Iquazú

Iquazú Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Iquazú – ein ungewöhnlicher Name für ein Spiel. Es handelt von Wasserfällen, da könnte einem der Name bekannt vorkommen. In Südamerika, an der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien liegen die Iguazú-Wasserfälle,man beachte das ‚g‘ an zweiter Stelle. Sie bestehen aus 20 größeren sowie 255 kleineren Wasserfällen auf über zwei Kilometern. Ob man dort auch Diamanten finden kann, ist mir unbekannt, aber ich bin mir ziemlich sicher dass man dort keine blauen, weißen und orangefarbenen Fabelwesen findet. Beim ersten Blick auf die Schachtel und das im Mittelpunkt an einer Liane hängende blaue Wesen musste ich unweigerlich an den Film Avatar denken. Das ganze Setting ist nahezu filmreif, doch was kann das Spiel, welches sich dahinter verbirgt?

Spielmaterial:

Der Spielplan entsteht aus mehreren Einzelteilen: Dazu gehören vier Spielplanteile,  zwei Kunststoffschienen, ein Wasser-Rahmen mit Wasserdrache und 8 Wasser-Streifen. Entsprechend der Spielerzahl wird eine der beiden Punktetafeln mit entsprechender Seite verwendet. Bevor man die Spielplanfläche mit den Wasser-Streifen abdeckt, werden noch die 45 Bonusplättchen zufällig, verdeckt ausgelegt, wobei die mit dunkler Rückseite in die letzten beiden Spalten gehören. Die 140 Edelsteine werden in der Edelsteinbox aufbewahrt und die 50 Wassertropfen in der Wasserbox. Beide Boxen sind aus dickem Karton und scheinen recht haltbar. Hinzu kommen noch 60 Karten.

Iquazú Spielmaterial

Spielmaterial / Foto; Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Die Spieler sind Ureinwohner des Gebietes mit den Wasserfällen und wollen ihre Edelsteine vor Eindringlingen schützen. Dabei bekommen sie Unterstützung eines Wasserdrachens, der für eine gewisse Zeit einen kleinen Teil des Wassers aufhält, sodass die Spieler ihre Edelsteine auf der Felswand dahinter platzieren können. Um dies zu tun müssen farblich passende Handkarten abgegeben werden. Je weiter rechts der Edelstein landen soll, desto mehr Handkarten sind dafür erforderlich. Als alternative Aktion können vier Handkarten nachgezogen werden. Der Spieler mit der Wasserbox vor sich muss am Ende seines Zuges einen Wassertropfen auf den obersten freien Platz in der linken Spalte platzieren. Am Ende seines Zuges wird die Edelsteinbox in Pfeilrichtung weiter zum folgenden Spieler gereicht.

Iquazú Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wozu das Ganze? Sobald alle bunten Felsritzen der vordersten Spalte belegt sind (egal ob mit Edelsteinen und/oder Wasser), findet eine Zwischenwertung statt. Bei dieser werden Punkte für die Mehrheiten in der Spalte vergeben, von links nach rechts bringen diese Wertungen mehr Punkte ein. Zusätzlich werden die Bonusplättchen der letzten Spalte anhand der Mehrheiten in den Reihen vergeben. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler, dessen Edelstein weiter unten bzw. rechts liegt. Nach den Wertungen bewegt sich der Wasserdrache, indem ein Wasserstreifen von rechts entfernt und links eingeschoben wird. Die zuvor erste Reihe ist nun überdeckt, die darunter liegenden Edelsteine zählen bei späteren Wertungen nicht mehr. Die Preise für das Platzieren haben sich durch das Verschieben ebenfalls geändert. Wo es eben noch zwei Karten gekostet hat, reicht nun eine Handkarte. Rechts ist eine neue Spalte verfügbar geworden und es liegen fünf neue Bonusplättchen aus, die nun umgedreht werden. Nach einer solchen Wertung geht die Wasserbox in Pfeilrichtung (entgegengesetzt der Spielrichtung) weiter.

Iquazú Spielmaterial

Edelsteine/ Foto: Brettspielpoesie

Die Bonusplättchen können in jedem folgenden Zug eingesetzt werden, in beliebiger Kombination und Reihenfolge. Einige ermöglichen es zusätzlich Karten nachzuziehen, andere einen Doppelzug auszuführen. Das Joker-Plättchen kann eingesetzt werden, um beim Platzieren die vorgegebene Farbe nicht erfüllen zu müssen und wieder andere bringen einfach die abgedruckten Siegpunkte ein.

Spielende:

Die neunte Wertung löst das Spielende aus. Es werden im Anschluss noch die letzten beiden Spalten mit ihren Reihen gewertet. Die maximale Punktzahl liegt hier nur bei drei Punkten, zusätzlich werden allerdings auch noch Spaltenwertungen ausgeführt und die letzten Bonusplättchen zeigen sinnvollerweise nur noch Punkte. Anschließend kommt es zur Endabrechnung, bei der alle Spieler noch ihre Siegpunkt-Plättchen hinzuzählen.

