einem großen Wiedersehen und der Bekanntschaft vieler neuer Personen. Direkt bot sich die Möglichkeit zum Spielen, denn dieses Hobby ist es ja, welches für uns alle der größte gemeinsame Nenner ist. Da Traditionen erhalten bleiben müssen, startete ich auch dieses Jahr mit einer Partie Startups von Oink Games, welches Ingo von den Spielträumers dabei hatte. Mit am Tisch befanden sich Jen und Tina vom Podcast Pile of Happiness. Lange hatte ich nicht mehr dieses eigenartige Gefühl, die mittlerweile ganz gut bekannten Stimmen neben mir sitzen zu haben und in meinem Kopf erst noch mit den anwesenden Personen zu verknüpfen.

Danach begann am Tisch nebenan eine Runde Feed the Kraken, die leider schon 11 Personen um sich versammelte. Ich nutzte daher meine recht neu erworbenen Talente Spiele zu erklären, um anderen Cascadia näher zu bringen. Denn es gab tatsächlich Anwesende, die diesen heißen Kandidaten auf das Spiel des Jahres noch nicht gespielt hatten. Gnadenlos nutzte ich die Situation aus und es gelang mir einen persönlichen Punktehighscore von über 100 Punkten aufzustellen. Die Abrechnung erfolgte genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die Bedienung des Restaurants, in dem wir uns zum Spielen nieder gelassen hatten, gab aus heiterem Himmel bekannt in 5(!) Minuten das Restaurant zu schließen. Das kam unerwartet! Leider sprengte dies die gesamte Gruppe. Jeder packte schnell seine Spiele ein und alle verstreuten sich in Windeseile über Hotel und Jugendherberge.

An der Hotelbar reichte es noch für eine lustige Partie Maskmen, ebenfalls von Oink Games, mit beiden Spielträumers und Dawit vom Podcast Brett vorm Pod. Man versucht dabei in jedem Durchgang durch geschicktes Ausspielen von Handkarten die Stärke von sechs Wrestlern festzulegen. Da sich diese immer aus dem Vergleich mit anderen ergibt, können durchaus interessante Optionen entstehen. Wenn man bereits weiß dass jemand stärker ist als andere, aber noch nicht weiß wie diese zueinander stehen – ganz schön verzwickt :D

Danach begab ich mich alleine in die Jugendherberge und ging direkt aufs Zimmer. Gerade bettfertig eingekuschelt entdeckte ich noch Bilder von mehreren Teilnehmenden in der Lobby der Jugendherberge, entschied mich aber dazu nun einfach liegen zu bleiben, mich für den folgenden Tag auszuruhen und abzuwarten wer noch mir mir auf diesem Zimmer nächtigt. Ich hatte mich bewusst gegen ein Hotelzimmer entschieden, um die Geselligkeit auf den Gemeinschaftszimmern zu erleben. Nur so wird solch ein Event doch erst zu dem “Klassentreffen”, von dem so gerne gesprochen wird.

Samstag

Ich startete überraschend fit in den arbeitsintensiven Samstag. In verschiedenen Arbeitsgruppen und Gesprächsforen fanden sich Medienschaffende ein, um sich zu diversen Themen auszutauschen. Zwar gab es immer eine Person, welche einen Block “leitete”, doch stellte sich niemand der ausgebildeten Journalisten hin und meinte uns erzählen zu wollen wie Brettspielkritiken exakt aussehen müssen. Es ging viel mehr um den gemeinsamen, kritischen Austausch. Manch einer teilte auch ganz bewusst seine eigenen Anfänge, um aufzuzeigen wie man es vielleicht lieber nicht machen sollte. Im Anschluss folgten jeweils Zusammenfassungen der Arbeitsinhalte aller Gruppen im großen Plenum, sodass jeder vieles mitbekam.

Tag der Brettspielkritik
Tag der Brettspielkritik / Foo: Brettspielpoesie

Jedes Medium hat seine eigenen Vor- und Nachteile, auf jedem Medium spricht man die teilweise ganz unterschiedlichen Empfänger auf andere Art und Weise an. Schon letztes Mal zeigte sich, dass selbst ähnliche Medien ganz unterschiedlich bestückt werden. Auch wenn beispielsweise Podcasts und Radiosendungen beides akustische Medien sind, so unterscheiden sie sich inhaltlich doch sehr, alleine aufgrund ihrer Länge. Aber manche Prinzipien gelten dann doch irgendwie für alle.

Auch in der Selbstwahrnehmung gibt es Unterschiede, denn längst nicht jeder Youtuber sieht sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes als Brettspielkritiker, weil viele Inhalte auch gar nicht auf eine kritische Auseinandersetzung abzielen. Es wurden an diesem Wochenende auch andere Formate angesprochen, die in den Medien stattfinden, aber nicht als Kritik im engeren Sinne zählen. Von daher wäre vielleicht über eine Umbenennung der Veranstaltung nachzudenken, damit sich noch mehr Medienschaffende darin wiederfinden können.

Tag der Brettspielkritik
Tag der Brettspielkritik / Foto: Brettspielpoesie

Ich fand es erquickend, von Maren Hoffmann einige Leitsätze aus ihrer täglichen Arbeit beim Spiegel online aufzuschnappen. Diese helfen hoffentlich auch mir in Zukunft, meine Texte noch zielgerichteter zu schreiben und auch Kritik dazu besser aufzunehmen. Wobei ich den Anspruch hier gerne eher etwas senken möchte. Denn ich stelle doch immer wieder fest, dass ich weniger Artikel auf diesem Blog veröffentliche, weil ich mir in letzter Zeit oft selbst im Weg stehe. Ich denke mittlerweile vermutlich zu viel darüber nach wie ich was hier schreibe, statt einfach meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Daher nehme ich mir für die Zukunft vor, einen geeigneten Mittelweg zu finden.

