Jamaica – Vorher / Nachher

Gefühlt kommen in letzter Zeit besonders viele Neuauflagen von älteren Spielen auf den Markt. Vielleicht sind es noch Auswirkungen der Corona-Pandemie, vielleicht ist die zeitliche Überschneidung aber auch einfach Zufall und die Verlage sind einfach überzeugt von ihren Spielideen. Ich bin ja erst ab 2014 wieder zu den Brettspielen zurück gekehrt, da habe ich manch interessanten Titel verpasst. Längst vergriffene Spiele gehen dann leider häufig an einem vorbei. Jamaica gehörte bisher immer dazu, obwohl mein einstiger Lieblingsautor Bruno Cathala an der Entwicklung beteiligt war. Dank Asmodee bzw. der Space Cowboys bekam ich nun die Gelegenheit, auch diese Wissenslücke zu füllen. Ich habe dazu auch noch meinen gerade erneuerten Bibliotheksausweis eingesetzt, um die aktuelle Auflage mit der Erstauflage aus dem Jahr 2007 vergleichen zu können.

In Jamaica veranstalten die Spieler als berühmte Piraten mit ihren Schiffen ein Wettrennen um die Insel. Natürlich gewinnt, wer auf seiner Fahrt die meisten Dublonen sammeln konnte. Dabei schrecken die Piraten nicht davor zurück, sich gegenseitig zu bestehlen, wenn sie sich begegnen. Bei diesen Kämpfen hilft es, Schießpulver dabei zu haben. Auf dem offenen Meer braucht die hungrige Meute Proviant, in die Häfen einzufahren kostet Dublonen und bei den Piratennestern lassen sich Schätze finden. Doch hat jeder Spieler nur sechs Lagerräume, die jeweils nur eine Ressourcenart aufnehmen können. Neue Ressourcen dürfen auch nur in leere Lagerräume, daher sollten die Aktionen gut aufeinander abgestimmt sein. Handkarten zeigen jeweils zwei Aktionen, zwei Würfel geben den Ertrag der Aktionen an. Sobald auch nur ein Schiff die Insel vollständig umrundet hat, endet die Partie.

Schachteldesign

Die alte Auflage erschien in einer länglichen Schachtel, die wie eine Schatztruhe aufgemacht ist. Das passt gut zum Piratenthema. Gewandelt hat es sich zu einer quadratischen Schachtel mit hübschen Illustrationen auf dem Cover. Dort sieht man, wie ein Pirat eine wohl schwere Schatzkiste zu einem Steg mit weiteren Habseligkeiten bringt. Das Symbol der Schatzkiste ist also trotz des aktualisierten Formats erhalten geblieben. Die Abbildung ist einer der Karten entnommen, die genau so auch schon in der ersten Ausgabe enthalten war. Mich spricht das Cover mit diesen Illustrationen wesentlich mehr an. Im Laden würde das aktuelle Cover definitiv eher meine Aufmerksamkeit erwecken, als das ursprüngliche.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Schachteldesign aus den Jahre 2013 – 2017. Dies war eine Kombination beider Versionen. Es bleib die längliche Schachtel im Design einer Schatztruhe. Den unteren Teil füllten viele Dublonen, der obere Teil zeigte einen Ausblick auf die Insel und die dort agierenden Piraten. Ein brennendes Schiff auf dem Meer und viel Waffen im Einsatz ergeben jedoch ein viel gewalttätigeres Bild, als die aktuelle Illustration, die ich eher als niedlich abstempeln würde.

Inlay

Beide Versionen haben gut durchdachte Tiefziehteile aus Plastik. Bei der alten Version hat jedes der sechs Schiffe seinen festen Platz, dazwischen hat man sich noch den Schriftzug des Titels “Jamaica” gegönnt. Auch für die Spielertableaus, Würfel, Startspielermarker und Kartenstapel existieren passende Aussparungen. Lediglich die Stanzteile der Waren, Dublonen und des Schießpulvers haben jeweils ein größeres Fach zum reinkippen (oder in Plastiktüten zu verstauen).

Jamaica Vergleich - Schachtel
Jamaica Vergleich – Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Wie zu erwarten, hat eine größere Schachtel bei fast identischem Spielmaterial auch mehr Luft. Vielleicht um diesen Umstand etwas zu verheimlichen, gibt es nun ein Fach für den Kartenstapel eines jeden der sechs enthaltenen Charaktere. Die Spielertableaus, Würfel und der Startspielermarker haben weiterhin ihren festen Platz, die Stanzteile teilen sich ebenfalls auf drei größere Fächer auf. Die Schiffe bleiben in einem Zip-Beutel, denn für sie gibt es keine passende Ausbuchtung mehr.

Das Inlay scheint leider nicht mehr so robust zu sein. Unseres ist jedenfalls schon mit einem Riss eingetroffen. Dieser ist oben rechts über dem Startspielermarker zu erkennen. Die Funktion des Inlays wird dadurch bislang nicht beeinträchtigt, aber es wirkt unschön.

Anleitung

Jamaica Vergleich - Anleitung
Jamaica Vergleich – Anleitung / Foto: Brettspielpoesie

Die Anleitung hat eine wunderbare Entwicklung durchgemacht. War sie einst auf einem großen Faltblatt geschrieben, so wurde dieses nun durch eine Anleitung mit Karteiregistern an der Seite ersetzt. Über diese Register lässt sich im Nu zur richtigen Stelle blättern, wenn man mal schnell etwas nachlesen möchte. Dadurch finde ich die neue Anleitung noch zugänglicher als die zuvor bereits gut gegliederte.

Spielplan

Der aktuelle Spielplan fällt etwas kleiner aus. Die neue Größe finde ich auch bei sechs Spielern dennoch vollkommen ausreichend. Optisch konnte ich keine Veränderungen erkennen.

