Grimms Maskerade

Grimms Maskerade Cover
Grimms Maskerade – Cover / Foto: Mirakulus

Rotkäppchen ist unterwegs mit Leckereien,
um sie zu täuschen, hilft’s sich zu verkleiden.
Dem bösen Wolf bringt die Verkleidung Glück,
doch weicht er vor dem Kessel zurück.
Diesen möchte Hänsel gerne entdecken,
er lässt sich aber von Leckereien ablenken.

Die böse Königin nach der Krone giert,
während Aschenputtel ihren Schuh verliert,
Das Biest möchte sich im Spiegel betrachten,
Rumpelstilzchen die Spindel begutachten.
Diese versetzt Dornröschen in den Schlaf
wenn sie nicht zuvor die Uhr erhalten darf.

So sucht jeder Charakter seinen Talisman,
ohne zu kommen in des Unglücksbringers Bann.
Dieser kann sie nämlich demaskieren,
und lässt euch die Runde verlieren.
Wer erfolgreich ist, sammelt Rosen an,
nur dadurch ein Spieler gewinnen kann.

Spielmaterial:

Wer sich von Märchenfiguren gerne verzaubern lässt, der kann vom Anblick der Illustrationen nur begeistert sein. Ein kleines, faltbares Spielbrett zeigt Porträts der acht Charaktere mit ihren Talismanen und Unglücksbringern. Passende Stanzplättchen helfen dabei, bereits demaskierte Charaktere im Laufe einer Runde abzudecken. Die gleichen Abbildungen der Charaktere werden auch auf den acht länglichen Charakterkarten verwendet. Jedem Spieler stehen pro Runde sieben Beweismarker einer Farbe aus Holz zur Verfügung. Zu jedem der acht Talismane bzw. Unglücksbringer gibt es sechs Artefaktkarten. Daneben liegen Aktionskarten, Spielübersichten sowie einige Stanzteile bei, manche davon speziell für den Einsatz der drei enthaltenen Module.

Grimms Maskerade Spielplan
Grimms Maskerade Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Pro Runde wird jedem Spieler geheim ein Charakter zugelost. Jeder dieser Charaktere hat einen Talisman und einen Unglücksbringer. Diese befinden sich auf den Artefaktkarten, welche die Spieler im Laufe einer Partie sammeln. Zwei Karten des eigenen Unglücksbringers demaskieren den Charakter, der zugehörige Spieler scheidet aus der Runde aus. Der Talisman verhilft zum sofortigen Rundensieg, wenn ein Spieler drei davon ausliegen hat. Die offene Kartenauslage eines jeden Spielers kann jederzeit von den Mitspielern eingesehen werden. Daher versuchen sie es meist zu vermeiden, jemandem eine dritte Karte einer Art zukommen zu lassen. Pro Zug erhält ein Spieler nacheinander zwei Karten, von denen er eine behalten und eine an einen beliebigen Spieler weiter geben muss. Doch muss die Entscheidung für die erste Karte getroffen werden, bevor die zweite gezogen wird, für die in jedem Fall anders als zuvor verfahren wird.

Grimms Maskerade Spielsituation
Grimms Maskerade Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Hat ein Spieler zwei Karten desselben Artefakts ausliegen und wurde dadurch nicht demaskiert, dient ein Marker auf dem Spielplan zur Markierung dieser Information. Mit einem solchen Paar lässt sich nach der Kartenvergabe eine Aktion ausführen. Dafür ist die Aktion Fingerzeig immer verfügbar, die es erlaubt den Charakter eines Mitspielers zu erraten. Wurde korrekt verdächtigt, erhält der aktive Spieler eine Belohnung, sonst der Beschuldigte. Wer demaskiert wurde spielt noch weiter mit, um andere Spieler desmaskieren zu können. Die weiteren Aktionen wechseln zufällig durch, manche erlauben es beispielsweise Karten nachzuziehen, eine nicht vergebene Charakterkarte anzuschauen oder einen Mitspieler zu zwingen einen Marker auf den Spielplan zu setzen.

Grimms Maskerade Spielsituation
Grimms Maskerade Artefaktkarten / Foto: Brettspielpoesie

Der Rundensieger, egal ob durch das Sammeln der drei eigenen Talismane oder als letzter maskierter Spieler, erhält die Rosentrophäe der aktuellen Runde. Für jede weitere Runde werden die Charaktere neu verteilt. Zusätzliche Module bringen Wetten und Spezialfähigkeiten mit sowie Schatzplättchen, die in Kombination mit einer Artefaktkarte ein für die Zusatzaktion nötiges Paar bilden können.

