Ein Mal alles mit Schaf

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Heute möchte ich euch drei Spiele vorstellen, die allesamt als Kartenspiele einzuordnen sind, sogar alle den Zusatz „Das Kartenspiel“ bzw. „The Card Game“ tragen, aber noch eine weitere Gemeinsamkeit aufweisen: Schafe. Und das ist auch der Hauptgrund, wie diese drei Spiele es geschafft haben, meine Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Shaun das Schaf kann man häufig bei der Sendung mit der Maus sehen, ein Grund für mich dort auch heute noch regelmäßig einzuschalten. Das Kartenspiel sollte sich nicht, wie die meisten anderen Shaun das Schaf-Spiele, explizit an Kinder richten, sondern ein lockeres Kartenspiel für die ganze Familie sein. Super Farmer ist bislang komplett an mir vorbei gegangen, doch das zugehörige Kartenspiel zog auf der SPIEL’19 meine Blicke auf sich. Warum genau, erfahrt ihr in diesem Beitrag. Und Sunflower Valley gab es bereits als Würfelspiel, wenn auch leider bisher noch nicht auf deutsch erschienen. Das Kartenspiel war zur SPIEL’19 noch überhaupt nicht offiziell auf dem Markt, ich hatte das Glück das Ausstellungsstück aus der Neuheitenshow mit nach Hause nehmen zu dürfen.


Shaun das Schaf: Das Kartenspiel

Erstmalig konnte Shaun das Schaf 1995 in der Folge von Wallace & Gromit mit dem Titel Unter Schafen entdeckt werden. Erst 12 Jahre später bekam das freche Schaf die Hauptrolle in einer gleichnamigen Serie, die in Deutschland regelmäßig im Rahmen der Kindersendung Die Sendung mit der Maus ausgestrahlt wird. Shaun erlebt gemeinsam mit seiner Herde immer wieder spannende Abenteuer. Mittlerweile konnte Shaun sich sogar in zwei Kinofilmen austoben.

In diesem Spiel wollen die Schafe ein tolles Gruppenfoto von sich machen, dafür gibt es 90 Spielkarten in drei Farben mit den Werten 1-16, welche die Hauptcharaktere der Mini-Serie zeigen. Es sind also nicht nur Schafe zu sehen, sondern auch der Farmer, sein Hund Bitzer, die Schweine, der Hahn und die Ziege. Reihum wählen die Spieler eine der drei Karten aus ihrer Hand, spielen diese in ihre eigene oder eine gegnerische Auslage und ziehen eine Karte nach. Die Karte kann als neuer Stapel ausgelegt werden oder auf eine Karte derselben Farbe gelegt werden. Bei der Wertung zählt immer nur der Wert der obersten Karte. Daher kann eine unpassende Karte auch gut beim Gegner platziert werden, um einen hohen Wert dort zu überdecken.

Shaun das Schaf – Das Kartenspiel: Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Das geht solange bis der Nachziehstapel aufgebraucht ist, wenn nicht zuvor ein Spieler den sechsten Kartenstapel in seiner Auslage liegen hat. In beiden Fällen dürfen alle Spieler Fotos schießen, aber nur wenn auch alle drei Kartenfarben in der eigenen Auslage vertreten sind. Ist dies der Fall, werden alle sichtbaren Punkte addiert und notiert, die Partie endet, sobald ein oder mehrere Spieler mindestens 150 Punkte erreichen. Bei der Variante darf nur der Spieler mit der höchsten Punktzahl pro Runde seine Punkte notieren.

In unseren Erwachsenenrunden konnte Shaun das Schaf: Das Kartenspiel nicht wirklich überzeugen. Reihum werden Karten abgelegt, entweder um selbst in eine gute Position zu gelangen oder den Mitspielern etwas zu vermiesen. Wenn es jedoch sehr destruktiv gespielt wird, verlängert sich zudem die Spieldauer, da diese an eine hohe Gesamtsumme von Siegpunkten geknüpft ist. Da gibt es einfach spannendere, kleine Kartenspiele, die ich diesem hier immer vorziehen würde. Kinder, welche auch die Serie mögen, dürften ihre Freude daran haben, zumindest wenn alle etwas freundlicher spielen. Durch die Verwendung der Lizenz sehen die Figuren auf den Karten auch genauso aus, wie in der Serie. Durch die wenigen Regeln ist das Spiel sehr zugänglich und fix zu erlernen. Nur leider fehlt es an einem besonderen Kniff, um sich gegenüber anderen Spielen dieser Art behaupten zu können.

Verlag: HUCH!
Autor(en): Steffen Brückner
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an HUCH! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemlars!


