Chronik Spiel des Jahres (2)

Gestern habe ich mich ein wenig über die Gewinner und Nominierten zum Spiel des Jahres in den Jahren 1979 – 1994 ausgelassen, heute geht es mit den darauffolgenden 11 Jahren weiter. Am Montag werden die Sieger des aktuellen Jahrgangs bekannt gegeben, auf meinem Twitter-Account werde ich euch live von der Pressekonferenz berichten.

1995 begann die Erfolgsgeschichte der „Siedler von Catan“ von Klaus Teuber, erschienen im Kosmos-Verlag. Heute ist es jedem bekannt, der sich auch nur ein wenig mit Brettspielen auskennt und es wird auch 20 Jahre später noch oft gespielt. Seither gab es viele Erweiterungen, das Holzmaterial wurde durch Plastik ersetzt und Kosmos nennt seinen Klassiker nun schlicht „Catan“. Im aktuellen Jahrgang wurde eine Version als Reisespiel für unterwegs veröffentlicht. Auf der Insel Catan müssen die Spieler Rohstoffe sammeln, Siedlungen bauen, diese mit Straßen verbinden, Rohstoffe tauschen und handeln – ein perfektes Familienspiel. Einziger Haken: Es ist erst ab drei Personen spielbar, aber mit „Die Fürsten von Catan“ gibt es mittlerweile sogar eine 2-Spieler-Variante. Neben den bekannten Sonderpreisen wurde 1995 ein Sonderpreis Puzzle für das 3D-Krimi-Puzzle von MB verliehen, bei dem kein Autor genannt ist

1996 konnte der Hans in Glück-Verlag an seine Erfolge anknüpfen. Wieder einmal war Wolfgang Kramer als Autor beteiligt, neben Richard Ulrich, die gemeinsam das Spiel „El Grande“ herausbrachten. Damit wurde der Weg für die neue Richtung bei den Spielen des Jahres geebnet. Mit den Siedlern von Catan wurde erstmal ein komplexeres Spiel gekürt, El Grande führt dies fort und ist dabei das erste Mehrheitenspiel gewesen. Auch Wolfgang Kramer bezeichnet es als eines seiner besten Spiele und das erste komplexe Strategiespiel. Die Verleihung war für ihn auch besonders, weil sie seit 1980 nicht mehr im kleinen Rahmen in der Volkshochschule Essen, sondern als Preisverleihung in einem Berliner Hotel statt fand. Das er in diesem Jahr mit dem Pöppel ausgezeichnet wurde, war allerdings abzusehen, immerhin gingen drei seiner Spiele in das Rennen und landeten auf der Auswahlliste. Wie im Jahr zuvor wurde auch ein weiterer Sonderpreis verliehen: Carabande vom Goldsieber Verlag bekam dem Sonderpreis Geschicklichkeitsspiel.

1997 kam dann die große Überraschung. Nach den anspruchsvollen Siegern der Vorjahre, ruderte die Jury wieder zurück und wählt mit „Mississippi Queen“ vom Goldsieber Verlag ein familienfreundliches Wettlaufspiel. Und das obwohl es gute Alternativen gab. In den letzten Jahren konnte sich immer wieder Kartenspiele durchsetzen und so kamen ’97 „Bohnanza“ von Uwe Rosenberg und das Siedler Kartenspiel (Vorgänger von „Die Fürsten von Catan“) für zwei Personen auf die Auswahlliste. Diese waren neben dem strategischen Mittelalter-Spiel „Löwenherz“, ebenfalls bei Goldsieber erschienen, heiße Titelfavoriten. Wieder wurde zusätzlich ein Sonderpreis Geschlichkeitsspiel verliehen. Der Sonderpreis Schönes Spiel wurde zum letzten Mal vergeben und zwar an „Aztec“ von Zoch Spiele.

1998 war ein weiterer spannender Jahrgang, aus dem „Elfenland“ von Amigo Spiele als Sieger hervor ging. Das märchenhafte Spiel, bei dem es um Logistik, Planung von Reiserouten und Transportmitteln mit einem familienfreundlichen Schwierigkeitsgrad ging, setzte sich gegen gegen ein weiteres 2-Personen-Spiel aus der Kosmos-Reihe „Caesar & Cleopatra“, sowie gegen Reiner Knizias „Durch die Wüste“ durch.

1999 wurde „Tikal“ aus dem Hause Ravensburger ausgezeichnet. Beteiligt war wieder einmal Wolfgang Kramer, dieses Mal gemeinsam mit Michael Kiesling. Sie kreierten eine geheimnisvolle Atmosphäre, wählten hochwertiges Material und neben einem Glückselement, ist Strategie und Taktik notwendig. Aktuell gibt es eine Neuauflage von Rio Grande Games. Eine weitere Neuerung kam hinzu: Die Nominierungsliste. Sie umfasste damals, wie heute drei Spiele, von denen eines den Preis gewinnt. Die erste Nominierungsliste umfasste neben dem Sieger „Giganten“ von Kosmos und „Union Pacific“ von Amigo Spiele. Eine zusätzliche Auswahlliste gab es weiterhin, da es pro Jahrgang mehr als drei empfehlenswerte Spiele gab. Dort waren ’99 u.a. Spiele von der Vielspielermarke des Ravensburger-Verlages alea und den Autoren Uwe Rosenberg, Michael Schacht und Reiner Knizia aufgeführt.

