Wo geht’s hier zum Ausgang? – No. 12

Ausgang Logo

Ausgang Logo / Foto: Brettspielpoesie

Ich habe auf diesem Blog nun schon einige Escape Room-Adaptionen für den Spieltisch vorgestellt, allen liegt die gleiche Idee zu Grunde: Das Erlebnis eines Escape Rooms mit all seinen Rätseln und Aufgaben, die gelöst werden müssen, um zu entkommen, einzufangen und in eine Box zu packen. 2016 fingen die ersten Verlage damit an, doch dieser Trend ist noch lange nicht vorüber. Immer wieder tauchen hier und da neue Anbieter auf und alle finden einen etwas anderen Weg der Umsetzung. Viele dieser Titel bleiben durch Erweiterungen dauerhaft am Markt. Für mich als Rezensent bleibt es schwer, darüber zu berichten. Solche Spiele sind für eine Gruppe nur ein einziges Mal spielbar, danach ist die Lösung schließlich bekannt, daher kann auch nur der grobe Spielablauf mit seinen Mechanismen beschrieben werden. Ich habe nun beschlossen keine einzelnen Rezensionen mehr zu den vielen Escape Room-Adaptionen und dessen Erweiterungen zu verfassen, sondern über mehrere gemeinsam berichten, wenn wieder ein paar durchgespielt wurden.

Unlock! – Epic Adventures

Die Unlock!-Serie hat sich gut entwickelt. Auch wenn man denkt, man hätte schon fast alles gesehen, weiß Unlock! noch immer zu überraschen. So muss in den drei Abenteuern der siebten Box kein einziger vierstelliger Zahlencode eingeben werden, die Option wird in der App überhaupt nicht angeboten. Wie der Zusatz im Titel, „Adventures“, bereits verrät, geht es bei Unlock! eigentlich gar nicht mehr in erster Linie um das Entkommen, sondern mehr um das Erleben einer Geschichte.

Die sieben zieht sich in der siebten Unlock!-Box wie ein roter Faden durch, zu erkennen an den Titeln der einzelnen Abenteuer, die in ihrem Schwierigkeitsgrad erneut ansteigen. An der angegebenen Spielerzahl störe ich mich ein wenig, da in zwei der drei Abenteuer Rätsel enthalten sind, die erst ab zwei Spielern so richtig gut zur Geltung kommen.

Cover/ Foto: Brettspielpoesie

Die siebte Vorstellung führt die Spieler ins Kino, es läuft ein Horror-Film in schwarz-weiß. Daher sind auch die Karten lediglich in Grautönen gehalten, es wird hier nicht nach blauen und roten Puzzleteilen unterschieden. Die Spieler müssen alleine herausfinden, welche Karten miteinander kombiniert werden können. Selbst in diesem Einsteigerfall hält sich das Spiel nicht exakt an den Wortlaut in der Anleitung, wann Karten aufgedeckt werden dürfen. Ich kann dies dem Spiel aber mittlerweile ganz gut verzeihen, da es manch kreativen Lösungsansatz überhaupt erst ermöglicht. Für mich ein rundum gelungenes Abenteuer.

Wertungsnote 5/6

Bei Die sieben Prüfungen des Drachen wollen die Spieler die Künste des Großmeisters erlernen, doch müssen sie sich dazu erst als würdig erweisen, indem sie die sieben Prüfungen erfolgreich absolvieren. Hier gibt es einen neuen Button in der App, es müssen Kombinationen aus sechs Strichen gefunden werden. Das führt zu ganz neuen Herangehensweisen, um an die Lösungen zu gelangen. Nicht immer ist es direkt offensichtlich, dass nun eine solche Kombination gesucht wird. Das hatte schon wieder ein bisschen was von der Zahlensucherei der ersten Boxen, bei denen man plötzlich überall Zahlen erkannt hatte, die gar nicht als solche gemeint waren.

Leider scheint die App nicht genau zu wissen, in welcher Reihenfolge die Kombinationen gefordert sind, denn wir haben beim letzten Rätsel eine vorherige Kombination erneut eingegeben, die uns als korrekt angezeigt wurde, allerdings hatten wir die Karte schon längst, die wir dadurch erhalten sollten. Doch hierbei gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, dass mit etwas mehr Erfahrung solche Rätsel in späteren Boxen komplett zu überzeugen wissen. Einige Rätsel empfanden wir hier etwas zu ungenau in ihrer Aufgabenstellung, dies hat den sonst positiven Eindruck etwas gedämpft.

