Man muss auch gönnen können

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Würfelspiele,
gibt es viele,
Würfelzahlen,
einzutragen,
ist bekannt,
braucht neues Gewand.
Denn zumeist,
sind Vorgaben alle gleich.
Doch diese hier entstehen,
durchs Karten auslegen.
Dadurch wird variieren,
wie Spieler Punkte generieren.
Neue Würfe die Mitspieler belohnen,
somit entsteht auch Interaktion.

 

Spielmaterial:

Dieses Würfelspiel enthält neben fünf verschieden farbigen Holzwürfeln auch über fünfzig quadratische, wieder beschreibbare Kärtchen. Diese können mit den vier beigelegten Stiften beschrieben werden. Ein kleines Markt-Tableau soll den Einkauf neuer Karten strukturieren. Wie auch schon bei anderen Spielen der Klein & Fein-Serie, gibt es eine in die Schachtel integrierte Ablage für die Würfel, die nicht neu gewürfelt werden.

Man muss auch gönnen können Ablage / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Bei diesem Würfelspiel nehmen die Karten ebenfalls eine große Rolle ein. Jeder Spieler bekommt eine eigene Auslage, die maximal 3×3 Karten groß werden darf. Die Karten gibt es in zwei Sorten: Bonus- und Wertungskarten. Während die einen Boni einbringen, von denen bis zu drei Mal profitiert werden kann, führen die anderen zu einer Wertung bei Spielende. Zum Aktivieren dieser Funktionen, kommen die Würfel zum Einsatz. Im oberen Bereich einer jeden Karte ist die Anforderung zu sehen: Mal wird eine aufsteigende Zahlenreihe benötigt, mal bestimmte Augenzahlen, viele gleiche Würfelaugen oder die Summe aller Eintragungen muss 40 ergeben.

Man muss auch gönnen können Marktauslage / Foto: Brettspielpoesie

Reihum wechselt der aktive Spieler und würfelt. Mit diesem Ergebnis kann er die Vorgabe einer Karte erfüllen, aber nur wenn er in diesem Zug die gesamte Karte erfüllt. Karten mit sechs oder mehr Anforderungen können also gar nicht in nur einem eigenen Zug erfüllt werden. Mit drei oder vier gleichen Augenzahlen kann eine entsprechende Karte aus der Auslage gekauft werden. Beides kann auch kombiniert werden, z.B. mit einem Dreierpasch eine Karte erwerben und mit den beiden anderen Würfeln eine Karte komplett erfüllen.

Man muss auch gönnen können Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die passiven Spieler können immer dann profitieren, wenn der aktive Spieler nachwürfelt. Von seinem Nachwurf darf jeder Spieler einen Würfel wählen und auf einer seiner Karten eintragen. Erst wenn der aktive Spieler zwei Mal nachgewürfelt hat, kann er eine Chance verwenden: Kann oder will er die Würfel nicht nach den Regeln eintragen, darf er zwei Würfel eintragen, ohne die Karten erfüllen zu müssen. Alternativ zieht er eine Karte von einem Stapel, darf diese behalten oder ablegen, wenn sie ihm gar nicht passt.

Man muss auch gönnen können Spielerauslage / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Legt ein Spieler die neunte Karte in seine Auslage, wird nur noch die laufende Runde und eine weitere Runde gespielt. Danach kommt es zur Wertung, bei der jeder Spieler die erfüllten Karten seiner Auslage auswertet. Manche Karten bringen nur Punkte für erfüllte Karten, bei anderen reicht es aus, die Karten entsprechend ausliegen. Es gewinnt, wer die höchste Gesamtpunktzahl erzielen konnte.

Spieleranzahl:

Erst bei drei oder vier Spielern kommt das „Gönnen Können“ in meinen Augen richtig zum Tragen, zu zweit fanden wir das Spiel eher langweilig. Besonders interessant ist nämlich das effektive Ausnutzen der gegnerischen Züge oder auch bewusst auf einen Nachwurf zu verzichten und selber nicht den optimalen Zug zu machen, um den anderen Spielern eben mal nichts zu gönnen. Zu zweit würfelt jeder Spieler selbst zu häufig, es muss vermehrt die Chance genutzt werden, wenn die Würfel nicht richtig fallen. Bei mehr Spielern entstehen in der Regel mehr Möglichkeiten, seinen eigenen, folgenden Zug vorzubereiten. Außerdem verändert sich die Kartenauslage zu zweit zu wenig.

