Kannste Knicken / Echt Spitze

Die Spiele der Reihe Klein & Fein bei Schmidt Spiele sind eigentlich immer für eine Überraschung gut. Mal entstehen Dauerbrenner wie Noch Mal!, welche später verschiedenste Erweiterungsblöcke erhalten, nächstes mal ist vielleicht sogar eine Nominierung zum Kennerspiel des Jahres drin (wie damals bei Ganz schön clever!). Auch in den beiden vergangenen Jahrgängen gab es Neuzugänge zu dieser Reihe, die jedoch etwas anders hervorstechen, da die Wertungszettel nicht nur beschrieben, sondern auch auf andere Art und Weise beansprucht werden. Diese beiden Titel möchte ich heute kurz und knapp vorstellen, um den Fragen nachzugehen ob man Kannste Knicken wirklich knicken kann und ob Echt spitze wahrlich spitze ist?

Beides sind Würfelspiele für 1 – 4 Spieler, die in 20 Minuten gespielt sein sollen. Enthalten ist jeweils ein dicker Spielblock, der beidseitig unterschiedlich bedruckt ist, beide Seiten aber für eine Partie relevant sind. In beiden Spielen führt der Umgang mit dem Papier dazu, dass es nicht sinnvoll ist sie zu laminieren, weil sie dann weder knickbar, noch einfach zu durchstechen sind. Eine sichere Einnahmequelle für Zusatzblöcke also, jedenfalls wenn der Spielspaß stimmt.

Kannste Knicken

Bei Kannste Knicken geben nur zwei Würfel die möglichen Eintragungen vor. Diese Würfel zeigen auf jeder Seite eine oder zwei Zahlen zwischen eins und fünf. Der aktive Spieler würfelt beide und entscheidet sich für einen davon. Jede Zahl entspricht der Anzahl in gerader Reihe aneinander angrenzender Kreuze, die von einem Startpunkt aus gesetzt werden dürfen. Alle anderen Spieler machen dasselbe für den anderen Würfel. Zu Beginn gibt es jeweils einen Startpunkt in allen vier Ecken des Spielblatts. Jeder Endpunkt einer Reihe von Kreuzen wird zugleich zu einem neuen Startpunkt. Dadurch entstehen im Laufe der Partie immer weitere Optionen. Manche Felder geben einen Bonus, um weitere Kreuze setzen zu dürfen.

Kannste Knicken Spielmaterial
Kannste Knicken – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

In allen vier Quadranten sind einige Emojis zu sehen. Diese anzukreuzen ist erforderlich, um die Ecke umknicken zu dürfen und somit die Zielsymbole zugänglich zu machen. Um zu gewinnen ist eine durchgehende Verbindung zwischen allen fünf Zielsymbolen erforderlich. Dies ist mit kleinen Knicken genauso möglich wie mir großen Knicken bis zur Mitte des Blatts, doch nur diese schalten auch einen Bonus für den Rest der Partie frei, welche die Würfelvorgaben abschwächen.

Kannste Knicken Knicke
Kannste Knicken Knicke / Foto: Brettspielpoesie

Die vier unterschiedlichen Level unterscheiden sich nicht nur durch verschiedenartige Symbole. Sie verändern auch Detailregeln, wodurch der Anspruch etwas steigt. Auf Level 2 ermöglichen Eisflächen Rutschpartien über weitere Strecken. Die Aliens aus Level 3 lassen einen an bestimmten Stellen abbiegen oder sich sogar teleportieren. Der verrückte Professor im letzten Level fordert weitere Knicke ein, um die Zielsymbole freizugeben. Dieser doppelte Knick ist für mich eine Spur zu kompliziert. Ich weiß nie wirklich wie ich knicken darf und kann daher auch nur schwer gezielt daraufhin spielen.

Kannste Knicken - Zettel
Kannste Knicken – Zettel / Foto: Brettspielpoesie

Für das Solo-Spiel stehen 29 Züge zur Verfügung, um das Spielziel zu erreichen. Umso weniger Züge erforderlich sind, desto besser. Vor der Partie entscheidet sich der Spieler für eine Spalte der Solotabelle mit Vorgaben, welche Würfel pro Zug zugänglich sind.

