BS Spielt! 2019 – Teil 2

Brettgeschichte Logo

Logo / Foto: Brettspielpoesie

Letzte Woche habe ich euch unsere Spieleindrücke des ersten Tages bei Braunschweig Spielt! 2019 geschildert, heute geht es weiter. Anfangs war noch nicht ganz klar, ob wir an beiden Tagen in die Stadthalle kommen würden, da der BTSV am Sonntag ein Auswärtsspiel bestritt. Eigentlich wollte ich dort sogar hinfahren, habe mich dann aber doch entschlossen, lieber dem anderen Hobby nachzugehen, statt den halben Tag im Auto zu verbringen. Aber beginnen werde ich mit den Titeln von Samstagabend, für die in der letzten Brettgeschichte kein Platz mehr war.

Bereits in Nürnberg ist das schön illustrierte Set Collection Spiel Pearls (Knut Happel, Christian Fiore – Abacusspiele) erschienen. Mit ganz einfachen Regeln werden gleiche Karten gesammelt, um sie als Siegpunkte auszuspielen. Solange die Halskettenkarten noch verfügbar sind, werden Karten in bestimmter Anzahl mit einer solchen Perlenkette belohnt, die bei Spielende zusätzliche Punkte einbringt. Das Handkartenlimit zwingt die Spieler dazu, Karten irgendwann auszuspielen um Platz für weitere Karten zu machen. Wie ich vermutet hatte, ist das Spiel recht gewöhnlich, es biete keinen interessanten Kniff gegenüber anderen Set Collection Spielen. Ich würde es immer wieder mitspielen, aber für meinen persönlichen Geschmack ist es einfach zu seicht.

Pearls Spielsituation

Pearls Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Als nächstes nutzte ich die Chance Impact (Dieter Nüßle – Ravensburger) kennen zu lernen. Wir haben den Vorgänger Der große Wurf als Flohmarktfund bereits zu Hause, ein wirklich toller Absacker, daher hatte ich wenig Ambitionen mir die Neuauflage zuzulegen. Nun wollte ich aber doch mal einen Vergleich anstellen. Als erstes fällt auf, dass die Würfelarena sehr viel kleiner ist, das Spiel macht mit dem Original irgendwie etwas mehr her. Da man Runde für Runde Würfel in die Arena, also den Schachteleinsatz, hinein würfelt, um gleiche Symbole zu erwürfeln, leidet der Spielspaß schon ein wenig darunter. Statt der Würfel mit Augenzahlen zeigen die Würfel nun unterschiedliche Elementsymbole, das Spielprinzip bleibt gleich. Erst wenn man die Variante hinzunimmt, lösen die Symbole Sonderaktionen aus, das haben wir jedoch nicht ausprobiert. Das Spiel ist meinen Augen gut, so wie es damals auf den Markt kam und benötigt keine zusätzlichen Regeln. Wer die Chance an Der große Wurf zu gelangen, dem sei dieses empfohlen, sonst ist auch Impact kein Fehlkauf. Als wirklich allerletztes Spiel, bevor sich die Veranstaltung wirklich dem Ende neigte, kam L.A.M.A. (Reiner Knizia – Amigo Spiele) zum Einsatz. Einfach ein fabelhafter Absacker, bei dem eigentlich ziemlich banal Karten abgelegt werden müssen. Dieses kleine Spielchen werde ich euch demnächst ausführlich vorstellen und möchte daher an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen.

