Roll Player

Roll Player Cover

Cover / Foto: Pegasus Spiele

Wenn eine barbarische Drachengeborene, die durch Geschehnisse in der Vergangenheit eine verlorene Seele ist und nun als Beschützer auftritt auf einen menschlichen, erleuchteten Mönch trifft, der zu ihrem Mentor geworden war und nur als Hüter auftritt, dann sind wir nicht bei einer Folge Game of Thrones, sondern vermutlich bei einer Partie Roll Player. Da könnte auch noch ein diebischer Halbling mitspielen, der auserwählt wurde große Macht und Einfluss zu erhalten, was ihn wahnsinnig werden lässt. Und wie der Titel des Spiels verrät, wird dabei gewürfelt. Ich mag das Wortspiel dabei, welches auf englisch natürlich wesentlich besser funktioniert: Aus Roleplayer (Rollenspieler) wird die Aufforderung Roll (Würfel) Spieler. Denn genau das wird zur Aufgabe der Spieler: Mit den Würfeln den eigenen Charakter formen.

Spielmaterial:

Hauptsächlich besteht dieses Spiel aus sechs verschiedenen Charaktertableaus, 73 Würfeln in sieben Farben und über 100 Karten. Diese teilen sich auf in Rundenübersichten, Klassen, Vorgeschichten, Gesinnungen sowie Initiative- und Marktkarten. Mit den Würfeln und Karten kann der Charakter entwickelt werden. Ein Beutel wird für das zufällige Ziehen der Würfel benötigt, die enthaltenen Holzmarker zur Makierung der Gesinnung und der Siegpunkte bei Spielende. Außerdem sind Charisma- und Goldplättchen enthalten.

Die Charaktertableaus sind doppelseitig bedruckt, mit einem weiblichen und einem männlichen Charakter, sodass sich jeder Spieler wieder finden kann. Das Material wirkt auf den ersten Blick recht hochwertig, wer genauer hinsieht erkennt jedoch diverse Mängel. Die Charaktertableaus scheinen in den vielen Ausbuchtungen für die Würfel auszufransen, die Karten weisen eine markante Wölbung auf.

Spielmechanismus:

Jeder Spieler startet mir einem zufälligen Charakter, zusammen mit einer zufälligen Klasse, Vorgeschichte und Gesinnung. Die Klasse bringt eine bestimmte Eigenschaft mit, die sich der Spieler im Spiel zu Nutze machen kann. Zudem gibt die Klasse an, wie viele Punkte für das Erreichen vorgegebener Attributziele vergeben werden. Die Attributwerte ergeben sich bei Spielende aus den Augenzahlen der eingesetzten Würfel in den entsprechenden Reihen. Die Vorgeschichte zeigt neben etwas Flavourtext Vorgaben an bestimmte Würfelfarben auf definierten Feldern, die bei Einhaltung ebenfalls mit Punkten belohnt werden. Auch über die Gesinnungskarten können Punkte eingefahren werden, aber nur wenn der Gesinnungsmarker bei Spielende auf einer positiven Zahl steht. Sollte er sich dann auf einer negativen befinden, werden die angegebenen Punkte abgezogen. Zu Beginn ziehen die Spieler diverse Würfel und müssen diese direkt platzieren.

Roll Player Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Die erste wichtige Entscheidung, denn im späteren Spielverlauf löst jeder zu platzierende Würfel die zugehörige Attributaktion aus. Zum Beispiel kann ein Würfel auf die gegenüberliegende Seite gedreht, eine Augenzahl um Wert eins verändert oder der Gesinnungsmarker verschoben werden. Alle Würfel, die zu Beginn platziert werden, lösen diese Aktion nicht aus, so werden die zur Verfügung stehenden Aktionen limitiert.

Roll Player Spielertableau

Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Der Spielablauf selbst, ist dann eigentlich recht überschaubar. Der Startspieler würfelt und platziert die Würfel mit aufsteigender Augenzahl auf die Initiativekarten, von diesen gibt es immer eine mehr als Spieler. Dann wählen die Spieler reihum eine Initiativekarte aus, die in Reihenfolge der Initiative abgehandelt werden. Der Würfel wird platziert, das löst ggf. eine Aktion aus, bevor der Spieler eine Karte vom Markt kaufen oder für Gold ablegen darf. Zusätzlich können Fertigkeiten zum Einsatz kommen, je nach Art zu bestimmten Zeitpunkten während einer Phase, die dem auslösenden Spieler einen Vorteil einbringen. Diese Karten werden anschließen getappt, also quer gelegt um die Verwendung anzuzeigen. Für den Einsatz der Fertigkeiten muss in der Regel der Schicksalsmarker verschoben werden, ist dies nicht möglich, darf die Fertigkeit nicht angewandt werden. In jeder Aufräumphase zwischen zwei Runden darf genau eine Fertigkeit wieder aktiviert werden.

Roll Player Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach der Runde, in der die Spieler den letzten Platz für einen Attributwürfel besetzen, endet die Partie mit einer umfangreichen Auswertung. Wie bereits erwähnt bringen erfüllte Attributziele die angegebenen Punkte. Jeder Würfel in der eigenen Klassenfarbe wird mit einem Punkt belohnt. Hinzu kommen die Punkte, die der Gesinnungsmarker anzeigt und Punkte für Farbübereinstimmungen der Vorgeschichte. Es können noch Punkte für Rüstungen und Merkmale hinzukommen, bevor der Sieger mit der höchsten Punktzahl fest steht.

