Unter Schafen 01/22

Unter Schafen
Unter Schafen / Foto: Brettspielpoesie

Neues Jahr, neue Kategorie! In den vergangenen Monaten blieb die Zeit für neue Blogartikel leider häufiger auf der Strecke, gespielt wurde natürlich trotzdem vieles. Einer der Gründe, warum die Zeit für Blogartikel fehlte. Schon länger überlege ich, wie ich euch besser auf dem Laufenden halten kann. Jetzt probiere ich es einfach mal aus und schaue, wie die neue Kategorie “Unter Schafen” bei euch ankommt. Regelmäßig möchte ich euch in bis zu drei Kategorien mit Informationen versorgen. Bei Mäh! dreht sich alles um aktuelle Dinge, die es wert sind in die Welt hinaus geblökt zu werden. Neuzugänge zur Herde gibt es unter dieser Überschrift zu erwarten. Dabei werde ich nicht jedes einzelne neu eingetroffene Spiel beleuchten, sondern einige ausgewählte Titel. Ebenso wie unter der dritten Überschrift Grasen, bei der es um erste Spieleindrücke geht. Eben dem, was wir hier so alltäglich tun, wie bei Schafen das Grasen auf der Weide.

Mäh! - News und Aktuelles

Asmodee Presseevent

Die Spielwarenmesse Nürnberg pausiert dieses Jahr bereits zum zweiten Mal, doch nutzen viele Verlage die in der Pandemie etablierte Chance ihre Neuheiten stattdessen online zu präsentieren. So auch Asmodee. In gut vier Stunden gab es viele kurze Produktvorstellungen und interessante Gespräche mit Mitarbeitern und Partnern von Asmodee. Bei den vielen Veröffentlichungen konnte dabei in dieser Zeit natürlich nicht annähernd alles vorgestellt, was für das erste Halbjahr an Veröffentlichungen geplant ist. Und ebenso wenig möchte ich an dieser Stelle auf jede Einzelheit eingehen, aber doch auf das eine oder andere Spiel, auf welches ich mich persönlich besonders freue.

Als Brettspielpoetin komme ich natürlich auch nicht daran vorbei mir Poesie für Neandertaler mit der aufblasbaren Steinzeit-Keule anzuschauen. In diesem neuen Spiel der Macher von Exploding Kittens gibt es 800 Begriffe, die in alter Steinzeitmanier nur mit einsilbigen Worten erklärt werden dürfen. Das klingt interessant, auch wenn ich Spielelemente wie eine solche Keule grundsätzlich eher albern finde. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren :D

Auf der SPIEL’21 gab es ein Spiel, welches mich im Vorfeld überhaupt nicht interessierte, vor Ort dann aber doch und eh ich mich versehen konnte, war es ausverkauft. Die Rede ist von Golem bei Cranio Creations. Das Cover spricht mich überhaupt nicht an. Es ist aber gar nicht zu vergleichen mit dem bunten Spielmaterial, welches Lust auf mehr macht. Eine lokalisierte Ausgabe soll schon im ersten Quartal erscheinen.

Zwei der vorgestellten Sachen haben hier bereits Einzug gefunden: Der neue Charakter Venom und die Kampagnen-Box The Mad Titans Show für Marvel Champions. Auch wenn es länger dauerte, bis Asmodee erkannte mit der Lokalisierung auch noch genug Spieler zu erfreuen, sind die Veröffentlichungen nun auf Augenhöhe mit den englischsprachigen Erweiterungen. Im nächsten Quartal gibt es dann schon die nächste große Kampagnen-Box Sinister Motives um tief ins Spiderverse einzutauchen.

Es muss nicht immer der neueste “heiße Scheiß” sein, denn ich freue mich auch darauf, dass Asmodee dieses Jahr längst vergriffene Titel ins Sortiment aufnimmt. Zum einen soll es Pandemic Iberia wieder geben, zum anderen in Zusammenarbeit mit Lookout Spiele auch wieder Grand Austria Hotel.

Herde - Neuzugänge

Brew

Kurz vor Veröffentlichung der deutschen Version durch Skellig Games ist ein englischsprachiges Exemplar von Brew bei mir eingetroffen. Die kleine quadratische Schachtel besticht durch ihre Illustrationen. Sie sind irgendwie ungewohnt, aber zugleich auch bezaubernd. Und das passt zum Spiel, in dem es um ein verzaubertes Land geht, indem alle Jahreszeiten gleichzeitig existieren und Tag und Nacht nach Lust und Laune wechseln. Mit einer Mischung aus Area Control und Worker Placement fangen die Spieler Waldkreaturen und brauen Tränke, um die Zeit und das Land wieder in Harmonie zu bringen. Klingt soweit ganz spannend. Und das Material ist auf jeden Fall hübsch anzusehen. Hoffen wir, dass der Inhalt halten kann, was die Optik verspricht.

Arkwright

Obwohl es mich schon immer irgendwie reizte, ergab sich bisher nie die Gelegenheit zu einer Partie Arkwright. 2014 erschien dieses historische Wirtschaftsspiel von Autor Stefan Risthaus bei Spielworxx, also noch bevor ich mich wieder den Brettspielen zuwandte. Die Materialfülle und die zu erwartende Spielzeit einer Partie sind auch irgendwie ein wenig abschreckend. Umso mehr freue ich mich nun darauf, mich mit Arkwright – Kartenspiel vielleicht etwas an das Spiel herantasten zu können. Wobei auch das Kartenspiel schon 100 Minuten Spielzeit verspricht und die Anleitung mehr als 30 Seiten umfasst.

