Patchwork

Patchwork Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Irgendwie bekommt man das Gefühl, dass in vielen Spielen immer wieder dieselben Themen verbraten werden. Da freut es besonders, wenn gewisse Spiele sich davon abheben. Patchwork gehört zu diesen Spielen, die ein wirklich unverbrauchtes Thema nutzen und großartig umsetzen. Bei dem 2-Personen-Spiel von Erfolgsautor Uwe Rosenberg ist es die Aufgabe der Spieler, aus verschiedenen Flicken eine Patchwork-Decke zusammen zu setzen. Patchwork, das bedeutet aus einzelnen Flicken ein neues Produkt zu erstellen. Klingt einfach, kann aber ganz schön tricky werden.

Spielmaterial:

33 Papp-Flicken, auf denen der Preis und die Zeit angegeben sind (nur ein Flicken hat keinen Preis). Den Preis muss man bezahlen, um das Plättchen an sich zu nehmen und die Zeit muss man in Schritten auf dem Spielbrett abtragen. Manche Flicken sind zusätzlich noch mit Knöpfen versehen. Von denen sind, ebenfalls aus Pappe, 50 vorhanden. Ein quadratisches Spielbrett wird mit den 5 Lederflicken (aus Pappe) versehen und der grüne und gelbe Zeitstein aus Holz auf dem ersten Feld platziert. Beide Spieler erhalten ein eigenes Spielertableau mit einer Fläche von 9×9 Quadraten in der Farbe ihrer Spielfigur, gelb oder grün. Das Spielbrett hat zwei unterschiedliche Seiten, bis auf die Optik sind beide identisch und können beliebig genutzt werden. Es fehlen noch der große Pöppel aus Holz und ein Sonderplättchen.

Spielmechanismus:

Beide Spieler beginnen mit 5 Knöpfen. Die Flicken werden zufällig, ellipsenförmig um das Spielbrett herum angeordnet. Die Spielfigur wird links neben dem kleinsten Flicken platziert. Wer zuletzt Nadel und Faden in der Hand hatte, darf beginnen und einen der kommenden drei Flicken links vom Pöppel aus wählen. Diesen muss er mit Knöpfen bezahlen und sofort auf seiner Decke platzieren, ein späteres Umplatzieren ist nicht möglich. Dann zieht er seinen Zeitstein um die entsprechende Anzahl Schritte vor. Felder mit Knöpfen lösen eine Wertung aus. Als Einkommen erhält der Spieler dabei so viele Knöpfe, wie in seine Decke eingenäht sind. Läuft er über einen Lederflicken, darf er diesen an sich nehmen und sofort auf seiner Decke anlegen. So darf er verfahren, bis der eigene Zeitstein vor dem des Mitspielers steht. Anstatt einen Flicken zu kaufen, darf ein Spieler jederzeit mit seinem Zeitstein vor den des Mitstreiters rücken und erhält dafür die Anzahl Knöpfe anhand der Spielfelder, die er dabei vorgerückt ist. Der Spieler, der zuerst eine Fläche von 7×7 mit Flicken abgedeckt hat, erhält das Sonderplättchen mit Wert von 7 Knöpfen.

Patchwork Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Das Spiel endet, wenn beide Spieler das Ziel auf dem Spielplan erreicht haben. Pro Knopf erhalten die Spieler einen Siegpunkt, anschließend erhalten beide Spieler zwei Minuspunkte für jedes freie Quadrat ihrer Decke und ziehen diesen Wert von ihren Siegpunkten ab. Wer am Ende die meisten Siegpunkte vorweisen kann, ist der Sieger.

Spieleranzahl:

Es handelt sich bei Patchwork um ein reines 2-Spieler-Spiel. Dadurch dass die Stoffstücke jedes Mal in anderer Reihenfolge ausliegen, gleicht kein Spiel dem anderen.

Glücksfaktor?

Glückslastig ist Patchwork keineswegs. Natürlich kann die Startauslage mal unvorteilhaft liegen, aber das trifft beide Spieler in ähnlicher Weise. Man sollte sich bei jedem Zug überlegen, was das Beste für die eigene Decke ist, aber auch beachten, dass man dem Gegner keine Steilvorlage bietet. Flicken mit Knöpfen sind lukrativ, Flicken ohne decken aber meist mehr Fläche ab. Daher muss man immer abwägen, welche Flicken sich lohnen. Schließlich möchte man bei Spielende möglichst wenig Minuspunkte kassieren.

Fazit:

Ein tolles Spiel für zwei Spieler. Es spielt sich ab der ersten Partie sehr flüssig und hat einen hohen Wiederspielreiz. Man möchte sich in jeder Partie verbessern und immer weniger Lücken zuzulassen. Es muss die optimale Kombination zwischen Flicken mit großer Fläche, Flicken mit vielen Knöpfen und Flicken mit wenig Schritten gefunden werden. Denn das Ziel scheint lange Zeit noch ganz weit weg und plötzlich steht man direkt davor, aber die Decke zeigt noch so viel freie Flächen. Es lohnt sich die Lederflicken zu erhalten, um kleine Löcher zu stopfen und mehr Fläche abzudecken. Manches Mal kommen sie aber zu einem schlechten Zeitpunkt und man weiß gar nicht genau, wohin damit. Auch das Sonderplättchen ist sehr lukrativ, da es sieben Punkte einbringt. Man kann sich zwar jederzeit Knöpfe holen, indem man bis zum Mitspieler vorrückt, aber reichen dann die Flicken am Ende zum Abdecken des eigenen Spielertableaus?

Wertungsnote 5/6

Verlag: Lookout Spiele
Autor(en): Uwe Rosenberg
Erscheinungsjahr: 2014
Spieleranzahl: 2 Spieler
Dauer: 30 Minuten

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4 Gedanken zu “Patchwork

  1. Zitat: „Glückslastig ist Patchwork keineswegs. Natürlich kann die Startauslage mal unvorteilhaft liegen, aber das trifft beide Spieler in ähnlicher Weise.“
    Ja, aber nein. Die Startauslage ist tatsächlich der EINZIGE Zufallsfaktor. Das bedeutet, dass theoretisch (d.h. bei bestem Spiel, abgesehen von seltenen Unentschieden) der Startspieler entweder von vorne herein gewonnen oder verloren hat. Es „trifft“ also keineswegs beide Spieler in ähnlicher Weise.

    • Hallo Ulrich, vielen Dank für Deinen Kommentar. Das mag mathematisch stimmen (Mathe gehört nun wirklich nicht zu meinen Stärken), aber nur unter der Bedingung, das beide Spieler nur optimale Züge machen und sich keine Fehler erlauben. Das war bei uns aber sicher nicht der Fall. Ich hatte eher das Gefühl, das es beide ähnlich getroffen hat. Dem Spielspaß hat eine vermeintliche Berechenbarkeit bei uns also keinen Abbruch getan.

      • Auch bei uns ist natürlich die totale Berechenbarkeit nur rein theoretisch gegeben. Und das Spiel macht in der Tat großen Spaß – für mich ein ganz großer Wurf! 🙂

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