Spielwarenmesse 2020 – Rückblick Teil II

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Bevor die Erinnerungen verblassen, möchte ich noch weitere Eindrücke der Spielwarenmesse 2020 loswerden. Eines meiner persönlichen Highlights ist die Ankündigung einer deutschen Ausgabe von Munchkin Dungeon. Ich stehe zwar nicht sonderlich auf Spiele mit Miniaturen, dennoch bin ich an diesem neuen Spiel im Munchkin-Universum interessiert. Genauso lustig, wie ich manche Monster auf den Karten finde, sehen sie auch als Miniatur aus, oder habt ihr zuvor schon einmal eine laufende Nase als Brettspielminiatur gesehen? Es ist sicherlich der persönliche Bezug, den ich zu diesem Spiel habe, doch verglichen mit den Tainted Grail-Miniaturen, finde ich die Munchkin Dungeon-Figuren einfach ansprechender. (Auch wenn ich objektiv natürlich erkenne, dass bei Tainted Grail sehr viel detaillierter gearbeitet wurde.)

Anders als die bisherigen Munchkin-Spiele wird die deutsche Version nicht bei Pegasus Spiele erscheinen. An Munchkin Dungeon hat CMON Games mitgearbeitet und die sind nun mal im Vertrieb von Asmodee.

Munchkin Dungeon Überblick / Foto: Brettspielpoesie

Von denen war ich auf der Spielwarenmesse eher enttäuscht, da kaum echte Neuheiten zu entdecken waren. Sie scheinen momentan mehr Wert darauf zu legen, bekannte Klassiker stärker zu vermarkten, was sich ja auch daran erkennen lässt, dass sie Czech Games Edition haben ziehen lassen, jedoch weiterhin das ehemalige Spiel des Jahres Codenames vertreiben. Apropos Codenames, im Katalog konnte ich hinterher entdecken, dass eine deutsche Version von Codenames Disney nun doch angekündigt wurde. Die nächste Unlock!-Box mit dem Untertitel Epic Adventures wird auch auf deutsch erscheinen, genau wie die ersten Abenteuer der blauen T.I.M.E Stories Reihe Revolution. Es wird kein Spielbrett mehr geben und auch keine Würfel. Stattdessen erhält jeder Charakter ein eigenes Kartendeck welches einige zufällige Elemente bieten soll. Auch wenn ich noch Fälle der weißen Reihe ungespielt liegen habe, bin ich gespannt auf das aktualisierte Spielprinzip. Ebenfalls bei den Space Cowboys ist vor einiger Zeit die Neuauflage von Sherlock Holmes Criminal Cabinet als Sherlock Holmes Consulting Detective erschienen, welche bald auch in einer deutschen Version erhältlich sein soll. Leider gab es vor Ort nur die englische Ausgabe zu sehen, wie ich mittlerweile erfahren habe, sollen die Fälle ausschließlich denen des Originalspiels entsprechen, dafür aber optisch aufbereitet und hoffentlich auch um bekannte Fehler der Erstausgabe korrigiert.

Ebenfalls bei Asmodee im Vertrieb sind die Spiele vom Hans im Glück-Verlag. Für dieses Frühjahr wurde dort nur ein Spiel angekündigt, von dem auf der Messe leider keine Fotos gemacht werden durften, ohne Termin hatten wir auch keine Möglichkeit uns das Spiel erklären zu lassen, geschweige denn es anzuspielen. Paleo ist ein kooperatives Spiel in der Steinzeit, das wäre dann wohl das erste kooperative Spiel von Hans im Glück. Ich finde es jedenfalls gut und auch  mutig, dass hier keine Stone Age-Spin Off vermarktet wird, was bei den thematischen Grundlagen ja nahe liegen könnte, sondern der Verlag es auch ohne den Erfolg von Stone Age im Rücken auf dem Markt versuchen möchte.

Ich möchte noch ein mal zu Ravensburger zurück kommen. Für Villainous wird es dieses Jahr noch die ersten beiden Erweiterungen auf deutsch geben. Wir ihr sicherlich mittlerweile wisst, liebe ich dieses Spiel für die zauberhafte, materielle Umsetzung, doch leider weniger für die Spielmechanik, die das Spiel leider davon abhält, bei uns erneut auf dem Tisch zu landen. Es scheint aber seine Anhänger zu finden. Ich schaue mir hin und wieder bestimmte Hashtags bei Instagram an, um neue interessante Brettspiel-Accounts zu finden. Letztens habe ich es mit Villainous probiert und erstaunt festgestellt, dass der Großteil der Accounts, die ein Foto von einer Partie Villainous zeigten, keine anderen Brettspiele auf ihrem Instagram-Account hatten, also so gar keine. Das Disney-Thema scheint einfach zu ziehen.

