Kurz & Klein – Absacker

Ich möchte ähnliche Spiele, die irgendeine Gemeinsamkeit haben keineswegs kurz und klein hacken, wie der Titel es vermuten lassen könnte, sondern einfach gesammelt vorstellen. Die heutigen drei Spiele sind im wahrsten Sinne des Wortes kurz, denn sie sind alle schnell gespielt. Sie nehmen allerdings unterschiedlich viel Platz im Spieleregal ein. Die größte Schachtel ist die von Imagenius, ein Spiel welches seine Schnelligkeit daraus zieht, dass alle gleichzeitig aktiv sind und Schnelligkeit belohnt wird. Die nächst kleinere Schachtel ist die von Naschfabrik, bei dem die Spieler bunte Bonbons von einem Fließband einer Naschfabrik unter sich aufteilen. Und in wirklich kleiner Schachtel kommt Art Robbery daher, wobei die vier verschieden sprachigen Anleitungen schon einiges an Platz darin einnehmen.

Art Robbery

Art Robbery Cover
Art Robbery – Cover / Foto: Hevetiq

In eine Galerie einzubrechen und wertvolle Gemälde zu stehlen, braucht nur gute Vorbereitung, dies haben uns diverse Blockbuster bereits gelehrt. Der knifflige Teil schließt an den Raub an, wenn es darum geht die Beute unter den Dieben zu verteilen. Und genau vor dieser Aufgabe stehen die Spieler bei Art Robbery.

Spielablauf

In vier Durchgängen teilen die Spieler Beutetokens aus vier Überfällen unter sich auf, indem sie Karten von ihrer Hand spielen, deren Werte zu den verfügbaren Tokens passen. Die Zahlenwerte der Karten gehen von null bis fünf, diese Werte finden sich auch in unterschiedlicher Anzahl auf den jeweils neun Tokens. Zudem zeigen manche der Tokens weiße Punkte, sogenannte Alibis.

Art Robbery Spielsituation
Art Robbery Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Der Ablauf ist ganz fix: Karte ausspielen, Token nehmen, neue Karte ziehen. Ist kein entsprechender Token mehr frei zugänglich, schnappt man sich einen solchen von einem Mitspieler. Dies lässt sich nur mit einem Wachhund verhindern, der dadurch jedoch den Besitzer wechselt. Alternativ kann man den Hund auch behalten und sich von der Beute trennen. Wird der letzte Token aus der Mitte entfernt, beendet dies den aktuellen Durchgang. Nun werden die speziellen Boss-Tokens interessant, denn diesen darf man nur behalten, wenn ebenfalls in diesem Durchgang ein Token mit Wert 4 oder 5 ergattert wurde.

Art Robbery Spielkarten
Art Robbery Spielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Nach vier Überfällen endet die Partie und alle zählen die Werte ihrer Tokens zusammen. Zuvor wird jedoch der oder die Spieler mit den wenigsten Alibis auf den eigenen Tokens ans FBI verraten und eliminiert.

Meinung

Art Robbery hatte ich zur SPIEL’21 überhaupt nicht auf dem Schirm. Die Schachtel, in zwei Rot-Tönen gehalten, zeigt eine schwarz gekleidete Person mit abstraktem Gemälde unterm Arm. Das sprach mich überhaupt nicht an. Doch bin ich nun ganz glücklich damit, dass es das Spiel in unseren Fokus schaffte, denn es hat sich als spaßiger Absacker etabliert. Es ist ebenso schnell verstanden, wie gespielt. Manche Runden sind im Nu vorüber, in anderen möchte sich niemand mit minderwertiger Beute zufrieden geben und es wird unerbittlich gezankt. Also mit den Karten um die Beutestücke, nicht am Spieltisch.

