Evolution

Evolution Cover

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Am Anfang war nichts, dann schuf die Evolution die ersten Lebewesen. Schmidt Spiele bildet dieses Prinzip nun auf die Brettspielwelt ab. Am Anfang ist nichts, jeder Spieler versucht seine eigenen Tierarten zu kreieren. Und zwar bestenfalls so, dass sie gegen die Tierarten der Mitspieler bestehen können. Mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften wird versucht sich gegen die anderen Tierarten zu bewähren.

Evolution entstand ursprünglich durch ein Kickstarter-Projekt und wurde nun von Schmidt-Spiele auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Aktuell läuft eine weitere Kickstarter-Kampagne für die erste Erweiterung „Evolution Flight“, in der die Tierarten Flugeigenschaften bekommen können. Es bleibt also spannend, wie sich dieses Spiel in Deutschland noch entwickelt.

Spielmaterial:

Neben 110 Eigenschaftskarten gibt es 19 Tierartentableaus. Diese haben viereckige Löcher, für die Populations- und Körpergrößenanzeiger aus Holz (je 19 Stück) in braun und grün. Jeder Spieler erhält einen Schwarzen Beutel für die Nahrungschips, von denen es 180 Stück gibt. Sie sind beidseitig bedruckt und können sowohl als Pflanzen-, als auch als Fleischnahrung verwendet werden. Der Startspieler erhält eine Saurier-Figur aus Holz als Erkennungszeichen. Ein kleines Spielbrett mit einem Wasserloch als Nahrungsquelle rundet das Spielmaterial ab.

Die Anleitung mit ihren 12 Seiten wirkt auf den ersten Blick sehr lang. Sie enthält neben den Regeln jedoch auch Beispielrunden und taktische Tipps. Sie ist gut verständlich, sodass man schnell ins Spiel einsteigen kann.

Spielmechanismus:

Jeder Spieler beginnt mit einer Tierart, die noch keine Eigenschaften besitzt. Deren Population und Körpergröße liegt bei 1, also wird je ein grüner und ein brauner Würfel auf das erste freie Kästchen des Tierartentableaus gelegt. Wenn sich der Wert verändert, wird der zugehörige Würfel entsprechend weiter gesetzt.

Jede Runde besteht aus den folgenden aufeinanderfolgenden 4 Phasen:

  • Karten austeilen

Alle Spieler erhalten drei Eigenschaftskarten sowie eine weitere Eigenschaftskarte für jede eigene Tierart, unabhängig von der aktuellen Anzahl ihrer Handkarten.

  • Nahrungsangebot festlegen

Das Nahrungsangebot wird gemeinsam, jedoch geheim festgelegt. Dazu legen alle Spieler eine Eigenschaftskarte verdeckt auf die Nahrungsquelle, deren Zahl rechts oben auf der Karte die Nahrung angibt.

  • Karten ausspielen

Dann können die Spieler der Reihe nach ihre Karten ausspielen und dabei die folgenden Aktionen nutzen, so fern sie dies möchten und können.
(1) Jeder Tierart können bis zu drei Eigenschaftskarten zugewiesen werden, indem man die entsprechenden Karten verdeckt über das Tableau legt.
(2) Eine Eigenschaftskarte ablegen und eine neue Tierart erhalten
(3) Eine Eigenschaftskarte ablegen und dafür die Population oder Körpergröße einer beliebigen Tierart um 1 erhöhen, also den Würfel um ein Feld nach rechts verschieben.

Wenn alle Spieler diese Phase beendet haben, werden die Karten nacheinander aufgedeckt.

  • Fressen

Die Karten auf dem Wasserloch werden umgedreht, die Summe addiert und entsprechend Nahrungschips auf das Wasserloch gelegt. Vorher können jedoch bestimmte Eigenschaften, wie zum Beispiel „Langer Hals“ zur Anwendung kommen, bei der die Tierarten zusätzlich einen Nahrungschip aus dem Vorrat erhalten. Dann dürfen die Tierarten nacheinander fressen. Beginnend bei einer Tierart des Startspielers wird ein Nahrungschip vom Wasserloch einer Tierart gegeben, bevor der nächste Spieler sich einen Nahrungschip nehmen darf. Das geht der Reihe nach weiter, bis entweder keine Nahrung mehr vorhanden ist oder alle Tierarten gesättigt sind (Die Population einer Tierart bestimmt die notwendige Anzahl an Nahrungschips). Hierbei können jedoch bestimmte Eigenschaftskarten dazu führen, dass sich ein Spieler mehr oder außerhalb der Reihe nehmen darf.