Jubako Überblick / Foto: Brettspielpoesie

Habt ihr schon einmal von Jubako gehört? Ich zuvor jedenfalls nicht. So werden japanische Boxen bezeichnet, in denen Essen für unterwegs mitgenommen und auch hübsch präsentiert werden kann. Sie sind die thematische Grundlage für das gleichnamige Spiel vom Duo Kramer/Kiesling, bei dem es zur Aufgabe der Spieler wird, solche Boxen zu befüllen. Dabei geht es mit Plättchen hoch hinaus, wie Kiesling es ja bereits bei HABAs Miyabi vorgemacht hat. Es sind auch zwei neue alea-Spiele angekündigt: Eine Neuauflage von Puerto Rico und Castles of Tuscany, welches Ähnlichkeiten mit Castles of Burgundy haben soll, es stammt ebenfalls aus der Feder von Stefan Feld. Auf letzteres freue ich mich sehr, eine weitere Neuauflage von Puerto Rico brauche ich eigentlich nicht. Leider gab es außer den Schachteln nichts zu sehen und auch keine Informationen, was die Ausstattung der Neuauflage betrifft. Da werden wir uns wohl überraschen lassen müssen. Mit Krazy Wordz wird ein weiteres Spiel eine Neuauflage bekommen, welches mit neuem Schachteldesign ganz offiziell als Ravensburger-Produkt daher kommt. Die Erstauflage wurde ja bei unter dem Label Fishtank veröffentlicht, vermutlich war man sich bei der Erstveröffentlichung nicht sicher ob dieses Spiel ins Verlags-Portfolio passt. Besondere Bedenken gab es sicherlich bei der nicht jugendfreien Version. Doch dann landete das Spiel auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2016. Ein ähnlicher Titel wird Krazy Pix, an dem Sophia Wagner mitgewirkt hat. Dabei werden die Buchstaben durch Symbole ersetzt, aus denen die Spieler Sprichwörter und Redewendungen darstellen sollen. Klingt ebenfalls nach einer witzigen Herausforderung. Wir konnten mit Sophia selbst sprechen, die uns erzählte dass sie zunächst einen etwas anderen Wertungsmechanismus geplant hatte, die Idee es analog zu Krazy Words umzusetzen kam vom Verlag, gefällt ihr aber mittlerweile auch richtig gut.

Poo Poo Pets Überblick / Foto: Brettspielpoesie

Ein weiterer Titel von Sophia Wagner konnte bei Pegasus Spiele entdeckt werden: Poo Poo Pets. Bei dem Namen musste ich auch erst schlucken, mir wurde aber sofort versichert, dass dieses Spiel nicht nach seinem Titel beurteilt werden sollte. Es wäre ein super witziges Würfelspiel. Das mag ja sein, aber warum muss man dieses fragwürdige  Thema weiter ausschlachten? Das Material mit seinen Illustrationen gefiel mir auch gut, mit Ausnahme des Kackehaufens natürlich, der eine Art Buzzer darstellt. Das Spiel soll als Nachfolger von Krasse Kacke gesehen werden, auch wenn es nicht von den selben Autoren stammt. Krasse Kacke war erfolgreich, landete trotz des Titels immerhin auf der Spiel des Jahres-Empfehlungsliste. Doch es wurde aufgrund des Titels auch kritisiert, genau wie der Umstand, dass in den Kaufhäusern hauptsächlich Pups-, Pipi- und Kacka-Spiele zu finden sind, die unser geliebtes Hobby diffamieren. Ich weiß nicht, ob da ein anderer Titel und eine andere thematische Einbettung nicht die bessere Wahl gewesen wäre.