Würfelsiedler Spielsituation

Würfelsiedler Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Der Sonntag begann ebenfalls mit einer Partie einem aktuellen Schwerkraft-Spiel, welches im Original bei NSKN, die nun zu Board & Dice gehören, erschienen ist: Würfelsiedler. Während wir an der Ausleihe standen und auf einen Erklärer warteten, gesellte sich Fabian aus Berlin dazu und bot sich als Mitspieler an. Ich war erstaunt, dass Jemand aus Berlin ohne Kontakte in Braunschweig nur für diese Veranstaltung hier her kommt. Er berichtete, dass er als Familienvater Probleme hat die BerlinCon vor der Haustür oder auch die Spiel in Essen zu besuchen, da beides in den letzten Jahren immer in den Ferien lag. Von daher sind seine beiden großen Brettspielveranstaltungen im Jahr BS spielt! und die Brett in Hamburg. Gegen ihn zu Spielen war jedoch alles andere als spaßig, denn schon in den ersten Runden lies er mich an seiner Ausbreitung nicht mehr teilhaben und entwickelte sich in die Richtung, in der ich nicht mehr vertreten war. Es gibt in diesem Spiel einige Würfel mit unterschiedlichen Symbolen, die man erwerben kann und mehrere Wege an Siegpunkte zu gelangen und das Spiel zu beenden. Um Würfel hinzu zu bekommen muss man auch auf entsprechenden Landschaften vertreten sein, immerhin sind wir ja Siedler und wollen auf dem Land unsere Zelte aufschlagen oder mit einem Häuschen gar sesshaft werden. Ich hatte schnell kaum noch eine Chance gesehen, um den Sieg mitzuspielen, aber mein Interesse wurde geweckt, es weiter auszuprobieren. Ich nahm Fabian das natürlich auch nicht persönlich, es ist nun mal ein kompetitives Spiel und immerhin hat er damit auch nicht gewinnen können, sondern musste sich knapp geschlagen geben. ;-)

Micropolis Spielsituation

Micropolis Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Als Verlierer wählte ich das folgende Spiel, eines von Bruno Cathala, welches ich zumindest mal selbst gespielt haben wollte: Micropolis (Bruno Cathala, Charles Chevallier – Pegaus Spiele). Bei diesem Familienspiel bauen die Spieler an ihren Ameisengängen, um bei Spielende möglichst viele Punkte zu bekommen. Genommen werden die neuen Bauteile aus einer Auslage, wer nicht das vorderste nehmen möchte, kann eigene Ameisen auf den vorderen Bauteilen ablegen um an die hinteren zu gelangen. Die Ameisen entscheiden darüber wer in der nächsten Runde Startspieler wird und bestimmte Gänge erlauben es Ameisen für Punkte im Bau einzusetzen. Am Ende gibt es eine große Abrechnung mit vielen Details, bevor der Sieger ermittelt werden kann. Im Prinzip versucht man die Gänge möglichst miteinander zu verbinden, viele Ameisen zu platzieren und unterschiedliches Obst zu beherbergen. Es ist eines dieser Spiel, die keinem weh tun, kann aber von erfahrenen Spielern gerne übergangen werden ohne wirklich etwas zu verpassen.

Mandala Spielsituation

Prototyp! – Mandala Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Das Fußballspiel hatte mittlerweile begonnen, es lief nebenbei auf dem kleinen Bildschirm des Handys und wir begaben uns zu Lookout Spiele. Ich hatte mich schon sehr auf die Bärenpark-Erweiterung gefreut, doch leider lag diese nicht aus. Wie uns der Lookout-Redakteur Grzegorz später erzählte, wurde das Grundspiel leider zu Hause vergessen. Dafür hatte er andere Sachen dabei, zum Beispiel Mandala (Brett J. Gilbert, Trevor Benjamin – Lookout Spiele). Einer der beiden Autoren ist Brett J. Gilbert, ähnlich wie bei Bruno Cathala ist auch sein Output in meinen Augen sehr unterschiedlich zu bewerten. Und Mandala ist definitiv nicht meine Art von Spiel. Die Spieler sitzen sich dabei gegenüber und „malen“ gemeinsam an zwei Mandalas, wobei malen rein abstrakt gemeint ist, sie spielen einfach Karten auf den Spielplan. Es gibt nur sechs Kartenfarben und die Spieler spielen Karten in ihren Spielbereich, um damit auf die Karten in der Spielmitte zu bieten. Sobald in einem Bereich Karten einer Farbe liegen, darf sie in keinen anderen Bereich mehr gespielt werden. In den eigenen Bereich dürfen beliebig viele Karten einer Sorte ausgespielt werden, in die Mitte immer nur eine – dafür wird nur anschließend an diese Aktion nachgezogen. Das ist mir zu abstrakt und hat zu viel Zwickmühlencharakter, sodass ich mich in den zwei Partien total gespielt fühlte und nicht annähernd um den Sieg mitgespielt hätte. Sicherlich kein schlechtes Spiel, aber einfach keines mit dem ich Spaß hätte.

