In der heutigen Ausgabe dieser Rubrik geht es wieder um zwei gut bekannte Spielideen, bei Unlock! erleben wir Enchanted Adventures und Deckscape führt uns erstmals in einen Dungeon. Ravensburger hat sich mit Back Tales ein neues Spielprinzip ins Verlagsprogramm geholt und startet mit Verschollen unterm Eis während Strohmann Games mit Behind auf ein Spiel setzt, welches im Nachbarland Frankreich schon ausgezeichnet wurde. Einiges haben die heute vorgestellten Spiele gemeinsam: Da man nichts beschriftet oder verändert, lassen sich alle nach dem Durchspielen problemlos weitergeben. Wir haben alle nur zu zweit gespielt. Lediglich bei Behind lautet die Angabe schlicht 1+ Spieler, die anderen drei Spiele geben 1-6 Personen an. Ich würde allerdings keines davon mit mehr als zwei Personen spielen wollen.
Back Tales: Verschollen unterm Eis
Im Programm von Ravensburger findet man schon verschiedene Titel, die unter das Genre der Rätsel-, Kriminal- und Abenteuerspiele fallen, mit Back Tales gibt es nun eine weitere solche Reihe (die in anderen Ländern übrigens als Backstories erschienen ist). In der Box sind über 120 Karten enthalten, mit denen man eine Geschichte erleben kann. Und zwar die Geschichte von Sophie, die sich auf der Suche nach ihrem Bruder John auf eine Rettungsmission zum Mont Blanc begibt, wo dieser glaubt, das Bernsteinzimmer entdeckt zu haben.
Es handelt sich dabei um eine analoge Variante eines Point-And-Click-Adventures. Manche Karten lassen sich zu einem Panorama auslegen. Aktionskarten bieten die Möglichkeit mit den Orten zu interagieren oder Gegenstände zu verwenden. Dafür bieten diese Karten Sichtfenster an bestimmten Stellen. Man legt diese auf die Rückseite einer Karte, die man näher untersuchen möchte und bekommt eine entsprechende Information. Diese kann auf der Karte selbst stehen oder zu einer weiteren Karte führen.

Häufig gibt es mehrere Wege etwas zu erreichen, auf manchen Wegen handelt man sich dabei vielleicht negative Effekte ein. Um diese festzuhalten, gibt es Statuskarten, die wiederum das Ergebnis mancher Aktionen verändern können. Es kann auch passieren, dass man sich auf einen Weg begibt, der zu einem negativen Ende führt. Dann muss man das Spiel mit dem Wissensvorsprung erneut von vorne beginnen und kann andere Wege einschlagen. Ich empfand es allerdings recht frustrierend, wenn man irgendwann feststellt, die Partie nicht mehr positiv beenden zu können.
Auch wenn es viele verschiedene Karten mit unterschiedlichen Texten gibt, so erscheinen die Handlungsoptionen doch relativ begrenzt. Denn viele dieser Texte sind nur leicht abgewandelte Versionen, weil sich die Umstände minimal geändert haben. Damit verspricht das Spiel mehr, als es wirklich bieten kann. Die Geschichte wirkt auch recht weit hergeholt. Sie bietet zwar einige Wendungen, aber gefesselt waren wir davon nicht. Wir wollten das Spiel irgendwann nur noch erfolgreich hinter uns bringen. Die klassischen Logik-Rätsel waren leicht zu lösen und stellten uns vor keine große Herausforderung. Sie wirkten häufig aufgesetzt, weil ein Rätsel benötigt wird und betteten sich nicht gut in die Geschichte ein.
Das Handling der Karten war ebenfalls etwas nervig. Die Anleitung empfiehlt die Karten in der Schachtel zu belassen, doch darin kann man nur schwer bestimmte Karten finden (zumindest nicht, ohne viel von den anderen Karten zu sehen). Ich finde die Spielidee noch immer interessant und habe Hoffnung, dass das Spielprinzip noch ausbaufähig ist und zusammen mit einer passenderen Geschichte zu einem runderen Spielerlebnis führen kann. Vielleicht gelingt dies ja schon beim gerade erschienenen zweiten Teil dieser Reihe: Die Smaragd-Hochzeit.

