Braunschweig Spiele

Heute möchte ich euch eine Auswahl an Brettspielen vorstellen, die von meiner Heimatstadt Braunschweig handeln. Besonders am Anfang unser gedeihenden Spielesammlung haben wir häufig zugeschlagen, wenn ein Brettspiel den Namen der Löwenstadt zeigte. Doch meist sind solche Spiele nur standardisierte Kost mit austauschbaren Stadttiteln oder eindeutige Werbeaktionen mit konkreter und häufiger Nennung diverser lokal ansässiger Unternehmen. Ich hoffe dennoch, dass dieser Einblick in unsere Spielesammlung für euch interessant sein könnte.

Stadtbummel Braunschweig

Stadtbummel BS Schachtel
Stadtbummel BS Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Dieses Spiel haben wir bei einem Weihnachtswichteln erhalten, leider findet sich weder eine Verlags- noch eine Autorenangabe auf der Schachtel. Es gab auf jeden Fall noch DM, muss also vor 2002 erschienen sein. Allerdings gab es auch schon 5-stellige Postleitzahlen, das lässt auf eine Veröffentlichung nach 1993 vermuten.

Stadtbummel BS Spielgeld
Stadtbummel BS Spielgeld / Foto: Brettspielpoesie

Das Spielprinzip ist eine Mischung aus Mensch ärgere Dich nicht und Monopoly. Mit zwei eigenen Figuren starten die Spieler von einem Startfeld auf dem Spielplan, auf dem sie sich anhand von gewürfelten Augenzahlen bewegen. Der Spielplan zeigt 40 Geschäfte, jeweils zehn davon gehören zu einer Spielerfarbe. Diese Geschäfte hat es damals in Braunschweig wirklich gegeben, die Karten zieren die Logos der Unternehmen. Alle Karten dieses Spiels sind anfangs noch auf einem mehrfach perforierten Bogen zu finden und müssen erst voneinander getrennt werden.

Stadtbummel BS Aktionskarten
Stadtbummel BS Aktionskarten / Foto: Brettspielpoesie

Das Spielziel besteht darin, die zehn Geschäfte seiner Spielerfarbe zu besitzen. Diese lassen sich erwerben, wenn die eigenen Spielfigur vor dem Eingang stehen bleibt und den Erwerb des Geschäfts bezahlen kann. Die Kosten richten sich nach der Lage innerhalb des Stadtzentrums. Wer seine Bewegung vor einem Geschäft beendet, welches bereits ein anderer Spieler besitzt, ist es verpflichtend dort zu einem bestimmten Betrag einzukaufen. Zusätzlich gibt es noch Aktionsfelder, die Aktionskarten aktivieren, welche auch aus einem Monopoly stammen könnten. Diese Ereignisse sind zufällig, können sich positiv (Steuerrückzahlung) oder negativ (fällige Gebühren) auf den aktiven Spieler auswirken.

Stadtbummel BS Spielplan
Stadtbummel BS Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Spielerisch hat Stadtbummel Braunschweig also nur wenig Gehalt, ich sehe es aber als interessantes Relikt an. Zum einen die Verweise auf lokale Unternehmen, von denen so manches bis heute überlebt hat, aber auch die Produktionsweise mit den großen perforierten Blättern, aus denen erst Kartenstapel entstehen müssen, finde ich spannend. Und natürlich das ganz klassische, bunte Papiergeld – welches es glücklicherweise nur noch selten in Spieleschachteln schafft.

Stop-Over Braunschweig

Stop Over BS Schachtel
Stop Over BS Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Stop-Over Brettspiele gibt es jede Menge, laut Boardgamegeek sind sie alle im Jahr 1991 bei CBD Spiele erschienen. Genau genommen enthält die längliche Schachtel sogar gleich zwei Spiele in einer Packung. Auf einer Seite des Spielplans handelt es sich um eine Malefiz-Variante für bis zu sechs Spieler. Diese schlüpfen bei Stop Over in die Rollen von Reportern und wollen mit drei Fotokarten zu ihren eigenen Sendeantennen am Spielfeldrand gelangen. Die Fotos zeigen Aliens an bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Sie werden zufällig aus einem Beutel gezogen, wenn der Spieler mit einer gewürfelten sechs das Spielfeld betreten möchte. Er startet dann am Ort dieser Sehenswürdigkeit und erwürfelt sich den Weg zu seiner Sendeantenne. Dabei ist es möglich Spielfiguren rauszuschmeißen oder ihnen mit Stop-Steinen den Weg zu blockieren. Wer zuerst drei Fotos zur eigenen Antenne bringen konnte, gewinnt die Titelstory und damit die Partie.

