Jäger + Späher

Jäger + Späher Cover

Cover / Foto: Kosmos Verlag

Nahrung jagen, Rohstoffe sammeln um sie zu verarbeiten,  Nachwuchs zeugen. Das waren die wichtigsten Aufgaben zum Überleben in der Steinzeit. Dabei musste die ganze Sippe helfen, jeder bekam Aufgaben nach seinem Können. Dies hat Gerhard Hecht nun als Spiel umgesetzt, bei dem ihr in die Rollen der steinzeitlichen Stammesmitglieder schlüpft. Wie ihr diese am geschicktesten einsetzt, um möglichst viel zu erreichen, ist alleine eure Aufgabe. Ihr baut euch jede Runde euer eigenes Deck mit Stammesmitgliedern zusammen und nutzt dann deren Aktionen in beliebiger Reihenfolge. Währenddessen versucht euer Gegner jedoch dasselbe und kommt euch dabei möglicherweise in die Quere.

Spielmaterial:

Neben einem kleinen Spielplan mit Wertungstafel stellt Kosmos noch 10 Spielfiguren und zwei runde Siegpunktmarker in den Farben weiß und schwarz bereit. Dazu kommen sechs Arten von Karten: 2 Stammeskarten, 24 Charakterkarten, 31 Gegenstände, 18 x Wildnis, 18 x Jagdgebiete und 6 beidseitig bedruckte Heilige Orte. Je nach Spielvariante kommen dabei jedoch nicht alle Karten zu Einsatz. Für das Spielerlebnis werden außerdem noch 30 Verbrauchssteine und 16 Hungerplättchen bereitgelegt.

Die Spielregel ist etwas verwirrend aufgeteilt. Zunächst wird das Einführungsspiel beschrieben, vom Spielaufbau über die einzelnen Zugmöglichkeiten über Zwischenwertungen bis hin zum Ende des Spiels. Anschließend werden die Änderungen für das normale Spiel aufgezählt. Man muss also jedes Mal, wenn man das normale Spiel spielen möchte, erst den Aufbau für das Einführungsspiel lesen und dann die Änderungen für das normale Spiel beachten. Das hätte man geschickter lösen können.

Spielmechanismus:

Hier gehe ich auf die normale Spielvariante ein, die Änderungen bei den anderen beiden Varianten werde am Ende kurz aufgeführt.

Jäger + Späher Karten

Karten / Foto: Brettspielpoesie

Jeder Spieler erhält eine Stammeskarte, die Spielvariante entscheidet darüber welche Seite oben liegt. Darauf stellt jeder zwei seiner Spielfiguren, die dritte kommt auf dem Spielplan und die anderen werden in greifbarer Nähe bereit gelegt. Die Spieler beginnen mit drei Siegpunkten. Zwei Wildnis-Karten werden aufgedeckt und die Heiligen Orte gezogen, die in diesem Spiel besetzt werden können. Die Wildnis- und Jagdgebietskarten offenbaren unterschiedliche Rohstoffe in verschiedener Anzahl. Rohstoffe sind Fleisch, Fell, Stein, Holz, Lehm und Früchte. Sie werden Zur Nahrungsaufnahme, Kinderzeugung und der Erstellung von Gegenständen benötigt. Durch das Einsetzen eigener Stammesmitglieder auf den Heiligen Orten kann man zu bestimmten Zeitpunkten einen Bonus erhalten, wie zum Beispiel einen zusätzlichen Siegpunkt oder man darf mehr Gegenstände behalten.

Die Spieler beginnen jeweils mit einem Satz der sechs normalen Charaktere, der Ältere beginnt. Es werden drei Kartenreihen für die Charakterkarten angelegt, auf denen zu Beginn besondere Charaktere liegen. Für jeden Zug hat man die Wahl zwischen drei Aktionen:

    • Charakter ausspielen

Er wählt eine Charakterarte aus der Hand und befolgt nacheinander die darauf beschriebenen Anweisungen. Diese können sich auf das Aufdecken neuer Wildnis- oder Jagdgebiete oder das Einsetzen von Stammesmitgliedern beziehen. Auf jeder Wildnis- oder Jagdgebietskarte dürfen immer nur höchstens 3 Stammesmitglieder stehen, egal von welcher Sippe. Manche Charaktere verlangen, dass man Verbrauchssteine einsetzt ohne die Rohstoffe zu verbrauchen. Der Nachwuchscharakter ist speziell, man kann diese Aktion nur nutzen, wenn ein Stammesmitglied in der Höhle bereit steht. Das kann man herbeiführen, indem man in einem Zug zwei Felle für ein weiteres Stammesmitglied abgibt. Bevor der Zug endet legt man die gespielte Charakterkarte auf einen der drei Stapel mit  den wenigsten Karten.

    • Stammesmitglieder zurückholen

Ohne eine Karte spielen zu müssen, kann ein Spieler beliebig viele Stammesmitglieder zurückholen. Wenn er diese von Wildniskarten oder Jagdgebieten holt, kann er pro Stammesmitglied einen freien Rohstoff der jeweiligen Karte wählen und damit sofort einen Gegenstand herstellen. Hat er nicht ausreichend Rohstoffe für die Herstellung, verfallen diese. Er legt den Gegenstand vor sich ab, verdeckt die genutzten Rohstoffe mit je einem Verbrauchsstein und wertet den Gegenstand. Darauf können sich 1-3 Siegpunkte verbergen sowie bis zu zwei zusätzliche Aktionen. Durch diese kann man entweder ein Stammesmitglied auf eine beliebige Ortskarte setzen, einen Gegenstand vom Stapel ziehen, ein Hungerplättchen abgeben oder muss ein solches aufnehmen.

