(Lisbon Tram) 28

Die Tram 28 fährt von Station zu Station,
ist in Lissabon eine echte Attraktion.
In strahlendem gelb ruckelt sie durch die Stadt,
setzt an sehenswerten Gebäuden Touristen ab.
Nicht nur die Ausstattung wirkt speziell,
auch ihr Gebimmel klingt traditionell.
Wenn sich Bahnen die Wege blockieren,
oder sie zufällige Personen chauffieren.

Spielmaterial:

Ein großer Spielplan zeigt die Strecken zwischen den Sehenswürdigkeiten, welche die Straßenbahnen der Spieler entlang fahren können. Er bietet zudem Ablageflächen für die über 100 Ticketkarten und die Karten mit den Sehenswürdigkeiten, die bei Spielende als Punkte zählen. Jeder Spieler bekommt zu einer Straßenbahnfigur auch ein Spielertableau, quasi das Innenleben seiner Bahn mit Platz für die Fahrgäste. Von diesen gibt es sechzig Stück in vier Farben, sie lassen sich in einem Stoffbeutel verstauen. Neben einigen Sonderkarten und Holzmarkern ist noch eine Klingel enthalten.

Spielmechanismus:

An verschiedenen Haltestellen warten bis zu drei Personen, um sich von einer Tram befördern zu lassen. Zwei Aktionen stehen jedem Spieler pro Zug zur Verfügung, welche sich aus vier Optionen wählen lassen. Mit Handkarten einer Farbe kann die eigene Tram um entsprechend viele Felder bewegt werden. Leere Haltestellen zählen dabei nicht mit, die Schienenführung ist zu beachten. Steht eine andere Tram im Weg, lässt sich diese “wegschubsen”, ggf. auch mehrfach hintereinander. Um dies anzuzeigen wird mit der enthaltenen Glocke authentisch gebimmelt und die beteiligten Spieler erhalten eine zufällige Karte. Aber nur eine pro Zug, auch bei wiederholten Schübsen.

28 Spielplan
28 Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Eine weitere Aktionsmöglichkeit besteht darin an einer Haltestelle Passagiere einsteigen zu lassen. Dafür wird die Abgabe von farbig passenden Karten verlangt. Wer ein Risiko eingehen möchte, kann durch Bimmeln einen weiteren zufälligen Passagier einladen, den ein Mitspieler aus dem Beutel zieht. Doch ist auch für diesen eine farbig passende Karte erforderlich, sonst steigt niemand ein.

28 Tram
28 Tram / Foto: Brettspielpoesie

Wer farblich passende Passagiere zu einer der ausliegenden Sehenswürdigkeiten transportiert, darf sich die entsprechende Karte in die eigene Auslage legen. Passend angelegte Tickethälften derselben Farbe, die sich an den Rändern der Karten befinden, bringen zusätzliche Punkte bei Spielende.

28 Spielsituation
28 Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Als letzte Option lassen sich die Boni freischalten, wenn die Tram an einer der vier dafür vorgesehenen Stationen hält und drei der geforderten Karten abgegeben werden. Dieser Bonus steht dem Spieler fortan zur Verfügung. Es gibt mehr Platz für Passagiere, eine zusätzliche Aktion, einen kostenfreie Bewegung oder mehr Kontrolle über zusätzliche Passagiere an den Haltestellen. Am Ende eines Zuges gibt es immer vier neue Handkarten.

Spielende:

Der Stapel der Sehenswürdigkeitenkarten ist begrenzt. Ist eine bestimmte Anzahl dieser Karten vergeben, ist die letzte Spielrunde erreicht und es wird nur noch weitergespielt, bis alle gleich viele Züge hatten. Die Spieler addieren im Anschluss die Punkte ihrer Sehenswürdigkeitskarten und zählen einen Punkt für jedes vervollständige Ticket hinzu, um den Sieger mit den meisten Punkten zu ermitteln.

Spieleranzahl:

Der Spielplan ist auf beiden Seiten unterschiedlich bedruckt und ermöglicht dadurch ein angepasstes Spiel mit allen Spielerzahlen. Bei zwei und drei Spielern unterscheidet sich durch eine Abdeckkarte die Anzahl offen ausliegender Sehenswürdigkeiten. Das Spiel funktioniert dadurch mit jeder Spielerzahl, wird für mich aber interessanter, umso mehr Spieler um die Passagiere konkurrieren. Mit jedem weiteren Spieler geht natürlich auch etwas Planbarkeit verloren. Es kann bei mehr Spielern durchaus passieren, dass der Nachschub an Touristen ausbleibt, wenn die Spieler zu viele Touristen in ihren Bahnen sammeln, statt diese zügig abzuliefern.

