Pandemic: Untergang Roms

Cover / Foto: Asmodee

Pandemie ist in meinen Augen ein grandioses Spielkonzept, daher bin ich an allen Ablegern sehr interessiert. Und diese gibt es mittlerweile jährlich und zwar immer passend zu dem Land, in welchem die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Nach Pandemic: Iberia und Pandemic: Steigende Flut erschien im vergangenen Jahr Pandemic: Untergang Roms. Ein Thema welches mich so gar nicht abholt, ich habe keinen Bezug zu Italien oder Rom und ich kann mir wahrlich interessanteres vorstellen, als mit römischen Kampftruppen durch das Land zu streifen. Zwei Besonderheiten ließen mich dann aber doch aufhorchen: Dies ist das erste Pandemic-Spiel mit offizieller Solo-Spielregel und es enthält Würfel, die wir in diesem Universum bisher nur vom Pandemie-Würfelspiel kannten.

Spielmaterial:

Der Spielplan zeigt eine Europa-Karte der damaligen Zeit, mit alten Städtenamen und den Völkerwanderungsrouten in Richtung Rom. Daneben sind Leisten und Ablageplätze für Karten in gewohnter Weise vorhanden. Wie bei der originalen Pandemie-Version wurde auch hierbei Holz für die vielen Marker (Bündnisse, Agressionsstufe, Niedergang, Kastelle, Barbaren und Legionen) verwendet. Die Legionen sind optisch besonders gelungen, dahingegen werden die Barbaren von schlichten, einfarbigen Würfel repräsentiert.

Legionen / Foto: Brettspielpoesie

Neben den 70 Spielerkarten (Stadt-, Ereignis- und Aufstandskarten), den 49 Barbaren- und sieben Übersichtskarten sind drei Kampfwürfel enthalten. Für die sieben zur Auswahl stehenden Charaktere sind farbige Pöppel und jeweils eine Rollenkarte dabei.

Spielmechanismus:

Vieles fühlt sich vertraut an, dabei ist doch alles ganz anders. Anstelle von vier Krankheitserregern, denen wir den Kampf ansagen, wollen wir uns mit fünf Völkern verbünden, um sie davon abzuhalten in Rom einzufallen. Der grobe Spielablauf ist dabei bekannt: Wer am Zug ist, darf vier Aktionen ausführen, bevor neue Handkarten gezogen werden und Barbarenkarten anzeigen, in welchen Städten diese einfallen. Beim Handkarten ziehen können Aufstände (anstelle von Epidemien) ausgelöst werden, die analog zu den Epidemien abgehandelt werden: Es wird die unterste Karte des Stapels aufgedeckt und in dieser Stadt drei Barbaren platziert, bevor die Karte mit dem restlichen Ablagestapel gemischt wird. Müsste zu irgendeinem Zeitpunkt ein vierter Barbar in einer Stadt platziert werden, kommt es stattdessen zu einer Plünderung, bei der Barbaren in alle Nachbarstädte einfallen und der Niedergangsmarker vorrückt. Der Niedergangsmarker kann nun auch vorgerückt werden, wenn Ereigniskarten gespielt werden. Diese unterscheiden nämlich eine Standardoption und eine korrupte Option, die den Niedergang beschleunigt, dafür den Spieler einen stärkeren Effekt ermöglicht.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Städte können vor Barbaren geschützt werden, indem Legionen zuvor platziert wurden. Befindet sich in der Stadt zusätzlich ein Kastell oder ein Spielermarker, werden entsprechend Legionen entfernt, statt Barbaren zu platzieren. Platzierte Barbaren können von den Spielern aktiv bekämpft werden, dabei kommen die Würfel zum Einsatz. Es darf für jede Legion ein Würfel verwendet werden, die Würfel sind auf die im Spiel befindlichen drei pro Angriff limitiert. Die Würfelseiten zeigen Barbaren und/oder Legionen, die entsprechend entfernt werden. Eine Würfelseite zeigt das Sonderfähigkeitssymbol der Charakterkarten, es muss damit die jeweilige Sonderfähigkeit genutzt werden. Bei sechs Charakteren geschieht etwas Positives, nur bei einem Charakter wird eine Legion entfernt. Dafür ist dessen normale Charakterfähigkeit besonders stark. Die Legionen sind limitiert, mehr als 16 können nie zeitgleich im Einsatz sein, daher gilt es gut zu überlegen, wann und wo Armeen ausgehoben werden.

Karten / Foto: Brettspielpoesie

Bei den Barbareneinfällen gibt es auch eine Besonderheit, die Barbaren kommen nämlich nicht standardmäßig in die angegebene Stadt auf der Karte. Dafür werden zunächst die Völkerwanderungsrouten überprüft. Vom Vorrat ausgehend bewegen sich die Barbaren entlang der farbig markierten Route in Richtung Roms. Wenn sie noch nicht in der Stadt auf der Karte angekommen sind, bleiben sie in der ersten von ihnen unbesetzten Stadt auf dieser Route stehen. Um ein Bündnis einzugehen, müssen Stadtkarten einer Farbe eingesetzt werden. Die Anzahl ist für die Stämme unterschiedlich, je nachdem wie viele Stadtkarten dieser Farbe existieren 3, 4 oder 5. Auch Barbaren verbündeter Städte fallen weiterhin ein, ein Bündnis erleichtert jedoch die Barbaren zu entfernen.

