Just One

Just One Cover

Cover / Foto: Asmodee

Vielleicht ist von euch bereits Jemand über meinen Ersteindruck zu Just One von der Spiel in Essen gestolpert. Dort habe ich bemängelt, es wären zu wenige Karten enthalten, die sich zu schnell abnutzen würden. Das wäre der Fall, wenn es nicht über 100 weitere Karten im Grundspiel gäbe. In unserer gespielten Ausgabe waren die meisten Karten aber scheinbar abhanden gekommen, das Spiel selbst ist mit ordentlich Auswahl ausgestattet. Zumindest in der Ausgabe von Repos Production, bei der es sich genau genommen um eine überarbeitete Neuauflage von We are the word handelt, welches 2017 bei Fun Consortium auf Französisch erschienen ist. Repos Production hat die Rechte an dem Spiel erworben, es überarbeitet, mit fünfzig zusätzlichen Worten versehen und in verschiedenen Sprachen veröffentlicht. So konnte nun auch ich in den vollkommenen Genuss dieses Wortspiels gelangen und es euch nun vorstellen.

Spielmaterial:

110 Karten, sieben Kartenständer und eben so viele farbige Stifte, mit integriertem Schwamm zum Abwischen. Die Karten sind leider sehr dünn und je nach Lichteinfall kann man hindurch sehen, wobei die obersten Begriffe zu erkennen sind. Wir behelfen uns dann einfach mit einer zusätzlichen Karte, die hinter die Karte mit dem gesuchten Wort gesteckt und reihum weiter gegeben wird.

Spielmechanismus:

In maximal 13 Runden soll jeweils ein Begriff erraten werden, ein Spieler wählt eine Karte mit fünf Begriffen und nennt eine Zahl zwischen 1 und 5, um den gesuchten Begriff auf der Karte zu bestimmen. Alle anderen Spieler schrieben nun genau ein Wort auf, um den Ratenden auf diesen Begriff hinzuweisen. Bevor der Ratende die Begriffe sehen darf, kontrollieren die Tippgeber ihre Begriffe, mehrfach genannte scheiden aus. Es gilt eben „just one“. Nun darf der Ratende zur Tat schreiten, schaut sich die (übrigen) Begriffe an und versucht eine Gemeinsamkeit zu erkennen. Er nennt den Begriff, von dem er denkt, dieser könnte gemeint sein. Liegt er richtig, bekommt das Team die Karte als Punkt. Liegt er falsch, soll die Gruppe zu der nicht gelösten Karte noch eine weitere Karte abgeben. Alternativ könnte man auf das Raten verzichten, um nur die aktuelle Karte zu verlieren.

Just One Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach 13 Karten endet eine Partie laut Spielanleitung. Dann könnte ein Punktwert ermittelt werden. Die Wertung gefällt mir nicht, da man für jeden falsch geratenen Begriff eine der folgenden Begriffkarten aus de Spiel nimmt. Diese doppelte „Bestrafung“ muss in meinen Augen nicht sein, sie hält nur davon ab wage Ideen zu nennen, die umso toller erscheinen, wenn sie denn richtig sind. Auch ohne Punktabzug ist es herausfordernd sich als Gruppe weiter zu verbessern und von Runde zu Runde mehr Begriffe korrekt zu erraten. Oder dies bei maximalem Erfolg direkt zu wiederholen. Wobei die Wertung in unseren Runden eigentlich immer nur im Hintergrund statt findet, man benötigt sie nicht wirklich. Es macht einfach Spaß mit Worten herum zu experimentieren.

Spieleranzahl:

Fünf bis sieben Spieler ist die beste Spielerzahl, es funktioniert aber auch schon zu viert. Ich konnte es mir kaum vorstellen, aber in verschiedenen Vierer-Runden machte es unerwartet viel Spaß. Wenn zwei Spieler einen Begriff ins Aus befördern, wird es zu viert natürlich schwierig den Begriff zu erraten, aber auch das kann funktionieren. Nur zu dritt haben wir es gar nicht erst ausprobiert, dann dürfte jeder Spieler zwei Begriffe notieren.