Meinung:

Das Falten der Spielzettel klingt anfangs total cool, entpuppte sich für mich aber schnell als mehr Schein als Sein. Zwar steht man durchaus vor der Wahl früh die kleineren Ecken umzuknicken oder später die größeren, die größeren sind aber einfach lukrativer. Nur durch sie kann man sich die Boni freischalten, mit denen auch die Würfel des aktiven Spielers verwendbar sind. Eben dieser Bonus nimmt aber auch das einzige interaktive Element heraus. Wobei es zuvor schon nicht ratsam ist, nur auf die anderen zu achten, man entscheidet meist doch eher, welchen Wert man selbst besser gebrauchen kann. Sobald alle Spieler beide Würfel beliebig verwenden können, kommt es nur noch darauf an, wer schneller die Zielsymbole erreicht. Zudem verkürzen große Knicke die Entfernung zwischen den Zielsymbolen, also ein weiterer Aspekt, der gegen die kleinen Knicke spricht.

Das Knicken ist zugleich aber auch materiell ein Hindernis, denn dadurch stehen die Ecken ab und man braucht eigentlich immer eine Hand zum festhalten, um die möglichen Optionen zu erfassen. Besonders bei halbierten Quadraten auf Level 4 stellt sich die Frage, ob diese als gekreuzt gelten, oder nicht, weil ja nur ein Teil davon mit einem Kreuz versehen ist? Die Anleitung schweigt sich dazu leider aus.

Kannste Knicken Problem
Kannste Knicken Problem / Foto: Brettspielpoesie

Ohne dieses innovative Knick-Element bleibt ein schlichtes Würfelspiel mit Wettlaufcharakter übrig. Die einzelnen Level bieten durch ihre verschiedenen Detailregeln durchaus etwas Abwechslung, optisch finde ich es mit den Emojis auch gelungen und schön anzusehen. Hat man jedes Level jedoch einmalig gespielt, verflüchtigt sich der Spielreiz in meinen Augen. Es gibt einfach stärkere Spiele in diesem Genre, die über mehrere Partien eine spannendere Herausforderung bieten, wodurch ein gewisses Suchtpotential entsteht. Dieses hier hat sich bei mir bei Kannste Knicken leider nicht eingestellt.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Klaus-Jürgen Wrede, Ralph Querfurth
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten


Echt Spitze

Beim Schriftzug von Echt Spitze ersetzt ein Bleistift das “i” im Wort Spitze. Und ein solcher, möglichst gut angespitzt, ist auch dringend erforderlich für eine Partie dieses Spiels. Auf den Blättern der hier nur drei unterschiedlichen Level sind diverse Seifenblasen zu sehen. Von den sechs Würfeln kommen immer so viele ins Spiel, dass jeder teilnehmende Spieler einen für sich wählen und ihn auf seinem Zettel platzieren kann, während zwei Würfel für alle übrig bleiben. Nur einige dieser Würfel zeigen neben den Zahlen auch ein Symbol für ein Extra-Kreuz.

Echt Spitze - Spielmaterial
Echt Spitze – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Gewählte Würfel werden sofort entsprechend ihrer Augenzahl auf dem eigenen Zettel in einer Zeile oder Spalte platziert. Nachdem der aktive Spieler die übrigen beiden Würfel entweder neu würfelt oder sich dagegen entscheidet, wählt jeder einen der beiden Würfel virtuell, um einen Schnittpunk mit dem zuvor gewählten Würfel zu erhalten. Dort darf gekreuzt werden. Trifft man dabei auf eine Seifenblase, durchsticht man diese, wendet das Blatt, setzt dort ebenfalls ein Kreuz und spielt fortan auf dieser Seite weiter. Zumindest bis zur nächsten Seifenblase.