Tag der Brettspielkritik
Tag der Brettspielkritik / Foto: Brettspielpoesie

Einen weiteren entscheidenden Unterschied gibt es noch zu denen, die es hauptberuflich machen: Ich schreibe hier in meiner Freizeit, wir podcasten bei den Bretterwissern aus Spaß daran. Das steht ganz einfach in einem gewissen Widerspruch zum Anspruch an Professionalität. Natürlich wollen wir gute Inhalte bieten, welche unsere Leser bzw. Zuhörer interessieren, doch immer in erster Linie mit viel Spaß an der Sache. Dabei sind wir immer dankbar für offenes und ehrliches Feedback, um uns selbst zu hinterfragen und ggf. etwas ändern zu können – oder eben auch nicht, wenn wir uns damit genau so einfach wohl fühlen. Denn es ist ja ein Teil unseres Hobbys, welches wir in erster Linie für uns ausleben. Wenn das Produkt dessen dann noch andere interessiert, macht es natürlich umso mehr Spaß.

Genau dafür steht für mich der Tag der Brettspielkritik: Sich selbst und seine Arbeit zu hinterfragen. Sich bewusst zu machen, was man erreichen möchte und auf diese selbst gesteckten Ziele hinzuarbeiten. Ich kann nicht behaupten an diesem Wochenende viel gelernt zu haben, aber ich habe erneut interessante Denkanstöße mitgenommen, die meinte zukünftigen Veröffentlichungen sicherlich beeinflussen.

Sonntag

Die letzte Nacht begann für mich erst in den frühen Morgenstunden, wir wollten einfach nicht aufhören zu spielen. Obwohl ich insgesamt gesehen viel weniger spielte, als es an einem solchen Wochenende möglich sein sollte, aber man hatte nach so langer Zeit ohne Treffen auch einfach zu viel zu erzählen.

Nach einer verdammt kurzen Nacht startete ich also nicht mehr ganz so frisch in den letzten Part vom Tag der Brettspielkritik: Einer Podiumsdiskussion mit Autor Jens-Peter Schliemann, Amigos Pressemanagerin Andrea Mielke und Britta Stöckmann von Knizia Games. Letztere war zuvor als Redakteurin bei Huch! tätig. Eingeleitet wurde dies mit Gedanken von Daniel Wüllner von der SZ zur Nähe zu den Verlagen. Auch am Vortag ging es mit Blick auf Brettspielkritiken in den sozialen Medien bereits darum, sich gut zu überlegen, welche Inhalte man zu welchem Zweck produziert und auch entsprechend vorsichtig mit Hashtags und Verlinkungen umzugehen.

Tag der Brettspielkritik
Tag der Brettspielkritik / Foto: Brettspielpoesie

Die Podiumsdiskussion gab den anwesenden Akteuren aus verschiedenen Bereichen der Brettspielszene die Möglichkeit zu beschreiben, wie sie Brettspielkritiken wahrnehmen und konsumieren. Ein ganz spannender Austausch, der gerne noch länger hätte andauern dürfen. Auch wenn ich doch froh war, am frühen Nachmittag wieder im Zug gen Heimat zu sitzen.

Fazit

Ich finde es großartig, dass der Spiel des Jahres-Verein sich so sehr dafür einsetzt, Medienschaffende aus der Brettspielwelt zu vernetzen und durch regelmäßigen Austausch hoffentlich die einzelnen Veröffentlichungen zu stärken. Ich nehme immer wieder gerne daran teil. Und es bewegt so einiges in mir. Ob sich dadurch wirklich etwas an meinen Inhalten oder denen der anderen Teilnehmer ändert, bleibt abzuwarten. Letztes Mal waren Emotionen das Stichwort des Wochenendes. Dass wir in diesem Jahr überhaupt nicht mehr darüber gesprochen haben, dass es Brettspielkritiken an Emotionen fehlt, lässt doch erkennen, dass diese in Brettspielkritiken Einzug gehalten haben, sodass dieser Umstand mittlerweile nicht mehr explizit herauszustellen ist.

Leider hatte ich die inhaltlichen Blöcke in einer Kombination gewählt, wie viele andere auch. Dadurch habe ich längst nicht mit jedem Teilnehmer sprechen können. Dafür waren wir aber auch einfach zu viele Personen. Was ich grundsätzlich ebenfalls als ein gutes Zeichen anerkenne, dass so viele Medienschaffende bereits sind, ihre Arbeit zu hinterfragen und besser einzuordnen. Hoffentlich sieht man sich jetzt wieder regelmäßiger auf Veranstaltungen persönlich und es ergeben sich weitere Gelegenheiten zum Kennenlernen.

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3 Antworten auf „Tag der Brettspielkritik 2022“

Ich habe mich sehr gefreut dich im Rahmen der Veranstaltung nun auch endlich mal persönlich kennenzulernen. Und das Versprechen bleibt bestehen. Löse ich jemals meine Munchkinsammlung auf, bekommst du meine John Kovalic Karte.

Hi, hat mich auch sehr gefreut. Auch wenn es etwas gedauert hat, bis der Groschen gefallen ist :D Wird hoffentlich nicht das letzte Aufeinandertreffen bleiben.
Auf das Angebot komme ich natürlich gerne zurück, sollte dies je eintreffen :)

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