Wo sind all die Schafe hin?

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Als aufmerksamer Leser kann man sich durchaus fragen, warum so lange keine Schafspiele auf diesem Blog im Fokus waren. Dabei haben die Loot-Bilder der letzten Spiel in Essen doch das ein oder andere Schafspiel gezeigt. Diese Spiele haben alle eines gemeinsam: Sie stammen von ausländischen Verlagen. Nur eines der vier Spiele verfügt über eine deutsche Anleitung, die anderen liegen immerhin auf englisch vor, zeigen aber einige Übersetzungsschwächen, wie es leider so oft verkommt bei Spielen asiatischer Verlage. Ich habe länger gehadert, in welcher Form ich sie euch vorstellen kann. Ich möchte nun versuchen, euch mit der heutigen Brettgeschichte einen kleinen Einblick in die Schaf-Spiele der Spiel’17 zu geben. Eine weitere Tendenz erkenne ich darin, dass Schaf-Spiele häufig recht zugänglich für Kinder erscheinen. Ich spiele sie jedoch nur in Gruppen mit Erwachsenen, vor allem, wenn sie nicht explizit als Kinderspiele angepriesen werden.

Bye-Bye Black Sheep

Bekannte Spielprinzipe neu interpretiert kommen in letzter Zeit gut an, das dachte sich wohl auch Torsten Landsvogt bei der Entwicklung von Schwarzes Schaf, welches im Original Bye-Bye Black Sheep genannt wurde. Der schwarze Peter ist hierbei natürlich ein schwarzes Schaf, von dem jeder Spieler eines auf die Hand bekommt. Als aktiver Spieler zieht man offen beliebig viele Handkarten der Mitspieler, doch zieht man ein schwarzes Schaf endet der Zug sofort und alle anderen gezogenen Handkarten gelangen auf die eigene Hand. Hört man jedoch zuvor freiwillig auf, dürfen Tiere ausgelegt werden und zwar zwei Tiere weniger als gezogen wurden. Dabei dürfen auch Handkarten in die Auslage gelangen, nur eben nicht mehr als durch die gezogenen Karten vorgegeben. Wer zuerst eine bestimmte Anzahl an Drillingen einer Tierart hat, gewinnt. Es lohnt sich also ein wenig Risiko einzugehen, um im Idealfall mehr Karten auslegen zu dürfen.

Bye-Bye Black Sheep Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Es kommen noch einige Spezialkarten in das Spiel, die für etwas Abwechslung sorgen. So kommt später die diebische Elster ins Spiel, die es erlaubt ein beliebiges Tier aus der Auslage des Gegners zu nehmen, von dem sie gezogen wurde. Mit dem Adler wird ein Mitspieler nach einer bestimmten Tierart gefragt, von der eine Karten abgegeben werden muss, wenn er sie auf der Hand hält, sonst endet der Zug des aktiven Spielers, als hätte er freiwillig aufgehört. Und der Maulwurf erlaubt es die Handkarten eines Mitspielers einzusehen. Für das fortgeschrittene Spiel stehen noch weitere Spezialkarten zur Verfügung.

Die Anleitung ist hier gut übersetzt, das Spiel problemlos spielbar, aber leider nicht wirklich überzeugend. Das kurz zuvor erschienene Gier spielt sich ähnlich, ich würde diesem jedoch immer den Vorzug geben. Auch wenn dieses keine niedlichen Tiere auf den Karten zeigt. Aber süße Tiere können eben nicht alles retten. Selbst Schafe gibt es hier genau genommen nur wenige zu sehen, da sie ausschließlich bei den Spezialkarten auftauchen. Es gibt ja auch im Spiel keinen Grund, sich über ein Schaf zu freuen, eher nervt es früh ein schwarzes Schaf zu entdecken.

Verlag: Jolly Thinkers
Autor(en): Torsten Landsvogt
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 20 – 30 Minuten

Sheep Sheep

Stellt euch vor, ihr seid als Schäfer mit eurer Herde unterwegs, doch müsst plötzlich ein Loch im Zaun feststellen. Und nun mischen sich eure Tiere unter andere Herden.  Dafür erhalten Schafe im wahren Leben häufig bunte Markierungen auf dem Rücken, um sie besser auseinander halten zu können. Die Aufgabe in diesem Speil besteht darin, durch Austausch von Karten aus einem 3×3-Raster mit den eigenen drei Karten eine Art von Schafen orthogonal angrenzend zu legen, sodass Reihen und Spalten entstehen. Jede dieser Karten kommt aus dem Spiel und bringt einen Punkt, oder sogar zwei, wenn es aus der eigenen Herde kommt. Das Austauschen geschieht auf Zeit, eine Minute steht zur Verfügung. Umgedreht werden, dürfen immer nur die eigenen drei Karten, die zusätzlich vor jedem Spieler liegen, sodass ein wenig rotiert werden muss, um weitere Rückseiten einsehen zu können. Denn diese sind entscheidend für den Austausch.

