Hexenhaus

Hexenhaus Cover

Cover / Foto: Lookout Spiele

„Knusper, Knusper Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen…“ – Diesen Satz kennt wohl jeder. Er stammt aus dem Märchen Hänsel & Gretel und ist während einer Partie Hexenhaus allgegenwärtig. Doch war dies nicht immer so, seit 2011 wurde an dem Spiel gefeilt, in welchem es im ersten Prototypen um den Teeanbau ging. Zentraler Aspekt war das Aktivieren von Elementen, indem man sie mit Plättchen überdeckt. Daraus entstand quasi als Nebenprodukt das Spiel Bärenpark. Doch war die Grundidee damit nicht gestorben, eigentlich sollten die Spieler ihre Plättchen in eine gemeinsame Auslage und in die Höhe spielen. Der nächste Prototyp drehte sich um die deutsche Stadt Rothenberg, der erste Verlag fand die Idee gut, doch blieb nicht dabei. Der dritte Platz beim Hippodice Wettbewerb  2013 kurbelte das Interesse der Verleger wieder an. Doch es lief noch nicht rund, erst im Jahr 2017 kam dem Autor die Idee jedem Spieler seine eigene Auslage zu geben. Thematisch sollte es zunächst um eine Schokoladenfabrik gehen, bis Lookout Spiele die Idee mit dem Lebkuchenhaus hatte und das Spiel gemeinsam mit dem Autor finalisierte, welches ich euch nun vorstelle. Die vollständige Entstehungsgeschichte könnt ihr auf dem Twitter-Profil des Autors nachlesen.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial lässt keine Wünsche übrig. Jeder Spieler bekommt eine quadratisches Tableau als Grundfläche des zu entstehenden Lebkuchenhauses. Die 60 Bauplättchen, die Joker und Treppen sind aus dickem Karton und liegen daher super in der Hand. Daneben sind noch jede Menge Lebkuchen in vier Formen bzw. Farben enthalten. Außerdem Belohnungs- und Märchenwesenkarten. Auch ein Wertungsblock liegt bei.

Spielmechanismus:

Alle Spieler starten mit 15 zufällig gezogenen Bauplättchen, von denen, solnage verfügbar, immer drei zur Auswahl stehen. Jedes dieser Plättchen zeigt zwei Symbole, die beim Überbauen einen Effekt auslösen. Daher beginnen die Spieler den Bau auf ihren Spielertableaus, wo auch schon solche Symbole abgebildet sind. Bei einem Pfefferkuchen, bekommt man einfach einen der abgebildeten Sorte in seinen Vorrat. Der Doppel-Pfeil erlaubt einen 1:1-Tausch mit einem Pfefferkuchen aus dem Vorrat, bei einer Treppe erhält man eine solche. Sie ermöglichen das Bauen über verschiedene Ebenen, da ein Plättchen niemals in der Luft hängen darf. Ebenso dürfen Doppelplättchen nie direkt aufeinander liegen, die Linie in der Mitte eines jeden Plättchen darf also nicht mit einem einzigen Plättchen überbaut werden. Die Treppen haben ein Loch in der Mitte, der darunter liegende Effekt bleibt somit sichtbar und wird beim Überbauen ganz normal ausgeführt. Der letzte Effekt eines Bauplättchen erlaubt es dem Spieler ein Märchenwesen aus der Auslage oder zufällig vom Stapel anzulocken, dafür stehen jedem Spieler zwei Plätze zur Verfügung. Von dort aus kann nur dieser Spieler das Märchenwesen gefangen nehmen.

Hexenhaus Spielertableau

Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Dies ist im Anschluss an das Bauen und das Ausführen der Effekte möglich. Man kann nicht nur die bereits angelockten Märchenwesen einfangen, sondern auch die aus der Auslage, indem die abgebildeten Pfefferkuchen in den Vorrat zurück gelegt werden. Ein jedes eingefangenes Märchenwesen wird mit einem Joker belohnt, dies ist ein ein Feld großes Plättchen, welches sofort platziert werden muss und einen Effekt auslöst. Wird es überbaut, führt es einen beliebigen der Effekte aus. Für alle Effekte gilt: Werden zwei identische Effekte überbaut, erhält man diesen Effekt sogar dreifach.

Hexenhaus Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wer eine der ersten drei Ebenen fertigstellt, darf eine Belohnungskarte aus der Auslage an sich nehmen, die bei Spielende Punkte einbringt. In der Einsteigervariante einfach den aufgedruckten Wert, im richtigen Spiel zeigen diese Karten eine spezielle Siegpunktebedingung. Die kann sich z.B. auf die eingefangenen Märchenwesen beziehen, auf die Pfefferkuchen, welche sie verlangt haben, ihren Gemütszustand oder ihre Art. Es gibt auch Belohnungskarten für vollendete Stockwerke oder eine bestimmte Höhe.