Spieleranzahl:

Je nach Spielerzahl variiert die Anzahl der Würfel einer jeden Farbe, die Auswahl an Karten und die Anzahl Initiativekarten. Dadurch skaliert es gut, das meiste passiert ja eh recht solitär auf dem eigenen Spielertableau. Interaktion gibt es bei der Würfelauswahl und den Marktkarten. Roll Player lässt sich auch solo erleben, der Spielaufbau erfolgt wie im Spiel zu zweit wobei die Auswahl der Initaitivekarte die Auswirkungen auf den Markt bestimmt.

Glücksfaktor?

Das Glück spielt hinein, schließlich ist es ein Würfelspiel. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten die Augenzahlen zu manipulieren oder mit bestimmten Merkmalen auch für niedrigere Augenzahlen belohnt zu werden. Doch selbst das Ziehen der Würfel aus dem Beutel zu Beginn einer jeden Runde ist ein Glücksspiel, da die Spieler für eine bestimmte Farbe belohnt werden. Kommen viele Würfel dieser Farbe in derselben Runde, wird man nur einen davon behalten können. Die Marktkarten bringen ebenfalls ne ordentliche Prise Glück hinein. Wenn beispielsweise auf ein Rüstungsset gesetzt wird und mehrere dieser Ausrüstungsgegenstände in einer Runde ausliegen, wird man maximal einen davon bekommen, da nur eine Karte pro Zug erworben werden darf. Außerdem gibt es drei Sets, die jeweils zwei Klassen einen Bonuspunkt einbringen. Da kann es passieren, dass ein Set heiß begehrt ist, während die anderen beiden nur einen Spieler besonders interessieren. Wenn die benötigten Karten genau dann ausliegen, wenn man selbst nicht ausreichend Geld zur Verfügung hat, ist das wohl Pech – oder schlechte Vorbereitung ;-) Bereits zu Spielbeginn kann die Kombination aus Charakter und Klassenkarte suboptimal sein, da jeder Charakter bei einem Attribut zwei Punkte zufügt und bei einem anderen zwei abzieht, die Klassenkarten dann aber die Vorgaben für bestimmte Attribute festlegen, was sich durchaus widersprechen kann.

Fazit:

Oft wird Roll Player mit Sagrada verglichen, auch ich komme nicht umher, diesen Vergleich zu ziehen. Die beiden Spiele ähneln sich durch die Anordnung der Würfel im Raster, wobei Roll Player sicherlich das anspruchsvollere, wohl auch das nerdigere Spiel darstellt. Während es bei Sagrada eigentlich nur eine sinnvolle Option gibt, die Würfel zu platzieren und die Spielendekarten viel Glück hinein bringen, können bei Roll Player trotz diverser zufälliger Elemente unterschiedliche Strategien zum Sieg führen. Durch das Platzieren der Würfel werden zugleich Aktionen ausgeführt, die dabei helfen die platzierten Würfel zu manipulieren. Mit den Marktkarten können zusätzliche Punkte generiert werden, vor allem auch über Elemente, für die es im Normalfall keine oder weniger Punkte gäbe. Die meiste Zeit fühlt sich Roll Player recht abstrakt an. Die Vorgaben der Vorgeschichte stehen zum Beispiel in keinem Zusammenhang zu den Anforderungen an die Plätze für die Würfel. Die Platzierung ist genau genommen wenig restriktiv, die Würfel dürfen im Prinzip beliebig platziert werden, es gehen jedoch einige Punkte verloren, wenn man gar keine Vorgaben erfüllt.

Roll Player bedient dabei thematisch eine eher kleinere Nische, nämlich die der Rollenspieler, die es gewohnt sind die Eigenschaften ihres Charakters auszuwürfeln. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob diese sich alle vom Spiel abgeholt fühlen, denn Roll Player endet in dem Moment, wenn das Spiel für einen Rollenspieler eigentlich erst beginnt: Nämlich dann, wenn der Charakter fertig ist. Ich bin kein Rollenspieler, stehe lediglich auf die Rollenspiel-Parodie Munchkin und fühle mich wahrscheinlich genau aus diesem Grund bei Roll Player sehr wohl. Weil ich eben meinen Charakter formen kann und es immer wieder zu aberwitzigen Kombinationen kommt.

Und diese Kombinationen machen auch einen großen Teil des Wiederspielreizes aus, denn man wird wohl nie oder nur äußerst selten einen Charakter zusammenstellen, der in genau dieser Kombination schon einmal existierte. Das wird durch die Vielzahl an Klassen, Gesinnungen, Vorgeschichten, Waffen, Rüstungen, Fertigkeiten und Merkmalen erreicht. Und diese Varianz lässt mich hin und wieder gerne zu Roll Player greifen.

P.S.: Mit der für Juli 2019 von Pegasus angekündigten Erweiterung wird es dann auch einen Endkampf geben, in den man seinen Charakter schickt und zu dem während der Partie Informationen gesammelt werden können, um sich darauf vorzubereiten.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Pegasus Spiele
Autor(en): Keith Matejka
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 60 – 90 Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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