Umso spannender finde ich es daher, dass es auch solo spielbar ist. Dabei wird in jeder Runde die letzte Karte einer beliebigen Reihe abgelegt und wie oft der Spieler nachwürfelt, entscheidet über die Anzahl einzutragender Würfel des passiven Wurfs. Die Solo-Karte gibt für sieben Level an, in wie vielen Runden mindestens eine bestimmte Punktzahl erreicht werden sollte. Wurde dies geschafft, können alle Level als Kampagne hintereinander weg gespielt werden. Ich greife solo aber lieber zu anderen Spielen. Zumindest solange es noch keine App dazu gibt ;)

Glücksfaktor?

Als Würfelspiel ist natürlich viel Glück dabei. Das gilt allerdings nicht nur für die Würfelwürfe, die eigenen wie die fremden, sondern auch für das Aufdecken weiterer Karten. Viele Karten beziehen sich auf bestimmte farbige Karten, wenn diese Farbe häufig auftaucht hat der Spieler bessere Chancen auf viele Punkte, als wenn diese Farbe kaum zur Verfügung steht.

Meinung:

Das Material zeigt einige Schwächen auf, das hätte vor der Produktion auffallen können. Leider ist das Tableau für die Marktauslage in der Erstauflage etwas zu kurz geraten. Die Bereiche für Karten sind schmaler als die Karten selber, sodass diese nicht passend platziert werden können. Außerdem hat das Tableau keinen wirklichen Platz in der Schachtel, da die Würfelablage ebenso hoch ist, wie die Schachtel selbst. Dadurch kann das Tableau nur aufgelegt werden, dann steht der Deckel ein wenig ab. Diese kleinen Unzulänglichkeiten sind sehr schade, da die Karten an sich schön gestaltet sind, alles ist übersichtlich und leicht zu verstehen. Bereits die neuen Karten wirken dabei etwas „verdreckt“, sodass es gar nicht mehr auffällt, wenn beim Abwischen der Karten kleine Rückstände übrig bleiben.

Ich mag diese Knobelei mit der eigenen Auslage und den Wertungen, welche sich auf die Karten in dieser Auslage beziehen. Es werden immer wieder andere Kombinationen gefordert, so spielt sich jede Partie ein wenig anders. Auch die immer wieder zu treffende Entscheidung für Wertungs- oder Bonuskarten ist nicht ganz einfach. Manche Karten sind mit weniger Anforderungen schneller zu erfüllen, mit den richtigen Boni vielleicht noch früher, da kann auch schon mal auf ein schnelles Spielende hingespielt werden, während die Mitspieler ertragreichere Karten hoffentlich nicht so schnell aktivieren können.

Es ist meist eine spannende Überlegung nachzuwürfeln, um möglicherweise für sich selbst ein noch besseres Ergebnis zu erzielen oder lieber darauf zu verzichten, um die Mitspieler nicht profitieren zu lassen. Wird jedoch durchweg nur unpassend gewürfelt, ist die Entscheidung nicht mehr allzu groß, dann muss eben erneut gewürfelt werden. Dabei kann nur über die neu zu würfelnden Würfel und deren Farben entschieden werden, das Ergebnis und damit die Verwendbarkeit für die Mitspieler bleibt eine Überraschung.

Fazit:

Man muss auch gönnen können ist ein Roll’n’Write-Spiel mit flexiblen Wertungstableaus und dem Kniff, dass die Mitspieler nur etwas abbekommen, wenn es ihnen aktiv gegönnt wird, weil man selber nachwürfelt. Beides führt leider zu einem etwas zu großem Einfluss des Glücks auf den Spielverlauf, wobei das Spielprinzip etwas zu viele Detailregeln enthält, um für weniger erfahrene Spieler leicht zugänglich zu sein.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Ulrich Blum, Jens Merkl
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.