Schall und Rauch

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Wir haben Mitte Januar, es geht mit großen Schritten auf die Spielwarenmesse 2020 zu. Dort stellen viele Verlage ihr Programm für mindestens das erste Halbjahr vor, daher trudelt nun nach und nach so manche Ankündigung ein. Zum Beispiel von Feuerland Spiele. Der Verlag hat vorausschauend bereits im vergangenen Jahr bekannt gegeben, dass sie an einer deutschen Version von Barrage arbeiten. Dieser Titel wurde im Original von Cranio Creations über Kickstarter finanziert, doch die Auslieferung verlief nicht optimal. Es gab diverse Mängel bei der Materialqualität, viele Unterstützer waren unzufrieden. Umso größer war die Vorfreude, eine deutsche Version zu bekommen, deren Spiele bisher immer hervorragend ausgestattet waren.

Doch jetzt hat der Verlag hat vor einigen Tagen verlauten lassen, das Spiel Wasserkraft zu nennen, in den sozialen Medien wurde bereits fleißig darüber diskutiert. Auch ich war im ersten Moment wenig angetan von dem Titel Wasserkraft im Gegensatz zu Barrage, ein Wort, welches doch sehr viel schöner, vielleicht sogar etwas edler, klingt. Zumindest, wenn es korrekt ausgesprochen wird. Sicherlich kann oder möchte das nicht jeder Spieler und dann kommen vermutlich ganz merkwürdige Namen dabei heraus. Aus diesem Grund, kann ich es nachvollziehen einen deutschen Titel zu vergeben. Nun ist Wasserkraft keine exakte Übersetzung von Barrage, doch gehört es zu einer Lokalisierung nicht auch dazu, solche Anpassungen vorzunehmen, wenn sie sinnvoll erscheinen!?

Beim gleichen Verlag wurde das aktuelle Kennerspiel des Jahres Flügelschlag auch nicht eins zu eins übersetzt. Denn dann müsste es Spannweite oder sogar Flügelspannweite heißen, ein ziemlich sperriger Titel für ein Brettspiel. Die Flügelspannweite ist ein interessanter Aspekt des Spiels, dennoch finde ich die freie Übersetzung des Titels besser. Denn Flügelschlag hat einfach einen sehr angenehmen Klang, es weckt bei mir mehr Interesse als (Flügel-)Spannweite. Der Begriff Wingspan war mir vor Veröffentlichung des Spiels nicht geläufig, gleiches gilt für Barrage. Ich habe mich mit dem Spiel beschäftigt, weiß also um was es in dem Spiel geht und kann daher den Titel auch einordnen. Doch würde ich mich nicht informieren und im Kaufhausregal den Titel Barrage lesen, bin ich mir nicht sicher, ob das Spiel mein Interesse erwecken würde. Beim Titel Wasserkraft habe ich zumindest direkt eine gewisse Vorstellung, wovon das Spiel handelt. Genau darum geht es, in einer alternativen Vergangenheit Strom durch Wasserkraft zu erzeugen. Zudem hat der deutsche Titel den Vorteil, beim ersten Blick auf die Schachtel zu erkennen, dass es sich um die deutsche Version von Feuerland Spiele handelt. Damit wird dann auch eine bestimmte Materialqualität verbunden, darauf kann der Verlag stolz sein und es ist doch sein gutes Recht, für schnelle Erkennung zu sorgen.

Doch nicht nur Feuerlandspiele eckt derzeit mit der Benennung seiner Titel an. Auch Schmidt Spiele wird ein ehemaliges Kickstarter-Projekt in einer deutschen Version veröffentlichen: Perfect Match. Doch hieß das Spiel beim Kickstarter noch Wavelength. Hier kann ich nachvollziehen, warum Wavelength ersetzt wurde, besonders mit dem englischen „th“ sind Fehler bei der Aussprache ja förmlich provoziert. Doch warum heißt das Spiel nicht schlicht Wellenlänge, „auf einer Wellenlänge zu sein“ ist doch auch im Deutschen eine gängige Redewendung und beschreibt eine perfekte Ergänzung, einen „Perfect Match“ eben. Hier kann ich die Entscheidung für einen anderen, aber ebenfalls englischen, Titel keineswegs nachvollziehen.