Foothills Spielsituation

Prototyp! -Foothills Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Was hingegen viel mehr meinem Geschmack entsprach war dann die folgende Partie Foothills (Tony Boydell, Ben Bateson – Lookout Spiele), dem 2-Personen-Spiel im Snowdonia-Universum. Man benötigt allerdings kein Snowdonia-Vorwissen für eine Partie. Die Spieler arbeiten gemeinsam an mehreren, walisischen Eisenbahnstrecken, müssen diese zunächst von Geröll befreien, um später Schienen und Bahnhöfe zu errichten. Dafür stehen ihnen neben dem Geröll zwei Ressourcen zur Verfügung und die gleichen sechs Aktionskarten. Zumindest wenn man die Vorderseiten betrachtet. Auf den Rückseiten unterscheiden sich diese Karten und nach jeder Aktion wird die Karte umgedreht, sodass aus neuen Aktionen gewählt wird. Im Verlauf des Spiels wird man sich von Karten trennen, um andere Aktionen zu erhalten und zusätzliche Wertungen für sich bei Spielende auszulösen. Um das Spiel schneller voranzutreiben, können hin und wieder Ereignisse eintreten, durch die das Spiel Streckenabschnitte errichtet. Ein wirklich schönes, strategisches Spiel für zwei Personen, welches ich gerne noch näher erkunden möchte. Es bietet mit zusätzlichen Aktionskarten und Strecken sicherlich auch einiges an Varianz.

Zum Ausklang wählten wir eine Partie Tippi Toppi (Ken Gruhl – Schmidt Spiele), einer weiteren, aktuellen Neuheit, die uns bisher noch nicht in die Finger gekommen war. Und das bereuten wir ehrlich gesagt auch nicht. Kooperativ spielt jeder Spieler reihum eine Handkarte auf einen der vier Stapel, entweder darf auf eine Karte die gleiche Zahl oder die gleiche Farbe gespielt werden. Damit versuchen die Spieler ausliegende Aufgaben zu erfüllen. Diese lauten zum Beispiel das jeder Stapel eine grüne Karte zeigen soll oder die Summe aller pinken Karten 15 ergeben muss. Dabei können sich die Aufgaben zeitweise durchaus widersprechen, im Gegenzug kann es passieren, dass eine Aufgabenkarte, im richtigen Moment aufgedeckt, direkt erfüllt wird. Das erschien uns irgendwie zu beliebig und zufällig, die Grundidee gemeinsam Ziele zu erfüllen ohne über genaue Kartenwerte zu sprechen ist mittlerweile ja auch einfach nichts Neues mehr. Da bleiben wir doch lieber bei The Game mit seiner klaren Aufgabe.

Ein bisschen Zeit war noch bis zum offiziellen „Rauswurf“, aber wir hatten für dieses Wochenende genug. Außerdem dauerte unsere Verabschiedungsrunde ein wenig, mittlerweile kennt man ja doch den einen oder anderen Veranstalter bzw. Erklärbären. Wir blicken nun also zurück auf eine gelungene Veranstaltung, die leider in diesem Jahr nur wenige unserer Bekannten anziehen konnte. Ich hoffe, da kommen nächstes Jahr wieder mehr Mitspieler zusammen, aber auch so hatten wir ein grandioses Wochenende. Nächstes Jahr wird diese Veranstaltung zum wahrscheinlich vorerst letzten Mal in der Stadthalle sein, bevor dort große Umbauarbeiten anstehen. Eine neue Heimat ist leider noch nicht gefunden, ich drücke weiterhin die Daumen. Zurück in das Jugendzentrum Neustadtmühle zu gehen wäre sicherlich ein Rückschritt und würde einige Besucher kosten. Dabei hat sich die Veranstaltung in den letzten Jahren so gut entwickelt und von Jahr zu Jahr mehr Besucher angezogen.

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