Valletta

Valletta Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Der Hans im Glück-Verlag bringt meist zwei große Spiele pro Jahr heraus. In Essen eines, welches sich eher an Vielspielern orientiert und in Nürnberg dann ein etwas zugänglicheres für das Familienspiel-Publikum. Im aktuellen Jahrgang war das im Herbst First Class – Unterwegs im Orient Express. Im Frühjahr erschien dann Valletta, ein Spiel von Stefan Dorra. Es handelt sich dabei um ein Deckbuilding-Spiel, wie wir sie im aktuellen Jahrgang gehäuft vorfinden. Um sich davon abzuheben, hat auch dieses Spiel seine Eigenheiten. Die Spieler nutzen die Aktionen ihrer Karten, um Gebäude zu errichten. Diese werden mit Siegpunkten belohnt, aber zu jedem Gebäude gehört auch eine Person, welche direkt auf die Hand des Spielers gelangt. So konkurrieren die Spieler um die Gunst des Großmeister Jean de la Valette und errichten gemeinsam die maltesische Hauptstadt.

Spielmaterial:

Hier lässt Hans im Glück mal wieder keine Wünsche offen. Dicke Stanzbögen, ordentliche Spielertableaus aus Pappe, dazu jede Menge Holzmaterial für Spieler und Ressourcen. Die Gebäudekarten sind etwas größer als die Handkarten. Neben den identischen Startkarten der Spieler gibt es zu jedem Gebäude genau eine Personenkarte, wobei einige Gebäude/Personen mehrfach auftauchen. Die Spielertableaus sollen mit den Ablageflächen vor allem unerfahrenen Deckbau-Spielern eine Orientierung geben.

Die Anleitung ist verständlich aufgebaut, es handelt sich dabei um ein faltbares Blatt. Das mag ich einfach nicht, ist aber Geschmackssache. Zusätzlich existiert eine Anhang mit Kartenerklärungen, auf dessen letzter Seite sich eine Werbeanzeige des Fremdenverkehrsamtes Malta befindet. Das finde ich ganz witzig, hoffe aber auch, dass einfach versucht wurde freien Platz sinnvoll zu beschreiben und Spielanleitungen nicht grundsätzlich zu neuen Crossover-Werbeträgern werden.

Spielmechanismus:

Zu Beginn jeder Runde halten die Spieler fünf Handkarten aus ihrem Deck, von denen drei in beliebiger Reihenfolge ausgespielt werden dürfen. Die roten Karten liefern jeweils eine Ressource oder erlauben den Bau eines Gebäudes. Dieses wählt man auf dem Spielplan aus und setzt sein Haus darauf, wenn man die Baukosten gezahlt hat. Zusätzlich bekommt man die dort ausliegende Personenkarte direkt auf die Hand. Errichtet man das Gebäude in dem Bereich, in dem sich Jean de la Valette gerade aufhält, wird dies mit zwei Siegpunkten belohnt. Wird angrenzend an eigene Gebäude gebaut, kostet der Bau für jedes dieser Gebäude ein Gold weniger. Eine Gebäudeaufwertung ermöglicht ebenfalls der Baumeister, wenn er ausgespielt wird. Dafür werden ein weiteres Mal alle geforderten Ressourcen (bis auf Gold) abgegeben, um die Karte umzudrehen. Sie bringt dann bei Spielende doppelt so viele Siegpunkte ein und produziert doppelte Ressourcen. Der Lehrling ermöglicht die Kopie der zuvor ausgespielten Karte, wenn es sich um eine grüne oder rote Karte handelt. Mit der Jean de la Valette-Karte kann man diesen um ein Feld vorwärts bewegen und eine zufällige Ressource als Bonus erhalten. Zusätzlich ermöglicht Jean de la Vallette eine Person einzustellen oder zu entlassen. Bei Spielbeginn liegen weitere rote Baumeister aus, die angeheuert werden können. Wer sein Deck lieber klein hält, kann Personen entlassen, welche wiederum später von anderen Spielern angestellt werden können.

Valletta Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die grünen Karten produzieren eine Ressource in Abhängigkeit der Ressourcensymbole auf eigenen Gebäuden. Die blauen Gebäude bringen mehr Punkte ein, ihre Personenkarten dienen der Rohstoffbeschaffung, dem vergünstigten Bau von Gebäuden oder dem direkten Konflikt mit den Mitspielern. Die wertvollsten Karten sind die gelben, deren Personenkarten wichtige Perönlichkeiten der Stadt Valletta zeigen. Sie bringen durch das Ausspielen der Aktion Siegpunkte ein. Durch das Aufnehmen neuer Handkarten, sodass man wieder fünf auf der Hand hält, endet ein Zug. Karten werden gemischt, sobald eine Karte gezogen werden muss, aber kein Nachziehstapel mehr vorhanden ist.