Spannend wird es bei den Fleischfressern, denn diese fressen niemals Pflanzen, sondern greifen andere Tierarten an. Ist der Fleischfresser größer als die angegriffene Tierart, erhält er Nahrungschips in Höhe der Körpergröße dieser Tierart und dessen Population sinkt um eins. Der Fleischfresser greift solange andere Tiere an, bis er satt geworden ist. Im Zweifelsfall muss er eine eigene Tierart angreifen, wenn keine anderen Tierarten mehr angegriffen werden können (weil sie zum Beispiel durch Abwehr-Eigenschaften geschützt sind).

Sind anschließend nicht alle Tiere satt geworden, verringert sich deren Population um 1. Sinkt sie dadurch auf 0, ist diese Tierart ausgestorben. Der Spieler muss das Tierartentableau und die Eigenschaftskarten abgeben und darf sich so viele neue Karten nehmen, wie zuvor der verstorbenen Tierart zugeordnet waren. Hat er nun kein Tierartentebleau mehr bekommt er ein Neues.

Evolution_Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Am Ende einer Runde werfen alle Spieler die Nahrungschips in ihren eigenen Beutel, der Startspielermarker geht im Uhrzeigersinn an den nächsten Spieler und die Phasen werden erneut abgehandelt.

In der Regel wird als schnellere Variante vorgeschlagen, dass man die dritte Phase gleichzeitig spielt, also alle Spieler ihre Karten gleichzeitig auslegen und umdrehen ohne auf die ausgespielten Karten der Mitspieler zu achten.

Spielende:

Das Spielende wird eingeläutet, wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist und der Ablagestapel gemischt werden muss. In welcher Phase dies passiert entscheidet über den weiteren Verlauf. In Phase 1 wird noch die laufende Runde zu Ende gespielt, in Phase 4 folgt noch eine komplette Runde.

Für jeden im eigenen Beutel oder auf eigenen Karten ausliegenden Nahrungschip gibt es einen Siegpunkt. Hinzu kommt jeweils ein Punkt pro Populationsstufe der eigenen Tierarten und jeweils ein Punkt für jede ausliegende Eigenschaftskarte. Der Spieler mit den meisten Punkten ist der Sieger.

Spieleranzahl:

Durch eine Regelanpassung bei zwei Spielern, ist diese Spieleranzahl ebenso möglich, wie 3-5 Spieler. Dabei werden zufällig 40 Eigenschaftskarten aussortiert und jede Tierart darf nur zwei Eigenschaften besitzen, was die Kombinationsmöglichkeiten eingrenzt. Zwei Eigenschaften sind aber zu wenig um eine Tierart vernünftig zu entwickeln. Auch die 40 fehlenden Eigenschaftskarten können negativ auffallen, weil es dadurch schwieriger werden kann auf die Eigenschaften des Mitspielers zu reagieren. Empfehlenswert ist es daher erst ab 3 Spielern.

Glücksfaktor?

Da man seine Tierarten nur mit den Eigenschaftskarten der Hand ausstatten darf, spielt schon ein wenig Glück mit hinein. Zieht man schlechte Karten, kann man die Eigenschaften vielleicht nur wenig sinnvoll kombinieren. Aber taktisches Denken wird auch benötigt. Für jede Karte muss schließlich entschieden werden, ob man sie als Ressource oder als Eigenschaft nutzt. Man sollte sich auch genau überlegen, wie man seine Tierarten am besten mit Nahrung versorgt und gegen welche Angriffe man sie schützt. Dabei empfiehlt es sich zu beobachten, was die Tierarten der Gegner so können. Auch zu Spielbeginn, wenn man die Karte für die Nahrungsquelle auswählt, sollte man sich Gedanken machen, ob es nicht hilfreich wäre, wenig Nahrung zu geben, damit Tierarten der Gegner austerben. Besonderen Vorteil bringt dies, wenn man selber einen Fleischfresser besitzt. Gerade von Neulingen, wird dies oft nicht bedacht, weshalb dann weniger Tierarten aussterben.

Fazit:

Das Thema ist neu und recht spannend, da es wirklich gut umgesetzt ist. Auch wenn nicht immer Tiere aussterben, ist die Kombination der Eigenschaften um neue Tierarten zu kreieren eine schöne Idee. Es ist sowohl für Vielspieler als auch für Familienspieler geeignet. Allerdings kann das Aussterben eigener Tierarten in den ersten Runden zu einem gewissen Frustfaktor führen, man muss sich erst daran gewöhnen. Mit jeder Runde bekommt man ein besseres Gefühl für sinnvolle Kombinationen der Eigenschaften. Der Fleischfresser kann im Zwei-Spieler-Spiel sehr dominant werden, ist aber nicht immer so stark wie man denken könnte. Wenn sich alle Mitspieler gut schützen, kann der Fleischfresser schnell verhungern. Insgesamt ein spannendes Spiel für bis zu 5 Spieler, welches allerdings zu zweit etwas weniger Spaß macht.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Dominic Crapuchettes, Dmitry Knorre, Sergey Machin
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 2-5 Spieler
Dauer: ca. 30 – 45 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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