Kurz & klein: Copenhagen Roll & Write / Qwixx on Board / Kingdomino Duel

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Ich hatte 2019 begonnen, kleine und schnell vorgestellte Spiele nicht mehr in die starre Rezensionsstruktur zu pressen. Stattdessen möchte ich ähnliche Spiele, die irgendeine Gemeinsamkeit haben nicht kurz und klein hacken, wie der Titel es vermuten lassen könnte, sondern einfach gesammelt vorstellen. So bekommt ihr einen Überblick über das Spielprinzip und meine Gedanken zu diesen Spielen zu lesen. Freut euch heute auf die Würfeladaptionen der Spiele Kingdomino und Copenhagen sowie der um ein Spielbrett erweiterten Qwixx-Variante.

Copenhagen Roll & Write

Cover / Foto: Queen

Bereits auf der BerlinCon 2019 konnte ich die erste Partie dieser Würfeladaption von Copenhagen spielen, die mir damals bereits als spannende Alternative zum Brettspiel auffiel. Dieser Eindruck konnte in weiteren Partien bestätigt werden, viel geändert wurde seitdem anscheinend nicht mehr. Es sind nun zwei separate Blöcke enthalten, einer mit den Hausfassaden für die Spieler und ein dünnerer mit den verfügbaren Fassadenteilen, beide doppelseitig bedruckt. Der aktive Spieler benutzt alle fünf Würfel, aus denen er sich alle Würfel einer Farbe aussuchen darf um eine entsprechend große Fassade einzuzeichnen. Jeder Würfel der gewählten Farbe steht dabei für ein Quadrat der Fassade. Egal wie groß die Fassade wird, muss ein Quadrat mit einem ‚X‘ markiert werden. Ein ‚X‘ steht für ein Mauerteil, ‚O‘ für Fenster. Wieder gibt es doppelt so viele Punkte, wenn eine Reihe oder Spalte nur aus Fenstern besteht. Falls nicht alle Würfel verwendet wurden, dürfen die anderen Spieler eine Farbe wählen und ein Kreuz in der entsprechenden Fähigkeitenleiste markieren. Darüber lassen sich besondere Fähigkeiten frei schalten, die im weiteren Spielverlauf verwendet werden können. Diese erlauben zum Beispiel Würfel erneut zu würfeln, nur Fenster einzutragen oder ein nicht mehr verfügbares Fassadenteil einzeichnen zu dürfen.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Oftmals werden Würfeladaptionen den vorher erschienenen Brettspielen nicht gerecht, sie kommen nicht an das Original heran. Hier empfinde ich es genau umgekehrt, ich greife sehr viel lieber zum Roll’n’Write. Einige der Kritikpunkte am Brettspiel wurden hier anders umgesetzt. Es ist immer noch ein Wettrennen, doch wer die 12 Punkte erreicht beendet nicht automatisch die Partie, die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt, sodass alle Spieler gleich häufig am Zug waren. Es kann dennoch passieren, dass ein Spieler sich einen großen Vorsprung heraus spielt, in der Regel verlaufen die Partien aber spannender. Durch geschicktes Platzieren mit Wappenaktion können in einem Zug mehr als die Hälfte der zum Sieg erforderlichen Siegpunkte eingefahren werden.

Durch die begrenzte Anzahl der Fassaden aus vier oder fünf Quadraten entsteht ein zusätzlicher Wettstreit, wer diese noch einzeichnen darf. Bei den Fassadenteilen sind die Spieler frei bei der Platzierung der einen Mauer, dafür hängt es vom Zufall ab, welche Farben die Würfel zeigen und somit verwendet werden dürfen. Und das kann wirklich nervig sein, wenn einem Spieler häufig einfarbige Würfe gelingen, da er dadurch nicht nur die begrenzten Fassadenteile weg nimmt, sondern auch dafür sorgt, dass die anderen Spieler weniger Kreuze bei den Fähigkeiten setzen dürfen. Das erschwert das Freischalten der Boni, wodurch diese Spieler ein wenig ausbremst werden. Besonders in Partien zu zweit kann dies nerven, wenn der passive Spieler eigentlich bis zu zwei Kreuze setzen dürfte. Die freizuschaltenden Fähigkeiten sorgen für zusätzlichen Spielreiz, es ist spannend mit den unterschiedlichen Fähigkeiten herumzuprobieren. Im Gegensatz zum Original stellt sich keine optimale Strategie ein, da diese immer ein wenig von den Würfeln abhängt.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Queen Games
Autor(en): Asger Harding Granerud, Daniel Skjold Petersen
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Queen Games für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Qwixx on Board