Die Problematik ist natürlich gar nicht neu, immer wieder veröffentlichen Verlage Spiele auf deutsch, deren Namen sich teilweise sehr weit von den englischen Titeln entfernen. Ein Beispiel, welches mir da sofort in den Sinn kommt ist Die holde Isolde, denn das Spiel hieß zuvor Medieval Academy. In diesem Fall war es aus meiner persönlichen Sicht eine gute Entscheidung, doch gibt es da sicher auch viele gegenteilige Meinungen. Ein Medieval Academy wäre bei mir sicher aus dem Radar gefallen, eine mittelalterliche Akademie hätte bei mir kein Interesse geweckt. Außerdem mag ich Reime, Die holde Isolde klingt doch viel harmonischer und die gute Dame ist ja auch auf dem Coverbild zu entdecken, wenn auch nicht ganz so präsent wie der Ritter von der Akademie im Vordergurnd.

Wenn ich weiter darüber nachdenke, scheint dieses Phänomen besonders bei Schaf-Spielen häufig vorzukommen. Während die englischen und französischen Titel häufig Krieg oder Kampf enthalten, ist davon in den deutschen Titeln nichts mehr zu entdecken. Als wären Spiele mit solchen Wörtern im Titel hier nicht an die Spieler zu bringen. 2002 wurde aus La Guerre des Moutons, zu deutsch dem Krieg der Schafe, mit dem englischen Titel Wooly Wars, was in etwa wollige Kriege bedeutet, für die deutsche Version 2002 ein harmloses Meine Schafe Deine Schafe gewählt. Im gleichen Jahr kam War & Sheep auf den Markt, die französische Version hieß Guerre & Beeeh!, also beinhalteten beide Titel das Wort Krieg in ihrer jeweiligen Sprache. Die deutsche Version, die interessanterweise beim selben Verlag erschienen ist, kann anhand des Titels Molly & Lore kaum wiedererkannt werden: Scheinbar haben die beiden im Krieg befindlichen Schafe diese Namen erhalten und das Spiel wurde nach ihnen zu benannt.

Ein aktuelleres Beispiel ist das 2013 bei Blue Orange erschienene Battle Sheep, also Kampfschaf. Ein eigener französischer Titel existiert nicht, dafür eine spanische: Batalla de Ovejas, was mit „Schlacht bei den Schafen“ übersetzt werden kann. Mit Schlacht wieder ein sehr martialisches Wort. Ein Jahr später veröffentlichte Huch! den Titel als Voll Schaf. Doch auch die Japaner und Thailänder verharmlosen wohl gerne, denn ihre Titel dieses Spiels lassen sich mit „Es ist meine Ranch!“ und „Pelziges Schlachtfeld“ übersetzen. Wobei der letztgenannte Titel auch wieder das Wort Schlacht enthält, was durch das Adjektiv pelzig irgendwie verniedlicht wird. Tatsächlich spannend dies mal zu untersuchen. Mir gefallen bei den Schafspielen meist die deutschen Titel besser. Außer bei Molly & Lore, da dieser Titel komplett austauschbar ist und so gar keinen Bezug zu dem Spiel mehr besitzt.

Wie ist eure Meinung zu solchen Entscheidungen der Verlage? Wollt ihr zur besseren Wiedererkennung lieber gleiche Titel in allen Sprachversionen oder lässt euch das vielleicht auch völlig kalt und ihr verschwendet gar keinen Gedanken daran? Lasst es mich wissen und schreibt euren Standpunkt in die Kommentare. Vielleicht habt ihr ja auch direkt weitere Beispiele für passende oder auch eurer Meinung völlig unpassende Titel im Kopf.

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3 Antworten auf „Schall und Rauch“

Ravensburger gibt gewisse deutsche Kinderspiele sowohl mit englischem/fremdsprachigem als auch mit deutschem Titel heraus. Kakerlacula resp Cucaracula, Flippi Flatter reso Flappy Batty oder Glibberklatsch resp Monsterslaps sind frei Beispiele. Mich verwirrt das und ergibt für deutsche Familienspiele m.E. keinen Sinn…

Hallo Matthias, vielen Dank für deinen Kommentar. Wenn sie es wie bei Wettlauf nach El Dorado komplett zweisprachig anbieten, finde ich es in Ordnung. Aber die deutschen Versionen in zwei Versionen mit unterschiedlichen Titel anzubieten, ergibt natürlich wenig Sinn. Da kann ich nachvollziehen, dass dies verwirrt.

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