    • Sonnenuntergang durchführen

Die Spieler können frei entscheiden, wann sie einen Sonnenuntergang und somit eine Zwischenwertung durchführen. Der Sonnenuntergang bezieht sich nur auf den aktiven Spieler, die einzelnen Schritte verrät die Stammeskarte. Zuerst erhält man Siegpunkte für jedes aktive Stammesmitglied abzüglich der Hungerplättchen und der übrigen Charakterkarten auf der eigenen Hand. Für jedes aktive Stammesmitglied erhält man ein weiteres Hungerplättchen und dann zieht man freiliegende Charakterkarten auf die Hand. Man hat die Wahl ob man 5, 6, oder gar 7 Karten nimmt. Hat man mehr als einen Gegenstand auf der Hand, muss man alle bis auf einen abgeben.

Jäger + Spaeher Spielplan

Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Besonderheiten: Hat ein Spieler 8 oder mehr Hungerplättchen angesammelt, muss er ein Stammesmitglied abgeben und darf dafür 3 Hungerplättchen abgeben. Auf den Heiligen Orten dürfen beliebig viele Stammesmitglieder eines Spielers stehen. Der andere Spieler muss mindestens ein Stammesmitglied mehr einsetzen, um den Bonus zu erhalten. Auf der Siegpunktleiste findet man Bonusfelder. Wenn man ein solches erreicht, erhält man einen weiteren Siegpunkte, wenn man dafür zwei bereits gebaute Gegenstände abgibt.

Das Einführungsspiel ist einfacher gestaltet, um mit dem Spielprinzip vertraut zu werden. Man startet mit mehr Siegpunkten, weniger besonderen Charakteren und ohne Heilige Orte. Außerdem darf man beim Sonnenuntergang beliebig viele Gegenstände behalten.

Die Überlebenskampf-Variante wird wie das normale Spiel gespielt. Hinzu kommt jedoch, das bei den meisten Jagdgebieten eine bestimmte Anzahl an Fleisch oder Fell direkt nach dem Aufdecken mit einem Verbrauchsstein abgedeckt wird und dadurch weniger zur Verfügung steht.

Spielende:

Das Ende wird eingeläutet, sobald ein Spieler auf der Siegpunktlieste das Zielfeld, also 24 Punkte, erreicht. Um auf dieses Feld ziehen zu dürfen, darf er jedoch höchstens 3 Hungerplättchen besitzen. Hat er mehr muss er auf der 23 stehen bleiben bis die Hungerplättchen verringert und anschließend die nächsten Siegpunkte errungen werden. Hat er mehr als 24 Punkte erzielt, zieht er bei 1 weiter. Wenn der andere Spieler der Startspieler war, endet das spiel sofort und es gewinnt derjenige, der das Zielfeld erreicht hat. Ansonsten darf der andere Spieler noch einen Zug ausführen und hat ggf. die Möglichkeit selber das Zielfeld zu erreichen. Sollte dieser Fall eintreffen, gewinnt derjenige mit mehr Punkten, bei Gleichstand der nachgezogene Spieler.

Spieleranzahl:

Bei Jäger + Späher handelt es sich um ein reines 2-Personen-Spiel aus der gleichnamigen Reihe des Kosmos-Verlages. Durch das verdeckte Ziehen der Heiligen Orte und der besonderen Charaktere wird eine Variabilität erreicht, damit kein Spiel dem anderen gleicht und der Langspielreiz erhalten bleibt.

Glücksfaktor?

Über den Glücksfaktor zu urteilen, fällt mir bei diesem Spiel nicht sehr leicht. Dieser erscheint auf den ersten Blick recht hoch, denn die Gegenstände können starken Einfluss auf die Siegpunkte nehmen. Hat man zu Beginn Gegenstände auf der Hand, die drei Rohstoffe benötigen, sind diese wertlos, bis man einen weiteren Charakter aufgenommen hat. Zieht man immer nur Rohstoffe, die keine Siegpunkte bringen kommt man auf der Siegpunktleiste auch nicht voran. Aber auch Taktik ist gefragt. Man kann selber bestimmen, wann die Zwischenwertung erfolgt. Hat man als erster eine Zwischenwertung, kann man dem Gegner wertvolle Charakterkarten wegnehmen und als Erster auf die besonderen Charaktere zugreifen. Nimmt man 5, 6 oder 7 Karten ist die nächste freie Entscheidung, das bedeutet auch wann die nächste, eigene Zwischenwertung erfolgt. Denn eine Zwischenwertung trotz Charaktere auf der Hand kostet Siegpunkte, kann aber dennoch in bestimmten Fällen ratsam sein. Auch beim Einsatz der Charakterkarten sollte man gut überlegen. Der Schamane erlaubt zum Beispiel das Ziehen von zwei Gegenständen oder das Auswählen einer freiliegenden Charakterkarte. Dabei muss man immer beachten, dass zu viele Gegenstände beim Sonnenuntergang abgegeben werden müssen und sich durch eine weitere Charakterkarte dieser verzögert. Aber manchmal bleibt einem eben keine andere Wahl.

Fazit:

Mal wieder ein tolles 2-Personen-Spiel vom Kosmos Verlag, dass durch die unterschiedlichen Karten, welche pro Spiel zufällig gewählt werden, nicht so schnell langweilig wird. Meiner Meinung nach kommt es jedoch nicht ganz an Targi heran, weshalb es nur vier Punkte erhält.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos Verlag
Autor(en): Gerhard Hecht
Erscheinungsjahr: 2014
Spieleranzahl: 2 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an KOSMOS Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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