Stop Over Spielplan
Stop Over Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Auch wenn die Spielpläne der unterschiedlichen Versionen alle ähnlich wirken, so sind sie doch auf die jeweilige Stadt angepasst. Die Bilder sind eher comichaft gezeichnet, manche Sehenswürdigkeiten aber dennoch gut auszumachen. Ein Begleitheft verrät kurze Infos zu allen 30 enthaltenen Sehenswürdigkeiten.

Stop Over BS Infosheet
Stop Over BS Infosheet / Foto: Brettspielpoesie

Allgemeine Werbung ist hier keine untergebracht, lediglich ein Flyer, der die weiteren Stop Over-Spiele anpreist. Aber warum sollte ich dieses Spielkonzept nur “immer und immer und immer wieder” spielen wollen?

Stop Over BS Flyer
Stop Over BS Flyer / Foto: Brettspielpoesie

Auf der Rückseite lässt sich mit Top Secret ein Wortsuchspiel spielen, welches am ehesten an Galgenmännchen erinnert. Jeder Spieler schreibt ein stadtbezogenes Wort auf, die anderen versuchen diese komplett oder über einzelne Buchstaben zu erraten, um Punkte zu sammeln. Also existiert auch hier wenig eigene Autoren-Leistung. Diese Spielvariante ist überhaupt nicht auf eine Stadt getrimmt. Die Worte sollen zwar einen Stadtbezug haben, diese entstehen aber in den Köpfen der Spieler.

Top Secret Spielmaterial
Top Secret Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Hätten wir damals beim Erwerb bereits gewusst, dass es sich um ein solch generisches Spiel zu verschiedensten Städten handelt, hätten wir wohl gleich die Finger davon gelassen. Spielerisch überzeugt es keineswegs und auch der Stadtbezug ist mir zu lieblos umgesetzt.

Monopoly Braunschweig

Monopoly BS Schachtel
Monopoly BS Schachtel / Foto: Brettsspielpoesie

Ein Monopoly in der eigenen Sammlung kann ja nicht schaden, also darf es davon auch gerne eine Städteversion sein. Mir liegt von Monopoly Braunschweig die 2. Auflage vor, die Winning Moves herausbrachte. Eine Jahreszahl lässt sich darauf leider nicht finden. Die erste Edition ist laut Boardgamegeek aus dem Jahre 2006. Da auf dem Spielplan noch das alte Rauten-Logo der Eintracht zu entdecken ist, scheint die Version vor 2012 erschienen zu sein, denn in diesem Jahr führte der Weg zurück zum runden Vereinslogo.

Zu Monopoly selbst muss ich sicher nicht mehr viel schreiben, das Spielprinzip sollte hinlänglich bekannt sein. Daran ändert auch diese Braunschweig-Ausgabe nicht viel. Das Spielmaterial ist weitestgehend standardisiert. Die Häuser und Hotels sind wie üblich in grün und rot dargestellt, hier hätte man in Bezug auf die Stadtfarben auch weiß und rot wählen können. Aber nicht einmal die Anleitung verweist auf Braunschweig, dort ist der Stadttitel nämlich gar nicht aufgeführt. Das macht es einfacher, das generische Spielmaterial in verschiedenen Spielen wiederzuverwenden und nur die Spielpläne und gewisse Karten auszutauschen. Auch die Spielfiguren entsprechen dem Standard und haben gar keinen Bezug zur Stadt Braunschweig.

Monopoly BS Spielplan
Monopoly BS Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Immerhin zeigt der Hintergrund des Spielplans einige Abbildungen von real existierenden Gebäuden der Löwenstadt. Statt der Bahnhöfe gibt es Sportvereine. Wie eingangs bereits erwähnt, ist Eintracht Braunschweig leider noch durch das ältere Rauten-Logo dargestellt, der erfolgreichste Basketball-Verein der Stadt heißt mittlerweile nicht mehr New Yorker Phantoms und hat entsprechend ebenfalls sein Vereinslogo gewechselt. Solche Spiele sind eben in gewisser Weise auch einfach Zeugen der Zeit.

Auch bei den Ereignis- und Gemeinschaftskarten lässt sich der eine oder andere Verweis auf Eigenheiten der Stadt Braunschweig finden.