2000 haben wir das Spiel des Jahres wieder dem erfolgreichen Duo aus dem Vorjahr zu verdanken. Sie wiederholten den Erfolg mit ihrem Spiel Torres aus dem Hause F.X. Schmid, das nun zu Ravensburger gehörte. So war bei der zweiten Auflage mit dem roten Pöppel auch das bekannte Ravensburger-Dreieck auf der Schachtel. Wieder landete ein alea-Titel sowie ein Spiel von Reiner Knizia auf der Auswahlliste.

2001 war die Geburtsstunde von der erfolgreichen „Carcassonne“-Serie im Hans im Glück-Verlag vom Autor Klaus-Jürgen Wrede. Ein taktisches Legespiel für alle Altersklassen geeignet. Schnell erklärt und schnell gespielt, mit jeder der vielen Erweiterungen, die es bis heute gibt,  kommt ein weiteres mehr oder weniger strategisches Element hinzu. Bei jeder Partie baut sich der Spielplan auf, indem die Spieler nacheinander Plättchen ziehen und passend anlegen. Somit gleicht kein Spiel dem anderen. Knizia und alea konnten sich erneut auf der Auswahlliste wiederfinden. Eine große Neuerung gab es in Bezug auf das Kindnerspiel des Jahres: Anstelle eines Sonderpreises hat das Kinderspiel einen eigenen Pöppel bekommen. Und damit auch eine Nominierungsliste mit drei Titeln. Im ersten Jahr gewann „Klondike“ von Haba den Preis. Haba ist bis heute unangefochten in Führung bei den meisten Preisen zum Kinderspiel des Jahres. Sonderpreise wurden aber dennoch vergeben: Reiner Kinizia’s „Der Herr der Ringe“ erhielt den Sonderpreis Literatur im Spiel und „Troia“ von Thomas Fackler wurde der Sonderpreis Geschichte im Spiel verliehen.

2002 war „Villa Paletti“ von Zoch Spiele der glückliche Gewinner. Es konnte sich gegen „Puerto Rico“, mit dem alea erstmals auf der Nominierungsliste auftauchte, und Trans America von Winning Moves, die damals noch Vielspielerspiele im Angebot hatten, durchsetzen. Wie sollte es anders sein, fand sich Knizia, genau wie Michael Schacht, auf der Auswahlliste wieder. Auch das Kinderspiel des Jahres bekommt seit 2002 eine eigene Auswahlliste.

2003 stellte erstmals „Queen Games“ das Spiel des Jahres. „Alhambra“ überzeugt bis heute und wurde durch viele Erweiterungen ergänzt. Nominiert war wieder ein Spiel von Winning Moves, Knizia und Schacht fanden sich mit ihren Spielen auf der Auswahlliste wieder. Schacht sogar mit drei Titeln. Dazu kamen Spiele von Lookout Games, 2F-Spiele und Die Werwölfe vom Düsterwald, das sehr interaktive Spiel für große Spielrunden.

2004 dann mit „Zug um Zug“ der zweite Sieg für Alan R. Moon, dieses Mal mit dem  Verlag Days of Wonder, dem dieser Erfolg erstmalig gelang. Und das obwohl die Nominierungsliste dieses Mal ganze 5 Titel enthielt. Es setzte sich u.a. gegen das erfolgreiche Duo Kramer/Kiesling, gegen Knizia und gegen St. Petersburg vom Hans im Glück-Verlag durch. Ein einfaches Eisenbahnbauspiel, das mit einer Karte der USA begann, aber mittlerweile auch viele Erweiterungen erhalten hat. Seit diesem Jahr gibt es anstelle der Auswahlliste die Empfehlungsliste und alea tauchte nicht dort auf. Dafür aber die 2-Spieler-Variante von Carcassonne mit dem Untertitel „Die Burg“, bei der Klaus-Jürgen Wrede Unterstützung von Reiner Knizia bekam und das Duo Kramer/Kiesling, sowie der Verlag 3 Magier-Spiele.

2005 war es wieder Zoch Spiele, von denen der Siegertitel „Niagara“ kam. Der originelle Mechanismus, mit einem durch Plexiglas simulierten Wasserlauf, überzeugte die Jury. Mit Planungs- und Bluffelementen ein tolles Familienspiel. Die Nominierungsliste enthielt vier Titel, auf der Empfehlungsliste waren unterschiedlichste Verlage aufgeführt. Brettspiele wurden eben immer beliebter und auch die Auswahl wurde größer und umfangreicher.

Morgen geht’s weiter mit den Spielen von 2006 – 2015.

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