Echt Spitze - Durchgelocht
Echt Spitze – Durchgelocht / Foto: Brettspielpoesie

Zeigen die gewählten Würfel ein zusätzliches Kreuz darf ein solches angrenzend an das eigentliche Kreuz erfolgen, vorausgesetzt in diesem Zug wurde keine Seifenblase gekreuzt. Mit den Kreuzen versucht man Sets aus gleichen Symbolen zu sammeln, die unterschiedlich häufig vorkommen. Wem dies zuerst gelingt, erhält mehr Punkte dafür. Zusätzlich gibt es Punkte für vollständig gekreuzte Reihen/Spalten.

Auf Level 2 gibt es zusätzliche Bienenstöcke, welche die Mitspieler streichen müssen, wenn jemand einen solchen ankreuzt. Das erschwert es vollständige Reihen oder Spalten anzukreuzen. Level 3 spielt sich etwas anders, denn dort werden Diamanten eingesammelt und die Kreuze zu vorgegebenen Puzzle-Teilen zusammengefasst, um zu punkten.

Echt Spitze - Löcher
Echt Spitze – Löcher / Foto: Brettspielpoesie

Auch hier gibt es eine Solo-Variante. Dabei erfolgt die Punkteabrechnung nach genau 14 Zügen. In der ersten Hälfte der Partie bringen gesammelte Symbole den höheren Wert ein, später den niedrigeren. Immer abwechselnd ist es vorgegeben nach der ersten Würfelwahl neu zu würfeln oder frei zu entschieden dies zu tun oder auch nicht. Es gibt keinen Richtwert, man versucht einfach seinen eigenen Highscore zu knacken.

Meinung:

Die Zettel zu durchstechen war anfangs aufregend, das gebe ich zu. Die beiliegende Schaumstoffunterlage hilft dabei, dass dies fix von der Hand geht, ohne den gesamten Zettel zu zerstören. Aber es fühlt sich tatsächlich eher wie ein Gimmick an, schnell verflog bei mir das Neuartige daran. Die erforderliche Administration habe ich danach eher lästig empfunden: Schnittpunkt der beiden Würfel ankreuzen, Zettel auf die Unterlage legen, durchstechen, umdrehen, erneut Kreuz setzen und noch die Kante mit den Punkten umfalten. Viele Schritte, die den Spielspaß ein wenig dämpfen. Wenn man dann noch vergisst ein erreichtes Symbol anzustreichen, kann man den Überblick verlieren.

Die Anleitung hat uns zunächst fragend zurück gelassen. Es ist intuitiv die großen Symbole in den Seifenblasen kreuzen zu wollen, es zählen wohl aber die kleinen Symbole auf den Rückseiten der Seifenblasen. Nach dem Kreuzen einer Seifenblase sind zwar beide Seiten mit einem Kreuz versehen, man kann die kleinen Symbole aber auch durch direktes Ankreuzen sammeln. Auch die Symbolik auf den Zetteln erscheint mir nicht exakt zu sein. Es gibt Punkte für angekreuzte Symbole, auch wenn nicht alle erreicht wurden. Das Symbol neben dem Feld zum Eintragen dieser Punkte zeigt jedoch eine geplatzte Seifenblase, die aber eigentlich nicht zwingend vorhanden sein muss, da das Symbol auch direkt ankreuzbar ist.

Die Interaktion beschränkt sich darauf, anderen die Würfel wegzunehmen, diese sollte man selbst aber auch verwenden können, was die Wahl, besonders im späteren Spiel, ein wenig einschränkt. Auch durch erneutes Würfeln lassen sich die Mitspieler manchmal ärgern. Ob man selbst mit dem Neuwurf etwas anfangen kann, ist natürlich Glückssache.

Echt Spitze fühlt sich trotz der vielen prallen Seifenblasen irgendwie nicht so richtig rund an. Verglichen mit anderen Spielen des Genres übt es weit weniger Wiederspielreiz auf mich aus und kann sich gegen andere Vertreter nicht behaupten.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Klaus-Jürgen Wrede, Ralph Querfurth
Erscheinungsjahr: 2022
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten


Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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