Die Burgen von Burgund – Das Kartenspiel

BuBuKa Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Die Burgen von Burgund, das erfolgreiche Spiel von Stefan Feld, begeistert Spieler auf der ganzen Welt und konnte sich daher auf Boardgamegeek.com in den Top 10 der Brettspiele fest setzen. In der neuen alea-Serie, erstmalig im handlichen Schachtelformat, gibt es seit kurzer Zeit „Das Kartenspiel zum Strategie-Klassiker“, wie die Schachtel verspricht. Mit exakt der gleichen Grafik sehen sich die beiden Spiele sehr ähnlich. Der Anspruch ist laut Ravensburger von 6 auf 4 von 10 Punkten gesunken, dazu wird eine kürzere Spielzeit versprochen und es wird bereits ab 10 Jahren empfohlen. Es scheint also durchaus ein paar Anpassungen zu geben. Da stellt sich doch die Frage: Kann diese Variante in die Fußstapfen des großen Bruders treten?

Spielmaterial:

In der kleinen Schachtel, dem neuen Format der alea-Reihe, befindet sich nichts weiter als 240 kleine Karten, wirklich kleine Karten. 114 zeigen Würfelaugen und die zu bauenden Projekte wie beispielsweise Wiesen, Schiffe oder Gebäude. Die restlichen Karten dienen zur Unterstützung und zeigen z.B. Arbeiter, Silber, Waren, Tiere, Siegpunkte, etc.

Die Anleitung ist gewohnt gut strukturiert, die kleinen Abbildungen aber einfach zu winzig, als das man darauf wirklich etwas erkennen könnte – schade.

Spielmechanismus:

Unter den sechs Karten mit den Würfelaugen entsteht die Auslage. Es werden dort sieben Karten ausgelegt und für den dritten bzw. vierten Mitspieler jeweils 3 mehr. Jeder Spieler erhält eine Projektkarte unter der er seine Projekte einsetzt, eine Fürstentum-Karte um sein Fürstentum zu erbauen und ein Lager für alles andere (Tiere, Waren, Silber, Arbeiter). Die Waren- und Tierkarten werden in zwei Stapeln offen ausgelegt.

Der Spielmechanismus lehnt sich an den des großen Bruders an. Doch statt Würfel bekommen wir jede Runde sechs Karten, von denen wir pro Zug zwei auf die Hand nehmen dürfen. Beim Ausspielen einer dieser Karten zählt nur die Würfelaugenzahl, der Rest ist uninteressant. Mit dieser Augenzahl können wir aus einer Vielzahl von Aktionen genau eine passende wählen:

    • Eine Karte aus der Auslage wählen

Die Augenzahl der Aktionskarte gibt vor, von welchem Platz die Karte gewählt werden darf. Sie wird dann bei den eigenen Projekten abgelegt. Dort dürfen höchstens drei Projekte liegen.

    • Ein Projekt im eigenen Fürstentum platzieren

Die Projekte müssen noch im eigenen Fürstentum platziert werden, um ihren Nutzen zu entfalten. Direkt im Anschluss an den Bau erhält man den Kartenbonus und es wird geprüft, ob man drei Karten einer Sorte ausliegen hat. Ist dies der Fall erhält man einen zusätzlichen Bonus, den man auf der aktuellen Rundenkarte ablesen kann. Handelt es sich um den ersten Drilling dieser Kartenart im Spiel, nimmt sich der Spieler noch die zugehörige Bonuskarte. Sobald ein Spieler mindestens eine Karte jeder Art (Farbe) in seinem Fürstentum platziert hat, bekommt er zusätzlich noch die oberste Bonuskarte „Alle 7 Arten“ (der erste Spieler erhält die meisten Punkte, alle anderen immer weniger als der letzte Spieler).

    • Warenverkauf

Es gibt drei Waren, denen jeweils zwei Würfelaugen zugewiesen sind. Man darf nur Waren verkaufen, die den gleichen Wert haben, wie die ausgespielte Karte. Es werden immer alle Waren von genau einer Sorte verkauft. Jede verkaufte Ware bringt einen Siegpunkt und ein zusätzliches Silber. Außerdem bekommt man die Startspielerkarte für die kommende Runde und legt sie mi der Rückseite vor sich ab.

    • Arbeiter auf 2 aufstocken

Man darf eine beliebige Karte ablegen um seine Arbeiter auf zwei aufzustocken. Es wird also nicht zwei Karten nachgezogen, sondern eine oder zwei, abhängig davon ob noch eine Karte im eigenen Lager ausliegt.

    • Silber nehmen

Für eine beliebige Karte erhält man ein Silber aus dem Vorrat.

    • Arbeiter/Silber in Siegpunkte umwandeln

Unabhängig von der Würfelzahl können 3 Arbeiter- und/oder Silberkarten in jeweils einen Siegpunkt getauscht werden.

Die Projekte bieten verschiedene Boni:

  • Mine (grau): Zwei Silber nehmen
  • Wissen (gelb): Zwei Arbeiter nehmen (so kann man auf mehr als 2 Arbeiter kommen)
  • Schiff (blau): Eine offen liegende Warenkarte wählen
  • Weiden (hellgrün): Eine offen liegende Tierkarte nehmen
  • Gebäude (beige): Bieten alle unterschiedliche Boni (Silber, zusätzliche Projekte, Warenverkauf, etc.)
  • Burgen (dunkelgrün): Der Spieler darf sofort eine weitere Aktion ausführen, mit einer beliebigen Würfelaugenzahl
  • Klöster (lila): Joker, um Drillinge zu erreichen

Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit einmal pro Zug, vor oder nach der eigentlichen Aktion, drei Silber abzugeben, um drei Karten zu ziehen. Von diesen darf sich der Spieler genau eine aussuchen, die er entweder als Projekt platziert oder die Würfelaugenzahl für eine beliebige Aktion nutzt. Die anderen beiden Karten werden ungenutzt abgelegt.