Wertungsnote 4/6

Für die Mission #07 nehmen die Spieler die Rollen von vier Charakteren ein, die mit ihren speziellen Fähigkeiten in bestimmten Situationen besonders effektiv sind. Auch hier gibt es eine neue Funktion in der App, die ein wenig an die AR-Funktionalität der Heroic Adventures erinnert und gut ins das Spielgeschehen eingebunden wurde. Dieses Abenteuer besteht aus zwei Akten, die jeweils eine etwas andere Zielsetzung haben und dafür ein eigenständiges Kartendeck liefern. Wir haben das gesamte Deck, wie sonst auch immer, in zwei Stapel geteilt, was dazu führte, dass in der ersten Hälfte nur ein Spieler hauptsächlich Karten finden konnte und in der anderen Hälfte nur der andere. So fühlten sich beide Spieler in den Hälften mehr oder weniger involviert. Da wäre ein kleiner Hinweis zur besseren Aufteilung der Karten schön gewesen. Die Rätsel waren allesamt interessant, mache wirklich ein wenig tricky, aber insgesamt nicht zu schwer.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Space Cowboys / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Cyril Demaegd, Guilaine Didier, Gabriel Durnerin, Théo Rivière
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

Ausblick: Eine folgende Box mit dem Untertitel Mythic Adventures ist zumindest auf französisch bereits für Ende Mai 2020 angekündigt. Dabei geht es in 80 Tagen um die Welt, um griechische Mytholgie und es gibt ein Wiedersehen mit Dr. Noside.


Escape@Home

Der Escape Room-Anbieter Ruhr Escape hat mit der Serie Sherlock@Home bereits fünf aufeinander aufbauende Spiele veröffentlicht, das Staffelfinale der Sherlock Holmes vs. Moriarty-Reihe liegt hinter uns. Das Besondere an dieser Art des Online-Spiels liegt darin, dass die Spieler an bis zu vier unterschiedlichen Orten teilnehmen können und an die jeweiligen Standorte mitunter verschiedene Hinweise verteilt werden. Alle gehen auf die gleiche Webseite, müssen aber andere Codes eingeben, die nach dem Kauf der Abenteuer versandt werden. Zur Nutzung ist also nur ein Internet-fähiges Gerät mit einem Browser pro Standort notwendig, es empfiehlt sich allerdings zur besseren Übersicht einen Laptop oder ein Tablet zu nutzen.

Die Spieler müssen gut kommunizieren, den anderen mitteilen, was sie sehen und diese verteilten Hinweise zu einer gemeinsamen Lösung führen. Dazu kann man sich per Videokonferenz zusammen tun. Es gäbe natürlich dabei die Möglichkeit mittels Desktopsharing oder ähnliche Funktionen die Hinweise mit den anderen direkt zu teilen, aber das würde dem Spiel seinen speziellen Reiz nehmen. Denn genau dieses Zusammensetzen der unterschiedlichen Hinweise finde ich herausfordernd und spannend. Es sind auch Rätsel dabei, zu denen allen Spielern die gleichen Informationen zur Verfügung stehen, doch stechen für mich vor allem die erstgenannten Rätsel heraus. Dabei entsteht nämlich wirklich das Gefühl des Zusammenarbeitens, während es sonst eher ein nebeneinander her arbeiten ist, bei dem sich die Spieler lediglich bei der Lösungsfindung unterstützen können. Eine solche Unterstützung kann erforderlich werden, da alle Spieler erst zum nächsten Rätsel gelangen, wenn an allen Standorten der korrekte Code eingegeben wurde. So wird zumindest niemand abgehängt.

Es gibt keine wirklich epische Geschichte, aber sie gibt den Rätseln einen Rahmen, sodass es sich nicht wie eine lose Rätselsammlung anfühlt. Die erste Staffel ist neben den Einzelfällen in zwei Bundles erhältlich, mit zwei bzw. drei Fällen, wobei der letzte Fall, das Staffelfinale, etwas mehr Zeit beansprucht. Es existiert ein Hilfesystem, welches ich allerdings nicht beurteilen kann, da wir es nicht nutzen mussten. Wer etwas Escape Room-Erfahrung mitbringt, wird sicherlich auf keine größeren Probleme stoßen. Manche Rätsel sind eher klassisch, andere durchaus interessant. So wirklich überraschen konnte uns leider keines der Rätsel, da es alles doch irgendwo bereits gab. Dennoch hat mich das Gesamtkonzept völlig überzeugt, von den Online Escape Room-Spielen gefiel mir dieses bisher am besten. Es ist eines der teureren Angebote, überzeugt aber durch die Möglichkeit der engen Zusammenarbeit mit den verteilten Hinweisen. Zudem wird ein Teil des Geldes an eine selbst zu wählende Organisation gespendet.

Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt, die Spieler begleiten Sherlock dabei auf hoher See.