Spielende:

Nach der dritten Runde zählen alle Spieler ihre gesammelten Rosen. Wer die meisten sammeln konnte, gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Bei nur zwei Spielern ziehen beide zwei Charaktere, eine Runde endet alternativ zur Talismansammlung erst wenn ein Spieler beide aufdecken musste. Auch wenn ich anfangs befürchtete es handelt sich dabei nur um eine Krücke, so musste ich feststellen, es funktioniert erstaunlich gut. Dabei kann es hin und wieder passieren, dass der Glücksbringer des einen Charakters der Unglücksbringer des anderen ist. Doch braucht der Gegenspieler zwei erfolgreiche Demaskierungen, also ist noch nichts verloren, wenn ein Charakter sich offenbaren muss. Mit mehr Spielern gefiel es mir allerdings noch besser, wenn jeder nur einen Charakter erhält. Unabhängig von der Spielerzahl sind immer genau zwei Karten pro Zug zu verteilen, die lassen sich bei mehr Spielern gezielter vergeben. Nicht alle der sechs Aktionskarten funktionieren zu zweit, daher werden einige aussortiert, wodurch in der dritten Runde bereits verwendete Aktionen erneut zur Wahl stehen. Zwei der drei Module sind auch erst ab drei Spielern sinnvoll anwendbar.

Glücksfaktor?

Beim Ziehen der Karten ist eine gehörige Portion Glück im Spiel, die darüber entscheiden kann, wer rausfliegt. Bei der Kürze der Runden stört mich das aber kaum. Da die Werte der Trophäen in jeder Runde steigen, ist auch nichts zu früh entschieden. Wobei in unseren Spielegruppen auch genau dieser Umstand kritisiert wurde, da dadurch der Rundengewinn trotz gleichbleibender Voraussetzungen anfangs weniger einbringt als später. Die Wetten weichen den Glücksfaktor durch eine weitere Möglichkeit an Rosen zu gelangen wieder etwas auf.

Meinung:

Grimms Maskerade trifft meinen persönlichen Geschmack. Auch wenn ich häufig keinen großen Wert auf die Gestaltung eines Spiels lege, so punktet dieses hier bereits mit den fantastischen Illustrationen der Märchencharaktere. Generell lasse ich mich von Märchenthemen gerne verzaubern, was diesem Spiel hervorragend gelingt. Die Illustrationen sind leider alle eher dunkel gehalten, wodurch die Karten bei schlechter Ausleuchtung spiegeln können. Ein paar mehr Aktionskarten hätten dem Spiel für mehr Abwechslung, besonders im Spiel zu zweit, vielleicht auch noch gut getan.

Ich mag Deduktionsspiele, aber nicht so gerne mit verdeckten Rollen und Bluffing, bei denen man seine Mitspieler bewusst über die eigene Identität täuschen muss. Das ist hier aber gut gelöst, sodass es mir nicht schwer fällt. Ich muss niemanden aktiv überzeugen. Der einfachen Spielablauf, immer nur zwei Karten zu ziehen und diese zu verteilen, ist sehr zugänglich und eröffnet dem liebevoll gestalteten Spiel eine große Zielgruppe.

Es entsteht ein interessantes Dilemma, da die Spieler Kartenpaare sammeln wollen, um Aktionen ausführen zu können, sie mit jedem Paar aber auch eine Information über ihren Charakter offenbaren. Dabei kann das Glück einem böse mitspielen, denn eine einzelne Karte kann über Demaskierung entscheiden. Das führt im eigenen Zug zu der nicht immer einfachen Entscheidung eine für einen selbst ungefährliche Karte lieber einem Mitspieler “reinzudrücken” oder selbst zu nehmen, bevor die kommende Karte gefährlich wird. Die Schätze, die ich immer gerne hinzunehme, bieten eine gute Möglichkeit eine früh unpassend erhaltene Karte schnell wieder loszuwerden. Ansonsten muss gehofft werden nicht die falsche Karte zugeschoben zu bekommen oder selbst zu ziehen.

Immerhin spielen demaskierte Spieler weiter mit und können dabei sogar noch Punkte sammeln. Zudem sind die Runden im Nu vorüber, sodass sich niemand lange schlecht fühlen muss. Mit der Spezialfähigkeiten-Variante gibt es zur Demaskierung sogar noch einen kleinen Vorteil für die kommende Runde oben drauf.

Fazit:

Grimms Maskerade ist ein wunderschön gestaltetes, zugängliches Deduktionsspiel für Einsteiger, welches auch erfahrenere Spieler begeistern mag. Ich jedenfalls lasse mich immer wieder gerne vom Maskenball verzaubern, meine Mitspieler waren etwas weniger begeistert.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Mirakulus
Autor(en): Tim Eisner, Ben Eisner, James Hudson
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 20 – 40 Minuten

Vielen Dank an Mirakulus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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