Neben vielen Karten, wie es sich für ein Kartenspiel gehört, befindet sich in der dicken Schachtel auch ein länglicher Spielplan, vier doppellagige Spielertableaus und jede Menge kleinteiliges Spielermaterial. Ich bin gespannt, wie es sich damit spielen lässt, es wirkt auf den ersten Blick doch etwas fummelig.

Grasen - Frische Spieleindrücke

Die rote Kathedrale

Gemeinsam errichten die Spieler in Die Rote Kathedrale selbige durch die Beanspruchung von Bauplätzen und geschickten Ressourceneinsatz, doch ist es kein kooperatives Spiel. Jeder möchte einen möglichst großen Anteil daran haben, um bei der Mehrheitenwertung bei Spielende gut zu punkten. Beim Bau können sich die Spieler ärgern, indem sie bestimmte Bauabschnitte schneller feststellen, was den anderen Spielern Punkte kostet.

Auch schon während einer Partie gibt es Möglichkeiten Punkte zu sammeln und das auf zwei unterschiedliche Arten, dafür schreiten die Spieler mit einem Marker auf einer kombinierten Punkteleiste voran. Die eine Sorte Punkte macht einfache Schritte, die andere zu Beginn größere, bis sich beide Punktearten angleichen. Wer über den Startpunkt der Kramerleiste hinauszieht kann hinten raus wieder größere Schritte machen.

Würfel ermöglichen es auf dem Spielplan Ressourcen einzusammeln. Die Augenzahl gibt an wie weit ein Würfel zu bewegen ist, die Anzahl Würfel auf dem Zielfeld die Menge der Ressourcen. Nicht immer möchte man viele Ressourcen ergattern, denn die Möglichkeiten zur Lagerung sind begrenzt und überzählige Ressourcen nur schwer wieder loszuwerden. Anschließend wird neu gewürfelt, was die Optionen für nachfolgende Spieler verändert. Es entstanden bei uns durchaus Phasen, wo die Würfel so unglücklich lagen, dass niemand Ressourcen sammeln wollte und alle versuchten mit anderen Optionen dies hinauszuzögern. Dadurch dauerten unsere Partien dauerten mitunter recht lange. Ich hoffe noch, dass sich dies mit mehr Spielerfahrung gibt, denn für das was im Spiel passiert, dauerte es mir dann doch meist zu lang. Auch wenn ich das Ressourcenmanagement und die Interaktion beim Bau durchaus spannend finde.

Gutenberg

Gutenberg war auf der SPIEL’21 sehr beliebt und rasch ausverkauft. Demnächst wird es bei Huch! im Vertrieb eine deutsche Version geben. Bei diesem Titel des polnischen Verlags Granna dreht sich alles um den Buchdruck. In sechs Runden versuchen die Spieler dabei als Pioniere des Buchdrucks ihre Werkstatt zu verbessern und bei optimiertem Ressourceneinsatz lukrative Aufträge zu erfüllen. Das Material spricht dabei für sich. Die zum Buchdruck notwendigen Lettern sind aus Holz, es gibt Sichtschirme mit innen aufgedruckter Spielhilfe, das meiste Spielmaterial lässt sich in den mitgelieferten Pappschachteln verstauen. Die Spielertableaus werden mit drei Holzpinöppeln durchstoßen, um daran die Pappzahnräder zu befestigen. Dies erschien uns zunächst nicht sehr vertrauensvoll, hält aber erstaunlich gut. Die Zahnräder drehen sich jede Runde weiter und offenbaren neue Optionen für die folgende Runde.

Bevor die Aktionen des Spielplans von oben nach unten durchgeführt werden, bieten alle auf diese Aktionsfelder. Was mir dabei gut gefällt, ist die Spielerreihenfolge und der damit verbundene Startspielerausgleich. Der vorherige Startspieler reicht den Startspielermarker weiter und erhält dafür ein Holzklötzchen von jedem anderen Spieler. Dadurch stehen ihm beim Bieten mehr Möglichkeiten offen. Durch diesen Wechsel haben in Spielerreihenfolge hinten liegende Spieler immer ein Klötzchen mehr als der vorherige. In meinen Augen clever gelöst. Die Wahl der Aktionen ist ein spannendes Element. Man bekommt zwar überall immer irgendwas, aber wer früher zuschnappen darf, kann sich passende Rosinen herauspicken. Vor allem beim letzten Aktionsschritt ist es vorteilhaft frühen Zugriff zu bekommen, denn dort liegen nur wenige, aber durchaus lukrative, Punktekarten aus.

Ich mag auch das Dilemma der Aufträge. Den größten Bonus gibt es nur, wer zu den passenden Lettern auch die erforderlichen Farben einsetzen und eine entsprechend aufgewertete Werkstatt vorweisen kann. Erfüllen lassen sich die Aufträge auch nur mit einer dieser Bedingungen, aber wer gibt sich schon gerne mit weniger zufrieden? Es gibt pro Spieler vier Ablageplätze für Aufträge, jedoch benötigen alle bestimmte Lettern und diese werden immer teurer, je mehr bei einem bereits im Einsatz sind, sodass sich nur wenige pro Runde erfüllen lassen. Für mich entsteht dadurch ein interessantes Kennerspiel, das hochwertige Spielmaterial führt zusätzlich zu einem gelungenen Eindruck.

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