Red 7

Red 7 Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Was haben die Farben rot, orange, gelb, grün, türkis, blau und violet mit den Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7 gemeinsam? Außer dass die Anzahl Farben mit der Anzathl Zahlen übereinstimmt rein gar nichts? Die Leichtigkeit der Regenbogenfarben kann man nicht mit trockener Mathematik verbinden? Doch, bei Red 7 schon. Denn sie alle sind Teil dieses kleinen, taktischen Kartenspiels, dass es in sich hat. Bereits 2014 kam die erste amerikanische Version auf den Markt und ein Jahr später bereits eine multilinguale vom amerikanischen Verlag Asmadi Games. Diese hat der polnische Verlag Lucrum Games nun aufgegriffen, der bereits Spielehits wie Camel Up und Mmm! auf polnisch veröffentlicht hat. Bis auf die Sprache und die Verpackung ist bei Red 7 alles gleich geblieben. Die Verpackung kommt nun nicht mehr in unauffälligem schwarz daher, sondern strahlt in auffälligem Rot-Ton. Passend zum Namen.

Spielmaterial:

49 Spielkarten sowie eine Farben- und eine Aktions-Übersicht für jeden Spieler. Die Anleitung ist ein wenig verwirrend geschrieben bzw. übersetzt und kann zu manchem Unverständnis führen.

Spielmechanismus:

Die Spieler beginnen, wie der Name verrät, mit 7 Karten auf der Hand. Nicht nur die Werte geben die Stärke einer Karte an, sondern auch die Farbe, wobei die rote 7 stärker als jede andere Karte ist. Und jede Farbe bringt eine eigene Siegbedingung mit, wenn sie auf der Leinwand, also in der Tischmitte liegt. Mit den Karten der eigenen Palette (vor sich selbst ausliegend) muss diese Bedingung im Vergleich zu allen anderen Paletten erreicht werden. Dafür muss in jedem Zug eine Karte abgelegt werden, entweder um die eigene Palette zu erweitern oder die Leinwand zu verändern. Auch beides ist in einem Zug möglich, wenn am Ende die Bedingung erfüllt wird. Bei Gleichstand gewinnt der höchste Wert und wenn diese ebenfalls gleich sind, die wertvollste Farbe. Sonst muss der Spieler passen und scheidet aus.

Folgende Karten gewinnen, wobei sich das Gewinnen nur auf den aktuellen Zug bezieht:
ROT: Die höchste Karte
ORANGE: Die meisten gleichen Nummern
GELB: Die meisten Karten gleicher Farbe
GRÜN: Die meisten geraden Zahlen
TÜRKIS: Die meisten verschiedenen Farben
BLAU: Die meisten aufeinander folgenden Werte
VIOLETT: Die meisten Karten unter 4

Diese Reihenfolge der Farben legt auch ihre Wertigkeit fest.

Red 7 Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Variante für Fortgeschrittene wird in mehreren Runden gespielt. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass eine neue Karte aufgenommen werden darf, wenn eine Karte auf die Leinwand gespielt wird, deren Wert die Anzahl Karten der eigenen Palette übertrifft. Wer es noch extremer mag, spielt mit der Experten-Variante. Bei dieser haben die ungeraden Karten noch Sonder-Aktionen, die man ausführen muss, wenn eine solche Karte in die eigene Palette wandert. Bei einer 1 darf eine ausliegende Karte in einer gegnerischen Palette zerstört werden, bei einer 3 zieht man eine zusätzliche Karte. Nach einer 5 muss eine weitere Karte auf die eigene Palette gelegt werden und bei einer 7 muss man eine Karte der eigenen Palette ablegen – entweder auf die Leinwand oder auf den Nachziehstapel.

Spielende:

In der Einsteiger-Variante endet die Partie, nachdem alle bis auf einen Spieler ausgeschieden sind. Dieser gewinnt dadurch.

Mit den erweiterten Regeln wird solange gespielt, bis ein Spieler eine bestimmte Punktzahl erreicht hat. Steht der Sieger einer Runde fest, kommen die Karten aus dem Spiel, welche zum Sieg geführt haben und zählen bei Spielende als Siegpunkte.

Spieleranzahl:

Das Spiel funktioniert in allen Besetzungen. In der fortgeschrittenen Variante wird je nach Spieleranzahl der Punktewert angepasst, der für das Spielende sorgt, sodass bei weniger Spielern mehr Punkte nötig sind.

