Viticulture – Essential Edition

Viticulture - Essential Edition Cover

Cover / Foto: Feuerland Spiele

Mit Viticulture wurde beim Verlag Feuerland Spiele eine neue Kategorie eingerichtet: Die Uwe Rosenberg Collection. Wenn der erfolgreiche Autor mit seinem Namen dafür wirbt, dann muss das Spiel doch einfach gut sein, oder? Die Essential Edition vereint das ursprünglich als Kickstarter-Projekt finanzierte Grundspiel rund um den Weinanbau mit den besten Elementen der Tuscany-Erweiterung, zumindest nach der rosenbergschen Meinung. Ich habe das Original mit der gesamten Tuscany-Erweiterung noch nicht gespielt, nur darüber gelesen, daher bezieht sich meine hier angegebene Meinung ausschließlich auf das Spielgefühl der Essential Edition. Ich möchte aber darauf verweisen, dass ich schon mehrfach gelesen bzw. gehört habe, dass einige für Vielspieler angeblich durchaus interessante Elemente weggelassen wurden.

Spielmaterial:

Das Spielmaterial weiß zu gefallen. Für jeden der sechs möglichen Spieler existieren 17 Holzfiguren einer Farbe und ein Weingut-Tableau. Es gibt vier verschiedene Arten von Karten: Reben, Winter- bzw. Sommerbesucher und Weinbestellungen. Die Trauben und Weine werden mittels Glassteinen markiert, von denen es 50 Stück gibt. Zusätzlich gibt es noch Gebietskarten für die Weingut-Tableaus, 36 Mama- und Papa-Karten, 24 Automa-Karten, 72 Geldmarken, einen Wanderarbeiter in grau und eine Startspielerfigur.

Die gesamte Essential Edition wurde zweisprachig produziert, dabei hat es die deutsche Version des Spielplans leider nur auf die Rückseite geschafft. Manche sehen es als Mangel, da man beim deutschen Spielplan die umgeschlagene Kaschierung sieht, also ein kleiner Streifen des Vorderseite. Man kann es jedoch auch als Kreislauf sehen, dass ein kleiner Rest verbliebener Schnee das Jahr einläutet 😉

Spielmechanismus:

Bevor die erste Runde startet, erhält jeder Spieler eine Mama- sowie eine Papa-Karte, die den Startbonus und die Anzahl Arbeiter festlegt. Das ist die einzige Funktion dieser Karten. Eine Runde in Viticulture spiegelt ein Kalenderjahr wieder. Im Frühling müssen wir aufstehen, um die Arbeiten auf unserem Weinanbau-Gebiet zu starten. Dafür wird vom Startspieler ausgehend passenderweise die Hahn-Figur eines jeden Spielers auf eines der Reihenfolge-Felder gestellt. Je nachdem welche Startposition gewählt wurde, erhält der Spieler zu Spielbeginn einen Bonus. Im Sommer beginnt dann die erste Aktionsphase. Für jede Aktion stehen drei Arbeiterplätze zur Verfügung, je nach Spieleranzahl dürfen aber nicht alle belegt werden. Nur der große Arbeiter eines jeden Spielers darf eine besetztes Aktionsfeld nutzen. Erst ab drei Personen besteht die Möglichkeit zusätzlich zu jeder Aktion auf einem bestimmten Arbeiterfeld noch einen vorgegebenen Bonus zu erhalten. Dieses Feld darf man auch bewusst besetzen ohne den Bonus nutzen zu können. Die Anzahl der Arbeiter, die pro Spieler im Sommer eingesetzt werden, ist nur durch seine Gesamtanzahl an Arbeitern limitiert. Der Sommer endet erst, wenn alle Spieler gepasst haben. Sollte einer keinen freien Arbeiter mehr haben, kann er später keine Winteraktionen ausführen, denn die Arbeiter kommen erst am Jahresende zurück. Genauso kann man auch im Sommer direkt passen und alle seine Arbeiter für den Winter aufheben.

Viticulture Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Im Herbst darf ein Sommer- oder Winterbesucher gezogen werden und schon steht der Winter, die zweite Aktionsphase, vor der Tür. Hier stehen andere Aktionen zur Auswahl. Nachdem im Frühling Reben gepflanzt, Trauben verkauft, neue Gebäude gebaut, Touren über das Weingut angeboten oder Land verkauft wurde, kann im Winter geerntet bzw. Wein hergestellt werden. Außerdem können nun neue Arbeiter ausgebildet und Weinbestellungen erfüllt werden. Im Frühling kann man Rebensorten erhalten und die Funktionen der Sommergäste nutzen, im Winter stehen neue Aufträge zur Verfügung und Winter-Gäste können beglückt werden. Zum Jahresende wird die kommende Runde vorbereitet, man erhält unter Anderem seine Arbeiter zurück und bekommt sein erwirtschaftetes Einkommen.

