Das kommt mir nicht in die Tüte!

Der Klimawandel und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Natur und sämtliche Lebewesen auf dieser Erde sind ist in aller Munde. Dieser Trend macht auch vor der Brettspielwelt nicht Halt. Naturthemen sind auf dem Vormarsch, wie zum Beispiel beim aktuellen Spiel des Jahres Cascadia. Doch nicht nur inhaltlich sollen Brettspiele Themen wie Natur, Umweltschutz und Ressourcenschonung behandeln, auch auch das Spielmaterial und dessen Verpackung wird immer wieder kritisch beäugt. Haben Kritiker früher häufig positiv hervorgehoben, dass einem Spiel Zip-Beutel beiliegen, um das Spielmaterial sortenrein zu verstauen, so sind heutzutage plastikfreie Alternativen angesagt. Daher nehmen immer häufiger eigens mitgelieferte Pappschachteln die Aufgabe der Plastik-Beutel wahr. Drei solcher Spiele möchte ich heute kurz vorstellen.

Terra Futura

Terra Futura Cover
Terra Futura Cover / Foto: albi

Das Spiel Terra Futura geht das Thema Umweltverschmutzung nicht nur thematisch an, sondern auch bei der Ausstattung des Spiels. Für jede der unterschiedlichen Holzressourcen sowie die Geldmarker aus Pappe liegt eine eigene Pappschachtel bei. Der Deckel wir nur mit einer kleinen Lasche in die Schachtel eingesteckt, sodass bereits bei leichtem Druck von oben die Lasche etwas durchbiegt. Wirklich sicher schließen die Schachteln daher leider nicht.

Terra Futura Schachtel
Terra Futura – Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Zusätzlich liegen bei Auslieferung auch noch diverse Zip-Beutel bei. Das hat den Anschein, als wenn der Verlag versucht hat, es allen Geschmäckern recht machen zu wollen. Konsequent wäre es, die Zip-Beutel komplett wegzulassen. Vielleicht ist ihnen aber auch bewusst, dass die Schachteln in ihrer jetzigen Form nicht allesamt nebeneinander in die Aussparung des Pappinlays passen, denn diese ist einfach zu schmal. Also verpufft der eigentlich gute Gedanke leider an mangelnder Umsetzung. Die flachen, quadratischen Schachteln mit ihren großen Papplaschen sind auch eher unhandlich, um sie während des Spiels zu verwenden.

Terra Futura Karton
Terra Futura – Karton / Foto: Brettspielpoesie

Spielablauf

In diesem schnellen Engine Building-Spiel legen die Spieler pro Partie jeweils nur neun Karten in einem 3×3-Raster aus, um damit Ressourcen zu generieren, diese in Waren umzuwandeln und dafür Punkte zu erhalten. Doch generiert die Verarbeitung von Rohstoffen in höherwertige Waren auch Umweltverschmutzung, besonders wenn man den Hals nicht voll bekommen kann und den Ertrag maximieren möchte.

Terra Futura Spielsituation
Terra Futura – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Ressourcenkarten bieten die Möglichkeit Umweltverschmutzung zu neutralisieren, Produktionskarten nicht. Es sei denn, man wählt Karten deren einziger Zweck darin besteht, Umweltverschmutzung zu bekämpfen. Jede neue Karte, die das eigene 3×3-Raster orthogonal angrenzend erweitert, aktiviert auch alle anderen Karten in dieser Reihe bzw. Spalte. So lassen sich Ressourcen mehrfach sammeln, aber auch Tauschoptionen vielfach ausführen. Die Plätze für Umweltverschmutzung vermehren sich dabei aber nicht. Und wer diese nicht mehr neutralisieren kann, verliert den Zugriff auf Ressourcen und Kartenaktionen.

Terra Futura Spielübersicht
Terra Futura – Spielübersicht / Foto: Brettspielpoesie

Bei Spielende liefern zwei bis dahin vor den anderen geheim gehaltene Endwertungskarten jeweils eine letzte Aktivierungskombination der Karten in der eigenen Auslage sowie eine persönliche Endwertung. Zusätzlich bringen übrige Ressourcen und Waren Siegpunkte ein, nicht neutralisierte Verschmutzung wird mit geringem Punktabzug bestraft.