Verlag: / Vertrieb: Ravensburger
Autor(en): Jules Messaud, Anthony Perone, Bernoit Bannier, Jeremy Ducret
Illustration: Cyrille Bertin
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten
Vielen Dank an Ravensburger für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Unlock! – Enchanted Adventures
Nach der Enttäuschung über die Supernatural Adventures, die ich hier gar nicht einmal erwähnenswert fand, war ich schon recht skeptisch, ob die Unlock!-Serie wieder auf den richtigen Weg findet.
Bei den Enchanted Adventures ist wieder jeder der drei Fälle sehr unterschiedlich umgesetzt, sowohl die thematische Einbettung, als auch die App-Funktionen sind verschieden und auch die Rätsel und ihre Lösungen sind kreativ und gut nachvollziehbar. Trotzdem konnte uns diese Box nicht ganz verzaubern, wie es der Untertitel verspricht, da es an einigen Stellen leider etwas hakte.
Bei Kileas Zorn bekommt man es auf einer Insel mit einem Vulkan zu tun, der kurz vor dem Ausbruch steht. Hier nimmt es das Spiel wieder nicht sehr genau mit seinen eigenen Regeln bezüglich zu entdeckender Zahlen, die zu weiteren Karten führen. Aber das sind wir ja mittlerweile von Unlock! gewohnt und können daher auch darüber hinwegsehen.
Chaos auf der Kirmes ist meiner Meinung nach der stärkste Teil dieser Box. Wir versuchen in der Rolle eines Kindes auf einen Jahrmarkt zu gelangen und dort einige Fahrgeschäfte aufzusuchen. Auch hierbei werden die Regeln etwas gebogen, aber die meisten Lösungen sind nachvollziehbar und die App wird kreativ eingebunden.
Bei Der Fluch von Camelot geht es um die Wiederbeschaffung des gestohlenen Schwerts Excalibur. Nicht nur der Schwierigkeitsgrad steigt von Fall zu Fall an. Auch die Spielzeit erhöht sich für diesen Fall von 60 auf 75 Minuten. Leider sind wir an mehreren Stellen etwas verzweifelt. Zum einen gibt es Akustik-Rätsel, bei denen die Spracheingabe bei meinem Android-Smartphone leider nicht reibungslos funktioniert hat. Zwar bietet die App eine Alternativeant, diese führt einen jedoch zu ganz anderen Hürden.
Zum anderen kamen wir an einer Stelle nicht weiter, weil wir mit der App und deren Hilfe-Optionen nicht genau wussten, was nun zu tun ist. Es dauerte etwas, bis wir identifiziert haben, dass uns ein notwendiges Stanzteil fehlt, an keiner Stelle wird man explizit aufgefordert, dieses hinzuzunehmen. Erst als ein Bekannter diese Theorie bestätigte, lies es sich dann doch noch im Fach der Tutorial-Karten finden und wir konnten den Fall beenden.

Als wir die Box im vergangenen Jahr gespielt haben, waren auf deutsch noch gar keine Lösungen auf der Asmodee-Webseite zu finden. Mittlerweile hat sich dies geändert. Es wäre schön, wenn diese zukünftig online erhältlich wären, sobald das Spiel bei uns im Handel ist. Dies könnte der Verlag schon bald unter Beweis stellen, wenn noch in diesem Quartal die nächste Box mit den Risky Adventures erscheint. Ich bin froh, dass sich die Fälle seit der Game Adventures-Box nicht weiterhin negativ entwickeln, sondern wieder in eine positivere Richtung, auch wenn bislang leider kein Fall an die Qualität der Game Adventures herankommt.

Verlag: Space Cowboys / Asmodee
Autor(en): Cyril Demaegd
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 – 75 Minuten
Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Deckscape: Dungeon
Zwei Jahre nach dem letzten Deckscape, Tokio Blackout, ist mit Dungeon eine weitere Box der als leichter Rätselsnack etablierten Serie erschienen. Neu ist bei dieser, dass neben den 60 Karten auch Helden- und Monsterfiguren auf kleinen Stanztableaus zum Zusammenstecken enthalten sind. Leider sitzen die Standfüße nicht alle fest, sodass manche schnell abfallen. Das ist etwas nervig, da man sich mit diesen Figuren von Karte zu Karte bewegen soll. Wie schon häufiger erlebt, teilt sich der Kartenstapel mittendrin in verschiedene, kleinere Stapel. Aber die Wege in die verschiedenen Richtungen sind relativ kurz, da gab es schon mal mehr Entscheidungsmöglichkeiten.

Insgesamt etwas mehr als ein Stunde benötigt, es gibt keinerlei Zeitvorgabe, die Wertung errechnet sich nur anhand falsch gelöster Karten. Man wird nicht einmal aufgefordert eine Zeitmessung zu starten. Es gibt dieses Mal auch keinerlei Hilfestellungen mehr, entweder man löst die Aufgaben direkt richtig oder eben nicht. Das fühlt sich leider eher an wie ein Rückschritt.
Die Rätsel empfanden wir alle recht ähnlich aufgebaut, häufig dreht es sich um die Positionierung der Spielfiguren. Bei einem Rätsel sind wir mit der Auflösung und deren Begründung nicht einverstanden und haben unserer Meinung eine passendere Lösung entdeckt. Wir hatten mit diesem Deckscape schon eine gute Zeit, aber es gab auch schon bessere Deckscape-Erlebnisse für uns.