Viticulture Weingut

Weingut-Tableau / Foto: Brettspielpoesie

Siegpunkte erhält man in erster Linie über die Erfüllung von Aufträgen, aber auch über die Funktionen mancher Gäste. Diese können auch Siegpunkte einfordern und locken mit anderen lukrative Boni als Gegenleistung. So kann man gerade zu Spielbeginn auch ins Negative rutschen, wobei man allerdings nie mehr als fünf Minuspunkte haben darf. Zusätzlich kann man sein Einkommen durch erfüllte Aufträge dauerhaft erhöhen. Aber was bringen denn nun die weiteren Aktionen, warum sollte man Gebäude auf seinem Weingut errichten? Einige werden benötigt, um bestimmte Rebensorten anpflanzen zu können. Der Weinkeller muss ausgebaut werden, um höherwertige Weine lagern zu können. Das Gespann bietet ein eigenes Aktionsfeld für die Ernte und die weiteren Gebäude bringen zusätzliche Besucher-Karten oder Siegpunkte bei der Ausführung bestimmter Aktionen ein. Geld ist zu Beginn immer Mangelware, daher kann es sich lohnen anfangs ein Anbaufeld zu verkaufen, um kurzfristig mehr Geld einzunehmen.

Spielende:

Das Spiel neigt sich in dem Jahr dem Ende zu, indem der erste Spieler die Marke von [UPDATE 06.07.2015] 25 20 [UPDATE ENDE] Punkten erreicht oder überschreitet. Doch ist dieser Spieler nicht automatisch der Sieger, das Jahr wird noch vollständig zu Ende gespielt. Daher sollte man auch die Punkte der Mitspieler im Auge behalten, um das Spielende frühzeitig erahnen zu können und in den eigenen Spielzügen noch etwas Fahrt aufzunehmen.

Spieleranzahl:

Das Spiel funktioniert wunderbar mit jeder Spieleranzahl. Zu zweit erhält man niemals den Aktionsbonus, daher ist es relativ ausgeglichen. Der Mangel an Aktionen wirkt sich hier noch gravierender als im 5- oder 6-Personenspiel aus, da jede Aktion nur einmalig zur Verfügung steht. Selbst mit voller Besetzung ist die Spielzeit angenehm ohne störende Längen. (Wenn nicht gerade ein ganz extremer Grübler am Tisch sitzt.)

Auch eine umfangreiche Solo-Variante wird mitgeliefert, dabei kommen die 24 Automa-Karten zum Einsatz. Diese zeigen Sommer- und Winter-Aktionen, je nach Jahreszeit tritt nur der entsprechende Teil ein, den der fiktive Gegner blockiert. Es gibt verschiedene Varianten, man kann sich sogar in einem Kampagnen-Modus acht Herausforderungen mit unterschiedlichen Vorbedingungen stellen.

Glücksfaktor?

Viticulture verfügt schon über einen gewissen Glücksfaktor, dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man über eine Anschaffung nachdenkt. Die Besucherkarten sind teilweise sehr stark, dabei ist es reine Glückssache, welche man auf die Hand bekommt.

Fazit:

Wer bei Viticulture eine umfangreiche Wein-Anbau-Simulation erwartet, wird leider enttäuscht werden. Thematisch gibt es an der ein oder anderen Stelle Unstimmigkeiten. Umso länger die Trauben liegen, desto reifer werden sie, verfaulen aber niemals. Aus Rot- und Weißwein wird im richtigen Mischungsverhälnis in Wirklichkeit niemals Schaumwein. Aber spielmechanisch ist es stimmig. Auch wenn man erst einmal verstehen muss, dass die Glasperlen bei der Ernte noch die Anzahl Trauben angibt. Später jedoch die Qualität des Weins. Trotz des recht hohen Glücksanteils hatten wir viel Spaß in unseren Partien, schließlich bekommen alle während des Spiels immer wieder Sommer- und Winterkarten auf die Hand und können diesen Glücksfaktor ausspielen. Dies ist auch zugleich ein Faktor für den Wiederspielreiz, denn mich hat nach der ersten Partie vor allem interessiert, was es noch für interessante Besucher gibt und wie man diese zu seinem Nutzen einsetzen kann. Auch ein kleines Zocker-Element ist vorhanden, wenn man bestimmte Aktionen nutzen möchte und sich überlegt, welche die optimale Reihenfolge ist, da man mit dem großen Arbeiter eben nur eine blockierte Aktion nochmals nutzen kann. Für Einsteiger ins Genre der Worker-Placement-Spiele sehr empfehlenswert. Viticulture enthält vielleicht keine besonders innovativen Elemente, besticht aber mit seiner einfachen Zugänglichkeit und viel Liebe zum Detail.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Stonemeier Games / Feuerland Spiele
Autor(en): Jamey Stegmaier, Alan Stone, Morten Monrad Pedersen
Erscheinungsjahr: 2015
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 45 – 90 Minuten

Vielen Dank an Feuerlandspiele für die Bereitstellung eines vergünstigten Rezensionsexemplares!

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