Meinung

Das Spielprinzip von Terra Futura klingt ganz vielversprechend: In jeder Partie nur neun Karten gekonnt anzuordnen, um die Effekte häufig auszulösen und mit den Ressourcen und Waren die meisten Punkte einzufahren. Doch leider spielt das Glück dabei eine große Rolle, denn es liegt immer nur eine gewisse Auswahl an Karten offen aus, auf die man zugreifen darf. Besonders in Vollbesetzung werden die verfügbaren Karten richtig knapp, was die zur Verfügung stehende Auswahl beschränkt. Häufig enden die Partien dann mit dem ständigem durchrotieren der letzten Karten, die eigentlich niemand nehmen möchte. Dennoch finde ich es reizvoll, mit nur neun Karten die beste Siegpunkte generierende Maschine aufzubauen. Allerdings ähneln sich die einzelnen Partien sehr. Wenn auch die Endwertungskarten und damit die Schlussaktivierung und die Punktemultiplikatoren immer andere sind, so verlaufen die Partien doch komplett ähnlich.

Die Umweltverschmutzung als Mechanismus im Spiel unterzubringen, ist eine gute Idee. Leider wurde diese nicht konsequent zu Ende gedacht. Denn maximal ausgeschöpfte Karten braucht man nicht mehr und da kann es auch lukrativ sein, mit der Umweltverschmutzung zu leben und die Minuspunkte in Kauf zu nehmen, wenn dem Gegenüber die Möglichkeit besteht, viele Punkte zu generieren. Solche Verschmutzung müsste stärker bestraft werden, um mit dem Spiel auch eine sinnvolle Botschaft zu transportieren.

Verlag: albi
Autor(en): Petr Vojtěch
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 20 – 40 Minuten

Vielen Dank an albi für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Savannah Park

Savannah Park Cover
Savannah Park Cover / Foto: Pegasus

Auch wenn sich Savannah Park thematisch nicht primär mit dem Thema Umwelt befasst, so ist es hier besser gelungen, das Spielmaterial plastikfrei zu verstauen. Die vier Pappschachteln für das Spielermaterial passen optimal in die Aussparung des Pappinlays. Zusätzlich sind sie von der Illustratorin Annika Heller, die mittlerweile fester Bestandteil der Verlagscrew ist, auch noch zusammenhängend illustriert und ergeben optisch ein zauberhaftes Bild.

Savannah Park Karton
Savannah Park – Karton / Foto: Brettspielpoesie

Spielablauf

Thematisch sind wir immerhin in der Natur und zwar im Herzen Afrikas. Dort versuchen wir in einem eigentlich abstraktem Legespiel Tiere gleicher Art in Herden um Wasserstellen zu versammeln. Alle Spieler beginnen mit denselben Tierplättchen, die jeder zufällig auf seinem Spielertableau verteilt. Dann wird reihum von wechselnden Spielern ein Plättchen gewählt, welches alle Spieler auf ihrem Tableau suchen und umplatzieren müssen.

Savannah Park Spielsituation
Savannah Park – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Ablageplätze sind jedoch stark begrenzt, wodurch ein interessantes Puzzlespiel entsteht. Büsche und Bäume dürfen überbaut werden, was mehr Optionen ermöglicht, aber auch Punkte kostet. Vor der Wertung bei Spielende vertreiben die Buschbrände noch alle angrenzend liegenden Tierplättchen mit Tieren in gleicher Anzahl wie brennende Bäume abgebildet sind. Das kann Herden auseinanderreißen, wenn man beim Platzieren nicht darauf geachtet hat.

Savannah Park Spielmaterial
Savannah Park – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Meinung

Ich finde die Idee spannend, nicht alle eigenen Plättchen in bekannter Weise auf einem anfangs leeren Tableau zu puzzeln, sondern diese im Laufe einer Partie geschickt zu vertauschen. Dabei ist eine gewisse Vorausplanung gefragt, denn man kann Plätze erst endgültig belegen, wenn das dort zu Beginn befindliche Plättchen wntfernt ist. Interaktion ist durch die Wahl der Plättchen gegeben, aber umso mehr Spieler dabei sind, desto schwieriger ist der Überblick, was die anderen so treiben und wo bei ihnen welche Plättchen liegen. Da entscheidet man lieber danach, was einem selbst am besten passt. Jeder tüftelt so vor sich hin, lediglich die Wahl eines Plättchens wird hin und wieder mal kurz mit einem Raunen oder einem freudigen Ausruf begleitet. Wirkliche Emotionen weckte Savannah Park in unseren Runden allerdings nicht.