Natürlich ist es eine glückslastige Angelegenheit, welche Karten man auf die Hand bekommt und hin und wieder fühlt man sich aufgrund der eigenen Handkarten auch einfach gespielt. Doch es entstehen auch ganz kuriose Situationen. Es gewinnt eben nicht, wer die wertvollsten Beutestücke einheimst, wenn nicht auch genug Alibis vorliegen. Fehlende Alibis können nicht nur einen Spieler eliminieren, sondern auch mehrere, wenn alle gleichsam gierig waren. Diese Situationen machen das Spiel erlebenswert.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Helvetiq / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Reiner Knizia
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an Helvetiq für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Naschfabrik

Naschfabrik - Cover
Naschfabrik – Cover / Foto: Asmodee

Wer sich für wertvolle Gemälde nicht begeistern kann, dem fällt es vielleicht einfacher sich um die Verteilung von Bonbons aus der Naschfabrik zu kümmern. Auch dabei sind Karten der treibende Faktor, um seinen Besitz zu vermehren.

Spielablauf

Schön aufgereiht ergeben die Acryl-Bonbons in drei Farben das Fließband einer Naschfabrik. Von diesem Fließband können sich die Spieler bedienen, wenn sie eine Karte mit farblich passenden Bonbons ablegen und entsprechend viele Bonbons der abgebildeten Farben nebeneinander ausliegen.

Naschfabrik Bonbons
Naschfabrik Bonbons / Foto: Brettspielpoesie

Die Kartenwerte hängen von der Anzahl einzusammelnder Bonbons ab. Eine Karte, mit der sich ein Bonbon einsammeln lässt, zählt drei Punkte und umgekehrt. Abgesehen von den wertvollen Bonbons, die einfach nur drei Punkte einbringen, lösen alle anderen einen Effekt aus. Einer erlaubt es ein Bonbon gleicher Farbe eines Mitspielers zurück auf das Fließband zu legen. Die anderen beziehen sich auf Karten. Auf die zuletzt ausgespielte oder die auf der Hand, auf die eigenen oder die der Mitspieler. Es kann auch zu einem Austausch der Handkarten zweier Spieler kommen.

Naschfabrik Spielsituation
Naschfabrik Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Wenn sich keine Handkarte spielen lässt oder die Hand leer ist, lassen sich bis zu drei Bonbons zurück auf das Fließband legen, um entsprechend bis zu drei Karten aufzunehmen. Die aus der offenen Auslage sind bekannt, einem selbst aber auch den Mitspielern. Nur wenn einem Spieler sowohl sämtliche Handkarten als auch alle Bonbons ausgegangen sind, darf als einzige Aktion im Zug eine Handkarte aufgenommen werden. Die Partie endet sobald alle Bonbons vergeben sind oder wenn der Nachziehstapel sich vollständig leert. Die Bonbons und auch die ausgespielten Karten zählen ihre Werte als Punkte. Der höchste Wert bestimmt den Sieger.

Meinung

Naschfarbik ist optisch ein wahrer Hingucker und das Spielprinzip braucht sich dahinter nicht verstecken. Die Regeln sind im Nu erklärt und eine Partie kann schnell beginnen. Es ist sehr chaotisch, man kann nur wenig beeinflussen und dennoch macht es einfach Spaß.

Ein wenig Spielraum zum taktieren, gibt es dann doch. Beispielsweise welche Effekte man wählt, wenn die gesuchte Kombination mehrfach verfügbar ist. Oder welche Bonbons man zurücklegt, da man mit diesen den Mitspielern auch wieder Effekte ermöglicht. Wenn es mal nicht so richtig läuft, sollte man auch nicht zu sehr davor zurückscheuen, sich von einigen Bonbons zu trennen. Wer immer nur eines hergibt, um einzelne Karte nachzuziehen, kann sich damit in eine Negativspirale begeben, aus der man schwer wieder heraus kommt. Das lässt sich vermeiden, wenn man mehrere Bonbons in Karten tauscht, um die eigenen Optionen zu vergrößern. Wählt man offen ausliegende Karten, kennen auch die Mitspieler die Möglichkeiten und können ihre Aktionen davon beeinflussen.