Cover / Foto: NSV

Über die Qwixx-Familie habe ich bereits einen eigenen Artikel begonnen, nun gibt es ein neues Mitglied: Qwixx on Board bringt, wie der Name bereits verrät, ein kleines Spielbrett mit sich. Die Frage ob es dafür Bedarf gibt, stellte sich auch mir direkt. Doch dieses kleine Brett fügt eine interessante, taktische Ebene hinzu. Es zeigt 40 Felder mit den Zahlen von 2 – 12 in den vier Farben, wobei in rot und gelb die Zahl 12 fehlt und in grün und blau die Zahl 2. Die Zahlen sind wild durcheinander angeordnet, auf Vorder- und Rückseite ebenfalls unterschiedlich. Das Brett ermöglicht dem aktiven Spieler nach den ersten beiden Aktionsmöglichkeiten eine dritte Option: Mit der eigenen Figur bis zu fünf Felder voranschreiten, besetzte Felder werden übersprungen und zählen dabei nicht mit. Das Feld, auf dem die Bewegung endet, muss entweder bereits gekreuzt sein oder wird nun gekreuzt. Wird dadurch ein neues Kreuz gesetzt, darf dies auch die einzige Aktion im Zug sein. Dadurch treten sehr viel seltener Fehlwürfe auf. Das Spiel kann auf die bekannte Weise enden, wenn zwei Reihen abgeschlossen wurden, aber nun auch wenn ein Spieler die letzten fünf Felder des Spielbretts erreicht hat. Dann darf jeder andere Spieler noch einen Zug ausführen, bevor es zu Abrechnung kommt. Bei dieser gibt es zusätzliche Punkte anhand der Positionen der Pöppel obendrauf, dafür ist jedem Feld auch eine Punktzahl zugeordnet, die zum Zielbereich hin immer größer wird.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Mit Qwixx on Board ist Steffen Benndorf eine interessante Weiterentwicklung zu Qwixx gelungen. Auf dem enthaltenen Block kann das Feld für die Punktzahl des Spielbretts einfach ignoriert werden, um mit dem Material auch das normale Qwixx spielen zu können. Wem der Klassiker durch häufiges Spielen zu eintönig wird, der kann dann das Brett hinzunehmen. Die Spielregeln werden dadurch nur minimal umfangreicher, das Spielgefühl ändert sich jedoch sehr. Durch geschicktes Ausnutzen des Bretts können mehr Kreuze gesetzt werden, es werden in der Regel weniger Fehlwürfe markiert und durch das Belegen von Feldern mit der Spielfigur entsteht weitere Interaktion. Lediglich die Farben der Pöppel finde ich wenig gelungen, bei schwarz, weiß, braun und beige passiert es schnell die gewählte Farbe zu vergessen, da sie nicht anders vermerkt wird. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau.