So sehr ich die niedlichen Illustrationen auch mag, so wenig unterstützen sie leider was im Spiel geschieht. Laut Spielanleitung beginnen alle mit der sandigen Seite der Plättchen, so wie man sich eine Savanne vorstellt und enden mit einer unthematisch wirkenden farbigen Fläche. Anders herum fände ich es passender. Zudem sind besonders bei den blauen Plättchen die Wasserstellen nur schwer zu erkennen, da sie sich farblich kaum abheben. Auch dieses Problem wäre abgeschwächt, wenn alle mit farbigen Plättchen beginnen und eine sandige Landschaft entstehen lassen.

Die Pappschachteln sind sinnvoll eingesetzt, sie lassen das Spielmaterial einfach herausholen und auch wieder verstauen. Die zusammenhängende Gestaltung der vier einzelnen Pappschachteln lässt viel Liebe zum Detail erkennen und wirkt optisch perfekt durchdacht. Die Verpackung kann in meinen Augen leider mehr überzeugen, als das Spielprinzip selbst. Auch wenn die Tierplättchen in jeder Partie anders liegen, macht man doch immer wieder nur dasselbe. Daran ändern auch die beigefügten Varianten mit variablem Spielaufbau kaum etwas. Für mich ist leider schnell die Luft raus gewesen. Vielleicht ist der bereits erhältliche Nachfolger Caldera Park mit seinen angepassten Optionen mehr nach meinem Geschmack. Die Verpackung schaut jedenfalls erneut tadellos aus.

Caldera Park Spielmaterial
Caldera Park – Spielmaterial / Foto: Deep Print Games

Verlag: Deep Print Games / Vertrieb: Pegasus Spiele
Autor(en): Wolfgang Kramer, Michael Kiesling
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 20 – 40 Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Zwergar

Zwergar Cover
Zwergar Cover / Foto: Asmodee

Beim Spiel Zwergar verspricht bereits die Spieleschachtel “Spielmaterial ohne Plastik” zu enthalten. Auch dieses Spiel bringt eigene kleine Pappschachteln mit, in denen sich das kleinteilige Spielmaterial gekonnt unterbringen lässt. Auch hierbei bekommt jeder Spieler seine persönliche Box, mit Spielmaterial einer Farbe.

Zwergar Schachtel
Zwergar – Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Zusätzliche Pappschachteln dienen der Unterbringung der Ressourcen, Plättchen und Arbeiter. Alle Schachteln passen nebeneinander exakt in das Pappinlay. Sie füllen dieses nicht vollständig aus, sondern lassen noch Platz für weiteres Spielmaterial wie die Karten und die Lorentableaus.

Zwergar Karton
Zwergar – Karton / Foto: Brettspielpoesie

Spielablauf

Im Kern ist Zwergar ein Worker Placement-Spiel, bei dem die Spieler gemeinsam Ressourcen aus einer Mine abbauen, um ihren eigenen Zwergenclan zu großem Ruhm zu führen. Die Spieler blockieren mit ihren Aktionen keine Einsetzfelder, stattdessen erhält man einen ggf. verdrängten Arbeiter in seinen eigenen Vorrat. Falls es nicht gerade der Vorarbeiter in Spielerfarbe ist, der seinem Spieler immer treu bleibt. Die anderen Arbeiter gibt es in drei unterschiedlichen Farben und die meisten Einsetzfelder bieten einen Bonus, wenn dort bestimmte Arbeiter aktiv sind. Daraus entsteht eine knifflige Aufgabe, in welcher Reihenfolge man seine drei direkt aufeinander folgenden Aktionen pro Runde idealerweise abhandelt, möglichst ohne den Mitspielern ständig passende Vorlagen zu bieten.

