Stadt Land Spielt! 2019

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Logo / Foto: Brettspielpoesie

Auch in diesem Jahr wurde bundesweit wieder die „Tage des Gesellschaftsspiels“ ausgerufen und mit diversen Veranstaltungen an über 143 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zelebriert. Wie bereits in den vergangenen Jahre, gab es auch dieses Mal wieder kostenlose Mitbringsel für alle Teilnehmer. Anstatt kleiner Promos oder Mini-Erweiterungen gab es erneut ein Paket mit kleinen Demo-Versionen. Für Vielspieler wie mich waren die Promos, die es zuvor häufig gab, natürlich interessanter, für die avisierte Zielgruppe sind die Demo-Versionen aber sicherlich sinnvoller, um einen Einblick in mehrere aktuelle Brettspiele zu bekommen, statt etwas zu bekommen, wofür sie die zugehörigen Spiele besitzen müssen.

Wieder einmal konnten wir keine Bekannten begeistern, sich an diesem Tag in die Stadtbibliothek Braunschweig zu begeben, also spielten wir viel zu zweit. Den Beginn machte Sagrada, welches wir zuvor nur in Partien zu viert mit unseren Nachbarn erlebt hatten. Dabei werden über mehrere Runden farbige Würfel gedraftet und in die Kirschenfenster der Spieler eingebaut. Dies unterliegt bestimmten Regeln, es dürfen keine zwei Farben oder Augenzahlen orthogonal zueinander liegen und jeder Spieler wählt zu Beginn eine Karte mit weiteren Vorgaben an Farbe und/oder Würfelzahlen aus bestimmten Plätzen. Zu zweit funktioniert es trotz des Drafting-Elements erstaunlich gut. Zumindest wenn mit der Variante gespielt wird, Würfel zu entfernen, sodass alle Würfelfarben gleich häufig vertreten sind sind. Allerdings zeigte sich erneut, dass die persönlichen Aufträge sehr glückslastig sind. Jeder Spieler bekommt geheim eine Farbe zugewiesen, für deren Würfel es bei Spielende die Würfelaugen als Punkte gibt. Ihr könnt es euch sicher bereits denken, wenn die Würfel dabei keine hohen Augenzahlen zeigen oder viele Würfel dieser Farbe in einer Runde gezogen werden, sieht es dabei schlechter aus.

Sagrada / Foto: Brettspielpoesie

Wir wollten auch gerne neue Sachen kennen lernen, da fiel uns das im Frühjahr bei Kosmos veröffentlichte Natives in die Hände. Dabei Karten in die Auslage aufgedeckt, um dann eine Aktion seiner Stammesmitglieder zu wählen. Je nach Anzahl der entsprechenden Personen, die den Aktionen zugewiesen werden, kann sich der Ertrag erhöhen. Ein Farmer darf sich einen Mais aus der Auslage nehmen, drei Farmer bekommen drei, jedenfalls wenn in der Auslage die entsprechende Menge bereit liegt. Auch die Stammesmitglieder gelangen in die Auslage und können von dort angeworben oder gefangen genommen werden. Für letzteres gibt es zusätzliche Siegpunkte und zugleich die Möglichkeit die Person dem Mitspieler vorenthalten zu können. Totems ermöglichen weitere Siegpunkte bei Spielende zu generieren, zum Beispiel zwei zusätzliche Punkte für jeden Gefangenen. Micha hatte sich früh dieses Totem gekrallt und damit war ihm der Sieg sicher. Da ist dem Verlag wohl ein kleiner Fehler unterlaufen, denn dieses ist im Grundspiel, besonders bei nur zwei Spielern, viel zu stark und sollte entfernt oder mit nur einem Punkt belohnt werden.

Natives / Foto: Brettspielpoesie

Gerade erst haben wir im Bretterwisser-Podcast mit Autor Marco Teubner über Safranito gesprochen, da stand es in der Stadtbücherei einfach herum, also gab es kein zögern. Auf einem Markt wollen wir an Gewürze gelangen, um damit leckere Gerichte zuzubereiten. Doch können wir die Gewürze, die wir ver- oder kaufen wollen nicht einfach so auswählen, wir müssen Pokerchips auf die Felder werfen. Und das erfordert einiges an Geschick. Ich fand es ganz spaßig, auch wenn ich eigentlich viel zu ungeschickt bin, als das dabei etwas verwertbares heraus kommt. Wenn es dann aber doch einmal gelingt, ist die Freude groß. Das galt weniger für mein Gegenüber, da sich der ein oder andere Chip mit etwas zu viel Schwung auch schon mal in seiner Richtung verirrte ;-) Sollte ich das Spiel mal auf einem Flohmarkt entdecken, wäre ich geneigt zuzugreifen.

