Honshu

Honshu Cover

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Es gibt so Spiele, von denen geht aufgrund ihrer Optik einfach eine gewisse Faszination aus. Honshu ist für mich ein solches Spiel. Alleine durch viele Bilder, die ich auf Instagram oder Twitter davon gesehen habe, wurde in mir der Reiz erweckt es zu spielen. Ohne weitere Kenntnis über Spielmaterial und -ablauf. Diese vielen kleinen Landschaften in den schönen, gedeckten Farben sprachen mich einfach an. Daher nahm ich die Gelegenheit beim Schopf und besorgte mir dieses kleine Kartenspiel. Es trägt die Nummer 2 auf der Schachtelseite – der Sammler in mir verlangt jetzt natürlich die Nummer eins daneben zu stellen. Aber das ist vorerst nicht geplant, Platzprobleme haben wir so schon genug. Doch Honshu wird in unserer Sammlung bleiben, so viel kann ich vorab verraten.

Spielmaterial:

Die 40 Ressourcen (je 10 in den Farben blau, braun, gelb  und grau) werden durch kleine Holzwürfel dargestellt. Es gibt sechs Start-Landschaften mit A- und B-Seite. Neben Übersichtskarten, Spielereihenfolge- und Wertungskarten gibt es 60 Landschaftskarten, durchnummeriert von 1 bis 60. Jede Landschaftskarte zeigt sechs quadratische Landschaften. Es gibt Wälder, Städte, Produktionsflächen, Fabriken, Seen und Brachland. Die Anleitung kommt gleich in sechsfacher Ausführung in den Sprachen deutsch, englisch, französisch, spanisch, schwedisch und finnisch.

Spielmechanismus:

Jeder Spieler beginnt mit einer zufälligen Reihenfolge-Karte sowie einer zufälligen Start-Landschaft und sechs Landschaftskarten auf der Hand. Werden die A-Seiten der Startkarten verwendet, sind die Startbedingungen ähnlich, bei den Rückseiten sind diese asymmetrisch. In Reihenfolge legt jeder Spieler eine Karte offen in die Mitte. Der Wert auf den Karten bestimmt die Reihenfolge bei der anschließenden Auswahl einer Karte. Mit einer Ressource kann der Wert der Karte um 60 erhöht werden. Weitere Spieler können eine Ressource derselben Farbe wählen, um ihre Karte dadurch ebenfalls zu erhöhen. Die dafür verwendeten Ressourcen kommen anschließend aus dem Spiel.

Honshu Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Nun werden die Reihenfolge-Karten neu verteilt und der Spieler mit der 1 beginnt sich eine Karte auszusuchen und diese in seiner Landschaft unterzubringen, dann folgen die anderen Spieler in Reihenfolge. Eine Karte muss mit mindestens einem Landschaftsquadrat ein anderes, bereits ausliegendes überdecken oder unter ein solches geschoben werden. Sind Ressourcen abgebildet, wird der entsprechende Holzklotz auf das Feld gelegt. Nachdem jeder Spieler in drei Runden jeweils eine Karte auf diese Weise gewählt hat, gibt er die restlichen Karten an den linken Mitspieler und es wird weiter wie zuvor verfahren: Karte auslegen, Reihenfolge festlegen, Karte auswählen und verbauen. Es folgt eine zweite Runde, wieder mit sechs Handkarten, nun werden die Karten nach drei Runden nach rechts weitergegeben. So entsteht bei jedem Spieler nach und nach seine eigene kleine Landschaft.

Spielende:

Das Spiel endet nach den beiden Durchläufen, dann hat jeder eine Landschaft aus 12 Karten kreiert. Für jedes Quadrat, welches eine Stadt zeigt, erhält der Spieler einen Punkt. Für jedes Quadrat mit Wald sogar zwei. Quadrate mit Seen liegen idealerweise aneinander, denn es werden erst ab dem zweiten Seeteil drei Punkte je Quadrat vergeben. Zu jeder Fabrik kann, wenn vorhanden, eine gleichfarbige Ressource geliefert werden, die Fabrik gibt an ob dies mit zwei, drei oder vier Punkten belohnt wird. Für das Brachland werden keine Punkte vergeben, es kann aber für die Auflösung eines Gleichstandes hinzugezogen werden.

Die Wertungskarten können als Variante hinzu genommen werden und beziehen sich auf eben diese Endwertung. Eine wird zufällig bei Spielbeginn gezogen und gibt die alternative Endwertungsregel an. So dürfen beispielsweise zu jeder Fabrik zwei Ressourcen geliefert werden, oder es werden mehr oder weniger Siegpunkte für eine Kategorie vergeben. Auf diese Anpassungen gilt es sich im Spielverlauf einzustellen.