Zwergar Spielsituation
Zwergar – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Ressourcen selbst sind tatsächlich kleine Steine verschiedener Farbe, die ganz unterschiedlich groß sind. Das Ressourcenmanagement ist thematisch passend gelöst. In den Tiefen der Mine lassen sich diese abbauen, für die wertvolleren muss man umso tiefer hinabsteigen. Ein Aufzug befördert die einzelnen Loren mit den Ressourcen dann wieder Stockwerk für Stockwerk nach oben. Wenn ich mir also ein wertvolles Juwel in die Lore packe braucht es mehrere Bewegungen, bis dieser oben ankommt und mir zur Verfügung steht. Man kann eigene Aktionen für solche Bewegungen verwenden oder sich darauf verlassen, dass ein nachfolgender Spieler es schon tun wird. Denn die Loren bewegen auch platzierte Ressourcen anderer Spieler nach oben.

Zwergar Spielplan
Zwergar – Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Eine weitere Besonderheit ist die Hitze. Diese Ressource ist flüchtig und daher möchte man sie im Zug möglichst vollständig sinnvoll verbrauchen. Mindestens ein eigener Ofen sollte am Ende einer Runde jedoch noch heizen, um einen weiteren anfeuern zu können. Platziert man einen Ofen jedoch auf dem gemeinsamen Spielplan statt auf dem eigenen Tableau, kann man zukünftig direkt von den Aktionen der Mitspieler profitieren.

Mit Hitze und bestimmten Ressourcen lassen sich Projektkarten erfüllen. Diese liefern nicht nur Siegpunkte, sondern können auch im Spielverlauf wertvolle Bonuseffekte auslösen. Eine zufällige Ereigniskarte mit positiven oder negativen Effekt bringt zu Beginn jeder Runde etwas Schwung in die Bude, äh, Mine.

Meinung

Optisch ist Zwergar ein wahrer Hingucker. Der detailverliebte Spielplan bietet viel zu entdecken, die Illustrationen verbergen so manches popkulturelles Easter Egg. Jedoch hilft diese Opulenz nicht wirklich dabei, die zur Verfügung stehenden Aktionsfelder des Spielplans klar und deutlich zu erkennen. Ständig lenken einen die Illustrationen drum herum ab. Das erschwert den Einstieg enorm. Die echten Steine als Ressourcen wirken zwar einerseits wahnsinnig cool und thematisch, sind im Spiel selbst aber eher unpraktisch. Denn es ist wegen ihrer unterschiedlichen Größe oft nicht mal eben zu erkennen, ob irgendwo drei, vier oder sogar fünf Ressourcen liegen. Stein und Eisen sind sich als Abbildung auch noch so ähnlich, dass man sie nur ganz grob anhand der äußeren Form unterscheiden kann.

Das Spielprinzip bietet interessante Elemente. Aus den Einsetzregeln für die Arbeiter in Kombination mit der Aufzugsrotation und dem Hitzemanagement entsteht ein interessantes Spiel. Variable Elemente wie die Verteilung der zur Verfügung stehenden Arbeiter pro Partie sowie die Projekt- und Ereigniskarten, von denen immer nur bestimmte ins Spiel gelangen, sorgen für Variation. Aber die zehn Runden, welche eine normale Partie dauern soll, erscheinen mir viel zu lang. Bei Zwergar reichen die acht Runden des kürzeren Spiels in der Regel auch vollkommen aus, um Pläne erfolgreich in die Tat umzusetzen. Doch selbst dabei entstehen lange Downtimes, wenn Spieler die ideale Kombination ihrer drei Aktionen austüfteln. Alle unsere Partien zogen sich wie Kaugummi, besonders umso weiter das Spiel fortgeschritten ist. Anfangs muss man eine Grundlage schaffen und später stehen einem mehr Ressourcen zur Verfügung, die unterschiedlich einsetzbar sind. Was zu mehr möglichen Optionen führt, die es gegeneinander abzuwägen gilt.

Wie auch schon bei Gutenberg vom selben Verlag, ist die Verpackung des Spielmaterials wirklich gelungen. Gerne darf sich die Vorgehensweise Zip-Beutel durch Pappschachteln einzutauschen durchsetzen, wenn es so gelingt wie hier oder auch bei Savannah Park. Dann braucht das Material wortwörtlich nicht mehr “in die Tüte zu kommen” :D

Gutenberg Pappschachteln
Gutenberg – Pappschachteln / Foto: Brettspielpoesie

Verlag: Granna / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Jan Madejski
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 60 – 120 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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