Spielsituation / Brettspielpoesie

Der Schwierigkeitsgrad kann über die Aufstände reguliert werden, es werden entsprechend mehr oder weniger solcher Karten in den Stapel gemischt. Einem alten Gesetz folgend dürfen bei einer Variante keine Kastelle in Rom errichtet oder Legionen die Stadt betreten. Für jeden Barbaren, der Rom erreicht, wird dann sofort der Niedergangsmarker bewegt.

Spielende:

Auch die Regeln für das Spielende scheinen sich am Original zu orientieren: Die Gruppe war erfolgreich, wenn das letzte Bündnis geschlossen wurde oder von nicht verbündeten Stämmen zumindest keine Streitkräfte mehr auf dem Spielplan vorzufinden sind. Verloren hat das Team hingegen, wenn der Niedergangsmarker das Ende der Leiste erreicht, die Würfel einer Farbe bzw. die Stadtkarten ausgehen oder wenn Rom selbst geplündert wird.

Spieleranzahl:

Bei weniger Spielern hat der einzelne mehr Startkarten, dafür sind weniger Ereignisse im Stapel der Stadtkarten. Weitere Anpassungen sind nicht notwendig. Jede Spielerzahl hat ihre Vor- und Nachteile, mit weniger Spielern sind die Wege oft weiter, dafür ist ein Spieler schneller wieder selbst am Zug. Auch diese Version skaliert einfach gut. Erstmalig enthält die Spielanleitung eine offizielle Solo-Regel, bei der drei Charaktere vom Spieler kontrolliert werden, die auf eine gemeinsame Kartenhand sowie auf Karten einer „Schatzkammer“ als Möglichkeit Karten zu tauschen, zugreifen können.

Glücksfaktor?

Der Glücksfaktor ist hier höher als bei anderen Pandemic-Varianten, dafür sorgen die Würfel, die es sonst nicht gibt (wenn man das Würfelspiel mal außen vor lässt). Obwohl ich häufig kein großer Fan von Würfelelementen in Spielen bin, gefällt mir der Einsatz der Würfel hier. Es fühlt sich sehr thematisch an, bei einem Aufeinandertreffen verschiedener Streitkräfte ist eben im Vorfeld schwer abzusehen, wer gewinnt. Das simulieren die Würfel in meinen Augen gut. Es gibt auf den Würfeln nur eine Seite, die bloß eine eigene Legion entfernt, auf vier Seiten verschwinden auch Barbaren. Das fühlt sich fair an, doch bringt einen gewissen Pepp ins Spiel. Noch zu erwähnen ist natürlich der allgemein bekannte Glücksfaktor mit der Kartenverteilung. Wenn zwei Aufstände kurz nacheinander eintreten, kann das die Spieler ordentlich zurück werfen und besonders zu Beginn der Partie diese auch komplett chancenlos erscheinen lassen.

Fazit:

Das Pandemie-Spielprinzip ist sehr wandelbar. Ich finde es immer wieder spannend, wie es Matt Leacock gelingt dieses Spielprinzip neu aufleben zu lassen und ihm frischen Wind zu verleihen. Dafür holt er sich schließlich immer einen Autor des Landes hinzu, der die neue Variante mit ihm gemeinsam entwickelt. Vieles fühlt sich bekannt an, man findet sehr schnell in diese Version hinein, wenn man das Original kennt. Aber zugleich wurden ausreichend Änderungen vorgenommen, damit das Spiel neben dem normalen Pandemie im Spieleregal bestehen kann.

Die angepassten Regeln sind über das Thema wunderbar zu erklären und damit auch intuitiv zu spielen. Nur die Barbareneinfälle anhand der Völkerwanderungsrouten erschienen uns anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, die Übersichtskarten sind dabei zumindest eine gute Hilfestellung. Anstrengender finde ich die alten Städtenamen, die mir absolut nicht geläufig waren, ihre Verwendung transportiert das Thema allerdings hervorragend. Immerhin spielt es zur Zeit des alten Roms. Den Glücksfaktor durch die Würfel muss man einfach akzeptieren, die Auswirkungen finde ich auch nicht gravierend, daher kann ich diese Anpassung gut heißen.

Für Spieler, die sehr häufig Pandemie spielen ist diese Version sicher eine willkommene Abwechslung. Es erscheint mir aufgrund der vielen, detailreichen Änderungen etwas komplexer, als das normale Pandemie. Dem entgegen sprechen unsere ersten sehr erfolgreichen Partien, in denen wir fast das Gefühl hatten, es könnte zu leicht sein. Doch in weiteren Partien zeigte sich das Spiel von einer etwas anderen Seite. Selbst Spielern, denen das Thema nicht unbedingt zusagt, kann ich nur raten es auszuprobieren. Bei mir hat das alle Bedenken im Nu aus dem Weg geräumt. Pandemic – Untergang Roms ist eine weitere gelungene Pandemie-Variante.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Z-Man Games / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Matt Leacock, Paolo Mori
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 45 – 60 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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