Honshu Wertungskarten

Wertungskarten / Foto: Brettspielpoesie

Spieleranzahl:

Drafting- und Stichspiele eignen sich normalerweise eher nicht so gut zu zweit. Doch bei Honshu gibt es interessante Anpassungen, welche das Spiel auch zu zweit lohnenswert machen. Die Spieler legen ihre Karte zum gleichen Zeitpunkt offen aus, diese Karten bilden ein Set. Zusätzlich wird ein Set aus zwei Karten vom Nachziehstapel aufgedeckt. Wer den höheren Wert ausgespielt hat, darf nun eines der beiden Sets wählen und daraus eine Karte in seiner Landschaft verbauen. Möchte der Gegenspieler unbedingt zuerst wählen, kann er dem Mitspieler dieses Recht durch Abgabe zweier Ressourcen streitig machen. Gedraftet wird auch zu zweit, was man selbst nicht ausspielt, erhält der Gegner. Auch diese Variante weiß zu gefallen, daher kann ich es mit jeder Spielerzahl empfehlen.

Glücksfaktor?

Karten ziehen bleibt zufällig. Aber selbst wenn ein Spieler zu Beginn sechs Karten mit hohen Werten auf der Hand hält, muss das nicht unbedingt von Vorteil sein. Er kann eh nur drei davon spielen und muss den Rest weiter geben. Die hohen Karten sind auch nicht immer die besten in Bezug auf die Landschaften darauf. Ressourcen finden sich in der Regel eher bei den Karten mit kleinerem Wert. Außerdem muss der Spieler mit der 1 auch die erste Karte für die neue Runde spielen, während die anderen ihre Karten anhand der bereits Ausgespielten wählen können. Da kann es manches Mal interessant sein, eben nicht der erste in der Reihe zu sein. Grundsätzlich ist also ein wenig Glück bei den Karten von Vorteil, um seine Strategie durch zuziehen, aber es wurde in unseren Partien keineswegs negativ aufgenommen.

Fazit:

Der Ablauf ist zunächst nicht sonderlich eingängig, die ersten Runden sind gewöhnungsbedürftig. Dabei sind die Spielzüge an sich recht einfach gehalten. Die Entscheidung für eine Karte ist wiederum nicht einfach zu treffen. Eigentlich mag ich Stichspiele auch nicht sonderlich, doch bei Honshu wurde dieser Mechanismus wunderbar mit dem Ausbau der eigenen Landschaft kombiniert. Es geht nämlich nicht einfach nur darum, den Stich zu bekommen, sondern es geht um die Auswahlposition. Und ausgewählt wird aus allen ausliegenden Landschaften. Vielleicht interessiert mich meine eigene gespielte Landschaft gar nicht sonderlich, aber wenn ich den Stich gewinne, habe ich die größte Auswahl. Und dann muss ich mir noch überlegen, wie ich die Landschaft sinnvoll anlege, denn ein Feld muss ich überdecken. Man sollte während einer Partie auch lieber keine Schere in greifbarer Nähe haben, denn nicht selten kam in unseren Partien der Wunsch auf, eine Karte zu zerschneiden. 😀 Oft hat man eine Karte mit den benötigten Landschaften, kann diese aber einfach nicht sinnvoll anlegen, weil sie schlecht positioniert sind. Manches Mal bleibt es unmöglich die Karte so anzulegen, dass das wertlose Brachland überdeckt wird, sondern man sich von punkte bringenden Feldern verabschieden muss. Doch genau dieser Zwang ein Feld überdecken zu müssen, macht einen großen Reiz aus. Manchmal kann es dadurch allerdings auch zu langwierigeren Grübeleien kommen. Kleiner Wermutstropfen: Die Spielkarten unter- und übereinander zu legen und die Karten dazwischen zu schieben muss sehr sorgfältig geschehen, sonst wird gleich mal das gesamte Gebiet verschoben. Insgesamt hat uns Honshu überzeugt. Egal in welcher Konstellation, es funktioniert gut und macht einfach Spaß. Und dabei macht es eine wirklich gute Figur, die entstehenden Landschaften sehen schön aus und man kann sich daran erfreuen, was man durch seine Kartenauswahl geschaffen hat.

Wertungsnote 5/6

Verlag: lautapelit.fi
Autor(en): Kalle Malmioja
Erscheinungsjahr: 2016
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 30 – 40 Minuten

Vielen Dank an lautapelit.fi für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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