Spiele-Comic – Spiel oder Comic?

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Erst in der aktuellen Exit-Rezension, habe ich euch neben den drei Spielen auch das Exit-Buch vorgestellt. Und um zwei Bücher soll es auch heute gehen. Natürlich stehen beide wieder in direktem Zusammenhang zum Spiel, schließlich ist dies hier ein Brettspielblog und soll das auch bleiben ;-) Aber von vorne: Vergangenes Jahr kündigte Pegasus zwei sogenannte Rätsel-Comics an. In einem drehte sich alles um werdende Ritter, was mich relativ kalt lies, aber das andere sollte von keinem anderen als dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes handeln. Damit hatte der Verlag mich geködert und sogleich wurde das Buch nach Erscheinen besorgt. Mittlerweile ist bereits der zweite Teil erhältlich, von beiden möchte ich heute berichten.

Bücher sind grundsätzlich für genau eine Person konzipiert. Während bei geschriebenen Geschichten vielleicht noch ganz gut vorlesen kann, wird dies bei einem bebilderten Comic schwieriger. Dennoch haben wir uns dem ersten Buch gemeinsam gewidmet, was nur mäßig funktionierte. Es trägt den Untertitel die vier Fälle und diese wollen von den Lesern gelöst werden. Es beginnt mit einem recht überschaubaren Fall, bei dem allerdings auch schon echte Detektiv-Arbeit notwendig ist, um ihn zu lösen. Er dient als Einstimmung auf das, was die Spieler in den folgenden drei Fällen ausführlich erwartet und führt sie gut an dem Umgang mi dem Buch heran.

Gelesen wird nicht linear von vorne nach hinten. Jeder Fall beginnt mit einer kurzen Einführung, anschließend gilt es sich die Tatorte anzusehen und Zeugen zu befragen. Sieht man eine Nummer oder ist einer Antwort eine Nummer zugeordnet, geht es in diesem Abschnitt weiter. Wobei ein Abschnitt aus nur einem Bild bis hin zu mehreren Seiten bestehen kann. Konzentriert man sich nicht auf den aktuellen Abschnitt, kann man sich selbst ein wenig spoilern, wenn man Abschnitte aus späteren Fällen sieht.  Dagegen hilft nur gezielte Konzentration auf den aktuellen Abschnitt, anders lässt es sich kaum lösen. Unerfahrene Detektive können Dr. Watson wählen, als Arzt kann er Leichen untersuchen, er darf jedem Zeugen vier Fragen stellen und er bekommt hilfreiche Tipps von Sherlock. Wer es kniffeliger möchte, darf als Sherlock nur drei Fragen stellen und bekommt nur vage Hinweise, welche die eigene Ideenfindung anregen sollen.

Sherlock Holmes Rätsel-Comics

Sherlock Holmes Rätsel-Comics / Foto: Brettspielpoesie

Im zweiten Teil, der Moriarty-Akte, darf man auch Sherlocks Erzfeind verkörpern. Auch er darf jedem Zeugen nur drei Fragen stellen, er weiß aber die Leute einzuschüchtern. Diese Fähigkeit  kann bei den Befragungen hilfreich sein, schüchtert die Befragten aber auch sehr ein, was eine weitere Befragung unmöglich mach. Das Buch lies ich mir zum Geburtstag schenken und nutzte eine Dienstreise zum Lesen und Lösen, eine tolle Beschäftigung für lange Zugfahrten oder einsame Abende im Hotelzimmer. Viel mehr möchte ich zu den einzelnen Fällen gar nicht verraten, das müsst ihr schon alles selbst heraus finden. Zum Grundprinzip der Bücher möchte ich aber noch ein paar Worte loswerden.