Spieleranzahl:

Für zwei, drei oder vier Spieler gibt es austauschbare Wertungsstreifen, die das Spiel gut skalieren. So geht ein Spieler immer leer aus, auch wenn jeder in der Reihe einen Edelstein platziert hat. Wie so oft bei Mehrheitenwertungen spielt es sich zu dritt oder viert etwas interessanter. Durch diese Anpassungen und den Einsatz der Wassertropfen, die besonders bei zwei Spielern sehr schnell platziert werden, entsteht ein spannendes Duell. Es geht dabei etwas taktischer zu, weil die Spieler besser vorausplanen können.

Glücksfaktor?

Glück spielt hinein, doch erscheint dies für ein Familienspiel angemessen. Die Verteilung der Handkarten und die der Bonusplättchen ist zufällig und kann mehr oder weniger sinnvoll erscheinen. Die restlichen Informationen liegen offen und sind für alle jederzeit einsehbar. Bei den Bonusplättchen kann ein kleiner Memory-Effekt hinein gebracht werden, wenn die Plättchen verdeckt abgelegt werden und die Bonusplättchen der Mitspieler für etwas Überraschung sorgen können, wenn nicht aufgepasst wurde.

Fazit:

Es gibt Spiele, die liegen einem einfach nicht. Für mich persönlich fällt Iquazú in genau diese Kategorie. Und damit ergeht es ihm ähnlich wie den anderen bisher erschienenen Haba Familienspielen in großer Schachtel. Woran das liegt, kann ich nicht genau erklären und von den dreien, also neben Abenteuerland und Meduris, gefällt mir Iquazú tatsächlich am besten. Aber leider nicht gut genug, als dass ich es an einem Spieleabend selber vorschlagen würde, jedoch immer bereit zum mitspielen wäre. Ich werde das Gefühl einfach nicht los, das Spiel nicht durchdringen zu können. Eher fühlte es sich an, als würde ich neben den anderen Spielern her spielen, die um den Sieg kämpfen. Aussichten darauf erkenne ich bei mir nicht. Mir ist aber auch nicht so ganz klar, was ich falsch mache, sonst hätte ich ja den Ehrgeiz besser zu werden.

Dabei ist das Spiel auch gar nicht schwer, es ist eher ein wirklich gelungenes Familienspiel-Niveau mit leichtem Zugang. Genau aus diesem Grund, habe ich das Spiel in mehrere Spielgruppen mitgenommen und erstaunlicherweise kam es besonders in Gruppen mit vielen Familienspielern richtig gut an. Das Material macht natürlich einiges her, hat einen hohen Aufforderungscharakter. Für die vielen Einzelteile, aus denen der Spielplan entsteht, geht der Aufbau erstaunlich fix. Zugleich gibt es hier einen ersten kleinen Kritikpunkt, denn die Sicht ist durch die am Rand liegenden Wasserfall-Streifen manches mal etwas eingeschränkt. Die einzelnen Züge kurz, sodass keine längeren Downtimes entstehen. Das recht mechanische Spiel hat ein ansprechendes Thema bekommen, doch kommt dieses im Spiel leider nicht so wirklich durch. Auch wenn das Material sehr hochwertig ist und klasse aussieht, kann das Handling der kleinen Edelsteine und Wassertropfen doch ein wenig fummelig werden. Aber das ist nun wirklich Jammern auf hohem Niveau.

Die Spieler wollen eine gute Balance bei der Teilnahme an den Reihen- und Spalten-Wertungen finden. Nur für die Spalten werden Punkte vergeben, aber über die Reihen gelangen die Spieler an die Bonus-Plättchen, die einem wiederum für das weitere Platzieren von Edelsteinen Vorteile bieten. Edelsteine weit vorne zu platzieren, ist günstiger, man benötigt weniger Karten, aber die Edelsteine verschwinden auch schneller wieder. Und bei den Reihenwertungen löst der Spieler einen Gleichstand auf, der weiter rechts seine Edelsteine platziert hat. Daraus entsteht ein interessantes Gerangel um die vermeintlich besten Plätze für die Edelsteine. Nicht außer Acht lassen darf man dabei die Wassertropfen, welche die Wertungen voran treiben und deren Platzierung taktisch eingearbeitet werden kann. Der aktuellen Punktzahl auf der Kramerleiste sollte während der Partie nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werden, da sich diese durch die späten, punkteträchtigeren Spalten und die Bonus-Plättchen bis Spielende noch stark verändern kann. So fühl sich zumindest in der Regel niemand völlig abgeschlagen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden: Leider kein Spiel für mich persönlich, doch bei der Zielgruppe kommt es gut an und das ist doch die Hauptsache. Ich verfolge weiterhin gespannt, was Haba im Bereich Familienspiele veröffentlicht und hoffe, dass sie es bald erneut schaffen, mich mit einem Spiel so abzuholen, wie es bei Karuba gelungen ist.

Wertungsnote 4/6

Verlag: HABA
Autor(en): Michael Feldkötter
Erscheinungsjahr: 2017
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 50 Minuten

Vielen Dank an Haba für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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