Nur zu zweit kann ich Naschfabrik nicht empfehlen. Dann liegt ein zusätzlicher Kartenstapel bereit, auf den sich Aktionen beziehen können. Aber es fehlt dann doch die wahre Konkurrenz am Spieltisch. Das gefällt mir nicht, ich hole dieses Spiel lieber erst ab drei Spielern hervor. Mit seiner tollen Haptik und Optik ist es ein gern gesehener Absacker, wenn es lieber chaotisch als grüblerisch zugehen soll.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Funnyfox / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Thomas Danede
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 15 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Imagenius

Ist es noch ein Kinderspiel oder schon ein Familienspiel? Bei Imagenius scheiden sich die Geister. Ich habe es nur mit Erwachsenen gespielt und kann es daher auch nur aus dieser Perspektive beurteilen.

Ablauf

Alle Spieler erhalten ein Tableau mit vielen kleinen, bunten Symbolen darauf. Diese sind bei allen Spielern identisch angeordnet. In acht Runden gibt eine Karte vor, welche Elemente verbunden werden sollen oder einzukreisen sind. Wer das daraus entstehende Gebilde erkennt, schreibt dies auf, legt seinen Stift nieder und dreht die Sanduhr um, falls noch nicht geschehen.

Imagenius Spielsituation
Imagenius Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die Anleitung nennt zu jeder Karte den gesuchten Begriff. Wenn dieser Begriff mit dem notierten (oder einem Synonym) übereinstimmt, gibt es einen Punkt als Belohnung. Der schnellste Spieler erhält sogar zwei. Es sei denn, der Begriff stimmt nicht überein, dann kostet dies einen Punkt. Aber nur für den schnellsten Spieler, alle anderen verlieren im Fehlerfall nichts. Die Punkte lassen sich als Sterne auf den Tableaus markieren. Wer die Sanduhr umdrehte, muss in der folgenden Runde die schwarz-weiße Rückseite verwenden. Nach vier gespielten Karten von beiden Seiten, also acht Runden, ist eine Partie vorüber.

Meinung

Die drei Tutorial-Stapel eignen sich gut, um das Spielprinzip zu verinnerlichen. Sie sind aber auch erforderlich, um schnell zu begreifen, was in einer Partie Imagenius alles passieren kann. Also sollte man jede Gruppe damit starten lassen, während man selbst dabei nur zusieht, schließlich kennt man die Lösungen bereits. Das macht es aufwändig, dieses Spiel in verschiedenen Gruppen zu etablieren. Obwohl mich das Spielerlebnis, wenn alle das Prinzip kennen, durchaus begeistern kann.

Es klingt so banal, aber es ist alles andere als einfach die Symbole unter Zeitdruck korrekt zu identifizieren. Da wagt man auch mal einen schnellen Rateversuch, der in die Hose gehen kann. Ein Kleid kann nach vier Strichen auch noch aussehen, wie ein Fisch :D Leider haben geübte Spieler einen Vorteil, weil man sich mit der Zeit die Anordnung mancher Gegenstände unbewusst einprägt. Dieser Erfahrungsvorsprung kann neue Mitspieler abschrecken. Immerhin ist es fair, dass der Sieger einer Runde in der folgenden die farblose Rückseite verwenden muss. Alternativ könnten geübte Spieler diese verwenden, um gegenüber Einsteigern ein Handicap zu haben, wie mir der Autor selbst bei Instagram geraten hat.

Es ist uns allerdings auch schon passiert, dass alle Spieler korrekt gezeichnet haben und dennoch niemand das Gebilde korrekt benennen konnten. Das ist jedoch nicht die Regel. Was schon häufiger vorkommen kann, dass jemand bestimmte Symbole einfach nicht findet und dann, ob vorsätzlich oder nicht, zum Mitspieler rüber schaut. Das könnten Sichtschirme leicht verhindern, die leider nicht enthalten sind. Und natürlich ist der Spielspaß begrenzt, denn nach 23 Partien sind alle Figuren bekannt. Trotz dieser durchaus vorhandenen Kritikpunkte, macht mir eine schnelle Runde Imagenius auch in reinen Erwachsenenrunden immer mal wieder Spaß.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Piatnik
Autor(en): Olivier Mahy
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an den Piatnik für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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