Glücksfaktor?

Glück ist in diesem Zusammenhang das falsche Wort. Manche Begriffe erschienen uns leichter als andere, aber das ist schlicht Geschmackssache und hängt von den Gruppen bzw. den einzelnen Personen und ihren Vorlieben ab. Wenn sich die Spieler gut kennen, können Begriffe verwendet werden, die sie nur untereinander in diesem Zusammenhang kennen, das ist laut Anleitung nicht explizit verboten. Umso weniger sich die Spieler kennen, desto schwerer ist dies möglich. Das Spiel funktioniert aber auch dann hervorragend.

Fazit:

Vor der Spiel in Essen hatte ich mich mit Just One kaum beschäftigt, die ersten Infos klangen mir zu sehr nach bereits bekannten Wort-Assoziationsspielen, wie es sie schon vielfach gibt. Das Interesse war gering. Doch dann hörte man die ersten begeisterten Stimmen von der Messe und ich wollte das auch erleben, um zu entdecken, was dieses Spiel anders macht. Und es hat Spaß gemacht, richtig viel Spaß. Deswegen habe ich es mitgenommen und seitdem in verschiedensten Gruppen auf den Tisch gebracht. Das Resultat: Alle, wirklich alle, mögen es einfach. Selbst mein Bruder, der an Weihnachten zunächst nach einem anderem, einem „richtigen“, Spiel verlangte, hat sich dabei amüsiert. Er wurde in seiner Wortwahl sogar richtig kreativ.

Einen Begriff mit mehreren Einzelworten zu beschreiben ist ja nicht sonderlich schwer, das wird es erst durch das Verbot von Merfachnennungen. Und das wiederum führt häufig dazu, dass die eindeutigsten Begriffe gar nicht genannt werden, weil es sich keiner traut und denkt das wird schon wer anderes nehmen. Was nicht selten zu scheinbar zusammenhanglosen Begriffen führt. Dann steigt die Spannung, ob der Begriff dennoch erraten werden kann. Die Wertung hinterher interessiert kaum Jemanden, der Spielspaß steht im Vordergrund. Bei uns wird immer versucht zu raten, wir ziehen für falsche Antworten keine weiteren Karten ab.

Oft müssen sich Gruppen erst finden und in den ersten Runden heraus finden, wie die anderen denken, um sich darauf einstellen zu können. Bloß bei mir und meinem Schwager in Spe funktioniert das nur bedingt, wir denken scheinbar zu ähnlich. Nur ein Beispiel: Der gesuchte Begriff lautete „Nudel“ und ich dachte mir Spaghetti oder Tortellini läge auf der Hand, da wähle ich doch lieber Farfalle. Doch damit war ich nicht alleine und das nicht nur bei diesem Begriff. Genau solche Momente machen das Spiel aber so genial. Jedoch gibt es auch etwas zu kritisieren. Die meisten Begriffe auf den Karten sind Nomen, Namen oder Titel, es gibt aber auch wenige Ausnahmen (Verben, Adjektive), was die Einordnung der aufgeschriebenen Worte etwas erschwert. Zudem die oben bereits erwähnten durchscheinenden Karten bei schlechtem Lichteinfall.

Doch was macht Just One anders, als andere Spiele dieser Kategorie? Zum einen das kooperative Spielen, es gibt nicht den einen Sieger oder Verlierer, es gewinnen alle – oder auch nicht. Es entsteht dabei ein sehr positives Spielgefühl. Der Einstieg gelingt problemlos, man muss ja nur einen Begriff notieren. Worauf es dabei noch ankommt, erfahren die Spieler in den ersten Runden ganz von selbst. Anders als bei Codenames schlüpft nicht einer für eine gesamte Partie in die Rolle des Erklärers, was zu längeren Wartezeiten führen kann, sondern alle sind immer eingebunden und es wird abwechselnd geraten.

Wertungsnote 6/6

Verlag: Repos Production / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Ludovic Roudy, Bruno Sautter
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 3 – 7 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

Ähnliche Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.