Die Befreiung der Rietburg

Cover / Foto: Kosmos

Zurück in Andor, der fabelhaften Welt,
wo es unseren Helden so gut gefällt,
dass sie es erneut mit dem Bösen aufnehmen,
damit alle können hier friedlich leben.
Denn nun ist die Rietburg in Gefahr,
aber unsere Helden sind schon nah.
An 6 Orten wird gekämpft wie verrückt,
dadurch König Brandurs Festung beschützt.
Nur wenn sie alle Kreaturen vergrault haben,
können sie lösen, die gestellten Aufgaben.
Der Erzähler ihnen dabei immer im Nacken sitzt,
wodurch sich die Situation weiter zuspitzt.
Die Aufgaben wollen erfüllt worden sein,
bevor Gors und Skrale hauen alles kurz und klein.

 

Spielmaterial:

Ein faltbarer Spielplan bietet Ablageplätze für einen Teil Karten. Viele dieser Karten sind Begegnungskarten, darunter unterschiedliche Kreaturen und einige hilfreiche Gegenstände. Neben 19 Heldenkarten für die Spieler gibt es noch Freunde als Karten, Erzähler- sowie Aufgabenkarten. Die sechs Heldenfiguren sind Stanzteile, die in Kunstoffhaltern aufrecht stehen. Weitere Stanzteile stellen Willenspunkte und heldenspezifisches Material dar.

Die Befreiung der Rietburg Heldenkarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Zufällig werden zu Beginn Aufgaben auf die sechs Orte des Spielplans verteilt, sie liegen zunächst verdeckt. Darauf gelangen zufällige Kreaturen, manche offen, andere verdeckt. Die Helden wollen vier der sechs ausliegenden Aufgabenkarten erfüllen, dazu müssen diese zunächst aufgedeckt werden. Das passiert normalerweise erst, wenn alle Kreaturen an diesem Ort bekämpft wurden, alternativ durch Spezialeffekte. Nur die wenigsten Aufgaben können direkt erledigt werden, für die meisten ist ein wenig Vorarbeit notwendig. Außerdem darf im Moment der Erfüllung keine Kreatur die Aufgabe verdecken, sonst muss erst diese besiegt werden.

Die Befreiung der Rietburg Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wer am Zug ist spielt eine seiner Handkarten. Zu Beginn sind das nur die Charakterkarten, bei denen jeweils aus drei abgebildeten Aktionsmöglichkeiten gewählt wird. Diese Aktionen erlauben es zum Beispiel Kreaturen zu bekämpfen, sich zu bewegen, verdeckte Karten aufzudecken, Willenspunkte zu erhalten oder weitere positive Effekte auszulösen. Bekämpft werden können nur offen ausliegende Kreaturen, dafür muss die Kampfstärke der Helden mindestens der angegebenen Stärke entsprechen. Andere Helden können dabei unterstützen, wenn sie sich am gleichen Ort befinden. Besiegte Kreaturen gelangen offen in die Trophäengalerie neben dem Spielplan, manche bringen ein Gold oder andere interessante Effekte ein, wie die Möglichkeit eine Kreaturen- oder Aufgabenkarte aufzudecken.

Die Befreiung der Rietburg Begegnungskarten / Foto: Brettspielpoesie

Im Laufe des Spiels können weitere Karten hinzukommen. Wird ein Troll besiegt, erlangt man die Gunst eines Freundes mit einer speziellen Funktion. Dieser bleibt nach dem Ausspielen im Spiel, während sich unter den Begegnungskarten einige einmalige Gegenstände befinden können, welche die Spieler ohne Aktion aufnehmen können. Auch das Erfüllen einer Aufgabenkarte ist eine solche freie Aktion, die zusätzlich zu der Kartenfunktion ausgeführt wird. Kann oder möchte ein Spieler am Zug keine Karte spielen, muss aufgefrischt werden. Dabei gelangen alle Karten wieder auf die Hand und eine weitere Erzählerkarte wird aufgedeckt. Das führt dazu, dass neue Kreaturen auftauchen.

