Century – Die Gewürzstraße

Century - Die Gewürzstraße Cover

Cover / Foto: Abacusspiele

Als großer Dominion-Fan freue ich mich auf jedes neue Spiel mit Deckbuilding-Mechanismus. Davon gab es im aktuellen Jahrgang einige. Jedes dieser Spiele macht dabei etwas anders, baut noch etwas drum herum, versucht damit besonders hervor zu stechen. Das ist Reiner Knizia und Ravensburger mit Wettlauf nach El Dorado gelungen, es wurde zum Spiel des Jahres 2017 nominiert. Der neu gegründete Verlag Plan B Games geht mit der Century-Trilogie an den Start. Die drei Teile spielen in verschiedenen Jahrhunderten und entführen die Spieler in die damaligen Handelswege und -traditionen. Begonnen wird im Jahr 2017 mit der Gewürzen aus dem 15. Jahrhundert als zentralem Element. In den nächsten beiden Jahren sollen die weiteren Teile folgen. Diese sollen dann ebenfalls eigenständig, aber auch gemeinsam mit den anderen Teilen spielbar sein. Doch dafür müssen wir uns noch ein wenig gedulden und mit Century- Die Gewürzstraße vorlieb nehmen.

Spielmaterial:

Für das Spielmaterial gibt es jede Menge Pluspunkte. Vier kleine Schälchen für die vier Gewürze, welche durch bunte Holzklötzchen visualisiert werden. Beim Auspacken waren wir verwundert, warum drei der Gewürzsorten in wieder verschließbaren Zip-Beuteln untergebracht und nur eine Sorte eingeschweißt war. Dabei hätte man sich die Zip-Beutel generell sparen können, denn der Tiefzieheinsatz sitzt so gut, dass die Gewürze auch beim Transport in ihren Schälchen verbleiben können. Die beiden Sorten Münzen sind wirklich aus Metall und die Karten sind groß und stabil. Für meine kleinen Hände fast etwas zu groß und daher schwierig zu mischen. Aber das ist sicherlich Geschmackssache. Die Anleitung passt auf ein doppelseitig bedrucktes Blatt, ist leicht zugänglich und gut verständlich.

Spielmechanismus:

Jeder Spieler erhält eine Karawanenkarte mit Platz für 10 Gewürze. Zusätzlich beginnen die Spieler anhand ihrer Position in der Spielreihenfolge mit bestimmten Gewürzen sowie zweier Startkarten. Diese sind bei allen Spielern identisch: Eine ermöglicht die Produktion von zwei Curcuma, die andere ermöglicht zwei Aufwertungen. Beide sind bei Spielbeginn auf der Hand verfügbar. Aufgewertet wird in der Reihenfolge der Werte für die Gewürze. Von Curcuma (gelb) zu Safran (rot), über Kardamon (grün) zu Zimt (braun). Es liegen immer fünf Siegpunkt- und sechs Händlerkarten aus. Pro Zug kann der aktive Spieler aus verschiedenen Optionen wählen. Er kann sein Kartendeck mit einer der ausliegenden Karten erweitern. Die am weitesten vom Nachziehstapel entfernt liegende Karte ist dabei kostenlos. Wird eine der hinteren Karten gewählt, muss auf jede Karte bis zu dieser ein Gewürz gelegt werden, welche später zusätzlich zu den Karten aufgenommen werden können. Neu erworbene Karten landen direkt auf der Hand und können ab der nächsten Runde ausgespielt werden. Die Karten in der Auslage rutschen auf, bevor eine Neue aufgedeckt wird. Ausspielen bedeutet je nach Kartenart die abgebildeten Gewürze aufzunehmen, die entsprechende Anzahl an Aufwertungen vorzunehmen oder Gewürze entsprechend einzutauschen. Getauscht werden darf mehrfach pro Karte, wenn genügend Gewürze zum Tauschen vorrätig sind. Wurden ausreichend Gewürze gesammelt, dürfen diese gegen eine Siegpunktkarte mit den passenden abgebildeten Gewürzen getauscht werden. Liegen zu dieser Karte noch Münzen aus, bekommt man eine davon zusätzlich. Als letzte Option bleibt es, seine gespielten Karten wieder auf die Hand zu nehmen. Dies darf jederzeit passieren, es müssen nicht zuvor alle durchgespielt worden sein.