Monopoly BS Karten
Monopoly BS Karten / Foto: Brettspielpoesie

Es gibt zudem noch eine spezielle Eintracht Braunschweig-Ausgabe des immer noch so erfolgreichen Spiels, die bisher aber noch nicht günstig genug angeboten wurde, um für mich von Interesse zu sein.

Stadtpunkt Braunschweig – Das Spiel

Stadtpunkt BS Schachtel
Stadtpunkt BS Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Das Spiel Stadtpunkt Braunschweig, aus dem Jahre 2014, stammt aus den Anfangstagen unserer Spielesammlung, als wir noch dachten, ein Braunschweig-Spiel könnte unsere Sammlung wirklich sinnvoll erweitern. Das Cover wirkte vielversprechend, immerhin setzt es den Braunschweiger Löwen toll in Szene. Über das Spiel selbst erfährt man vom Cover allerdings nicht. Es handelt sich um ein Laufspiel mit Quizfragen, bei dem selbst die Rückseite des Spielbretts von sich zu überzeugen weiß. Dort ist nämlich das runde Wappen der Braunschweiger Eintracht abgedruckt.

Stadpunkt BS Spielplan Hinten
Stadpunkt BS Spielplan Rückseite / Foto: Brettspielpoesie

Das hat zwar mit dem Spiel überhaupt nichts zu tun und auch keine spielmechanische Bedeutung, aber es zeugt von einer gewissen Liebe zu Stadt und Verein, diesen unscheinbaren Platz mit dem Vereinslogo zu bedrucken statt ihn unifarben zu belassen. Vielleicht ist dafür aber auch Geld geflossen, denn die 20 Felder auf dem Spielplan zeigen auch hier die Logos ansässiger Unternehmen.

Stadpunkt BS Spielplan
Stadpunkt BS Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Der Verlag Nowus Games setzt in der Serie Stadtpunkt – Das Spiel verschiedenste Städte in den Mittelpunkt. Auch hier lässt sich keine Autorenangabe finden. Schlimmer noch, die Anleitung behauptet von sich selbst lediglich als Leitfaden zu verstehen zu sein, das “Spaß, Spontaneität und Kommunikation im Vordergrund stehen”. Jeder Spieler führt zwei Figuren, eine um den Spielplan herum und eine in Richtung des Stadtpunkts in der Mitte. Die äußere Figur bestimmt im Kombination mit einem Würfelergebnis die Frage, welche der Spieler beantworten muss, um bei korrekter Auflösung mit der anderen Figur zum Stadtpunkt ziehen zu dürfen. Die meisten Fragenkarten sind ganz allgemeiner Natur, es gibt nur wenige Spezial-Quiz-Karten, die sich auf die Stadt oder ganz konkret auf Firmen der Stadt beziehen. Es gibt immer drei Antwort-Möglichkeiten, die ein Mitspieler vorliest.

Stadtpunkt BS Karten
Stadtpunkt BS Karten / Foto: Brettspielpoesie

Auf manchen Feldern kommen Aktionskarten anstelle von Quizfragen zum Einsatz, dabei müssen die Spieler schnell Begriffe bestimmter Kategorien aufzählen oder Geschicklichkeitsübungen machen, um einen Punkt zu ergattern. Für das Erreichen des Stadtpunkts gibt es eine Firmenkarte, danach beginnt die Reise zum Stadtpunkt erneut. So lange, bis ein Spieler eine bestimmte Anzahl an Firmen besitzt oder eine zeitliche Vorgabe abgelaufen ist. Die Rückseiten dieser Firmenkarten sind mit einigen interessanten Fun Facts zur Stadt versehen.

Stadtpunkt BS Wissen
Stadtpunkt BS Wissen / Foto: Brettspielpoesie

Insgesamt lässt mich dieses Spiel eher etwas ratlos zurück. Die Fragenqualität ist durchwachsen. Die Stadt-Fragen finde ich ganz spannend, die Firmenfragen wirken offensichtlich wie Werbung. Die meisten restlichen Fragen sind Standardkost, die Aktionskarten finde ich persönlich einfach nur albern. Selbst für wenig spielerfahrene Spieler gibt es mittlerweile so viele bessere, zugängliche Spielideen, dass ich nicht wüsste, wem ich dieses Spiel empfehlen könnte. Aber vielleicht fühlt es sich in einigen Jahrzehnten ähnlich wie Stadtbummel Braunschweig an und wirkt dann wie ein interessantes Relikt vergangener Zeiten auf mich.

