X-Code

X-Code Cover

Cover / Foto: Amigo Spiele

Die Sanduhr wird umgedreht, die Spieler nehmen die Karten auf die Hand, schon geht es los, alle reden wild durcheinander, aber doch versteht man sich irgendwie: „Ich habe eine null, eine sieben und eine neun!“ – „Ich habe auch eine neun, ich kann meine aber nur in die andere Richtung geben“. – „Moment! Ich kann meine neun direkt zu Dir geben, dann hast Du schon mal zwei davon.“ – „Ach verdammt, ich habe gar keine Karte, die ich in Deine Richtung geben kann. Las mich erstmal nachziehen…ah, jetzt klappt es.“ – „Ich habe auch eine neun gezogen, wer sammelt die jetzt?“ – „Du musst sie nach rechts geben!“ – „Nein, nicht mehr notwendig, habe selber eine neun gezogen“- „Leute, wir müssen die Zeit im Auge behalten, hat Jemand Sanduhren auf der Hand?“ So oder so ähnlich kann eine Partie X-Code starten, dem neuen Spiel von Autor Kasper Lapp, der uns schon mit Magic Maze vor eine anspruchsvolle Aufgabe der Zusammenarbeit gestellt hat.

Spielmaterial:

Dieses Spiel kommt in ungewöhnlich großer Schachtel für ein Spiel aus dem Hause Amigo daher. Dabei steckt auch gar nicht so viel Material darin. Zu Beginn findet man nur einen zentralen Spielplan, eine zusätzliche schmale Kartenablage, eine  Sanduhr, einige Karten und ein Stanztableau mit zwei Pappschlüsseln. Außerdem sieht man drei weitere Fächer mit der Aufschrift „Top Secret“, welche sich mit den Schlüsseln öffnen lassen. Dahinter wartet weiteres Spielmaterial auf seinen Einsatz, mehr möchte ich dazu aber nicht verraten.

X-Code Spielmaterial

Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Alle Spieler wollen gemeinsam einen Code knacken. Dahinter steckt die Aufgabe Sets aus gleichen Karten zu sammeln und auf die entsprechenden Felder des Spielplans abzulegen. Diese zeigen die Zahlen 0 bis 9, * ,# und Sanduhren. Die Spieler dürfen miteinander reden und müssen dies auch, um die Karten gegenseitig zu tauschen. Dabei hat jede Karte eine Vorgabe, in welche Richtung sie gegeben werden darf, nach links oder rechts. Damit die Sets bei einem Spieler zusammen kommen, gehen manche Karten daher lange Wege. Hat ein Spieler drei Sanduhren auf der Hand, kann er diese ablegen um die Sanduhr umzudrehen und somit den Spielern mehr Zeit zu verschaffen. Die erlaubte Anzahl an Handkarten ist jedoch begrenzt. Karten dürfen zwar abgelegt werden, aber immer nur drei auf einen Schlag. Es gibt je nach Mission eine bestimmte Anzahl an Jokern, repräsentiert durch ein X auf der Karte. Diese dürfen nicht weitergegeben werden, sie ersetzen beim Ablegen der Zahlencodes eine beliebige Karte.

X-Code Karte *

Karte * (Beeple Blog Rallye) / Foto: Brettspielpoesie

Zu Beginn gibt es vier recht einfache Trainingsmissionen. Hat man diese erfolgreich absolviert, darf man sich an die blaue Mission wagen, später an die gelbe und zuletzt an die rote Mission. Jede dieser Missionen ist in drei Level mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad unterteilt. Die grundsätzliche Aufgabe bleibt immer gleich, es müssen Kartensets abgelegt werden. Für jede Mission kommt jedoch weiteres Spielmaterial oder zusätzliche Spielregeln hinzu. Was genau passiert, sollte jede Gruppe selbst entdecken.

X-Code Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Es gibt auch eine App, welche einen Timer bietet, der die Sanduhr ersetzt. Wenn ihr sie installieren wollt, sucht nicht nach X-Code, sondern am besten nach Amigo X-Timer. Oder einfach dem QR-Code in der Anleitung folgen.

Spielende:

Im Idealfall endet eine Partie, indem das letzte erforderliche Set abgelegt wird, bevor der Sand komplett durch die Uhr gelaufen ist. Sollte die Sanduhr zuvor stehen bleiben, ist das Spiel sofort beendet und die Mission gescheitert. In unseren Gruppen bleib es nie bei einer Partie, es wurde mindestens die gesamte Mission gespielt, oder auch gleich die folgende hinterher.