Vorneweg: Ich hatte sehr viel Spaß an den Büchern. Die Fälle sind sehr verwoben, jeder Zeuge könnte der Täter sein, nur mit einem scharfen Verstand gelangt man zur korrekten Lösung. So müssen Geschichten um Sherlock Holmes einfach sein. Ein großer Nachteil: Um die Lösungen zu erfahren, müssen zunächst alle Fälle gelöst werden, was dazu führt, dass man die Bücher in kurzen Zeiträumen durcharbeiten sollte. Zum einen ist das Interesse groß zu wissen, ob man den richtigen Riecher hatte, zudem fehlt später einfach der Zusammenhang. Hier fehlen mir leider kleine Erfolgserlebnisse zwischen den Fällen zum Durchhalten. Besonders beim ersten Buch, wenn man noch gar keinen Einblick hat, wie die Lösungen aufgebaut sind. Natürlich könnte man auch einfach jederzeit die Lösungen am Ende des Buches lesen, aber vorgesehen ist eine Gesamtlösung. Jeder Verdächtige hat eine Nummer, die man sich notieren sollte, wenn man meint den Täter entlarvt zu haben (da ich grundsätzlich nicht in Bücher schreibe, habe ich einfach lose Zettel hinzugenommen). Die Nummern aller Fälle zusammen sollen zum Ende führen, wenn die richtigen Personen gewählt wurden. In den Büchern gibt es versteckte Objekte, Schreibmaschinentasten oder Edelsteine, die man sich ebenfalls notieren sollte. Hat man genug davon gesammelt, bekommt man weitere Chancen für die Lösungssumme, wobei die Empfehlung dennoch lautet, sich die Lösung erst anzusehen, wenn man die korrekte Lösung durch Nennung der richtigen Täter heraus bekommt. Die Auflösung wird in bekannter Sherlock Holmes-Manier präsentiert – Chapeau! Am Ende wird man auch noch mit einer Gesamtnote belohnt, um einzuordnen wie gut man in Sherlocks Fußstapfen passt.

Um an manche besonderen Gegenstände zu gelangen, sind zusätzliche Rätsel im Buch enthalten, die man nicht zwingend lösen muss. Im ersten Buch gab es dazu keine Musterlösung, das wurde beim zweiten Buch jedoch geändert und diese Lösungen am Ende ebenfalls aufgeführt. Zudem solltet ihr euch das Lesezeichen besorgen, welches Pegasus auf Messen heraus gibt, wer weis wobei euch dieses helfen kann… Es gibt noch weitere Aspekte, die mir im zweiten Buch besser gefallen haben. Dadurch dass sich die gesamte Handlung in einem Zug abspielt, von dem immer nur die interessanten Waggons begutachtet werden können, entfallen einige nervige Szenen. Im ersten Buch wurde nämlich immer erst überprüft, ob man im richtigen Fall unterwegs ist, bevor man einen neuen Ort betreten durfte. Das führte zu mehr Herumblätterei im Buch, bis man an interessante Informationen gelang. Eines hat mir jedoch im zweiten Teil gefehlt, es gab weniger echte Rätsel in der Hauptgeschichte. Im ersten Buch hatte man kleine Rätselaufgaben, die fast ein wenig an Exit-Aufgaben erinnern, zu lösen und musste in der Rolle des Sherlock aus einer Auswahl an Lösungen wählen. Im zweiten Teil wird man weniger an die Hand genommen, man muss sich alles komplett selbst erarbeiten, man bekommt auch keine Hinweise mehr, wann die Ermittlungen abgeschlossen werden können. Mir hat dieses Vorgehen im ersten Teil ein wenig besser gefallen, doch ist das sicherlich Geschmackssache.

Für 14,95€ erhält man ein Hardcover-Buch mit tollen Illustrationen, durch Buchpreisbindung ist da auch keine baldige Preissenkung zu erwarten. Im ersten Buch sind mehr Abschnitte und dadurch auch ein paar mehr Seiten enthalten, dafür waren wie oben beschrieben mehr überflüssige Szenen notwendig. Mit jedem Buch war ich gute vier Stunden beschäftigt, also wirklich jede Menge Unterhaltung und Rätselspaß enthalten. Beide Bücher hängen mit ihrer Hintergrund-Geschichte zusammen, sind aber voneinander unabhängig, man kann auch das zweite Buch zuerst lesen. Ich hoffe, das Pegasus diese Reihe rund um Sherlock weiterführt und freue mich schon auf die kommenden Fälle, die ich an seiner Seite lösen darf. Habt ihr euch auch schon an die Spiele-Comics gewagt? Hinterlasst mir gerne eure Eindrücke in den Kommentaren.

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