Jamaica Vergleich Spielplan
Jamaica Vergleich – Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Spielmaterial

Das weitere Spielmaterial ist ebenfalls sehr ähnlich. Bei den Spielertableaus wurde der Jamaica-Schriftzug ersetzt und der Totenkopf entfernt. Der spezielle Schlacht-/Mangel-Würfel zeigt neben den Werten in der neuen Auflage auch zusätzliche Symbole. Diese hängen mit einer Regelanpassung zusammen. Kann man das Feld, auf welches das eigene Schiff zieht, nicht bezahlen, so entscheidet das Würfelergebnis was passiert. Entweder geschieht nichts oder man zieht zurück zum letzten Meer- bzw. Hafenfeld oder zur letzten Pirateninsel. Früher musste man immer Feld für Feld anteilig zahlen und soweit zurück ziehen, bis man auf einem Feld landet welches keine Kosten verursacht oder man diese vollständig bezahlen kann.

Jamaica Vergleich Tableaus und Würfel
Jamaica Vergleich – Tableaus und Würfel / Foto: Brettspielpoesie

Die Ladungsplättchen (Proviant, Dublone, Schießpulver) haben sich überhaupt nicht verändert.

Jamaica Vergleich Spielmaterial
Jamaica Vergleich – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Karten / Illustrationen

Auch die Illustrationen sind identisch zu denen älterer Ausgaben. Das unten abgebildete Panorama setzt sich zur Hälfte aus alten und zur anderen Hälfte aus neuen Karten zusammen. Ich mag, dass durch das aneinanderreihen der Karten, deren Abbildungen ineinander übergehen, ein großes Panorama entsteht. Dieses hat genau genommen keinen Anfang und kein Ende und ließe sich unendlich fortführen. Bei den oben erwähnten Cover-Illustrationen wurde sich bei diesen Karten bedient.

Jamaica Vergleich - Panorama
Jamaica Vergleich – Panorama / Foto: Brettspielpoesie

Die zwölf kleineren Schatzkarten sind ebenfalls unverändert.

Jamaica Vergleich - Schatzkarten
Jamaica Vergleich – Schatzkarten / Foto: Brettspielpoesie

Schiffe

Die Schiffe unterscheiden sich wieder etwas mehr. Wobei ich keine eindeutige Präferenz habe. Die alten Schiffe sind schwerer, liegen besser in der Hand. Die neueren sind leichter, aber auch detailreicher verarbeitet. Das Geisterschiff ist neu dabei. Im Spiel zu zweit simuliert es einen weiteren Mitspieler, um mehr Begegnungen auf dem Meer zu haben (wofür zuvor das Schwarze verwendet werden sollte). Man kann das Geisterschiff auch bei mehr Spielern hinzunehmen, um häufiger Kämpfe auszulösen.

Jamaica Vergleich - Schiffe
Jamaica Vergleich – Schiffe / Foto: Brettspielpoesie

Fazit:

Es gab eine Zeit, da mochte ich richtig viele Spiele von Bruno Cathala, ich war quasi ein Fangirl und habe mich auf jede neue Veröffentlichung gefreut. In der letzten Zeit hatte er sehr viele Veröffentlichungen und die waren nicht alle nach meinem Geschmack. In dieser Hinsicht hat Jamaica vielleicht den charmanten Vorteil, dass die Spielidee gar nicht aktuell ist, sondern bereits fast 15 Jahre auf dem Buckel hat. Ich bin wirklich froh, dass die Space Cowboys das Potential erkannt haben und dem Spiel eine neue Bühne bereiten. Vor allem für große Gruppen ab vier Spielern, finde ich es hervorragend geeignet.

Dabei klingt es auf dem Papier eigentlich so gar nicht nach meinem Spiel. Es ist wahnsinnig chaotisch, die Karten kommen oft nicht wie man sie gerade benötigt und die Kämpfe gehen teilweise recht willkürlich aus. Da kann man mit jeder Menge Schießpulver in den Kampf ziehen und der Gegner kann mit einem richtigen Würfelergebnis den Kampf direkt gewinnen. Das ist keineswegs fair, aber es passt zum Piratenthema und bringt die nötige Würze in das Spiel. Das Wettrennen ist schneller vorüber, als den meisten lieb ist und bei dieser kurzen Spielzeit kann ich den Glücksfaktor auch verkraften. Dafür entsteht ein bisschen Gaudi am Spieltisch, wenn sich die Spieler begegnen und beklauen.

Ich bin froh dieses Spiel nun wieder überall im Handel verfügbar zu sehen. Die Unterschiede der Versionen sind wirklich marginal. Ich habe das Spiel mit der neuen Regel beim Zurückziehen kennen gelernt und störe mich überhaupt nicht daran. Wem dass nicht gefallen sollte, der kann ja auch mit dem Material der neuen Version nach alten Regeln spielen. Insgesamt finde ich diese Neuauflage sehr gelungen, allerdings nur notwendig, wenn man bisher noch kein Jamaica sein eigen nennt.

P.S.: Nicht nur ist das Grundspiel Jamaica nun wieder erhältlich, es soll demnächst auch noch die Erweiterung Die Crew auf deutsch erscheinen. Sie ersetzt die Schatzkarten, bringt Crew-Mitglieder mit einzigartigen Fähigkeiten, einen Tavernenplan sowie eine Rumflasche ins Spiel und soll laut Asmodee sogar in die Grundspielschachtel hinein passen.

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3 Antworten auf „Jamaica – Vorher / Nachher“

Also ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass die Erweiterung ins Grundspiel hineinpasst. Wie soll das gehen?

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