Canvas

In Canvas gibt es den ultimativen Check:
Ist das Kunst oder kann das weg?
Ein jeder drei Gemälde zusammenstellt,
welches hoffentlich den Juroren gefällt.
Ihre Wünsche wurden zuvor bekannt gegeben,
die bestmögliche Erfüllung ins Anzustreben.
Welche Karten dies unterstützen, gilt es zu erkennen,
um sich selbst zukünftig Meistermaler zu nennen.

Spielmaterial:

Canvas kann mit seinem Material richtig auftrumpfen. Das fängt schon bei der Schachtel an. Der Titel des Spiels steht lediglich auf der Folie, das Cover darunter lässt das wunderbare, pastellfarbene Bild für sich alleine sprechen.

Canvas - Titel
Canvas – Titel / Foto: Brettspielpoesie

Informationen zum Spiel und seinem Inhalt befinden sich nur auf der Rückseite, die als Rückansicht eines Bilderrahmens gestaltet ist. Dort ist auch eine Aufhängmöglichkeit vorhanden, um das hübsche Kunstwerk an die Wand hängen zu können, was ganz neue Lagermöglichkeiten bietet ;)

Die innere Schachtel lässt sich aus dem Pappschuber herausschieben und offenbart das hochwertige Material. Ein hübsch gestaltetes Stück Stoff dient als Spielplan zur Kartenablage. Die Abzeichen und Inspirationsmarker sind aus dickem, festen Karton. Die größtenteils transparenten Kunstkarten sind bei Auslieferung durch eine Folie geschützt, die sich nach einigen Partien von selbst lösen soll. Dennoch sehen die Karten schnell etwas zerkratzt oder gar dreckig aus. Das fällt allerdings nicht besonders auf, wenn sie auf den Ablageflächen auf der Spielmatte liegen oder mit einer bunten Hintergrundkarte in einer der mitgelieferten Hüllen stecken. Für die Kunstkarten gibt es eine kleine einseitig offene Pappbox, die nicht nur zum Verstauen dient, sondern auch im Spiel verwendet wird. Zwölf Wertungskarten beschreiben die Bedingung auf einer Seite und die mögliche Punkteausbeute auf der anderen.

Spielmechanismus:

In Canvas lassen die Spieler Gemälde entstehen, ohne selber malen zu müssen. Stattdessen gibt es die größtenteils transparenten Kunstkarten, die jeweils eine kleine Abbildung, einen halben Titel und zwei Farbstreifen mit weiteren Symbolen zeigen. Die Karten aus der Auslage dürfen die Spieler auf die Hand nehmen, eine pro Zug. Die vorderste ist kostenfrei, auf jede übersprungene Karte ist ein Inspirationsmarker zu legen. Wer eine Karte mit Inspirationsmarkern nimmt, darf diese behalten.

Canvas Spielsituation
Canvas Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Ein Gemälde entsteht aus genau drei Kunstkarten, die in beliebiger Reihenfolge gemeinsam mit einer Hintergrundkarte in eine Kartenhülle gesteckt werden. Dies ist zwingend erforderlich, sobald ein Spieler zu Beginn des eigenen Zuges fünf Handkarten besitzt, darf aber auch früher geschehen, anstatt eine Karte aufzunehmen. Die Wertungskarten geben an, für welche Bedingungen Abzeichen vergeben werden. Es kann beispielsweise erforderlich sein, jeden der fünf Farbkleckse zu überdecken oder eine bestimmte Kombination von Symbolen anzuordnen.

Canvas Spielmaterial
Canvas Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Für die Wertungskombinationen gibt es neun Szenarien, alternativ lassen sich diese zufällig kombinieren. Und wer noch etwas mehr Ansporn benötigt, kann versuchen die zehn Erfolge zu erzielen, um diese in der Anleitung abzuhaken.

Spielende:

Die Partie endet, sobald alle Spieler drei Gemälde vervollständigt haben. Erreichen manche Spieler dieses Ziel früher als andere, werden sie in folgenden Runden einfach übersprungen. Die Punktzahl ergibt sich aus der Anzahl der unterschiedlichen Abzeichen, welche die Spieler während der Partie sammeln konnten.

Spieleranzahl:

Bis zu fünf Spieler können in Canvas um die wertvollsten Gemälde wetteifern. Es gibt keinerlei Regelanpassungen für unterschiedliche Spielerzahlen. Entsprechend sind zu zweit weniger Karten in einer Partie zugänglich und diese wechseln kaum durch. Daher gefällt es mir mit mehr Spielern besser. Es ist allerdings nur wenig interaktiv, jeder bastelt an seinen eigenen Gemälden. Interaktion entsteht lediglich durch die Kartenauswahl und die Inspirationsmarker, um Karten überspringen zu können. Zu fünft kann es sich dann sogar etwas ziehen.