Glücksfaktor?

Natürlich ist Glück erforderlich, um passende Karten auf die Hand zu bekommen. Besonders in der Einsteiger-Variante ohne die Möglichkeit an neue Handkarten zu gelangen. Ich empfinde es allerdings als schöne Herausforderung mit den gegebenen Handkarten zu „überleben“.

Fazit:

Der Einstieg kann Wenigspielern durchaus schwer fallen, da man verstehen muss, dass jede ausgespielte Karte über Sieg oder Niederlage entscheidet und man daher von der ersten Karte an mitdenken muss, wie man die anderen Karten möglichst universell verwenden kann. Die unterschiedlichen Siegbedingungen können nicht immer erfüllt werden, doch genau das macht den Reiz aus. Hat man viele hohe Karten mit geraden Werten in Reihe gelegt, sind drei Siegbedingungen abgedeckt, aber es wird schwierig wenn Karten unter dem Wert 4 gefordert sind. Gleiche und unterschiedliche Farben schließen sich von vornherein nahezu aus. Man muss mit jeder abgelegten Karte den Zug überstehen, benötigt aber für das Ende einer Runde möglichst mehr Karten als die Mitspieler, um nicht dadurch auszuscheiden keine Karte mehr legen zu können. Liegt eine unpassende Siegbedingung aus, wenn man an die Reihe kommt, kann das schnell das Aus bedeuten. Daher kommt für mich nur noch die Regeln für Fortgeschrittene in Frage, bei der die Möglichkeit besteht Karten nachzuziehen und in denen nicht nur eine einzige Partie über Sieg oder Niederlage entscheidet. So kann man den Glücksfaktor durch das Ziehen der Karten meist ein wenig aushebeln. Wird auf Punkte gespielt, kommen mit der Zeit mehr und mehr Karten aus dem Spiel, behält man diese im Auge, kann man ein Stück weit einschätzen, welche Karten überhaupt noch im Spiel sind. Auch das passen kann sinnvoll eingesetzt werden, wenn der Mitspieler aktuell eine wenig Punkte einbringende Auslage hat und man selbst keine Chance mehr sieht.

Die Experten-Variante ist etwas kniffeliger, doch hat durchaus interessante Elemente. Man wird für das Ausspielen kleiner Werte belohnt, während das Ausspielen höherer Werte ein Hindernis mit sich bringt. Eine Karte bei einem Mitspieler zu zerstören, kann sinnvoll eingesetzt werden, um eine Siegbedingung doch noch zu erreichen und eine weitere Karte bei einer drei zu ziehen, kann niemals schaden. Dazu gezwungen zu werden eine weitere Karte zu spielen, kann auch gut kombiniert werden, wenn man zum Beispiel zuvor durch eine 7 eine Karte aus der Palette entfernen musste. Es kann auch siegreich enden, mehrere Fünfen hintereinander zu spielen, wobei man das Risiko eingeht, dass einem die Karten ausgehen. Diese Variante macht es noch taktischer, sodass ich eigentlich nicht mehr ohne spielen möchte, kann aber erst für geübte Spieler empfohlen werden.

Für Red 7 existiert auch ein App-Version für Android oder iOS, welche eine tolle Ergänzung ist, um zu üben und Red 7 ohne anwesende Mitspieler zu zocken. Allerdings empfinde ich die langen Wartezeiten etwas störend, wenn man mit höherem Schwierigkeitsgrad spielt. Denn gerade wenn ich solo spiele, will ich keine langen Wartezeiten, während „die anderen“ überlegen. Das Kartenspiel würde ich, in der richtigen Gruppe, jederzeit wieder auf den Tisch bringen. Wenn ihr euch jetzt fragt, wo es dieses tolle Spiel zu erwerben gibt, habe ich sicher keine zufriedenstellende Antwort für euch. Aktuell ist es nur in Polen bestellbar, wobei die Portokosten, die Kosten für das Spiel übertreffen. Lucrum Games arbeitet allerdings an einer Lösung, das Spiel in ganz Deutschland überregional verfügbar zu machen.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Lucrum Games
Autor(en): Carl Chudyk, Chris Cieslik
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 5 – 30 Minuten

Vielen Dank an Lucrum Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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