Sheep Sheep Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wolliger Tauschrausch in Echtzeit klingt spannend, doch leider kommt wenig Spielspaß auf. Die Grafiken sind zudem leider alles andere als gelungen, fern jedweder Niedlichkeit erscheinen alle Schafe als wären sie auf Drogen.

Verlag: Azao Games
Autor(en): Nicolas Walther
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Wild West Shepherds

Wie so oft bei Schaf-Spielen, geht es auch bei diesem darum, seine Schafe auf saftige Weiden zu führen, auf denen sich möglichst keine Wölfe herum treiben. Leere Wiesen, Schafe und Wölfe, auch welche im Schafspelz, befinden sich auf den vier Karten, welche jede Runde verwendet werden. Eine Karte jeder Sorte plus eine Unbekannte. Die Spieler wählen eine davon aus, meist ohne zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Nur der Startspieler bekommt zwei Karten zu Gesicht, die anderen maximal eine, bevor sie ihren Schäfer platzieren. Eine der Karten darf niemals angesehen werden, alle mit einem Schäfer ebenfalls nicht (mehr). Wer später an der Reihe ist, muss häufig völlig unwissend wählen, kann nur versuchen sich an die Mitspieler zu hängen. Doch weiß man nicht, welche Rolle die in dieser Runde einnehmen. Und diese Rollen können die normalen Regeln ordentlich aushebeln. Da kann man sich nicht einmal sicher sein, die Hälfte der Schafe abzubekommen, wie es eigentlich der Fall ist, wenn mehrere denselben Ort mit Schafen besuchen. Sobald ein Spieler 11 Schafe in seiner Herde hat, endet das Spiel und es gewinnt, wer die größte Herde vorweisen kann.

Wild West Shepherd Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Damit das Zusammenspiel der Rollen so richtig in Fahrt kommt, sind vier Spieler notwendig, mit weniger ist es nicht spielbar. Es könnte sich als Spiel für größere Gruppen etablieren, doch dazu kam es in unseren Gruppen nicht. Am Material ist nichts auszusetzen, diese kleinen Schafe auf den Punkte-Münzen: Einfach zuckersüß! Vielleicht liegt es an den englischen Karten, wobei die eigentlich unwichtig sind, sobald alle die Funktionen der verschiedenen Charaktere verinnerlicht haben. Die Anleitung verspricht ein spannenderes Spiel mit den Charakteren für Fortgeschrittene, doch in den meisten Gruppen konnte sich das Spiel gar nicht so lange halten. Ich kann es nicht genau beziffern, aber das gewisse Etwas fehlt einfach.

Verlag: Wild Boys Studio
Autor(en): Martin Kuan
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 4 – 7 Spieler
Dauer: 20 – 30 Minuten

Oops! My sheep!

Ich freue mich schon immer, wenn auf der Neuheitenliste vom Merz Verlag im Vorfeld der Spiel Schafspiele zu entdecken sind. Doch noch viel schöner sind spontane Entdeckungen auf der Messe, von denen man zuvor so gar nichts vernommen hatte. Dazu gehört Oops! My Sheep, welches wir 2017 in einer der hinteren Hallen erspäht haben. Kurzerhand lies ich mir das Spiel vom Autor persönlich erklären und es wanderte in die Tasche.

Sieben der 33 Karten spielt jeder Spieler, eine in jeder Runde. Verdeckt legt man die auf einen der freien Orte, von dem geglaubt wird, dass der Kartenwert dorthin gehört. Anschließend werden die Karten aufgedeckt und aufsteigend sortiert, wobei Hunde an ihrem Ort verbleiben. Wer seine Karte korrekt eingeordnet hat, wird dafür belohnt. Zusätzlich gibt es bei Spielende Punkte für Schafe, die auf dem Ort stehen, der einem zu Beginn geheim zugelost wurde. Jeder Wolf auf dieser Karte führt jedoch zum Abzug eines Schafes, wenn nicht ein Hund den Wolf vertreiben kann.

Oops! My Sheep! Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die übersetzte Anleitung muss man schon mehrfach lesen, doch verständlich sind die Regeln dennoch nicht. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob alles korrekt gespielt wurde. Besonders die Punktevergabe macht mir Sorgen, denn wurde ein Wolf gespielt steht in der Anleitung bei der Punktevergabe für den Wolf: „Earn bonus as many as the number + 1 in upper right corner or return 1 bonus token to the deck“. Also entweder erhält man so viel Bonus, wie die Karte zeigt plus einen oder man legt einen Marker in den Vorrat zurück!? Das ergibt nicht wirklich Sinn. Es wird auch nie erklärt, wozu die farblich unterschiedlichen magnetischen Clips verwendet werden. Ich nehme an, um die eigene Karte zu markieren. Aufgrund dieser Unsicherheiten bei der Interpretation der Regeln, kann ich leider gar kein Urteil fällen.

Verlag: Magic Bean Games
Autor(en):
Taewoo Park
Erscheinungsjahr:
2017 (?)
Spieleranzahl:
2 – 5 Spieler
Dauer:
k.A.

Schafe von der Spiel'17

Schafe von der Spiel’17 / Foto: Brettspielpoesie

Vielen Dank an die genannten Verlage/Autoren für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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