Glücksfaktor?

Es spielt ein größerer Glücksfaktor bei 28 mit. Wenn man einfach nicht die Farben auf die Hand bekommt, die hilfreich sind, kann dies einen ganz schön ausbremsen. Die Möglichkeiten die eigene Tram auszubauen, wirken nicht gleichwertig. Mir erscheint eine kostenfreie Bewegung am lukrativsten, die zusätzliche Aktion ist auch nicht schlecht, verfällt aber hin und wieder auch einfach. Welche sich schnell ausbauen lassen, hängt von den Handkarten ab. Zwar gibt es die Möglichkeit drei Karten einer Farbe für eine andersfarbige Karte einzusetzen, allerdings ist dies ein denkbar schlechter Tauschkurs.

Die Sehenswürdigkeiten bringen auch viel Zufall mit. Idealerweise fährt man Sehenswürdigkeiten an, deren Tickets sich gut ergänzen. Aber müssen dafür auch die passenden Passagiere verfügbar und die Orte gut erreichbar sein.

Meinung:

Ob nun Lisbon Tram 28 oder einfach 28, wie es international vermarktet wird: Optisch geht es mir mit diesem Titel genau so, wie mit vielen anderen aus dem Hause MEBO. Die Illustrationen wirken auf mich zugleich erfrischend andersartig, als auch etwas gewöhnungsbedürftig. Zumindest ist er funktional, die möglichen Wege der Trams klar zu erkennen. Wenn ich auch gerne mal die möglichen Abzweigungen der Schienen übersehe. Die Pastellfarben der Trams wirken etwas deplatziert, lassen sich durch ihre ungewöhnlichen Farben aber gut von den Passagieren in den kräftigen Grundfarben abgrenzen.

Der Spielablauf ist schnell erfasst, sodass auch unerfahrene Spieler schnell einsteigen können. Egal ob die Spieler versuchen erst ihre Tram zu verbessern oder direkt Passagiere befördern, beides kann von Erfolg gekrönt sein. Da im gesamten Spiel nur wenige Punkte vergeben werden, geht es vor allem um Effizienz beim Einsatz der Handkarten und der Nutzung von Aktionen. Ich mag diese Aufgabe, aus den Handkarten das Beste herauszuholen und dabei mit der eigenen Straßenbahn durch die Gegend zu juckeln. Das Spiel hat einen guten Spannungsbogen. Anfangs kommen die Trams nur kurze Strecken voran, die Aktionen sind pro Zug auf zwei begrenzt und oft lassen sich diese nicht wirklich sinnvoll nutzen. Mit ausgebauter Tram und dem stetigen Nachschub an Handkarten bieten sich meist mehr Möglichkeiten.

Die Glocke ist zwar mehr Gimmick als notwendig, aber sie macht das Spielmaterial besonders. Mir geht das Gebimmel zwar schnell mal auf den Kopf, dennoch verbreitet es auch einfach Spaß, wenn sich die Trams durch die Gegend schubsen. Dieses Schubsen mag ich irgendwie. Es verhindert sich komplett blockieren zu können. In manchen Situationen kann es einen Spieler zwar nerven sich von seinem Ziel wieder zu entfernen, aber die zusätzliche Karte kann ebenso ein passender Segen genau zur richtigen Zeit sein.

Fazit:

Besonders in Zeiten, in denen es schwieriger ist zu reisen, bietet 28 eine tolle Möglichkeit am Spieltisch eine Sightseeing-Tour durch Lissabon zu erleben. Spielmechanisch fühlt sich vieles bekannt an, dadurch wird das Spiel aber auch sehr zugänglich. Die Glocke ist ein kleiner Hingucker und wird manches Mal auch nur genutzt, um bimmeln zu können. Durch die Interaktion haben alle Spieler ein konkretes Interesse an den Zügen der Mitspieler, was die Zeit zwischen den eigenen Zügen verkürzt.

Wertungsnote 4/6

Verlag: MEBO Games / Vertrieb: HeidelBär
Autor(en): Pedro Santos Silva
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an HeidelBär Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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