Safranito / Foto: Brettspielpoesie

Als folgendes Spiel wurde Galaxy Trucker ausgewählt. Sich die Spielregeln selbst beizubringen war zwar aufgrund des verwendeten Humors durchaus amüsant, aber nicht immer so richtig zielführend. Auch denke ich, dass zwei Spieler nicht die optimale Spieleranzahl für dieses Spiel ist. In drei Runden stellen sich die Spieler ihr Raumschiff zusammen, die Teile dafür liegen verdeckt in der Mitte. Ein jedes Teil darf aus der Mitte genommen und über dem eigenen Spielplan umgedreht werden, bevor man sich entscheidet es einzubauen oder zurück zu legen. Da wir beide zunächst einen Überblick über die Optionen benötigten, waren wir ziemlich langsam bei der Sache, was dem Spiel nicht wirklich gut tut. Ich denke es macht erst so richtig Spaß, wenn alle Spieler flott dabei sind und die Raumschiffe eben nicht immer optimal zusammen gesetzt werden, weil ein Spieler die anderen bewusst unter Zeitdruck setzt. Im Anschluss geht es damit ins Weltall, dort kann vieles passieren: Asteroiden fliegen auf das Schiff zu, Weltraumpiraten greifen es an, auf Planeten findet man Waren oder man besetzt verlassene Raumstationen mit eigenem Personal. Man wird sich nicht gegen alles schützen können, in der Regel werden die Schiffe auf diesen Touren mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen. Die Grundidee finde ich durchaus interessant und hätte nun wirklich Lust, es mit mehr Spieler erneut zu versuchen.

Galaxy Trucker / Foto: Brettspielpoesie

Zum Ausklang gab es weitere bereits bekannte Spiele, erstmalig zu zweit. Über Reef habe ich nach der BerlinCon 2018 bereits berichtet. Zu zweit werden einfach Korallen aussortiert, schließlich ist das Aufbrauchen einer Sorte Spielendebedingung. Von den Karten werden keine aussortiert, was dazu führen kann, das bestimmte Korallenarten eventuell nur sehr zäh ins Spiel kommen. So war es jedenfalls in unserer Partie. Nur zu Beginn hat jeder von uns mal eine Karte auf der Hand gehabt, die zwei lilafarbene Korallen einbringt, danach folgte keine einzige mehr. Dafür wurden überall lilafarbene Korallen gewertet, wodurch das Spiel nicht so richtig in Fahrt kommen wollte, da diese Karten niemand nehmen wollte. Zu zweit würde ich es daher eher nicht mehr spielen wollen.

Reef / Foto: Brettspielpoesie

Auch Orbis sollte eine zweite Chance bekommen. Auf der letztjährigen Spiel empfanden wir es eher zäh, es fühlte sich zu sehr nach viel Verwaltungsarbeit an. Dieses mal gefiel es uns besser, auch wenn es nicht wirklich intuitiv ist, bei der Wahl für ein Plättchen, zunächst Steinchen auf alle orthogonal angrenzenden Plättchen zu legen. Wird später ein Plättchen mit Steinchen darauf gewählt, erhält der Spieler diese. Für die meisten Plättchen müssen auch Steinchen bezahlt werden, um sie nehmen zu dürfen. Platziert werden die Plättchen in der eigenen Auslage als Pyramide angeordnet. Oberhalb der untersten Reihe dürfen Plättchen nur gelegt werden, wenn eines der beiden unteren Plättchen die gleiche Farbe zeigt, sodass sich zwangsläufig auf bestimmte Farben spezialisiert werden muss. Irgendwann im Spiel entscheiden sich die Spieler für eine Gottheit, die bei Spielende zusätzliche Punkte bringen kann. In unserer Partie war es frühzeitig klar, wer sich auf was spezialisiert, aber es erschien auch nicht sinnvoll dazwischen zu grätschen, wenn man selber keinen Vorteil daraus ziehen kann. Es ist sicherlich kein Überflieger, aber schnell gespielt und dafür ist dann auch der Glücksfaktor akzeptabel.

Orbis / Foto: Brettspielpoesie

Das war Stadt Land Spielt 2019 für uns. Zwischenzeitlich sah es in der Stadtbibliothek ziemlich ruhig aus, aber eigentlich war die ganze Zeit über etwas los. Parallel lief nur wenige Meter entfernt das Magni-Fest, das Altstadt-Fest Braunschweigs, was sicherlich einige Besucher gekostet hat. Aber da steckt man bei solch einem bundesweiten Projekt eben nicht drin, der Termin ist schließlich gesetzt. Wir empfanden es jedenfalls ganz angenehm, da man in der Mittagspause diverse Anlaufstellen geboten bekam und danach frisch gestärkt weiter spielen konnte. Bis zum nächsten Jahr!

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