Super Farmer: The Card Game

Zu diesem Spiel existiert ein Brettspiel und das schon ziemlich lange: Der erste Eintrag bei BGG ist bereits von 1943. Während des zweiten Weltkrieges wurde dieses Spiel eines polnischen Mathematikers und seiner Frau sehr beliebt, doch leider konnte kein Exemplar in Warschau den Krieg überstehen. Nur eines überdauerte den Krieg in einer anderen Stadt und wurde später an das Ehepaar zurück gegeben. Erst viele Jahre später ist der polnische Verlag Granna darauf aufmerksam geworden und wollte das Spiel einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Und weitere Jahre später soll mit einem Kartenspiel, um welches es hier nun gehen soll, an den Erfolg angeknüpft werden. Es wurde direkt in drei Sprachen veröffentlicht: Polnisch, englisch und deutsch. Der Autor des Kartenspiels ist allerdings nicht derselbe Autor wie zuvor.

In Super Farmer: The Card Game wird um den Titel Super Farmer konkurriert, alle Spieler versuchen mit ihren gesammelten Tieren die meisten Punkte zu erzielen. Die Karten werden reihum gedraftet, zusätzlich muss jeder Spieler in seinem Zug eine Karte verschenken. Damit kein Spieler dabei benachteiligt wird, gibt es eine Obergrenze für die Anzahl an Geschenken, die ein einzelner Spieler erhalten darf. Die ausgespielten Tierkarten werden direkt in die Auslage einsortiert, eine Karte mit Kohlköpfen belohnt bereits ausliegende Kohlköpfe in derselben Reihe mit Punkten. Nachdem alle Karten gespielt wurden, werden die Geschenke in die eigenen Reihen eingebaut, auch hierbei können Kohlköpfe zu Punkten führen. Es folgt eine Mehrheitenwertung für die ausliegenden Tiere. Nur der Spieler mit den meisten Tieren einer Art erhält die Anzahl als Punkte. Katzen können dabei als Joker eine beliebige Herde vergrößern, für jede Katze wird jedoch hinterher wieder ein Punkt abgezogen. Wassersymbole auf allen ausgespielten Karten bringen zusätzliche Punkte ein.

Die Tiere bleiben liegen und es wird eine weitere Runde gespielt, bei der die Karten gegen den Uhrzeigersinn weitergegeben werden. Nach der zweiten Wertung endet die Partie und der Spieler mit den meisten Punkten steht als Sieger fest. Es gibt noch zwei Varianten, eine mit abweichender Wasserwertung, bei der anderen kommen Raubtiere hinzu. Eine Marke gibt dann an, ob ein Wolf oder Fuchs die Farm betritt und entsprechend Schweine und Kühe oder Hasen, Hühner und Schafe frisst. Schützen können die Spieler ihre Tiere davor nur mit Hundesymbolen auf den ausgespielten Karten.

Super Farmer – The Card Game: Kartenauslage / FOto: Brettspielpoesie

Eigentlich bringt dieses Spiel beste Voraussetzungen mit, um von mir gemocht zu werden: Es handelt sich um ein Set Collection Spiel, es verwendet Drafting und es zeigt Schafe. Nicht nur auf einem Teil der Karten, auch die Punktemarker sind farbige Holz-Schafe. Dennoch werde ich nicht so recht warm mit Super Farmer: The Card Game. Um das Drafting schneller zu machen, gibt es bei jeder Spielerzahl einen Extra-Stapel, im Spiel mit mehr als fünf Spielern existieren sogar zwei solcher Stapel. Wird über die vertauschten Angaben in der Anleitung hinweg gesehen, geht das mathematisch mit den Extra-Stapeln schon auf, die Spieler kommen aber ständig durcheinander mit den vielen Stapeln. Das stört den Spielfluss.

Die Geschenke klingen zunächst nach einer tollen Idee, doch auch diese irritieren irgendwie: Es gibt die eigene Auslage, die Geschenkereihe und die Drafting-Stapel. Anfangs sind die Geschenke noch recht willkürlich, zum Rundenende hin kann mit den richtigen Karten ein wenig gesteuert werden. Immerhin ermöglichen sie es auch zwei Karten dem folgenden Spieler vorzuenthalten, die eigene und das Geschenk. Auch die Katzen sind nicht zu unterschätzen wenn sie als Geschenke ausliegen, da diese überall angelegt werden können, um bestimmte Mehrheiten zu erzielen. Das Zählen der Punkte wird allerdings durch eine sehr enge, schlängelige Punkteleiste erschwert, bei der regelmäßig in die falsche Richtung gelaufen wird. Aber irgendwie scheint das am Ende auch keinen erheblichen Unterschied zu machen.