Eine ähnliche Konstellation der Fortführung eines Spiels durch einen anderen Autor lässt sich auch bei der Edition Spielwiese finden, deren Titel ebenfalls bei Pegasus erscheinen werden. Memorinth erinnert mit seinem Raster aus 5×5 Karten optisch sehr an Memoarrr!, es verbindet die Memory-Aufgabe jedoch mit einem Labyrinth, aus dem die Spieler vor den Anderen zu entkommen versuchen. Um die Auslage herum liegen Märchenfiguren aus, die auch auf den Wegekarten in der Mitte zu entdecken sind, so werden die Richtungen vorgegeben, in die sich die Spieler bewegen dürfen, nachdem sie eine Karte umgedreht haben. Wer sich merken kann, welche Figuren auf welchen Seiten der Kärtchen zu finden sind, kann sich einen Vorteil verschaffen.

Pegasus hat ein umfangreiches Programm, mit vielen interessanten Spielen, auf die ich nun nicht einzeln eingehen werde, da ich zu den meisten nicht viel sagen kann. Sie werden viele Titel lokalisieren, wie zum Beispiel City of Angels, The Magnificent, Trails of Tucana, Tainted Grail, Everdell, dazu viele Erweiterungen wie für Tiny Towns, Sagrada, Kitchen Rush und zahlreiche weitere Spiele. Auch die Frosted Games-Titel Aeon’s End und Pharaon werden bei Pegasus erscheinen. Zu Die Zwerge und Hansa Teutonica wird es Neuauflagen als Big Boxen mit allen bisher erschienenen Erweiterungen geben. Daneben lassen sich aber auch einige Eigenentwicklungen entdecken, eine davon ist Doodle Dungeon vom Autor Ulrich Blum. Es wird von John Kovalic illustriert, spielt aber trotz des ähnlichen Themas nicht im Munchkin-Universum. Die Spieler draften Karten um einen heldensicheren Dungeon zu errichten, verstecken dort Schätze, platzieren Monster und Fallen, um ihren Dungeon vor den plündernden Helden zu verteidigen. Im Anschluss wird der Zettel weiter gereicht und ein anderer Spieler muss einen Weg durch den Dungeon wählen. Klingt nach einer witzigen Angelegenheit.

Doodle Dungeon Prototyp / Foto: Brettspielpoesie

Ein weiterer Pegasus-Titel wird My Farm Shop vom Autor Rüdiger Dorn sein, ein zugängliches Würfelspiel bei dem die Spieler ihre eigenen Nahrungsmittel produzieren und gewinnbringend verkaufen wollen. Mit den Würfeln werden neue Hofausbauten gekauft, bevor alle Spieler mit den übrigen Würfeln ihre Hoffelder aktivieren können. Das klingt recht interaktiv, ist fabelhaft illustriert und Rüdiger Dorn hat ja schon oft ein Händchen dafür bewiesen, zugängliche Spieler zu erschaffen, die auch erfahrene Spieler begeistern können.

Die Rätsel-Comics scheinen gut am Markt anzukommen, die bekannten Serien (Sherlock Holmes, Ritter, Noir)  werden weiter geführt und ganz neue Serien beginnen (Hocus Pocus, Mystery). Außerdem wird nach Kuala das zweite Spiel für bis vier Spieler erscheinen, bei denen solche Rätselbücher zusammen mit einer Landkarte das gesamte Spielmaterial darstellen. Jeder Charakter bekommt sein eigenes Comic-Buch, sieht durch seine besonderen Eigenschaften an manchen Stellen andere Dinge oder kann auf andere Weise mit seiner Umgebung interagieren. Nur gemeinsam gelangen die Spieler dabei ans Ziel. Während bei Kuala viele Schätze einfach „nur“ auf den Bildern entdeckt werden mussten und nur wenige Rätsel zu lösen waren, soll dies nun umgekehrt sein. Bei Sherlock – Die Nachwuchs-Investigatoren muss mehr kombiniert werden, das sollte noch mehr meinem Geschmack entsprechen. Auch wenn der Untertitel und die Altersangabe ab 8 Jahren für ein erneut familienfreundliches Spiel sprechen, welches auch mit Kindern gut funktionieren sollte.

Und weil gerade so viel aus mir heraus purzelt und mir noch ganz viel im Kopf herum schwirrt, der Text nun aber schon wieder recht lang geworden ist, habe ich kurzerhand beschlossen noch eine weitere Brettgeschichte mit einem Rückblick für euch vorzubereiten, damit sollte dann aber für die diesjährige Spielwarenmesse wirklich alles von mir gesagt werden ;-)

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