Agent Undercover

Agent Undercover Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Ein sehr kommunikatives Kartenspiel aus dem Jahrgang 2015/2016 über Geheimagenten für bis zu acht Spieler? Damit muss nicht zwingend das Spiel des Jahres 2016 Codenames gemeint sein. Von der Jury ebenfalls empfohlen wurde Agent Undercover aus dem Hause der Schweizer Firma Piatnik. Doch trotz der offensichtlichen Gemeinsamkeiten der beiden, spielt es sich komplett anders. Bei Agent Undercover ist nur ein Spieler ein Geheimagent, der seine eigene Identität natürlich verschleiern möchte während alle anderen versuchen ihn zu entlarven. Und das alles nur mittels Fragen, welche sich die Spieler eigenständig ausdenken müssen.

Spielmaterial:

Für dieses Spielerlebnis bekommt man 25 Sets mit jeweils 8 Karten. Diese zeigen jeweils 7 verschiedene Personen an 25 unterschiedlichen Orten sowie 25 Undercover-Agenten. Für jedes Set wird eine eigener ZIP-Beutel mitgeliefert. Sie sollten so eingetütet werden, dass man nur den Undercover-Agenten sieht, um zu verhindern dass man beim Spielaufbau bereits den Ort preisgibt. Die mitgelieferten ZIP-Beutel sind aber eher von minderwertiger Qualität. Zusätzlich gibt es acht Übersichtskarten, auf denen alle möglichen Orte aufgelistet sind. Erwähnenswert und ungewöhnlich ist bei allen Karten, dass die Texte bei dieser zwei-sprachigen Ausgabe in deutsch und ungarisch vorhanden sind.

Agent Undercover Päckchen

Päckchen / Foto Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Für jede Runde wählt man ein Set, also einen Ort, aus. Man nimmt sich davon so viele Karten, wie Mitspieler dabei sind, wobei immer ein Undercover-Agent dabei sein muss. Bestenfalls noch mit einer Stoppuhr ausgerüstet kann das Raten losgehen. Die Spieler stellen sich nacheinander Fragen, die sich auf den Ort des Geschehens beziehen. Ziel dabei ist es, den Undercover-Agenten ausfindig zu machen, indem er sich durch seine unwissenden Fragen und Antworten verrät. Dafür sollten Fragen gestellt werden, die man nur wissen kann, wenn man den Ort kennt, dabei aber so offen sind, dass man damit den Ort des Geschehens nicht verrät. Damit nicht unendlich lange gerätselt wird, gibt es eine Zeitvorgabe von acht Minuten, die man aber auch individuell festlegen kann und in den ersten Partien sogar verlängern sollte. Der Spieler, der eine Frage beantwortet hat, sucht sich einen weiteren Spieler (nicht den zuvor Fragenden), dem er eine Frage stellt usw.

Mehrere Ereignisse können eine Runde beenden:

  • Der Geheimagent gibt seine Identität bekannt und rät an welchem Ort sich alle Spieler befinden. Ist seine Vermutung korrekt, gewinnt er, sonst alle anderen.
  • Ein Spieler äußert einen Tipp, wer der Geheimagent sein könnte und begründet diesen bestenfalls. Dann diskutieren die anderen Spieler, denn nur wenn sich alle einig sind, muss der Beschuldigte seine Karte offenbaren. Sonst wird weiter gespielt und derjenige, der den Verdacht geäußert hat, darf dieses in der aktuellen Runde nicht erneut tun.
  • Die Zeit ist abgelaufen. Nun muss jeder einen Tipp abgeben und anschließend gibt der Geheim-Agent seine Identität bekannt.

Man kann zum Ende einer Runde Punkte vergeben, doch das hat sich in unseren Partien als überflüssig heraus gestellt. Es macht auch ohne Punktevergabe und einen Sieger Spaß! Es folgt die nächste Runde bis die zuvor festgelegte Anzahl erreicht ist oder man keine Lust mehr hat.