Super Farmer – The Card Game: Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Verlag: Granna
Autor(en): Yaniv Kahana
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Granna für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Sunflower Valley: The Card Game

Immerhin auf englisch veröffentlicht wurde 2018 Sunflower Valley, ein Roll’n’Write-Spiel, bei dem neben Sonnenblumen, Häusern und Zugstrecken auch Schafe gemalt wurden. Ja, richtig gelesen: Gemalt! Das gelang manchen Spielern deutlich besser als anderen ;-) Nun geht es wieder um eben diese Elemente, doch sind sie bereits zauberhaft gezeichnet auf quadratischen Kärtchen, welche die Spieler reihum draften. Die entstehende Zugstrecke wird dieses Mal auch direkt befahren, dafür erhält jeder Spieler einen kleinen gelben Zug, also ach noch meine Lieblingsfarbe verwendet :) Punkte gibt es bei Spielende für die Anordnung der Karten.

Sunflower Valley – The Card Game: Auslage / Foto: Brettspielpoesie

Städte und Farmer zeigen an, welche Karten angrenzend dazu platziert werden sollten, um Punkte zu generieren. Die Berge sollten inmitten von Sonnenblumenfeldern stehen und jeder See bringt einfach einen Punkt ein. Jede Stadt, welche über Schienen an die Startstadt angebunden wurde, ist drei Punkte wert. Um das später gut nachvollziehen zu können, soll die Zugfigur immer in die nächste Stadt gestellt werden, die angebunden wurde. Es geht nur in eine Richtung, der Zug passiert keine Stadt mehrfach. Sonnenblumenfelder und Schafe generieren grundsätzlich keine Punkte, aber es kommen ja noch drei zufällige Zielkarten zum Einsatz, über die zum Beispiel jedes Schaf einer aneinander angrenzenden Herde belohnt werden. Die Hälfte aller Zielkarten sind kompetitiver Art, sie vergeben Punkte nur an den Spieler, welcher das Ziel am besten erfüllt hat. Beispielweise an den Spieler mit der längsten ununterbrochenen Zugstrecke oder mit den meisten Sonneblumen.

Sunflower Valley – The Card Game: Zielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Optisch gefällt mir Sunflower Valley – The Card Game richtig gut, die Zeichnungen sind einfach total schön. Da die ganzen Elemente im Würfelspiel selbst eingezeichnet werden mussten und meine Malkünste doch eher begrenzt ist, gewinnt in dieser Hinsicht im Vergleich das Kartenspiel. Eigentlich hätte ich auch erwartet, das Spielprinzip mehr zu mögen. Immerhin sind Karten nicht so glücksabhängig wie Würfel und Drafting mag ich ja. Dennoch konnte mich auch dieses Spiel nur wenig begeistern. Das zugehörige Würfelspiel entfacht mehr Emotion: Zu Beginn einer Runde würfelt ein Spieler und alle sehen das Ergebnis und können sich über den Würfelnden aufregen oder abfeiern. Alle hoffen und bangen, dass ein bestimmter Würfel und der erforderliche Farbbereich übrig bleibt. Das Kartenspiel geht ruhiger zu, jeder schaut auf seine Karten, was immerhin gleichzeitig abläuft. Bei voller Besetzung kommt sogar nur eine der eigenen Karten zurück, bei weniger Spielern kann zumindest ein wenig gepokert werden.

Ich sehe hier ein ähnliches Problem, wie auch schon bei Super Farmer – The Card Game: Es gibt für alles irgendwie Punkte, von daher ist es fast egal welche Karte genutzt wird. Es ist dadurch kaum möglich den Mitspielern etwas bewusst vorzuenthalten, um deren Punkte zu beeinflussen. Vielleicht noch am ehesten bei der Mehrheitenwertung. Beim Würfelspiel funktioniert der Draft-Mechanismus einfach besser, da nicht nur die Würfel, sondern auch die farbig hinterlegten Bereiche pro Runde begrenzt sind. Da bleibt für die letzten Spieler in Zugreihenfolge oft nur unbrauchbarer Mist über. Die vielen unterschiedlichen Zielkarten versprechen zunächst große Variation, aber die Auswirkungen sind dann doch zu gering, sie geben lediglich eine kleine Orientierung vor, welche Karten besonders wertvoll sind..

Sunflower Valley – The Card Game: Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Eine deutsche Version ist noch nicht in Sicht, aber im vierten Quartal 2020 soll die US-Edition erscheinen, bei der sich der Untertitel leicht unterscheidet. Es heißt dann Sunflower Valley: A Tile Laying Game.

Verlag: Hobbyworld
Autor(en): Wouter van Strien
Erscheinungsjahr: 2019 (russische Version)
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Hobbyworld für de Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


Fazit:

Alle drei Spiele konnten nicht vollends überzeugen, leider ein häufig erlebtes Phänomen bei Schafspielen. Immerhin können die Schafe ein wenig darüber hinweg trösten. Ein weiteres Problem könnte der Zusatz „Das Kartenspiel / The card game“ sein, da ein bekanntes, vielleicht sogar beliebtes, Spiel adaptiert wird und die neue Variante nicht die Erwartungen erfüllen kann.

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