Valletta Spielkarten

Spielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Drei Bedingungen können die Endphase einleiten:

  • Jean de la Valette zieht auf das letzte Fass
  • Ein Spieler erreicht 25 Siegpunkte
  • Ein Spieler baut sein achtes Haus

In der Endphase mischen die Spieler Ablage- und Nachziehstapel zusammen und spielen alle Karten noch einmal komplett durch. Das Spielende ist erst erreicht, wenn der letzte Spieler alle seine Karten gespielt hat. Anschließend zählen die Spieler die Punkte für die Gebäude zu den im Spiel erlangten Siegpunkten. Für je drei Güter erhalten sie noch einen Punkt. Es gewinnt, wer insgesamt die größte Ausbeute vorweisen kann.

Spieleranzahl:

Die Gebäude- und Personenkarten werden limitiert. Im Spiel zu zweit stehen nur 20 Gebäude, in je zwei Reihen über- und unterhalb der Straße zur Verfügung. Im Dreier-Spiel 25 und im Spiel zu viert 30. Zu zweit ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Spielende durch Jean de la Valette ausgelöst wird. Er kann sich dann gar nicht so schnell bewegen und daher bleiben auch die hinteren Gebäude mit ihren Karten meist eher uninteressant, weil unbelohnt. Auf der Homepage des Autors ist daher eine 2-Spieler-Variante beschrieben, bei der nur die ungeraden Plätze auf dem Weg mit Fässern gelegt werden. Zu zweit gefällt es mit den mitgelieferten Regeln nicht so gut. Zu dritt und erst recht zu viert haben wir mehr Spaß an diesem Spiel.

Glücksfaktor?

Durch die fünf Handkarten und das regelmäßige Nachziehen kommt ein geringer Glücksfaktor ins Spiel. Es bleiben jedoch immer mindestens zwei Karten auf der Hand und so kann man sammeln, sollte man bestimmte lukrative Kombinationen nicht direkt auf die Hand ziehen. Sammeln empfiehlt sich jedoch nicht immer, denn so bilden Ressourcen und Geld auch eine Angriffsfläche für Spieler mit entsprechenden blauen Karten, mit denen sie sich daran bereichern können. Es gibt im Netz Diskussionen um einen Startspielervorteil, den konnten unsere Partien nicht bestätigen. Doch auch dafür gibt es eine Regelanpassung durch Verlag und Autor.

Fazit:

Valletta hat schöne Ansätze, aber komplett überzeugen konnte es irgendwie nicht. Für das was es bietet, dauert der Spielaufbau einfach viel zu lange. Die einzelnen Züge sind meist im Nu abgehandelt – der Aufbau vor dem ersten Zug ist dafür recht aufwändig. Erst müssen die Gebäudekarten im richtigen Verhältnis ausgelegt werden. Dann werden diesen die entsprechenden Personenkarten zugeordnet. Die Handkarten sind recht klein gehalten, was für mich allerdings völlig in Ordnung ist. Durch eine eindeutige Symbolik sind die Aktionen dennoch verständlich aufgeführt. Vor jeder Partie müssen sich die Spieler zunächst einen Überblick verschaffen, welche Karten angeboten werden. Dies ist je nach Sitzposition am Tisch manchmal schwierig zu bewerkstelligen. Anhand dessen kann man sich eine Strategie überlegen und versuchen diese durch zuziehen. Doch umso mehr Mitspieler, desto mehr potentielle Mitbewerber um die ausliegenden Karten. Und desto mehr Störenfriede um die eigenen Gebäude herum, die man gerne selber erwerben möchte, um Geld zu sparen.

Mir gefällt die Endbedingung und dass man dann sein Deck noch einmal komplett durchspielen kann. Bei anderen Deckbuildern ist das Ende oft just in dem Moment erreicht, wo man sein Deck komplett ausgebaut hat und man ärgert sich. Durch Bauaktionen können auch in dieser Phase noch neue Karten hinzukommen, deren Aktion man allerdings nur noch ein einziges Mal nutzen kann. Es gibt auch nicht die eine Siegstrategie, viele Wege können zum Sieg führen. Je nachdem wie die Auslage aussieht und worauf es die Mitspieler absehen. So ist es zum Beispiel möglich mit den günstigen grünen Gebäuden zu gewinnen, wenn die Mitspieler vom frühen Spielende überrascht werden, weil sie viele Züge brauchten, um für die teuren Karten zu sparen. Die nachgelieferten Regelanpassungen lassen den leisen Verdacht zu, dass nicht ausreichend getestet wurde. Sonst wäre diese Notwendigkeit doch früher bekannt geworden. Es ist ein solides Spiel, aber leider sticht es nicht besonders hervor. Für Wenigspieler ist es jedoch leicht zugänglich und das führt zusammen mit den verschiedenen Siegmöglichkeiten bei diesen auch zum Wiederspielreiz.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Hans im Glück Verlag
Autor(en): Stefan Dorra
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 20 Minuten pro Spieler

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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