Spieleranzahl:

Mit vier bis fünf Spielern hat es uns am meisten Spaß bereitet. Umso mehr Spieler teilnehmen, desto weniger Handkarten darf der einzelne Spieler besitzen. Das macht es schwieriger das Handkartenlimit einzuhalten und trotzdem flexibel zu bleiben. Zu tauschende Karten müssen bei vielen Spielern häufig längere Wege beschreiten, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Es kann dann sogar passieren, dass eine Karte auf den Weg gebracht wurde, aber nicht ohne erneute Aufforderung ankommt, da zwischendurch vergessen wird, wieso man diese eine Karte erhalten hat. Vor allem aber, wird es mit mehr Spielern immer schwieriger die Spieler so um den Spielplan herum zu platzieren, dass alle überall hin greifen können. Oft steht dabei die Sanduhr etwas im Weg, da manche Spieler an ihr vorbei zum Kartenstapel greifen müssen. Da könnte die App Abhilfe schaffen, da das Gerät auf dem sie läuft flach auf dem Tisch liegen kann.

Glücksfaktor?

Es spielt sicherlich ein gewisser Glücksfaktor hinein, besonders in späteren Missionen, wenn manche Spielelemente in ungünstiger Konstellation ausliegen. Dann spielt man eben gleich eine weitere Partie, es geht schließlich schnell und etwas Abwechslung ist ja nie verkehrt.

Fazit:

Ich mag X-Code. Unter Zeitdruck Karten abzulegen erinnert etwas an Ligretto, man muss hierbei jedoch gemeinsam agieren und sich gut abstimmen, es ist herausfordernd. Zu Beginn, also in der Trainingsmission und vielleicht auch noch während der blauen Mission, erscheint das Spielziel noch relativ leicht zu erreichen. Jedenfalls erging es uns so. Die nächste Mission hatte schon etwas mehr zu bieten und bei der letzten fragten wir uns zunächst, was da denn noch kommen sollte. Doch es wurde erneut eine Schippe drauf gelegt und es benötigt einige Übung, diese Level zu meistern. Also lasst euch nicht von der einfachen Einstiegsmission abschrecken, auch wenn es anfangs noch relativ ruhig zu geht, erhöht sich das Stresslevel von Mission zu Mission.

Auch wenn es von der Grundidee recht ähnlich zu Magic Maze erscheint, so empfand ich die fehlende Kommunikation mit Worten bei Magic Maze als das Besondere, das Außergewöhnliche daran. Solch ein Element bietet X-Code nicht, es fühlt sich eher wie eine Mischung aus Ligretto (schnelles Kartenablegen) und The Game (gemeinsames Kartenablegen) an. Jedoch eine durchaus gelungene Mischung! Allerdings mit derselben Problematik, wie auch schon Magic Maze: Die Gruppe ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Steht ein Spieler durchgehend auf dem Schlauch, bremst das die ganze Gruppe aus und kann den Spielspaß mindern. Ebenfalls schade: Die thematische Einbettung ist etwas an den Haaren herbei gezogen, die Spieler knacken nämlich keine Codes im eigentlichen Sinne. Sie sammeln Kartensets, die sie ablegen, es muss nichts kombiniert und herausgefunden werden.

Wir haben die rote Mission noch in keiner Gruppe beenden können, sie ist wirklich knackig. Ich fürchte, nachdem sie gemeistert wurde, verfliegt der Wiederspielreiz ein wenig. Aber bis dahin haben wir jede Menge Partien gespielt. Auch wenn die Partien allesamt recht kurz sind, hat man sich über einige Zeit damit beschäftigt und sicherlich weit mehr Partien hinter sich gebracht, als von manch anderem Neuzugang. Da es hier aber keine allgemein gültige Lösung gibt, kann ich mir gut vorstellen, es nach einiger Zeit, wenn man nicht mehr „im Flow“ ist, wieder von vorne zu probieren und daran Spaß zu haben.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Amigo Spiele
Autor(en): Kasper Lapp
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 8 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an Amigo Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

X-Code Karte 0

Karte 0 (Beeple Blog Rallye) / Foto: Brettspielpoesie

P.S.: Schaut ab morgen auch auf Beeple.de vorbei, möglicherweise enthalten die Bilder in dieser Rezension interessante Informationen für euch ;-)

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