Agent Undercover Orte

Orte / Foto: Brettspielpoesie

Um den Schwierigkeitsgrad etwas zu erhöhen, ist jeder Karte eine Person zugeordnet in dessen Rolle der Spieler schlüpfen kann. Dann werden die Antworten aber schwieriger einzuordnen. So würden zum Beispiel auf die Frage ob man sich gerne an dem Ort befindet unterschiedliche Antworten von einem Verbrecher und einem Beamten auf der Polizeistation kommen.

Spielende:

Das Spiel endet nach beliebig vielen Runden. Die Runden-Anzahl sollte im Vorfeld festgelegt werden. Ggf. werden nun die erspielten Punkte der Mitspieler verglichen und wer die meisten Punkte vorweisen kann, gewinnt die Partie. Oder man hatte einfach jede Menge Spaß ohne einen Sieger zu küren.

Spieleranzahl:

Wie man sich denken kann, funktioniert das Spiel erst ab drei Personen, denn bei zwei Personen würde man ja sofort wissen, wer der Undercover-Agent ist. Wenn weniger Spieler dabei sind, bekommt jeder einzelne mehr Fragen ab und muss entsprechend auch mehr Fragen stellen. Dafür kann man sich die Antworten der Mitspieler besser merken, um den Undercover-Agenten zu enttarnen, als wenn viele Spieler dabei sind, die weniger Fragen beantworten. Ich finde es als Geheimagent einfacher in größeren Runden, da in der Regel mehr Antworten anderer Spieler auf die eigenen Antworten kommen, anhand derer man möglicherweise den Ort erkennen kann.

Glücksfaktor?

Agent Undercover ist kein anspruchsvolles strategisches Spiel. Es geht darum zu bluffen und die richtigen Fragen zu stellen. Diese Fähigkeiten fallen nicht allen Spielern gleich leicht. Dabei sollte man nicht zu nervös erscheinen, wenn man mal der Undercover-Agent ist, um sich nicht dadurch zu verraten und auch nicht unentwegt auf die Übersichtskarte starren.

Fazit:

Agent Undercover kann richtig viel Spaß machen. Der Einstieg fällt vielen zunächst schwer, weil man keinen blassen Schimmer hat, welche Fragen man stellen soll oder wie man seine Antworten am besten verpackt. Einige Fragen stellen sich dabei schnell als üblich Einstiegsfragen heraus: „Was gab es heute zu essen?“ oder „Wie war das Wetter heute so?“ gehören zu solchen Standard-Fragen. Es gibt auch sehr unterschiedliche Herangehensweisen. In einer Gruppe hat man sich eher oberflächlich mit den Abbildungen beschäftigt und eher auf der Erfahrung mit den Orten basierende Fragen gestellt. Dabei haben Bekannte einen gewissen Vorteil. Beim der nächsten Partie mit anderen Leuten wurde ich fälschlicherweise als Geheimagent angeklagt, weil ich eine zur Abbildung passende Frage nicht korrekt beantwortet habe. Doch auch mit Mitspielern, die sich nicht sonderlich lange oder gut kennen, kann eine Partie funktionieren. Am besten einigt man sich in den ersten Partien darauf, dass alle Spieler regelmäßig auf die Übersichtskarten schauen, damit der Geheimagent sich nicht darüber verrät.

Wir vergeben bei unseren Partien gar keine Punkte mehr, sondern spielen einfach nur zum Spaß. Dafür bedarf es allerdings die richtige Gruppe. Sowohl das bluffen als auch das Fragen stellen kann für Spieler eine große Herausforderung werden. Manche werden damit einfach nicht warm, dann sollte man es in der Konstellation auch gut sein lassen. Wenn sich alle Spieler jedoch darauf einlassen, können es sehr witzige Partien werden, denn mit Übung und Kenntnis aller Orte spielt es sich noch besser.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Piatnik
Autor(en): Alexandr Ushan
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 3 – 8 Spieler
Dauer: 15 Minuten +

Vielen Dank an den Piatnik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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