Auch solo habe ich es gespielt, sogar in zwei Varianten in Bezug auf die Kartenauslage. Ich konnte in der ersten Partie bereits die bestmögliche Punktzahl anhand der Wertungstabelle erreichen und dadurch ist es für mich nicht mehr reizvoll. Mir gefällt es besser gegen reale Mitspieler anzutreten und deren Punkte zu überbieten, anstatt einem festen Highscore hinterherzulaufen.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist schon relativ hoch, da manche Karten je nach Vorgabe einfach mehr oder weniger geeignet sind. Je weniger Spieler, desto größer ist die Gefahr nur unpassende Karten wählen zu können.

Bei zufälliger Kombination der Wertungskarten kann es zudem passieren, dass sich deren Bedingungen ausschließen oder nur in einer bestimmten Konstellation zu erreichen sind. Dies gilt zwar für alle Spieler gleichermaßen, es kann sich aber glücklich schätzen, wer in seinem Zug an die wenigen, passenden Karten gelangt.

Meinung:

Das hochwertige Spielmaterial in Canvas lädt einfach zum Losspielen ein. Da trifft es sich gut, dass die Regeln kurz und einfach zu verstehen sind. Ein tolles Gateway-Spiel. Es entstehen nicht nur immer neue Gemälde durch unterschiedliche Kombinationen der Karten, diese sind ein ums andere Mal selbst für Kunst-Noobs einfach hübsch anzusehen. Auch die verschieden kombinierbaren Wertungen sorgen für viel Abwechslung. Manche ergänzen sich, andere schließen sich nahezu aus. Das sorgt in jeder Partie für ein leicht unterschiedliches Spielgefühl.

Ich mag die Knobelaufgabe, wie die zur Verfügung stehenden Symbole ideal kombiniert werden können. Die Entscheidung für eine Karte kann bei ambitionierten Spielern aber durchaus langwierig werden, wenn erst alle Möglichkeiten und die damit verbundene Punkteausbeute durchrechnen. Canvas gefällt mir am besten, wenn alle ohne lange Grübelei flott spielen. Immerhin ist jeder auf fünf Handkarten beschränkt. Gemälde zu malen ist jedoch eine künstlerische Tätigkeit. Dies steht bei Canvas für mich ein wenig im Widerspruch zur sehr analytischen Wertung. Wer um den Sieg mitspielen möchte, sollte schon auf die Symbole und ihre Kombination achten, weniger auf das künstlerische Gesamtbild.

Die Regeln weisen leider ein paar Unstimmigkeiten auf. Es irritiert, dass ein Gemälde nur einen halben Titel haben darf. Das kann passieren, wenn alle drei Karten auf der selben Seite ihre Hälfte des Titels zeigen. Zumindest lässt sich der Anleitung nichts Gegenteiliges entnehmen. Zudem gibt es keine Vorkehrungen, die dieses bewusst verhindern, es fühlt sich aber unnatürlich an. Das manche Spieler früher aussteigen können und keine Belohnung dafür erhalten, ist auch ungewöhnlich. Meist bekommen Spieler, die früher aussteigen einen Ausgleich dafür. Dies kann bei Canvas eine bewusste Entscheidung gewesen sein, um das Spiel einfach zu halten oder auch von mangelnder redaktioneller Bearbeitung zeugen, wie es bei Kickstarter-Spielen leider häufiger vorkommt.

Ich möchte den Meinungsteil aber gar nicht so negativ enden lassen. Für mich überwiegt bei diesem Wohlfühlspiel ganz klar die Optik in Kombination mit dem leicht verständlichen und dennoch immer abwechslungsreichem Spielablauf.

Fazit:

Canvas punktet definitiv mit seiner Optik und der Zugänglichkeit. Die Regeln sind im Nu erklärt, eine Partie ist in der Regel schnell gespielt und jeder Spieler hat am Ende drei hübsch anzuschauende Gemälde produziert. Auch wenn ich persönlich anspruchsvollere Spiele bevorzuge, so spiele ich Canvas dennoch gerne als Auflockerung zwischendurch oder mit weniger spielerfahrenen Spielern.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Road to Infamy Games / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Jeffrey Chin, Andrew Nerger
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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