Century - Die Gewüzstraße Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Mit der fünften Siegpunktkarte, welche ein Spieler erwirbt endet das Spiel nach der laufenden Runde. Für die Endwertung zählen die aufgedruckten Punkte der erworbenen Siegpunktkarten. Hinzu addiert werden drei Punkte für jede Gold- und ein Punkt für jede Silbermünze. Zu guter letzt sind alle Gewürze auf den Karawanen außer Kurkuma einen Punkt wert. Der erfolgreichste Händler und somit Sieger der Partie kann nun die meisten Punkte vorweisen.

Spieleranzahl:

Im Spiel zu zweit/dritt werden sechs Siegpunktkarten für das Spielende benötigt. Die Spieleranzahl bestimmt zudem die Anzahl der Münzen, und zwar zwei je Sorte für jeden teilnehmenden Spieler. Umso mehr Spieler, desto mehr Händlerkarten kommen meist ins Spiel, da mehr Kartendecks zusammen gestellt werden wollen. Auch die Konkurrenz um die Siegpunktkarten steigt bei mehr Spielern. Das führt meist zu längeren Partien bis der Sieger fest steht. Der Wettlauf um die Münzen wird zu zweit fast etwas interessanter, da aufgepasst werden sollte, dem Gegenspieler keine Vorlagen zu geben. Sammelt er Ressourcen für die vorletzte Karte und ich kaufe die letzte Karte, kann er später ebenfalls eine Goldmünze erhalten und genau darauf spekulieren. Dieses taktische Element finde ich reizvoll.

Glücksfaktor?

Es kommt nur ein Bruchteil der verfügbaren Karten pro Partie überhaupt zum Einsatz. Die Effektivität der Karten in einem Kartendeck hängt sehr von ihrem Zusammenspiel ab, dafür ist es hilfreich, wenn die Karten in bestimmter Reihenfolge verfügbar sind. Ist das nicht der Fall, kann es passieren sich mit seinem Deck ganz schön herum zu quälen. Dafür gibt es keinen Glücksfaktor bei den eigenen Karten, da immer alle zur Verfügung stehen, bis sie ausgespielt werden. Man kann jede Karte im kommenden Zug wieder auf die Hand nehmen, verschenkt dann aber andere Aktionen, die lukrativer sein können.

Fazit:

Ich mag die Idee der Trilogie und bin gespannt, was die weiteren Teile mit sich bringen werden und wie sie das Spiel verändern. Doch Century – Die Gewürzstraße für sich alleine konnte mich leider nicht überzeugen. Es fühlt sich fast belanglos an. Häufig wird es mit Splendor verglichen, doch selbst das empfinde ich anders. Bei Splendor erhöht man mit jeder gekauften Karte auch die Anzahl verfügbarer Edelsteine für kommende Runden. Hierbei sind die Punktekarten kein Bestandteil des eigentlichen Spielablaufs. Nachdem eine Karte erworben und die Waren dafür abgegeben wurden, muss man meist wieder von vorne beginnen, die Ressorucen für weitere Karten zu beschaffen. Ebenfalls stört mich der Erwerb neuer Karten. Die meisten unserer Partien liefen so ab, dass jeder Spieler zu Beginn sein Deck zusammen gestellt hat und dieses später einfach nur noch herunter gespielt wird. Dadurch kommt immer nur ein kleiner Teil der Karten ins Spiel. Wer hier zu Beginn die Nase vorn hat, kann erste Siegpunkte eintauschen während andere noch verzweifelt an ihrem Deck arbeiten. Ist zu Beginn nur eine Produktionskarte verfügbar, hat der Spieler einen großen Vorteil, der eben diese ergattert. Je nach Auswahl an Karten kann es sich dann dennoch etwas ziehen, bis ein Sieger fest steht, da es nur wenige Ressourcenkarten gibt und viel über Aufwertungs- oder Tauschkarten passiert.

Sehr angenehm finde ich neben der imposanten Ausstattung den schnellen Spielablauf. Kaum hat man eine Aktion beendet ist man oft schon wieder dran, da die anderen Spieler ihre Aktionen gut voraus planen können und die einzelnen Aktionen wirklich flott abgehandelt sind. Man darf die Mitspieler nicht außer acht lassen, um vorbereitet zu sein, wenn einem eine Siegpunktkarte vor der Nase weggeschnappt wird und man schnell umsteuern kann. Ich bin wirklich interessiert an der Weiterentwicklung des Spiels durch die folgenden Teile, aber Century – Die Gewürzstraße alleine wollte in keiner unserer Spielgruppen erneut auf den Tisch gelangen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Plan B Games / Vertrieb: Abacusspiele
Autor(en): Emerson Matsuuchi
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: ca. 30 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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