Wer kennt Braunschweig? – Das Stadtquiz

Wer kennt Braunschweig - Schachtel
Wer kennt Braunschweig – Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Erst 2020 erschienen ist Wer kennt Braunschweig? – Das Stadtquiz. Dies ist ein Spiel des Labels Quizmi, der offiziellen Spielesparte und Shop-Plattform der Verlags FUGE aus Freiburg. Dieser Verlag hat sich ebenfalls einmal ein grundlegende Spielprinzip überlegt und setzt dieses einfach für viele verschiedene Städte um.

Stadtquiz Karten
Stadtquiz Karten / Foto: Brettspielpoesie

Immerhin ist das Spielmaterial komplett stadtbezogen, da lässt sich nicht viel wiederverwenden. Auch hier ziert der Braunschweiger Löwe das Cover. In die schwarze Stadt-Silhouette hat sich sogar ein blau-gelbes Fähnchen gemogelt. Die 500 enthalten Fragen in sechs Schwierigkeitsstufen haben sich fünf (ehemalige) Stadtführer überlegt. Die Fragen sind durchaus interessant und werden auf der höchsten Stufe auch durchaus knackig.

Stadtquiz Fragenkarte
Stadtquiz Fragenkarte / Foto: Brettspielpoesie

Durch einen beigelegten Kartenhalter können alle Spieler die Fragen beantworten und niemand kennt als einziger die Lösung. Eine Fragerunde besteht immer aus bis zu sechs Fragen mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad. Geantwortet wird geheim mit Antwortkarten. Nur wer richtig liegt, erklimmt die nächste Gewinnstufe und darf auf die folgende Frage antworten. Wer daneben lag, erhält den Bonus für die zuletzt beantwortete Gewinnstufe. So sammeln die Spieler über mehrere Runden Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten, um sich dem Spielsieg zu nähern. Es gewinnt, wem es zuerst gelingt sein Spielertableau komplett mit diesen Elementen abzudecken.

Stadtquiz Tableaus
Stadtquiz Tableaus / Foto: Brettspielpoesie

Die Spielmechanik überzeugt mich leider nicht, sie führt zu einem häufigen Problem bei Quiz-Spielen. Wer viel weiß, läuft voraus und die anderen fühlen sich schnell schlecht. Dabei sind die Fragen auf den höheren Schwierigkeitsgraden durchaus interessant, wie hatten viel Spaß daran sie gemeinsam im Anschluss an Online-Kneipenquiz-Abende zu beantworten und uns gegenseitig zu beweisen, dass wir uns alle gut in Braunschweig auskennen.

Mir ist auch nicht ganz klar, welche Zielgruppe dieses Spiel ansprechen soll. Einheimische sollten zumindest die leichten Fragen aus dem Effeff beantworten können, Fremde könnten dabei bereits an ihre Grenzen stoßen. Spielt man es also unter Braunschweigern, dauert es vermutlich lange bis sich die Spreu vom Weizen trennt. Bis dahin kann man sich gegenseitig beweihräuchern, wie viel man doch über die eigene Stadt weiß. Oder nutzt das Spiel als gemütlichen Heimatabend, um ein wenig Stadtgeschichte nachzuerleben. In Partien mit Personen, die sich kaum im Braunschweig auskennen, werden die Punkte sicherlich schnell auseinander laufen. Auch der Werbeinhalt lässt sich keineswegs verschleiern, es existieren einige Fragen zur Braunschweigischen Landessparkasse oder weiteren lokalen Unternehmen, die schon sehr gewollt platziert wirken. Insgesamt also spannende Fragen für Braunschweiger, aber leider ein eher sprödes Spielkonzept drum herum.

Vielen Dank an FUGE GdbR für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Fazit

Wie zu erwarten war, sind viele Spiele mit austauschbaren Ortsnamen im Spieltitel nicht sonderlich reizvoll, sondern meist eher austauschbare Standardkost. Dennoch werden diese Spiele sicherlich nicht die ersten sein, die gehen müssten, sollten wir irgendwann doch mal anfangen auszusortieren. Es ist doch auch irgendwie ganz schön, ein Stück Heimat im Spieleregal stehen zu haben. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr vergleichbare Spiele oder wurden es zu euren Wohnorten vielleicht sogar lohnenswertere Spielideen umgesetzt? Schreibt gerne mehr darüber in die Kommentare.

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