Hexenhaus Belohnungskarten

Belohnungskarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach 15 Runden endet eine Partie, den Spielern stehen dann keine weiteren Plättchen mehr zur Verfügung. Sie erhalten die aufgedruckten Punkte ihrer eingefangenen Wesen, Punkte für die bis zu drei Belohnungskarten und einen weiteren Punkt je zwei übrigen Pfefferkuchen. Der Spieler mir der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Jeder Spieler zieht zu Beginn 15 Bauplättchen, die anderen bleiben in der Schachtel. Die Anzahl der Bonuskarten orientiert sich an der Spielerzahl, dadurch ist die Auswahl im Spiel mit weniger Spielern geringer. Das gesamte Spielmaterial ist begrenzt, daher würde ich erwarten, dass bei weniger Spielern etwas aussortiert wird. Dies ist hier aber nicht der Fall, zu viert kann es also passieren, dass die Joker-Plättchen ausgehen und manche Spieler in den letzten Zügen ohne auskommen müssen, was bei weniger Spielern eher unwahrscheinlich ist.

Glücksfaktor?

Es sind schon einige Glückselemente vorhanden. Die Bauplättchen werden komplett zufällig gezogen, es kann also passieren, das bestimmte Belohnungen nur selten auf den eigenen Plättchen auftauchen. Diese kann man dann nur über Jokerplättchen bekommen. Die Belohnungsplättchen können sich gegenseitig begünstigen oder auch nicht, genauso wie sie zu einigen Märchenwesen besser passen als zu anderen, deren Erscheinen zufällig ist. Durch die mglicherweise ausgehenden Joker-Plättchen kann ein knapp geplanter Plan vielleicht doch nicht ganz aufgehen.

Fazit:

Trotz einiger störender Aspekte, spiele ich Hexenhaus immer wieder gerne. Ganz besonders jetzt in der (Vor-)Weihnachtszeit. Wie es sich im Verlauf eines Jahres spielt, bleibt abzuwarten. Ich mag die Grafiken und als Märchen-Fan macht es einfach Spaß seine Lieblingscharaktere einzufangen. Mir persönlich fällt es sogar schwer eine weniger beliebte Karte zu wählen, wenn diese einfach besser zu den Siegbedingungen passt. Durch die unterschiedlichen Belohnungskarten, von denen nie alle ins Spiel gelangen, liegt der Fokus auch immer ein wenig anders. Mal möchte man möglichst hoch bauen, ein anders Mal vor allem Kreaturen oder Menschen sammeln. Es scheint aber vorteilhaft zu sein, die ersten drei Ebenen früh zu beenden, für einen schnellen Zugriff auf die Belohnungskarten. Diese sind nämlich von der zu erreichenden Siegpunktzahl nicht alle gleichwertig, was sich unausgeglichen anfühlt.

Somit gibt es auch einen enormen Startspielervorteil. Wenn dieser seine Bauplättchen richtig anordnet, ist ihm der erste Zugriff auf die Belohnungskarten sicher. Und auch bei allen weiteren hat der Startspieler die größte Auswahl, wenn er denn darauf spielen möchte. Durch diese Belohnungskarten ist oft schon früh absehbar, welche Spieler die besten Siegchancen haben. Ist man nicht darunter, können sich die letzten Runden ziemlich ziehen, die meisten unserer Partien dauerten länger als die angegebenen 30 Minuten. Aber das waren auch Vielspielerrunden, wenn man als Familienspieler aus dem Bauch heraus spielt, kann die Zeit vielleicht eingehalten werden. Es ist jedenfalls ein friedliches Spiel, es wird nahezu solitär gespielt, nur bei den Belohnungskarten und ab und an bei den Märchenwesen kann man sich in die Quere kommen.

Das klingt jetzt vielleicht vor allem negativ, doch trotz aller Kritikpunkte spiele ich immer wieder gerne eine Partie mit. Phil Walker-Harding schafft es einfach immer wieder mich mit seinen Spielen zu begeistern. Und dieses kann man man auch mit absoluten Einsteigern spielen, da die zur Verfügung stehenden Optionen überschaubar und leicht verständlich sind. Aus den fünfzehn Plättchen das Optimum heraus zu holen, steht dann wieder auf einem ganz anderen Blatt. Daran kann sich auch ein erfahrener Spieler erfreuen, wenn er über die Kritikpunkte hinweg sehen kann.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Lookout Spiele
Autor(en): Phil Walker-Harding
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an ASS Altenburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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