Verlag: Abacusspiele
Autor(en): Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
Grafik: Alberto Bontempi
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten
Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Behind
In diesem Genre ähneln sich viele Spielprinzipien, doch hin und wieder tauchen auch völlig neue Ansätze auf. Erstmals bin ich auf Behind aufmerksam geworden, als es im vergangenen Jahr beim französischen Spielepreis den As d’Or in der Kategorie Initié gewinnen konnte. Der Untertitel “Analysieren – Zusammensetzen – Bewundern” machte mich direkt neugierig, das klingt ganz nach meinem Geschmack. Auch wenn ich mir von der Beschreibung her nicht genau vorstellen konnte, was mich bei Behind erwartet. Man muss erstmal dahinter kommen, da scheint der Titel gut zu passen :D
Jede der drei enthaltenen Puzzle-Aufgaben besteht aus vielen rechteckigen Plättchen, aus denen ein großes Rechteck unbekannter Seitenlänge entstehen soll. Aus der Anzahl der Plättchen kann man auf die Form schließen, quasi das erste Rätsel, das es zu lösen gibt. Dann beginnt man herauszufinden, wie die Plättchen sinnvoll aneinander gereiht werden können – viel mehr erfährt man auch aus der Anleitung nicht. Bei einigen Plättchen lässt sich der Zusammenhang schnell herleiten, dadurch können weitere Hinweise offenbart werden. Nach und nach ergibt sich ein immer klareres Bild.
Zu jedem Fall gibt es auch ein paar Hinweiskarten, die Anhaltspunkte geben können. Eine Komplettlösung gibt es an sich nicht. Wenn man denkt, alles korrekt angeordnet zu haben, lässt sich durch das Umdrehen jedes einzelnen Plättchens überprüfen, ob sich ein zusammenhängendes Bild ergibt. Dieses Umdrehen ist leider etwas fummelig. Eine abschließende Wertung existiert nicht, das hat uns hier aber auch keineswegs gefehlt.

Thematisch beginnt es mit einem Kriminalfall, behandelt dann eine Laborgeschichte und zu guter Letzt wartet eine ägyptische Legende auf die Spieler. So ähnlich begann es thematisch vor zehn Jahren auch schon mit Exit-Das Spiel. Die Schachtel ist auch nicht viel größer, als bei einem Exit. Die drei thematisch und künstlerisch eigenen Welten, bei ansteigendem Schwierigkeitsgrad, lässt sich eher mit Unlock! vergleichen. Das Spielgefühl ist jedoch frisch und unverbraucht. Und wer jetzt noch keine richtige Vorstellung hat, wie Behind funktioniert, sollte am besten den online verfügbaren Demo-Fall ausprobieren, damit bekommt man ein gutes Gefühl dafür.
Mir gefällt diese Spielidee. Man sollte bei den Puzzle-Aufgaben nicht zu sehr an klassische Puzzle denken, bei denen man ein bekanntes Bild aus Puzzleteilen nachbaut. Viel mehr geht es darum, zu erkennen, was sich ergeben kann und wie man sich die korrekte Anordnung am besten herleitet. Da der Schwierigkeitsgrad bei den drei enthaltenen Fälle langsam ansteigt, empfiehlt es sich, diese Reihenfolge einzuhalten. Bei den ersten beiden brauchten wir noch einige Anstupser, bei der letzten Aufgabe kamen wir besser alleine zurecht. Ich kann allerdings nicht genau beurteilen, ob es an den unterschiedlich gestalteten Teilen lag oder einfach die Spielerfahrung dazu geführt hat.
Restlos begeistert bin ich nun nicht, aber ich erkenne an, dass mit dieser Spielidee etwas Neues erschaffen wurde. Ich habe auch die Hoffnung nun bei einer weiteren Box direkt besser einsteigen zu können. Daher würde ich mich freuen, wenn Strohmann Games auch den Nachfolger in sein Programm nimmt und eine deutsche Version davon veröffentlicht.

Verlag: Strohmann Games
Autor(en): Cedric Millet
Illustration: Maud Chalmel, Piero, Martin Vidberg
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 1+ Spieler
Dauer: 45 – 90 Minuten
Vielen Dank an Strohmann Games für die Bereitstellung des vergünstigten Rezensionsexemplars!