BuBuKa Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Hat jeder Spieler eine Aktion ausgeführt, ziehen alle eine Karte von ihrem Stapel (wenn vorhanden) und es geht weiter. Eine Runde endet, nachdem alle Spieler ihre sechs Karten ausgespielt haben. Dann wird die allgemeine Auslage abgeräumt und neue Karten aufgedeckt. Die nächste Rundenkarte kommt ins Spiel und zeigt den Bonus der aktuellen Runde für vollendete Drillinge an. Die Spieler erhalten wieder sechs neue Karten und können damit ihre Aktionen nacheinander ausführen. Nun wechselt der Startspieler. Liegt die Startspielerkarte mit der Rückseite offen, wird dieser Spieler Startspieler. Ansonsten wechselt der Startspieler im Uhrzeigersinn.

Spielende:

Nach der fünften Runde endet das Spiel, wenn jeder Spieler seine letzte Karte komplett ausgespielt hat. Zu den Siegpunkten, die möglicherweise während des Spiels vergeben wurden, kommen noch Punkte für jeden Drilling hinzu. Und zwar so viele, wie diese Kartensorte angibt. Joker zählen dabei wie die simulierte Karte, es sein denn man hat einen reinen Drilling aus Jokern. Für Einzelkarten oder Kartenpaare werden keine Punkte vergeben. Sehr wohl aber für die Tiere. Für je 4/3/2 verschiedene Tierarten gibt es 4/2/1 Siegpunkt(e). Man kann mehrere Tiersets werten. Silber, Arbeiter und Waren aus dem Lager bringen keine Punkte und werden nur im Fall eines Gleichstandes betrachtet.

Spieleranzahl:

Die Kartenspiel-Variante funktioniert mit jeder Spieleranzahl, man braucht nur für jeden Spieler Platz und die Auslage wird größer bei mehr Spielern. Ansonsten werden nur festgelegte Bonuskarten für alle 7 Arten aussortiert. Sogar alleine lässt sich das BuBu-Spielgefühl erleben. Dabei spielt man gegen „einen Gegner ohne Nase“, kurz Egon, der virtuelle Konkurrent. Er bekommt jede Runde Karten, die er direkt in seinem Fürstentum platzieren darf. Jede Runde eine Karte mehr (3/4/5/6/7). Er erhält dafür ggf. Bonuskarten, führt aber sonst keinerlei Aktionen aus. Klingt einfacher, als es wirklich ist. Auch wenn man keine Konkurrenz in der Auslage hat, legt Egon oft ganz schön Tempo bei den Bonuskarten vor und scheut sich auch nicht Drillinge aus wertvollen Jokern zu errichten.

Glücksfaktor?

Die Würfel aus dem Original wurden durch Karten mit Würfelaugen ausgetauscht. Aber wieder stehen Arbeiter zur Verfügung, mit denen man unpassende Ergebnisse modifizieren kann. Der Glücksfaktor ist eher gering. Es lohnt sich die Auslage, die offenen Waren- und Tierkarten und die Auslagen der Mitspieler im Auge zu behalten und in eigene Entscheidungen einzubeziehen. Man sollte auch in der Lage sein, seine Strategie kurzfristig umzustellen, wenn die Handkarten so gar nicht zu den geplanten Aktionen passen.

Fazit:

Hmm, jetzt wird es schwer. Das Kartenspiel spielt sich sehr ähnlich wie der Vorgänger, vielleicht etwas weniger komplex und dadurch etwas schneller. Schließlich hat jeder Spieler pro Runde nur sechs Spielzüge statt zehn. Da die Karten mit den zur Verfügung stehenden Würfelaugen nicht offen liegen, hat man weniger Einblick in die möglichen Spielzüge der Mitstreiter und kann nur erahnen, was die anderen Spieler begehren. An einigen Stellen ist das Spiel einfacher gehalten. So bringen die gelben Projekte zum Beispiel einfach immer zwei Arbeiter ein, anstelle von unterschiedlichen Boni, wie im Original.

Platz spart man zwar bei der Schachtel, zum Spielen benötigt man aber mindestens genauso viel Platz wie beim großen Bruder. Daher ist es eigentlich gut, dass die Karten so klein sind, denn sonst wäre noch mehr Platz von Nöten. Für Menschen mit großen Händen jedoch ein kleines Hindernis.

Braucht man „BuBuKa“, wie es in der Szene liebevoll genannt wird,  unbedingt? Die Antwort lautet ganz klar: Jein! Wer das Original zu Hause hat, wird vermutlich lieber wieder zu diesem greifen, weil es sich einen Tick besser spielen lässt. Aber eben auch mehr Zeit benötigt, weswegen das Kartenspiel durchaus eine Variante für Spieleabende mit weniger Zeit darstellen kann. Wer das Original nicht besitzt, kann hier ein sehr ähnliches und durchaus lohnenswertes Spielgefühl zum kleinen Preis bekommen. Man braucht sich auch nicht davor zu scheuen, weil man das Original nicht kennt. In unseren Gruppen ging der Einstieg auch ohne Vorkenntnis sehr gut.

Wertungsnote 5/6

Verlag: alea / Ravensburger
Autor(en): Stefan Feld
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 30 – 60 Minuten

Vielen Dank an Ravensburger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

 

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2 Gedanken zu “Die Burgen von Burgund – Das Kartenspiel

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