Spielende:

Gelingt es den Helden vier der sechs Aufgaben zu erfüllen, bevor keine Erzählerkarte mehr aufgedeckt werden kann, ist die Partie gewonnen. Die Spieler verlieren im Umkehrschluss, wenn beim Auffrischen keine Erzählerkarte mehr gezogen werden kann.

Spieleranzahl:

Ich mag Die Befreiung der Rietburg mit jeder Spielerzahl. Die einzige Anpassung ist die Anzahl der Begegnungskarten zu Beginn der Partie. Mit mehr Spielern fühlt es sich etwas leichter an. Zum einen kann auf mehr unterschiedliche Charakterfähigkeiten zurück gegriffen werden, außerdem sind in der Regel mehr Aktionen zwischen dem Auffrischen möglich.

Glücksfaktor?

Das Glück hat hier schon einen ziemlichen Einfluss. Zum einen werden sechs zufällige Aufgabenkarten ausgelegt, die können völlig unabhängig voneinander sein oder sich direkt aufeinander beziehen. So kann es Kombinationen geben, in denen zwingend eine Aufgabe vor einer anderen gelöst werden muss. Auch die Reihenfolge der Kreaturen und Erzählerkarten kann sich positiv oder negativ auf den Spielverlauf und damit auch dem Schwierigkeitsgrad auswirken. Dem wird entgegen gewirkt, indem manche Karten bzw. Teile der Karten erst in späteren Partien hinzugenommen bzw. ausgelöst werden sollen.

Fazit:

Anfangs war ich skeptisch, ob es sich nicht langsam ausgelebt hat im Lande Andor, nachdem auch schon der Autor der drei großen Legenden sich zurück gezogen hat. Doch dann nutzte ich die Chance dieses Spiel auf dem Kosmos Pressetag kennen zu lernen und wollte mehr davon. Es fühlt sich einerseits so richtig Andor-mäßig an, spielt sich dann aber doch ganz anders. Es ist flotter zu spielen, es müssen keine kettenartigen Bewegungen im Vorfeld durchgerechnet werden, bevor der Erzähler voran schreitet. Und doch gibt es auch hier einen „Erzähler“. Man kann sich die ganzen Flavor-Texte auf den Karten durchlesen, bei uns wurden nach wenigen Partien allerdings nur noch die Kreaturen entsprechend platziert. Denn eine zusammenhängende Geschichte erleben wir hier durch die zufällig gemischten Erzählerkarten nicht, dafür muss man dann doch zu den Legenden greifen.

Ich würde dieses Spiel daher als eine Light-Version von Andor bezeichnen. Das Spielgefühl ist nämlich ähnlich: Mit dem Spielfortschritt kommen weitere Kreaturen hinzu. Eben noch standen die Helden kurz vor dem Sieg und plötzlich kann dieser wieder in weite Ferne rücken. Der Wiederspielreiz entsteht nicht nur durch die zufällige Kombination der Aufgaben-, Erzähler- und Begegnungskarten, sondern vor allem durch die Vielzahl von Aufgaben und Charakteren. Obwohl sich das Spiel nur für bis zu vier Spieler eignet, sind direkt sechs Helden mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten dabei, die sich auch wirklich verschieden spielen. Manche Charaktere eignen sich besser zum Kämpfen, andere unterstützen die Helden auf andere Weise, durch Bewegungen, Willenspunkte oder sie sorgen für das Aufdecken der Karten.

Ich bin jedenfalls noch nicht müde, die Rietburg gemeinschaftlich zu verteidigen, vor allem da es sich durch die kurze Spielzeit auch hervorragend für zwischendurch eignet. Der Glücksfaktor hat schon einen ordentlichen Einfluss auf den Spielverlauf, so können manche Partien viel zu einfach und andere unmöglich zu gewinnen sein. Es ist dabei vom Anspruch nicht mit dem Original zu vergleichen, es spricht meiner Meinung nach eher weniger erfahrene Spieler an, auch wenn es diverse Möglichkeiten gibt den Schwierigkeitsgrad anzupassen. Es werden zwar relativ viele nicht auf Anhieb selbst erklärende Symbole verwendet, doch eine umfangreiche Übersichtskarte hilft beim Verständnis. Es eignet sich einfach gut als Einstieg in das Andor-Universum.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Gerhard Hecht
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 40 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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