CIV – Carta Impera Victoria

CIV Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Carta Imperia Victoria heißt eine aktuelle Veröffentlichung von Ludonaute. Betrachtet man nur die drei Anfangsbuchstaben kommt man auf CIV. Und so wird es auch als angepriesen, als CIV-Spiel. Darunter versteht man Spiele bei denen über mehrere Zeitalter eine Zivilisation aufgebaut werden muss. Meist dauern solche Spiele mehrere Stunden am Spieltisch, ich spiele so etwas ganz gerne, habe nur leider nicht oft die Zeit dafür. Daher sprach mich diese Version sehr an, eine Partie dauert nur etwa 20 Minuten. Doch kann das ausreichen, um eine Zivilisation aufzubauen?

Spielmaterial:

Öffnet man den Spielkarton, sieht alles recht übersichtlich aus. Die vier Spielertableaus sind aus dicker, fester Pappe. Sie dienen im Spiel als Aktionsübersicht, sind ansonsten nicht für das Spiel erforderlich. Ganz anders die 104 Karten. Sie werden nach Zeitaltern gemischt bereit gelegt. Zusätzlich gibt es eine hochwertige Kulturmünze.

CIV Material

Material / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Es gibt Karten in den sechs verschiedenen Bereichen, die Karten selbst unterscheiden sich nur durch die Farben, sie zeigen keine Texte. Die Anzahl der Karten pro Bereich variiert zwischen den Zeitaltern. Mehr Informationen zu den Karten und ihren Effekten können den Spielertableaus entnommen werden. Pro Zug spielt jeder Spieler eine Karte von seiner Hand in seine Auslage, dann darf er Karteneffekte nutzen. Um die dauerhaften Effekte nutzen zu können, müssen bereits zwei Karten des Bereichs ausliegen, für eine bessere Aktion werden vier Karten benötigt. Zusätzlich darf pro Bereich eine Karte abgelegt werden, um ihren einmaligen Effekt zu nutzen. Die Karteneffekte verändern das Handkartenlimit, ermöglichen das Ausspielen oder den Tausch von Karten oder machen es einem Mitspieler schwerer sein Ziel zu erreichen.  Lediglich im Bereich Kultur gibt es nur einen dauerhaften Effekt, denn wer die absolute Mehrheit an Karten dieses Bereichs hat, darf die Kulturmünze einsetzen um einen dauerhaften Effekt eines Mitspielers zu kopieren. Danach wird wieder auf das aktuelle Handkartenlimit gezogen und der nächste Spieler kommt an die Reihe.

CIV Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Anleitung schlägt noch zwei Varianten vor. Entweder die Startkarten mittels Drafting zu vergeben, statt sie einfach vom Stapel zu ziehen oder in zwei Zweier-Teams zu spielen.

Spielende:

Die Spieler können versuchen durch Vorherrschaft gewinnen und zwar indem sie am Ende ihres Zuges sieben Karten eines Bereichs vor sich ausliegen haben. Schafft dies kein Spieler bis die letzte Karte vom Nachziehstapel genommen wurde, werden Mehrheiten in allen Bereichen ausgewertet. Für jede Mehrheit, auch wenn sie mit einem Mitspieler geteilt wird, gibt es einen Punkt. Es gewinnt dann der Spieler mit den meisten Punkten.

Spieleranzahl:

Zu zweit oder dritt wird jeweils eine Karte mehr benötigt, um die dauerhaften Effekte auszulösen, zu zweit ist auch eine Karte mehr für die Vorherrschaft erforderlich. Die Partien mit voller Spielerzahl haben mir am besten gefallen. Dann kann man zeitweise Bündnisse mit den Mitspielern eingehen, um den führenden Spielern auszubremsen. Zu zweit läuft ein Spieler meist nur noch hinterher, wenn der andere in Führung gehen konnte. Dann werden eigene Karten nur noch zerstört, um den Gegenspieler zu behindern, wodurch man sich selbst ausbremst, um das Spielziel zu erreichen. Im Bereich Kultur fehlt dann einfach Konkurrenz.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist eher gering. Natürlich tauchen die Karten zufällig auf und man kann anfangs einen Bereich wählen, zu dem man so schnell keine weiteren Karten bekommt. Doch ist das kein Beinbruch, dann schwenkt man eben um. Man kann dem Glück auch auf die Sprünge helfen, indem das Handkartenlimit erhöht wird oder Karten abgeworfen werden, um die Auslage zu beeinflussen.

Fazit:

Wie ich einleitend bereits schrieb, mag ich Zivilisationsspiele. Doch dieses hier gehört für mich nicht in diese Kategorie. Auch wenn die Kartenbereiche tolle Titel wie Religion oder Wirtschaft tragen und die Karten drei Zeitaltern zugeordnet sind, handelt es sich um ein typisches Set Collection Spiel. Die Zeitalter sorgen nur für eine bestimmte Verteilung der Karten, sodass nicht alle Karten eines Bereichs am Anfang oder Ende liegen können und manche Karten überhaupt erst später ins Spiel gelangen bzw. später gar nicht mehr erscheinen. Das Thema wäre also problemlos austauschbar. Nicht einmal die Karteneffekte orientieren sich an der thematischen Vorgabe. Beim Militär vielleicht noch, da diese Karten Karten beim Gegner zerstören können, oder beim Umstand, dass sie Wissenschaft im letzten Zeitalter an die Stelle der Religion tritt, aber in vielen Bereichen ist die thematische Zuordnung nicht möglich.

Als Set Collection Spiel betrachtet hat es leider kein Alleinstellungsmerkmal, nichts sticht gegenüber anderen Spielern dieser Kategorie heraus. Lediglich die Illustrationen sind sehr schön anzusehen, sie unterscheiden sich selbst in den Zeitaltern eines Bereichs. Doch das reicht bei uns leider nicht für einen großen Wiederspielreiz. CIV-Spiele bieten in der Regel keinen leichten Einstieg, das ist hier genau umgekehrt, es ist schließlich auch kein solches Spiel. Dadurch bekommen auch Wenigspieler schnell ins Spiel hinein und können die Regeln überblicken. Die Ikonographie ganz gut gewählt , manche Mitspieler hatten ihre Probleme damit und mussten immer wieder überlegen, was die Symbole ausdrücken wollen. Die Spielertableaus unterstützen das Spiel gut, sie wirken auf den ersten Blick allerdings etwas zu voll. Wer hier anhand des Titels einen Blindkauf tätigt, kann enttäuscht werden, weil die Erwartungshaltung vermutlich nicht erfüllt wird.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Ludonaute / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Rémi Amy
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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