Züge in Corona-Zeiten – Traintopia

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Aktuell ist alles etwas anders. Es gelten Kontaktbeschränkungen, Großveranstaltungen werden abgesagt, das private Leben ist stark eingeschränkt. Darüber möchte ich mich gar nicht beschweren, es ist nun einmal wie es ist, die Pandemie hat sich ja keiner ausgesucht. Am meisten vermisse ich natürlich die Spieleabende mit vielen unterschiedlichen Spielern, doch sind diese zur Zeit eben nicht möglich. Das erschwert meine Arbeit als Rezensent, denn ohne Gruppenvielfalt kann ich eben nur mein eigenes Spielgefühl wiedergeben, aus Partien zu zweit mit meinem Partner als einzigem Mitspieler. Daher wertet diesen Beitrag bitte nicht als vollständige Rezension, wie ihr sie sonst von mir erwarten könnt, ich möchte euch einfach meine Ersteindrücke zu Traintopia, dem neuen Spiel von Board & Dice, näher bringen. Ursprünglich sollte der Titel zur UK Games Expo erscheinen, die wegen Corona jedoch nicht stattfinden konnte. Also hat der Verlag kurzerhand entschieden dieses Spiel sogar noch einen Monat früher herauszubringen, doch fiel es damit eben genau in diese Zeit der Kontaktbeschränkungen.

Hört man den Titel Traintopia haben sicherlich viele direkt Züge vor Augen, doch gibt es davon nur wenige in diesem Spiel, sie sind für mich auch das schwächste Element im ganzen Spiel. Dafür bauen die Spieler mit ihren Plättchen im Laufe einer Partie ihr eigenes Eisenbahnnetz aus. Auf dem theoretisch Züge fahren könnten. Sie platzieren auch Touristen darauf, die sich auf ihrer Fahrt an Sehenswürdigkeiten neben der Strecke erfreuen und Pendler, welche die Strecken gerne nutzen möchten, um von A nach B zu kommen, sie punkten für die gleichfarbige Geländeart an der Strecke.

Traintopia Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

Um die Plättchen, aber auch die Holzelemente, wie Touristen, Pendler, Züge und Postsäcke zu platzieren, wird offen gedraftet. Zu Beginn einer Runde liegt das gesamte Angebot offen aus, die Spieler nehmen jeweils ein Objekt, egal welcher Art, verbauen es sofort in ihrer eigenen Auslage. Ein Teil bleibt jede Runde über und kommt aus dem Spiel. An manchen Strecken liegt Geld, welches auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden kann. Beispielsweise um zusätzliche Sonderplättchen zu erhalten oder einen Pendler beim Platzieren umzufärben. Denn auf jeder Strecke darf nur ein Holzelement jeder Sorte, also auch nur ein Pendler jeder Farbe, stehen.

Traintopia Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Strecken selbst werden erst bei Spielende angeschaut, um zu punkten müssen sie mit einem Start- und Zielbahnhof abgeschlossen sein. Wie passend, dass die Spieler in Reihenfolge der niedrigsten Punktzahl vor der Abschlusswertung, eines von vier Elementen für ihre Strecke wählen dürfen, darunter auch ein spezielles Bahnhofsplättchen. Die Punktzahl wird nach der Anzahl Plättchen bestimmt, aus denen die Strecke besteht, mehr als acht Plättchen erhöhen diesen Wert jedoch nicht weiter. Züge bringen nur etwas, wenn angrenzend zu der Strecke noch Geldplättchen liegen, während die Postsäcke den Wert einer Strecke verdoppeln. Das ist eigentlich schon alles, je nach Spielerzahl endet die Partie nach acht oder neun Runden, sodass jeder gleich häufig Startspieler sein konnte.

Traintopia Spielendekarte / Foto: Brettspielpoesie

Meinung:

Mir macht Traintopia Spaß, ich mag Plättchenlegespiele, auch das Drafting funktioniert hier richtig gut, sodass sogar die Partien zu zweit gefallen und sich nicht wie eine Notlösung anfühlen. Je nach Spielerzahl variiert das Spielgefühl ein wenig, denn der einzelne Spieler erhält weniger Spielmaterial für seine Auslage, umso mehr Spieler dabei sind. Das ist an sich nicht schlimm, man muss sich nur darauf einstellen. Speziell in Partien zu dritt kommen in manchen Runden nur drei Plättchen zum Einsatz.

Traintopia Spielauslage / Foto: Brettspielpoesie

Leider hätte dem Spiel ein wenig mehr redaktionelle Arbeit gut getan. So ist ein Holzzug weniger enthalten, als durch die Rundenkarten ins Spiel gelangen können. Das ist insofern zu verschmerzen, als dass die Züge häufig übrig bleiben, da ihr Nutzen im Gegensatz zu allem anderen zu gering erscheint. Dennoch ärgerlich. Die Wertung macht die Züge unattraktiv, schade für das namensgebende Element. Meist ist auch für den letzten Spieler die Entscheidung nicht schwer, der Zug bleibt in der Regel immer über. Zudem werden die Bonuskarten leider weder in der Anleitung bei der Wertung erwähnt, noch auf den Spielübersichtskarten. So kann schnell in Vergessenheit geraten, sie zu werten. Sie bringen [UPDATE 28.05.2020] 5-8 5, 8 oder 10 [UPDATE ENDE] Punkte ein, was fast schon zu vernachlässigen ist. Ich weiß nicht, ob das Spiel ohne sie nicht ausgereicht hätte. Es ist schon kniffelig genug, Strecken über idealerweise acht Felder zu errichten, mit einem Bahnhof an beiden Enden. Wer Lücken lässt, muss darauf hoffen, ein passendes Teil noch in die Hände zu bekommen. Passen die Mitspieler auf und sind zuvor an der Reihe, nehmen sie es vermutlich weg. Die Bonuselemente bei Spielende sind nicht zu unterschätzen, da kann es sich lohnen die Punktzahl zunächst unter denen der Mitspieler zu halten. Besonders das Bahnhofsplättchen ist lukrativ, da es zu 20 anstelle von 0 Punkten führen kann.

Insgesamt entsteht daraus für mich ein vollkommenes Wohlfühlspiel. Es ist schnell erklärt und schnell gespielt. Es ist einfach, fühlt sich aber nicht banal an. Es sticht allerdings auch nicht besonders heraus, innovative Elemente sucht man vergeblich, stattdessen verknüpft Traintopia zwei Spielmechaniken gekonnt. Die Illustrationen unterstützen den Spielablauf, sind dabei auch hübsch anzusehen. Eine deutsche Ausgabe gibt es leider noch nicht, doch das kann sich noch ändern. Vielleicht bekommt es dann auch noch den erforderlichen redaktionellen Feinschliff.

Verlag: Board & Dice
Autor(en): Przemek Wojtkowiak
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Board & Dice für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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2 Antworten auf „Züge in Corona-Zeiten – Traintopia“

Eine Anmerkung zu den Bonuskarten: ich glaube meine hätte 10 Punkte gebracht (3 Tracks only). Ansonsten guter erster Eindruck, kann ich so unterschreiben. Mir hat es Spaß gemacht und wenn jetzt noch eine bessere Verwendung für die Züge gefunden wird landet es vielleicht auch bei uns im Regal.

Hallo Torsten, danke für den Hinweis. Da diese Karten eben nicht in der Anleitung aufgeführt werden, war die Angabe aus dem Kopf, habe leider vergessen die Werte vor der Veröffentlichung noch zu überprüfen :(

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