Qwixx on Board finde ich gelungen, es kann aber das klassische Qwixx-Spiel nicht von seinem Thron stoßen, welches durch seine einfachen und übersichtlichen Regeln sehr zugänglich ist und dennoch einen großen Wiederspielreiz erzeugt – auch ohne Spielbrett.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Nürnberger Spielkartenverlag
Autor(en): Steffen Benndorf
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an den NSV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Kingdomino Duel

Cover / Foto: Blue Orange

Als zu Kingdomino eine Würfelspiel für exakt zwei Spieler angekündigt wurde, war ich gleich Feuer und Flamme. Zudem sollte die kleine Schachtel der multilingualen Ausgabe von Blue Orange Games auch gar nicht viel kosten, für mich ganz klar ein „Instabuy“ auf der letzten SPIEL. Darin enthalten sind vier Würfel, zwei kleine Bleistifte und ein dicker Abreißblock, dessen Zettel auf einer Seite Landkarten zeigt, welche die Spieler mit ihren Dominos befüllen und auf der anderen Seite das sogenannte Zauberbuch mit Spezialfähigkeiten.

Das Spiel läuft so ab: Der aktive Spieler würfelt, wählt einen davon aus, bevor der Mitspieler zwei Würfel wählen darf und der letzte Würfel für den aktiven Spieler übrig bleibt. Dann tragen beide Spieler ihre Wappen als Domino, also orthogonal angrenzend zueinander, auf ihrer Landkarte ein. Dabei gelten die bekannten Regeln: Mindestens ein Wappen des Dominostein muss angrenzend an ein solches Wappen oder das Schloss gezeichnet werden. Es gibt sechs unterschiedliche Wappen, jeder Würfel zeigt ein ? als Joker, daher sind die Wappen nicht alle gleich häufig auf den Würfeln vertreten. Hier zeigt sich eine Ähnlichkeit zum Brettspiel, bei dem es von den verschiedenen Landschaftsarten auch unterschiedlich viele Dominofelder gibt. Zudem zeigen manche Wappen auf den Würfeln ein oder zwei Kreuze, diese entsprechen den Kronen des Originals und zählen als Multiplikator für die Anzahl angrenzender Felder dieser Wappen. Als Ausgleich dürfen Spieler mit Wappen ohne Kreuz ein solches im Zauberbuch auf ihrer Seite machen. Dort kann für jedes Wappen eine einmalige Sonderfähigkeit freigeschaltet werden, die nur der Spieler erhält, der als Erster eine vorgegebene Anzahl gekreuzt hat. Je nach Fähigkeit muss sie sofort oder kann jederzeit im weiteren Spielverlauf eingesetzt werden. Die Fähigkeiten erlauben es zum Beispiel ein zusätzliches Kreuz zu einem Wappen zu zeichnen, als aktiver Spieler gleich zwei Würfel zu wählen oder die beiden Wappen getrennt voneinander einzuzeichnen.

Spielsituation / FOto: Brettspielpoesie

Vieles ist ähnlich, dennoch fühlt es sich für mich persönlich völlig anders an. Zum einen ist die Landschaft nicht mehr quadratisch angelegt, wodurch es mir schwerer fällt die Übersicht zu behalten. Zudem fühlt es sich durch die unterschiedlichen Wappen anstelle der liebevoll illustrierten Landschaften einfach viel abstrakter an. Es ist auch einfach nicht so planbar wie Kingdomino, bei dem genau bekannt ist, welche Landschaft wie häufig vertreten ist. (Zumindest wenn zu zweit mit 7×7 großen Landschaften gespielt wird, was ich sowieso anders kaum noch spielen mag.) Die Würfel könnten immer auf die gleichen Seiten fallen, da helfen auch die unterschiedlichen Verteilungen der Würfelsymbole nur bedingt. Es ist eben nicht sicher, welche Wappen noch kommen können, wodurch der Glücksfaktor enorm erhöht wird. Das Zauberbuch bringt einen Ausgleich für Wappen ohne Punktemultilpikator mit sich, das erscheint sinnvoll, bringt aber auch einen etwas nervigen Verwaltungsaufwand mit sich, bei jedem Wappen ohne Kreuz daran zu denken. Ich wollte dieses Spiel so gerne mögen, doch es bietet für mich leider keinen Mehrwert gegenüber dem Original.

Wertungsnote 2/6

Verlag: Blue Orange Games
Autor(en): Bruno Cathala, Ludovic Maublanc
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 Spieler
Dauer: 20 Minuten

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