Wertungsnote 5/6

Anbieter: Ruhr Escape – Escape@Home
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: ca. 60 Minuten
Preis: max. 19,90 € pro Fall


Mission Escape: Auf den Spuren des Antivirus

Dieser Online Escape Room ist als Point-and-Click-Adventure angelegt. Die Spieler bekommen Bilder von Orten gezeigt, bei denen sie manche Details genauer untersuchen können. Dahinter verbergen sich weitere Informationen und Rätsel, welche die Spieler lösen müssen, um an weitere Orte zu gelangen. Bei dieser Mission ist einer der Spielleiter von Mission Room Escape spurlos verschwunden, wir versuchen ihn aufzuspüren. Es beginnt in den Räumlichkeiten von Mission Room Escape und führt uns zu anderen Orten in Göttingen, der regionale Bezug ist in jedem Fall vorhanden.

Wir haben den Fall nur zu zweit von einem Standort aus gespielt. Was wir daher nicht ausprobieren konnten: Bei dieser Software wird ein von einem Standort gestartetes Video bei allen Teilnehmern abgespielt, alle betreten neue Räume gleichzeitig. Die Software hat leider noch einige Kinderkrankheiten, da sie für diesen Zweck erst vor kurzem fertig gestellt wurde, das merkt man an manchen Stellen. Wird ein Raum verlassen und man möchte später zurück kehren, muss ein Code erneut eingegeben werden, das Spiel merkt sich nicht, dass dies bereits passiert ist. Zudem gibt es eine Vollbild-Funktion, aus der man nur schwer zurück gelangt.

Die Rätsel waren eher klassisch, es gibt etwas zu decodieren, Zahlen- und Worträtsel sind auch dabei. Auch hier wurden spezielle Effekte implementiert, die einen erfahrenen Escape Room-Spieler, jedoch nicht mehr verblüffen können. Über ein Rätsel haben wir uns tatsächlich ein wenig geärgert, wir mussten auf die Hilfe zurück greifen, da wir selbst nicht auf die Lösung gekommen wären, da sie unserer Meinung nach auch nicht ganz passt. Aber das ist Auslegungssache. So kann ich zumindest die Hilfe beurteilen, über die es verschiedene Hinweise gibt, bis hin zur kompletten Lösung eines jeden Rätsels, was ein Feststecken verhindert.

Insgesamt hatten wir über eine Stunde Rätselspaß. Auch wenn das Spiel vielleicht einige kleinere Macken hat, die zum einen auf die Software zurückzuführen sind, zum anderen sicherlich auf die kurzfristige Bereitstellung noch während der Kontaktsperre. Doch man merkt die Liebe zum Detail, es wurde vieles händisch gemacht, die Mitarbeiter haben Texte selbst eingesprochen oder eigene Videosequenzen gedreht. Da steckt auf jeden Fall noch Potential drin und vielleicht wird es auch irgendwann einen weiteren Online-Escape Room aus Göttingen geben. Für den Preis von 10€ bekommen die Spieler im Anschluss noch einen Gutschein für einen späteren, realen Freizeitspaß.

Wertungsnote 4/6

Anbieter: Mission Room Escape
Spieleranzahl:
1 – 6 Spieler
Dauer:
60 – 90 Minuten
Preis:
10 €

Vielen Dank an Mission Room Escape Göttignen für die Bereitstellung eines Codes!

Wer gerne mehr zu der Entstehungsgeschichte dieses Online Escape Rooms erfahren möchte, kann dafür gerne mal bei den Bretterwissern rein hören. Dort haben wir mit Sabrina von Mission Room Escape gesprochen.

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2 Gedanken zu “Wo geht’s hier zum Ausgang? – No. 12

  1. Vielen Dank für die immer wundervollen Berichte zu den verschiedenen Escape- und Exitspielen!

    Diesmal hast Du auch über Home-Escape-Fälle von verschiedene Escape-Room-Anbietern berichtet. Ich habe in letzter Zeit auch einige davon mit einer Freundin über Telefon gespielt.

    Besonders empfehlen kann ich alle 3 Fälle von https://locked-adventures.de/
    Der Fall I & II und der „Magische Fall“ sind spannend und wirklich klasse.

    Zudem hatten wir reichlich Spaß an den „Hilferuf einer Elfe“ von https://rätselraum.de/ Hier hat man ähnlich wie bei den Detektiv-Stories bereits alle Materialien vorliegen und muss daraus dann den Fall lösen!

    Wir werden als nächstes die von Dir beschriebenen Fälle von Ruhr Escape in Angriff nehmen. :-)

    Grüße aus Hannover,
    Björn

    • Hallo Björn,

      vielen Dank für Deinen Kommentar :)

      Über Fall I von Locked Adventures berichte ich im kommenden Beitrag zu Escape Room-Spielen ;-)

      Den „Hilferuf einer Elfe“ werde ich mal im Hinterkopf behalten, vielleicht ist das auch was für uns. Danke für die Tipps!

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